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»Und ich wünsche,« sagte Simon, »das meine hätte nichts als Bockleder zerschnitten, denn es schnitt bisweilen in meinen eigenen Finger. Aber du kannst deine Gewissensbisse jetzt sparen; in dem Gefechte ward nur ein Mann gefährlich verwundet, der, welchem Harry Schmied die Hand abhieb, und er hat sich wieder erholt. Sein Name ist der schwarze Quentin, einer aus Sir John Ramorny's Gefolge. Man hat ihn insgeheim nach seiner Heimath Fife geschickt.

»Was, der schwarze Quentin? – ei, das ist derselbe Mann, den Harry und ich, als wir dicht beisammen standen, im nämlichen Augenblicke trafen, nur daß mein Hieb etwas früher fiel. – Ich fürchte, es wird weitere Fehde nach sich ziehen, und der Oberrichter theilt meine Meinung. – Und er hat sich erholt? Ei, dann will ich fröhlich sein, und da du mich nicht sehen lassen willst, wie Katharina ihr Nachtkleid steht, so will ich nach dem Greif zu meinen Mohrentänzern.«

»Nein, wartet einen Augenblick. Du bist ein Kamerad Harry Wynds, und hast ihm den Dienst erwiesen, ein paar Thaten für ihn zu verrichten, wie unter anderen diese letzte. Ich wollte, du könntest ihn von anderen Beschuldigungen reinigen, womit ihn das Gerücht beladen hat.«

»Nun, ich will beim Griff meines Schwertes schwören, daß sie falsch sind, wie die Hölle, Vater Simon. – Wie! Degen und Schilder! Sollen Männer des Schwertes einander im Stich lassen?«

»Ei, Nachbar Strumpfwirker, sei geduldig; du möchtest dem Schmied einen Dienst thun, und du bist so auf dem rechten Wege. Ich suche deinen Rath hinsichtlich dieser Angelegenheit – nicht als hielte ich dich für den weisesten Kopf in Perth, denn wenn ich das sagte, so würd' ich lügen.«

»Ja, ja,« antwortete der selbstzufriedene Strumpfwirker; – »ich weiß, was Ihr mir zur Last legt – Ihr kalten Köpfe denkt, wir Hitzköpfe sind Narren. – Ich habe die Leute den Harry Wynd wohl zwanzig Mal so nennen hören.«

»Narr genug und kalt genug reimt sich fast zusammen,« sagte der Handschuhmacher; »du bist gutmüthig und liebst deinen Kameraden. Es steht mit uns und ihm jetzt übel,« fuhr Simon fort. »Du weißt, daß von einer Heirath zwischen meiner Tochter und Harry Gow die Rede gewesen ist?«

»Ich habe so ein Lied gehört seit dem St. Valentinsmorgen – Ach! der das schöne Mädchen von Perth gewinnt, muß ein glücklicher Mann sein – und doch verdirbt die Ehe manchen hübschen Burschen – ich selber bedaure fast – «

»Bitte, laß dein Bedauern für diesmal sein, Freund,« unterbrach ihn der Handschuhmacher etwas kurz. »Ihr müßt wissen, Oliver, daß einige der schwatzhaften Weiber, die alle Angelegenheiten in der Stadt zu ihren eigenen machen, Harry beschuldigt haben, er gebe sich mit Sängerinnen und dergleichen ab. Katharina nahm es sich zu Herzen, und ich hielt mein Kind für beleidigt, weil sich Harry gar nicht betrug, wie es einem Valentin ziemte, sondern am nämlichen Tag, wo er der alten Sitte gemäß die beste Gelegenheit hatte, mit meiner Tochter von seiner Liebe zu reden, eine unanständige Gesellschaft vorzog. Auch versagte ich ihm, da er Abends sehr spät zu mir kam, die Thür, und wie ein alter Narr bat ich ihn, in sein Haus zu der Gesellschaft zurückzugehen, aus der er herkomme. Ich habe ihn seitdem nicht gesehen und fange an, meine Hitze für vorschnell zu halten. Katharina ist meine einzige Tochter, aber lieber wollt' ich sie im Grabe sehen, als einem Liederlichen geben. Indes kenne ich Harry Gow wie meinen eigenen Sohn, ich kann nicht glauben, daß er uns beleidigen wollte, und ohne Zweifel läßt sich der ihm aufgebürdete Fehler zu seinem Vortheil erklären. Man rieth mir, mich an Dwining zu wenden, der dem Schmied auf dem Spaziergang mit seiner Genossin begegnete. Wenn ich dem Apotheker glaube, so war es Harry's Muhme, Joan Letham. Aber du weißt, daß der Quacksalber immer mit seinem Gesicht diese Sprache redet und mit seiner Zunge eine andere. – Nun, du Oliver, hast, wie ich denke, zu wenig Witz – ich meine zu viel Ehrbarkeit – um die Wahrheit zu belügen, und da Dwining mich merken ließ, daß auch du sie gesehen hast –«

»Ich sie gesehen, Simon Glover? Wird Dwining sagen, daß ich sie sah?«

»Nein, nicht so ganz bestimmt – aber er sagt, Ihr erzähltet ihm, daß Ihr den Schmied in solcher Gesellschaft getroffen.«

»Er lügt, und ich will ihn in einem Mörser zerstampfen!« sagte Oliver Proudfute.

»Wie? Erzähltet Ihr ihm nichts von einer solchen Begegnung?«

»Und wenn ich es nun that?« sagte der Strumpfwirker. »Schwur er nicht, daß er keinem Sterblichen je wieder sagen wolle, was ich ihm mittheilte? Und daher macht' er sich, indem er Euch die Sache erzählte, zum Lügner.«

»Also trafst du den Schmied,« sagte Simon, »nicht mit einem so lockern Gepäck, wie das Gerücht sagt?«

»Ei, zum Henker, nein – vielleicht war's so, vielleicht nicht. Denkt, Vater Simon, ich bin seit vier Jahren ein Ehemann, und könnt Ihr von mir denken, ich könne mich an die Knöchel einer Sängerin, an ihren Fuß, an die Stickerei ihres Rockes und solches Zeug erinnern? Nein, ich überlasse das unverheiratheten jungen Burschen, wie mein Gevatter Harry.«

»Der Schluß ist also,« sagte der Handschuhmacher sehr mißmuthig, »Ihr begegnetet ihm doch am St. Valentinstag auf offener Straße spazierend –«

»Nicht doch, Nachbar; ich traf ihn in dem entferntesten und dunkelsten Gäßchen von Perth, eilig seinem Hause zusteuernd mit Sack und Pack, welches er, als galanter Bursch, aus dem Arme trug, den kleinen Hund auf dem einen, während ihm die Donna – mir kam sie recht hübsch vor – am andern hing.«

»Nun, bei St. John!« sagte der Handschuhmacher, »diese Schmach könnte einen Christenmenschen seinen Glauben verläugnen und Mahomed in seinem Zorn anbeten lassen! Aber er hat meine Tochter zum letzten Mal gesehen. Ich sähe lieber, sie ginge mit einem barfüßigen Räuber nach den Hochlanden, als daß sie Einen heirathete, der auf solche Weise Ehre und Anstand vergessen kann. – Es ist aus mit ihm!«

»Ei, ei, Vater Simon,« sagte der freisinnige Strumpfwirker; »Ihr betrachtet die Welt nicht aus dem Standpunkte jungen Blutes. Sie waren nicht lange beisammen, denn – die Wahrheit zu sagen, ich gab ein Bischen auf ihn Achtung – ich traf ihn vor Sonnenaufgang, seine irrende Dirne nach unserer Frauen Treppe führend, damit sich die Dirne auf dem Tay einschiffen sollte; und ich weiß gewiß – denn ich erkundigte mich – daß sie nach Dundee absegelte. So seht Ihr also, es war nur eine kleine Jugendverirrung.«

»Und er kam hierher,« sagte Simon bitter, »und bat um Zutritt bei meiner Tochter, während ihn daheim seine Buhlerin erwartete! Lieber wollt' ich, er hätt' ein Dutzend Menschen erschlagen! – Das wäre nicht der Rede werth, am wenigsten bei dir, Oliver Proudfute, der, wenn du nicht so Einer bist, wie er, doch dafür gehalten sein möchte. Aber –«

»Ei, nehmt die Sache nicht so ernstlich,« sagte Oliver, der zu erwägen begann, welches Unheil sein Geschwätz wahrscheinlich für seinen Freund anstiften mußte, und welche Folgen Harry Gows Mißfallen haben werde, wenn er hinter die Eröffnung käme, die er mehr aus Herzensalbernheit als in böser Absicht gemacht hatte. »Bedenkt,« fuhr er fort, »daß solche Thorheiten der Jugend zuzuschreiben sind. Gelegenheit reizt die Menschen zu solchen Vergehungen und das Geständniß wird sie auslöschen. Ich scheue mich nicht, dir zu sagen, daß, obwohl mein Weib eine so hübsche Frau ist, als die Stadt nur eine hat, ich doch selber –«