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»O ja, freilich, Apotheker,« sagte Namorny, »denn auch du spielst ja Betrug mit mir – du kanntest meine Hand und Siegelring, wie du sagtest, als man diese Hand auf die Straße geworfen fand, gleich den ekelhaften Ueberresten einer Fleischbank, – warum, wenn du das wußtest, gingst du mit diesen narrenköpfigen Bürgern, um beim Patrick Charteris Rath zu holen, dem man die Sporen von den Fersen hauen sollte, weil er Gemeinschaft mit schmutzigen Bürgern hält, und den du hierher brachtest mit den Narren, um die leblose Hand zu entehren, die, wäre sie an ihrer gewohnten Stelle gewesen, er nicht werth wäre im Frieden zu berühren oder im Kriege zu fühlen?«

»Mein edler Gönner, sobald ich Grund hatte, zu glauben, daß Ihr der Dulder wäret, so wandte ich all' meine Ueberredungskunst an, um sie von Verfolgung der Fehde zurückzuhalten; aber der prahlerische Schmied und einige andere Hitzköpfe schrieen nach Rache. Euer Gnaden weiß vielleicht, daß der Bursche sich zum Ritter des schönen Mädchens von Perth aufwirft und glaubt, es gehöre zu seiner Ehre, alle Streitigkeiten ihres Vaters auszufechten: aber ich habe ihm seinen Markt in diesem Viertel verleidet und das ist schon ein Vorspiel der Rache.«

»Wie meint Ihr das, Wundarzt?« sagte der Kranke.

»Euer Gnaden werden wissen,« sagte der Apotheker, »daß der Schmied nicht eingezogen lebt, sondern ein verliebter, lustiger Bursch' ist. Ich begegnete ihm am Valentinstag einige Zeit nach dem Kampfe zwischen den Bürgern und dem Gefolge des Douglas; ja ich begegnete ihm, wie er mit einer Sängerin durch Straßen und Gäßchen schlich, und Gepäck und Laute der Dirne auf dem einen Arme trug, während sie selber an dem andern hing. Was denken Euer Gnaden davon? Ist das nicht ein schmucker Knappe, eines Prinzen Liebe zum schönsten Mädchen in Perth hinderlich zu sein, die Hand eines Ritters und Barons abzuhauen und den Kammerdiener einer wandernden Sängerin zu machen, Alles im Laufe von vierundzwanzig Stunden?«

»Wahrlich, ich denke besser von ihm, da er so viel ritterlichen Humor zeigt, obwohl er ein Bauer ist,« sagte Ramorny. »Ich wollte, er wäre ein gewissenhafter Mensch statt eines lustigen Burschen, dann hält' ich mehr Neigung, deine Rache zu unterstützen; – und solch' eine Rache! Rache an einem Schmied – im Streite eines erbärmlichen Arbeiters in altem Leder! Pfui! – und doch soll die Rache vollkommen genommen werden, du hast sie, denk' ich, durch deine eignen Manöver schon begonnen.«

»Nur in geringem Grade,« sagte der Apotheker; – »ich sorgte dafür, daß zwei oder drei der berüchtigtsten Klatschgevatterinnen in der Curfewstreet, denen es nicht gefällt, daß Katharina das schöne Mädchen von Perth heißt, die Geschichte ihres treuen Valentins erfuhren. Sie fielen so hitzig über die Lockspeise her, daß sie, statt die Sache zu bezweifeln, sogar darauf schwuren, als wären sie Augenzeugen gewesen. Der Liebhaber kam eine Stunde nachher zum Vater, und Ihr könnt Euch denken, wie ihn Glover empfing, denn das Mädchen selber wollt' ihn gar nicht ansehen. Und so seht Ihr, daß ich einen Vorschmack der Rache hatte. Ich hoffe, den vollen Dank ans den Händen Euer Gnaden zu erhalten, wenn wir ein brüderliches Bündniß schließen, welches –«

»Brüderlich!« sagte der Ritter verächtlich. »Aber sei es so; die Priester sagen, wir wären Alle von gemeiner Erde. Ich weiß es nicht – mir scheint da einiger Unterschied zu sein; aber die bessere Form wird der schlechteren Wort halten und du sollst deine Rache haben. Rufe meinen Pagen hierher.«

Ein junger Mann erschien auf den Ruf des Arztes aus dem Vorzimmer.

»Eviot,« sagte der Ritter, »ist Bonthron da? und ist er nüchtern?«

»So nüchtern, als Schlaf ihn nach einem gehörigen Trinken machen kann,« antwortete der Page.

»Dann hol' ihn hierher und verschließ' die Thür.«

Ein schwerfälliger Tritt näherte sich alsbald dem Gemach und ein Mann trat ein, dessen Mangel an Höhe durch Breite der Schultern und Stärke des Armes ausgeglichen schien.

»Es ist ein Mann vorhanden, mit dem du dich messen mußt, Bonthron,« sagte der Ritter.

Des Mannes grobe Züge glätteten sich und er zeigte ein zufriedenes Grinsen.

»Dieser Arzt wird dir den Mann zeigen. Nimm den Vortheil der Zeit, des Ortes und der Umstände wahr, um den Erfolg zu sichern; und denke nicht, daß du an den schlechtesten kommst, denn der Mann ist der kampffertige Schmied vom Wynd.«

»Das wird eine böse Geschichte,« murmelte der Mörder; »denn wenn mein Hieb fehlt, so kann ich mich selber als einen todten Mann ansehen. Ganz Perth spricht von des Schmieds Gewandtheit und Stärke.«

»Nimm zwei Gehilfen mit dir,« sagte der Ritter.

»Nein,« sagte Bonthron. »Wollt Ihr Etwas verdoppeln, so mag es der Lohn sein.«

»Rechne auf doppelten,« sagte sein Herr; »aber sieh' zu, daß dein Werk gehörig vollzogen wird.«

»Verlaßt Euch auf mich, Ritter – ich habe selten gefehlt.«

»Benutze dieses weisen Mannes Rath,« sagte der verwundete Ritter, auf den Arzt zeigend. »Und merke wohl! erwarte, bis er zum Vorschein kommt – und trinke nicht, bevor das Geschäft abgemacht ist.«

»So soll's geschehen,« sagte der finstere Trabant; »mein eigen Leben hängt davon ab, daß mein Hieb fest und sicher ist. Ich weiß, mit wem ich's zu thun habe.«

»So geh, bis er dich ruft, und halte Axt und Dolch in Bereitschaft.«

Bonthron nickte und zog sich zurück.

»Will Euer Gnaden wagen, solch ein Werk einer einzigen Hand anzuvertrauen?« sagte der Mediciner, als der Mörder das Gemach verlassen hatte. »Darf ich Euch bitten, daran zu denken, daß Jener vor zwei Nächten sechs gerüstete Männer niederwarf?«

»Fragt mich nicht, Sir Apotheker; ein Mann wie Bonthron, der Zeit und Ort kennt, ist zwei Dutzend wüster Schwärmer werth. – Ruft Eviot. – Zuerst sollst du deine Heilkräfte üben, und zweifle nicht, daß du beim ferneren Werk von Einem unterstützt werden wirst, der dir in der Kunst plötzlicher und unerwarteter Zerstörung gleichkommt.«

Der Page Eviot erschien auf des Apothekers Ruf wieder und half auf ein Zeichen seines Herrn dem Wundarzt Sir John Ramorny's verwundeten Arm neu verbinden. Dwining betrachtete den nackten Stumpf mit einer Art berufsmäßigem Behagen, ohne Zweifel auf dem boshaften Vergnügen beruhend, welches sein schlechtes Gemüth an Schmerz und Unglück seiner Mitmenschen fand. Der Ritter heftete eine Weile seine Augen auf den furchtbaren Anblick und ließ, dem Gewichte seines körperlichen oder geistigen Schmerzes erliegend, trotz aller Mühe, es zu unterdrücken, ein Stöhnen vernehmen.

»Ihr seufzt, Sir,« sagte der Wundarzt, in einem sanft einschmeichelnden Tone, während er jedoch die Lippen zu einem vergnügten, mit Hohn gemischten Lächeln verzog, welches seine gewohnte Verstellung nicht ganz bergen konnte, – »Ihr seufzt – aber tröstet Euch. Dieser Harry Schmied versteht sein Geschäft – sein Schwert erreicht so gut das Ziel, wie sein Hammer den Ambos. Hätte ein minder geschickter Mann den unseligen Streich geführt, so hätt' er nur den Knochen beschädigt und die Muskeln zerrissen; meine ganze Kunst wäre nutzlos gewesen; aber Harry Schmied macht saubere Wunden, seine Amputationen sind so leicht zu heilen, als wenn mein eigenes Messer sie gemacht hätte. In einigen Tagen seid Ihr, wenn Ihr die Verordnungen Eures Arztes sorgfältig befolgt, im Stande, auszugehen.«

»Aber meine Hand – der Verlust meiner Hand –« »Der kann eine Zeit lang verborgen bleiben,« sagte der Mediciner; »ich habe einige geschwätzige Narren gewonnen, denen ich im Vertrauen sagte, die gefundene Hand sei die Eures Stallknechts, des schwarzen Quentin, und Eure Gnaden wissen, daß er nach Fife gereist ist, und zwar auf eine Weise, die die Sache glaublich macht.«