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»Ich will für das Recht beten,« sagte Katharina; »oder vielmehr, ich will bitten, daß überall Friede sei. – Lebt wohl, guter und trefflicher Vater Clemens; glaub', ich werde nie deine Lehren vergessen – gedenke meiner in deinen Gebeten. – Aber wie wirst du eine so mühsame Reise aushalten können?

»Sie sollen ihn tragen, wenn es nöthig wird,« sagte Hektor, »wofern wir weit gehen müssen, ohne ein Pferd für ihn zu finden. Aber Ihr – Katharina – es ist weit von hier nach Perth. Laßt mich Euch bis dorthin begleiten, wie ich gewohnt war.«

»Wenn Ihr so wäret, als Ihr gewohnt wäret, so würde ich Eure Begleitung annehmen. Aber goldene Schnallen und Armbänder sind gefährliche Gesellschaft, wenn die Lanzen von Liddesdale und Annandale so dicht auf der Straße reiten, wie die Blätter am Allerheiligenfest; und zwischen Hochlandtartans und Stahlharnischen findet keine friedliche Begegnung statt.«

Sie wagte diese Bemerkung, da sie glaubte, daß der junge Eachin die Gewohnheiten noch nicht ganz hinter sich hatte, die er in seinem niedern Stande angenommen, und daß, obwohl er kühne Worte brauchte, er doch nicht tollkühn genug sein würde, der Ueberzahl Trotz zu bieten, die ihm begegnet wäre, wenn er sich der Stadt genähert hätte. Sie schien richtig geurtheilt zu haben, denn nach einem Abschied, wobei sie es dahin brachte, daß statt ihres Mundes ihre Hand geküßt wurde, nahm sie allein ihren Weg nach Perth und sah die Hochländer, als sie hinter sich schaute, einen beschwerlichen, steilen Weg einschlagen und sich nach Norden wenden.

Sie fühlte sich zum Theil befreit von ihrer Unruhe, so wie die Entfernung zwischen ihr und jenen Männern wuchs, deren Handlungen sich allein nach dem Willen ihres Häuptlings richteten, welcher ein wilder, ungestümer Jüngling war. Sie fürchtete auf ihrem Rückwege nach Perth keine Beleidigung von den Kriegsleuten beider Parteien, die ihr begegnen konnten: denn die Gesetze des Ritterthums waren damals ein mehr zuverlässiger Schutz für ein Mädchen von ehrbarem Betragen, als eine Begleitung von Bewaffneten; aber entferntere Gefahren beunruhigten ihr Herz. Die Bewerbungen des Prinzen hatten einen furchtbaren Charakter angenommen, seit sein unwürdiger Günstling ihr, wenn sie bei ihrer Ziererei, wie er's nannte, beharren würde, zu drohen gewagt hatte. Solche Drohungen in diesem Jahrhundert und aus solchem Munde waren ein ernstlicher Gegenstand des Schreckens; – Conachars Ansprüche an ihre Liebe, die er in seinem dienstbaren Zustande kaum unterdrückt hatte, jetzt aber laut aussprach, wurden ein neuer Zuwachs zu ihrer Unruhe. Die Hochländer hatten bereits mehr als einen Einfall in Perth unternommen; mehrere Bürger, aus ihren eigenen Häusern weggeführt, waren gefangen worden, oder in den Straßen der Stadt unter dem Claymore gefallen. Außerdem fürchtete sie die Zudringlichkeit ihres Vaters zu Gunsten des Schmieds, dessen unwürdiges Betragen am Valentinstag ihr hinterbracht worden war. Wäre er auch nicht schuldig gewesen, sie hätte doch nicht gewagt, ihm Gehör zu geben, denn immer klangen ihr Ramorny's schreckliche Drohungen in den Ohren. Diese Gefahren, diese Furcht flößten ihr mehr als je den Wunsch ein, den Schleier zu nehmen; aber sie sah keine Möglichkeit, ihres Vaters Einwilligung zu dem einzigen Schritte zu erlangen, von welchem sie Frieden und Schutz erwartete.

Der Gang dieser Verhandlungen läßt uns nicht erkennen, ob sie sehr bedauerte, daß sie Gefahren begleiteten, weil sie das schöne Mädchen von Perth war; dies war ein Punkt, der anzeigte, daß sie noch nicht ganz ein Engel war; und vielleicht war ein zweiter der Umstand, daß, trotz Harry's wirklichen oder angeblichen Vergehungen, sich ein Seufzer aus ihrem Busen stahl, wenn sie an den St. Valentinsabend dachte.

Fünfzehntes Kapitel

O, einen Trank, der vermöchte

Ein banges Herz in Schlaf zu senken!

Bertha.

Wir haben die Geheimnisse der Beichte gezeigt; die des Krankenzimmers sind uns nicht verborgen. In einem dunklen Gemach, wo Salben und Arzneiflaschen kund thaten, daß der Arzt in seinem Berufe thätig gewesen, lag eine große, hagere Gestalt auf einem Bette, mit einem Nachtgewand umgürtet, Schmerz auf dem Antlitz, während tausend stürmische Leidenschaften im Busen wühlten. Alles im Gemach zeigte einen reichen, verschwenderischen Mann an. Henbane Dwining, der Apotheker, der die Pflege des Kranken zu haben schien, schlich mit schlauem, katzenartigem Schritt aus einem Winkel des Zimmers in den andern, indem er geschäftig Arzneien mischte und Verbände bereitete. Der kranke Mann stöhnte ein paar Mal, worauf der Apotheker sich dem Bette näherte und fragte, ob diese Töne ein Zeichen körperlichen Schmerzes oder der Gemüthsbewegung wären.

»Beides, du Giftmischer,« sagte Sir John Ramorny; »und weil ich mit deiner verfluchten Gesellschaft belästigt bin.«

»Wenn das Alles ist, so kann ich Euer Gnaden von einem dieser Uebel durch sofortige Entfernung meiner Person befreien. Dank den Fehden dieser wilden Zeit, hätt' ich zwanzig Hände, statt dieser zwei armen Diener meiner Kunst (dabei zeigte er seine dürren Hände), so wäre Beschäftigung genug für sie vorhanden; gutbezahlte Beschäftigung überdies, wo sich Dankesworte und Geldstücke streiten, wer von beiden meine Dienste am besten lohnt; während Ihr, Sir John, an Eurem Wundarzte den Zorn auslaßt, den ihr allein gegen den Urheber Eurer Wunde richten solltet.«

»Schuft, es ist unter meiner Würde, dir zu antworten,« sagte der Kranke; »aber jedes Wort deiner boshaften Zunge ist ein Dolch, der Wunden beibringt, die aller Arznei Arabiens Trotz bieten.«

»Sir John, ich verstehe Euch nicht; aber wenn Ihr diesen heftigen Ausbrüchen der Wuth Raum gestattet, so kann nur Fieber und Entzündung die Folge sein.«

»Warum sprichst du denn auf eine Weise, die mein Blut erhitzt? Warum sprichst du den Gedanken aus, deine werthlose Kunst könne mehr Hände brauchen, als die Natur dir gab, während ich, ein Ritter und Edelmann, verstümmelt bin, wie ein Krüppel?«

»Sir John,« erwiderte der Wundarzt, »ich bin kein Gottesgelehrter und auch kein sehr hartnäckiger Anhänger an manche Dinge, welche die Theologen uns sagen. Doch kann ich Euch erinnern, daß es Euch ziemlich gut gegangen ist; denn wenn der Hieb, der Euch diesen Schaden gebracht hat, Euern Hals getroffen hätte, wie er doch beabsichtigte, so hätt' er Euer Haupt von den Schultern getrennt, statt ein minder bedeutendes Glied zu amputiren.«

»Ich wollte, so wär's geschehen, Dwining – ich wollte, der Hieb hätte getroffen, wie es beabsichtigt war. Dann hätte ich nicht gesehen, wie ein Plan, so fein gesponnen, wie der meine, durch die rohe Gewalt eines betrunkenen Kerls zerrissen ward. Dann wär' ich nicht mehr da, um Rosse zu sehen, die ich nicht besteigen kann – Schranken, die ich nicht mehr beschreiten kann – Glanz, den zu theilen ich nicht hoffen kann, oder Schlachten, worin ich nicht mitkämpfen kann. Ich würde nicht, mit eines Mannes Leidenschaft für Macht und Streit, unter den Weibern Platz nehmen müssen, verachtet von ihnen noch dazu als ein ohnmächtiger Krüppel, unfähig zu werben und zu erlangen die Gunst ihres Geschlechts.«

»Gesetzt, dies wäre Alles so, so will ich doch Eure Herrlichkeit zu bemerken bitten,« erwiderte Dwining, sich noch immer mit Anordnung der Verbände beschäftigend, »daß Eure Augen, die Ihr mit Eurem Kopfe verloren haben müßtet, Euch, da sie erhalten sind, noch eine ebenso große Aussicht auf Vergnügen bieten, als Euch das des Ehrgeizes, des Sieges in den Schranken oder in der Schlacht, oder selbst die Liebe der Weiber gewähren könnte.«