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Katharina erröthete und antwortete zögernd: »Wenn ich irgend Einfluß auf Conachar hatte, so ist der Himmel mein Zeuge, daß ich ihn blos nützte, um sein trotziges Gemüth mit den Regeln bürgerlichen Lebens zu befreunden. Es ist wahr, ich habe lange erwartet, daß Ihr, mein Vater, zur Flucht genöthigt sein würdet, und daher hatt' ich mit ihm verabredet, daß er mich an dieser Stelle treffen sollte, sobald er einen Boten mit einem Zeichen von mir erhielte, den ich gestern abgefertigt habe. Der Bote war ein behender Jüngling seines Clans, den er bisweilen brauchte, um Aufträge nach den Hochlanden zu senden.«

»Und soll ich demnach glauben, meine Tochter, daß dieser Jüngling, der so schön von Gestalt, dir nur insofern werth war, als du wünschtest, sein Gemüth zu erleuchten und seine Sitten zu bilden?«

»So ist es, mein Vater, und nicht anders,« antwortete Katharina; »und vielleicht war es nicht gut, so vertraulich mit ihm zu sein, selbst zu seinem Unterricht und zu seiner Besserung. Aber weiter erstreckte sich unser Umgang nie.«

»Dann hab' ich mich geirrt, meine Tochter, denn ich glaubte neuerdings an dir einen Wechsel deines Vorsatzes und einige verlangende Blicke auf diese Welt bemerkt zu haben, die du einst zu verlassen entschlossen warst.«

Katharina senkte das Haupt und erröthete tiefer denn je, während sie sagte: »Ihr selbst, Vater, pflegtet mir die Annahme des Schleiers zu widerrathen.«

»Auch billige ich sie jetzt noch nicht, mein Kind,« sagte der Priester. »Die Ehe ist ein ehrbarer Stand, bestimmt vom Himmel als geziemendes Mittel zur Fortpflanzung des Menschengeschlechts; und ich las nie in der heiligen Schrift, was Menschensatzungen seitdem geltend machten in Betreff der höhern Würde des ehelosen Standes. Aber ich bin eifersüchtig auf dich, mein Kind, wie ein Vater auf seine einzige Tochter, damit du dich nicht einem deiner Unwürdigen hingibst. Ich weiß, daß dein Vater, minder schwierig, als ich es deinetwegen sein würde, die Bewerbungen des tapfern und muthigen Tollkopfs, den sie Harry vom Wynd nennen, billigt. Er ist reich, das mag sein, aber er liebt eitle und wüste Gesellschaft – ist ein gemeiner Klopffechter, der Menschenblut wie Wasser vergossen hat. Kann ein solcher ein passender Gefährte für Katharina Glover sein? – und doch sagt das Gerücht, daß sie bald verbunden werden würden.«

Das Gesicht des schönen Mädchens von Perth ward bald blaß, bald roth, während sie hastig erwiderte: »Ich denke nicht an ihn; zwar ist es wahr, daß jüngst einige Artigkeiten unter uns stattgefunden haben, theils, weil er meines Vaters Freund und dann, weil er, der Sitte der Zeit gemäß, mein Valentin ist.«

»Dein Valentin, mein Kind?« sagte Vater Clemens. »Und kann deine Sittlichkeit und Klugheit so sehr mit dem Zartgefühl deines Geschlechts Scherz treiben, daß du dich in eine solche Beziehung mit einem solchen Manne, wie dieser Handwerker, stelltest? – Meinst du, daß dieser Valentin, ein frommer Heiliger und christlicher Bischof, der er gewesen sein soll, je eine thörichte und unziemliche Sitte erfand, die ihren Ursprung wahrscheinlich in der heidnischen Verehrung der Flora und Venus hat, als die Sterblichen ihren Leidenschaften göttliche Namen gaben und sie zu üben statt zu bezwingen strebten?«

»Vater,« sagte Katharina in einem unzufriedenern Tone, als sie je gegen den Karthäuser angenommen, »ich weiß nicht, warum Ihr mich so hart wegen Beobachtung eines allgemeinen Brauchs tadelt, den die Sitte gestattet und meines Vaters Erlaubniß billigt? Es scheint mir nicht freundlich, daß Ihr mich so herabsetzt.«

»Vergib mir, Tochter,« antwortete der Priester sanft, »wenn ich dich beleidigte. Aber dieser Harry Gow oder Schmied ist ein wilder, zügelloser Mann, dem Ihr keinen außergewöhnlichen Grad von Vertrauen und Aufmunterung gewähren könnt, ohne Euch noch schlimmerer Verurtheilung auszusetzen, – es müßte denn allerdings Eure Absicht sein, ihn zu heirathen, und zwar recht bald.«

»Sprecht nicht mehr davon, mein Vater,« sagte Katharina. »Ihr martert mich mehr, als Ihr es wünschen könnt; und ich könnte gereizt werden, anders zu antworten, als mir ziemt. Vielleicht hab' ich bereits Grund genug gehabt, zu bereuen, daß ich eine eitle Sitte beobachtete. Jedenfalls glaubt, daß mir Harry Schmied nichts gilt; und daß selbst der unbedeutende Umgang, der vom Valentinstag herrührte, völlig abgebrochen ist.«

»Es freut mich, das zu hören, meine Tochter,« erwiderte der Karthäuser; »ich muß nun über etwas Anderes mit dir sprechen, was mich noch besorgter deinetwegen macht. Du kannst nicht unbekannt damit sein, obwohl ich wünschte, es wäre unnöthig, von einer so gefährlichen Sache zu reden, selbst unter diesen Felsen, Klippen und Steinen. Aber es muß gesagt sein. – Katharina, du hast einen Liebhaber unter Schottlands vornehmsten Söhnen?«

»Ich weiß es, Vater,« antwortete Katharina ruhig. »Ich wollte, es wäre nicht so.«

»Das wollt' auch ich,« sagte der Priester, »wenn ich in meiner Tochter nur das Kind der Thorheit sähe, wie die meisten Mädchen ihres Alters sind, zumal wenn sie das schlimme Geschenk der Schönheit besitzen. Da aber deine Reize, um mich des Ausdrucks einer eiteln Welt zu bedienen, einen Liebhaber so hohen Ranges an dich fesselten, so weiß ich, daß deine Tugend und Klugheit den Einfluß über des Prinzen Gemüth, den deine Schönheit gewann, behaupten werden.«

»Vater,« erwiderte Katharina, »der Prinz ist ein zügelloser Liebhaber, dessen Liebe nur meine Schmach und mein Verderben beabsichtigt. Könnt Ihr, der Ihr so erschrocken schient über die Unvorsichtigkeit, womit ich die Bewerbungen eines Mannes annahm, dessen Rang dem meinigen gleich ist, jetzt mit Billigung von der anstößigen Leidenschaft sprechen, die der Thronerbe Schottlands für mich zu erklären wagt, da Ihr doch wißt, daß er vor zwei Nächten in Begleitung der Genossen seiner Ausschweifung mich aus dem Hause meines Vaters entführt hätte, wäre ich nicht durch den kühnen Harry Schmied gerettet worden, der, wenn auch allzu gereizt, der Gefahr bei der leichtesten Gelegenheit zu trotzen, doch auch immer bereit ist, sein Leben zum Schutze der Unschuld oder zum Widerstand gegen Unterdrückung zu wagen! Es ist meine Pflicht, ihm diese Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.«

»Ich muß wohl Etwas von der Sache wissen,« sagte der Mönch, »da meine Stimme es war, die ihn Euch zu Hilfe sandte. Ich hatte die Gesellschaft gesehen, als ich an Eurer Thür vorüber ging, und eilte, die bürgerliche Macht zum Beistand zu rufen, als ich eine Gestalt langsam mir entgegenkommen sah. Aus Furcht, es möchte dies ein Hinterhalt sein, verbarg ich mich hinter einem der Kirchenpfeiler von St. Johann und erkannte, als ich aufmerksamer hinsah, Harry Schmied. Es war mir leicht zu errathen, wohin er ging, und ich sagte ihm, was ich gesehen hatte, auf eine Art, die seine Eile verdoppelte.«

»Ich bin Euch verpflichtet, Vater,« sagte Katharina; »aber Alles dies und des Herzogs von Rothsay eigene Sprache gegen mich zeigt nur, daß der Prinz ein liederlicher junger Mann ist, der das Aeußerste nicht scheuen wird, was eine müßige Leidenschaft zu befriedigen verspricht, sei es auch auf Kosten des unglücklichen Gegenstandes. Sein Abgesandter Ramorny hatte sogar die Unverschämtheit, mir zu sagen, mein Vater würde zuerst dabei leiden, wenn ich lieber die Gattin eines ehrlichen Mannes, als die unwürdige Buhlerin eines vermählten Fürsten würde. Ich sehe kein anderes Mittel, als den Schleier zu nehmen, oder meinen und meines Vaters Untergang zu wagen. Selbst wenn keine andern Gründe vorhanden wären, würde der Schrecken, den mir die Drohungen eines unglücklicherweise zum Halten seines Wortes so fähigen Menschen einflößen, hinreichend sein, um zu hindern, daß ich die Gattin eines ehrlichen Mannes werde; denn damit würd' ich nur seinem Mörder die Thür öffnen. O, guter Vater, welch' ein Loos! und welches Unglück werd' ich wahrscheinlich meinem liebreichen Vater bereiten, wie Jedem, mit dem ich mein unglückliches Schicksal theilen könnte!«