Ein wenig betroffen, aber nicht erschreckt, denn sie konnte nicht denken, daß etwas Schlimmes beabsichtigt werde, setzte sie sich auf eines der zerstreuten Felsstücke, und bat den neben ihr stehenden Mönch, guten Muthes zu sein.
»Wenn ich fürchte,« sagte der Vater Clemens, »ist es nicht für mich selbst; denn ob ich von den Aexten dieser wilden Menschen erschlagen werde, wie ein Stier, der, zur Arbeit nicht mehr tüchtig, zum Schlachten verurtheilt wird, oder ob sie mich mit ihren Bogensehnen binden und denen überliefern, die mir das Leben mit umständlicherer Grausamkeit nehmen, kann mich wenig kümmern, wenn sie nur dich, theuerstes Kind, unverletzt entkommen lassen.«
»Wir haben,« erwiderte das Mädchen von Perth, »durchaus nichts Uebels für uns zu fürchten, und hier kommt Conachar, uns dessen zu versichern.«
Doch während sie dies sagte, traute sie fast ihren Augen nicht, so verändert war Benehmen und Aufzug des hübschen, stattlichen und fast prächtig gekleideten Jünglings, der, gleich einem Rehbock, von einer beträchtlichen Felshöhe niederspringend, so eben vor Katharinen erschien. Seine Kleidung war von demselben Stoffe, wie die der andern Hochländer, von denen wir soeben sprachen, aber am Hals und den Ellbogen durch ein Halsband und Armringe von Gold befestigt. Sein Harnisch war glänzend wie Silber polirt, die Arme mit Schmuck beladen, die Mütze, außer der Adlerfeder, die den Häuptling bezeichnete, mit einer goldenen Kette geschmückt, die mehrmals um sie herumlief und an einer mit Perlen besetzten Agraffe befestigt war. Die Schnalle, die den Tartanmantel oder Plaid, wie man es jetzt nennt, über der Schulter festhielt, war aus Gold künstlich gearbeitet. Er hatte keine andern Waffen, als einen kleinen, tannenen Stab mit zurückgebogener Spitze in der Hand. Sein Gang und Benehmen, sonst Mißmuth und Kummer ausdrückend, den ihm seine Erniedrigung machte, zeigte jetzt seine Kühnheit, seine Anmaßung und seinen Stolz. Er blieb mit einem selbstgenügsamen Lächeln vor Katharinen stehen, als wär' er sich seines verbesserten Aeußern wohlbewußt, und wartete, bis sie ihn erkennen würde.
»Conachar,« sagte Katharina, die diesen Zustand zu unterbrechen wünschte, »sind das deines Vaters Leute?«
»Nein,« schöne Katharina,« erwiderte der junge Mann; »Conachar ist nicht mehr, außer in Hinsicht des Unrechts, das er erfuhr, und der Rache, die es erheischt. Ich bin Jan Eachin Mac Jan, Sohn des Häuptlings des Clans Quhele. Ich habe meine Federn, wie Ihr seht, mit meinem Namen getauscht. Und diese Leute sind nicht meines Vaters Gefolge, sondern das meine. Ihr seht sie nur zur Hälfte versammelt; es ist eine Schaar, die aus meinem Pflegevater und acht Söhnen besteht; meine Leibwache und die Kinder meines Gürtels, die nur athmen, um meinen Willen zu vollziehen. Aber Conachar,« fügte er mit milderer Stimme hinzu, »lebt wieder, sobald Katharina ihn zu sehen wünscht; er ist in den Augen aller Andern der junge Häuptling des Clans Quhele, aber bei ihr so demüthig und unterwürfig, als da er Simon Glovers Lehrling war. Seht, dies ist der Stab, den ich von Euch an dem Tage erhielt, als wir zusammen an den sonnigen Abhängen von Lednoch Haselnüsse suchen gingen, als der Herbst jung war in dem verflossenen Jahre. Ich würde ihn, Katharina, nicht für den Befehlshaberstab meines Stammes hingeben.«
Während Eachin so sprach, überlegte Katharina im Stillen, ob sie nicht unvorsichtig gehandelt habe, den Beistand eines kühnen jungen Mannes zu suchen, der ohne Zweifel stolz war, durch seine plötzliche Erhebung aus einem knechtischen Zustande zu einem solchen, der, wie sie überzeugt war, ihm einen ausgedehnten Einfluß über die gesetzlose Menge seiner Anhänger gab.
»Ihr fürchtet Euch doch nicht vor mir, schöne Katharina?« sagte der junge Häuptling, ihre Hand ergreifend. »Ich ließ meine Leute hier einige Minuten vor mir erscheinen, um zu sehen, wie Ihr deren Anwesenheit ertragen könntet; und mich dünkt, Ihr betrachtet sie, als wäret Ihr zu eines Häuptlings Gemahlin geboren.«
»Ich habe keinen Grund, Beleidigungen von Hochländern zu fürchten,« sagte Katharina fest; »besonders weil ich dachte, Conachar sei bei ihnen. Conachar hat aus unserm Becher getrunken und von unserm Brod gegessen; und mein Vater hat oft mit den Hochländern gehandelt, und nie fand Beleidigung und Zwist zwischen ihm und ihnen statt.«
»Nicht?« erwiderte Hektor, denn so lautet Eachin in unserer Sprache, »wie! niemals, als er die Partei des Gow Chrom (krummbeinigen Schmieds) nahm gegen Eachin Mac Jan? – Sagt nichts, dies zu entschuldigen, und glaubt, es wird Eure eigene Schuld sein, wenn ich je wieder darauf anspiele. Aber Ihr wollt mir einen Befehl geben – sprecht, und es soll Euch gehorcht werden.«
Katharina beeilte sich zu antworten; denn es war Etwas in des jungen Mannes Benehmen und Sprache, was sie eine Abkürzung der Unterredung wünschen ließ.
»Eachin,« sagte sie, »da Conachar nicht mehr Euer Name ist, Ihr solltet merken, daß ich, als ich einen Dienst erbat, mich an meines Gleichen zu wenden glaubte, und nicht ahnte, daß ich eine Person von höherer Gewalt und Bedeutung ansprach. Ihr, so gut wie ich, seid diesem guten Manne für religiösen Unterricht verpflichtet. Er ist jetzt in großer Gefahr; schlechte Menschen haben ihm falsche Beschuldigungen aufgebürdet, und er wünscht in Sicherheit und Verborgenheit zu bleiben, bis der Sturm vorüber sein wird.«
»Ha! der gute Vater Clemens? Ja, der würdige Geistliche that viel für mich, und mehr, als mein rauhes Gemüth zu nützen verstand. Es soll mich freuen, Jemand aus der guten Stadt Perth zu sehen, der einen Mann verfolgt, welcher Mac Jan's Mantel berührt hat!«
»Es dürfte nicht gut sein, sich so sehr darauf zu verlassen,« sagte Katharina. »Ich zweifle nicht an der Macht Eures Stammes, aber wenn der schwarze Douglas sich in eine Fehde einläßt, so läßt er sich nicht durch einen hochländischen Plaid abschrecken.«
Der Hochländer verbarg sein Mißvergnügen über diese Rede mit einem erzwungenen Lachen.
»Der Sperling,« sagte er, »der dem Auge nah' ist, scheint größer als ein Adler, der über'm Bengoil schwebt. Ihr fürchtet die Douglas sehr, weil sie Euch zunächst sitzen. Aber sei das, wie es wolle – Ihr glaubt nicht, wie weit sich unsere Thäler und Wälder jenseits der dunklen Berge erstrecken, die Ihr dort in der Ferne seht. Ihr meint die ganze Welt sei an den Ufern des Tay. Dieser gute Mönch wird Felsen sehen, die ihn gegen ein ganzes Heer dieses Douglas schützen können; er wird Männer gewahr werden, die im Stande sind, ihn noch ein Mal vom Süden der Grampischen Berge zurückzuwerfen. – Aber warum sollen wir nicht Alle beisammen sein? Ich kann eine Schaar nach Perth schicken, die Euern Vater sicher hierher bringt. Er kann jenseit Loch Tay den alten Handel fortsetzen. – Ich werde nur keine Handschuhe machen, sondern ich werde Eurem Vater Häute geben, aber keine mehr schneiden, außer so lange sie auf des Geschöpfes Rücken sind.«
»Mein Vater wird einmal kommen und Euern Haushalt sehen, Conachar – Hektor wollt' ich sagen. – Aber die Zeiten müssen ruhiger sein, denn es ist Fehde zwischen den Bürgern und den Edelleuten, und man spricht von Krieg, der in den Hochlanden ausbrechen werde.«
»Ja, bei unsrer lieben Frau! Katharina; und wär' es nicht eben wegen des Hochlandskrieges, Ihr dürftet Euern Besuch in den Hochlanden nicht so aussetzen, meine schöne Gebieterin. Aber das Volk der Hügel soll sich nicht länger in zwei Nationen spalten. Sie werden als Männer fechten um die Oberherrschaft, und wer sie erlangt, wird mit dem König von Schottland als Standesgenosse, nicht wie mit einem Höhern sprechen. Bete, daß der Sieg Mac Jon zufällt, meine fromme Katharina, denn du wirst für Einen beten, der dich innig liebt.«