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»Still, thörichter Prahler!« sagte der Handschuhmacher hoch erzürnt; »Deine Liebschaften und deine Schlachten sind beide gleich apokryphisch. Wenn du einmal lügen mußt, was, wie mich dünkt, in deiner Natur liegt, kannst du nicht wenigstens eine Lüge erfinden, die dir Ehre macht? Glaubst du nicht, daß ich in dein Herz sehe, wie ich das Licht durch das Horn einer schlechten Laterne sehe? Glaubst du nicht, daß ich weiß, du elender Weber schmutzigen Garns, wie du nicht mehr wagtest, durch deine eigene Thür zu gehen, wenn dein Weib gehört hätte, wessen du dich rühmst? Daß du nicht den Muth hättest, dein Schwert mit einem zwölfjährigen Knaben zu kreuzen, der das seine zum ersten Mal in seinem Leben zöge? Bei St. John, es hieße Euch für die Mühe Eurer Klatschereien zahlen, deinem Weibe die Kunde deiner lustigen Streiche zuzuschicken.«

Der Strumpfwirker fuhr bei dieser Drohung zusammen, wie wenn ein Armbrustbolzen, da er's am wenigsten erwartete, an seinem Kopf vorbeigepfiffen wäre. Mit zitternder Stimme erwiderte er: »Ei, guter Vater Glover, du nimmst dir zu viel heraus auf Kosten deines grauen Haares. Erwäge, guter Nachbar, du bist zu alt, um dich mit einem jungen Kriegsmann zu messen. Und was meine Magda betrifft, so kann ich dir trauen, denn ich weiß, daß sich Keiner weniger scheut, als du, den Frieden einer Familie zu stören.«

»Deine Dummheit vertraue nicht länger auf mich,« sagte der erzürnte Handschuhmacher; »aber schaffe dich selbst und das Ding, welches du einen Kopf nennst, aus meinem Bereich, oder ich borge fünf Minuten meiner Jugend zurück und breche dir den Schädel!«

»Ihr habt einen lustigen Fastnachtabend gehalten, Nachbar,« sagte der Strumpfwirker, »und ich wünsche Euch einen ruhigen Schlaf; wir werden morgen bessere Freunde sein.«

»Aus meinem Hause heut' Nacht!« sagte der Handschuhmacher. »Ich schäme mich, daß eine so thörichte Zunge, wie die deine, mich so aufzubringen vermochte. – Narr – Thier – klatschzüngiger Thor!« sprach er für sich weiter, sich selber in einen Stuhl werfend, als der Strumpfwirker verschwand; »daß ein Kerl, der aus Lügen besteht, keine finden kann, wenn es gilt, die Schmach eines Freundes zu verbergen? Und ich, wer bin ich, daß ich wünschte, die ungeheure Schmach, die mich und meine Tochter traf, entschuldigt zu sehen? Und doch, ich dachte so gut von Harry, daß ich alle Lügen zu glauben bereit war, die der prahlerische Esel hätte erfinden können. Nun wohlan! Es ist nicht der Mühe werth, daran zu denken. Unser ehrlicher Name muß bleiben und sollte auch Alles sonst zu Grunde gehen.«

Während der Handschuhmacher sich über die unwillkommene Bestätigung des Gerüchtes moralisirte, das er gern für unwahr gehalten hätte, hatte der verwiesene Mohrentänzer Muße, in der beruhigenden Luft einer kalten und finstern Februarnacht über die Folgen von des Handschuhmachers ungezähmtem Zorne nachzudenken.

»Aber er ist nichts,« dachte er bei sich, »gegen den Zorn Harry Wynds, der einen Menschen um weit Geringeres getödtet hat, als die Erregung von Zwiespalt zwischen ihm und Katharina, so wie dem hitzigen alten Vater. Gewiß, ich hätte lieber Alles läugnen sollen. Aber die Lust, als ein gewandter Galan zu scheinen, – der ich in der That bin – überwältigte mich. Thu' ich gut, im Greif das Fest zu beschließen? Magda wird lärmen, wenn ich nach Hause komme. Doch, heut' ist ja Fastnacht, da darf ich mir schon was erlauben. Da fällt mir ein guter Gedanke bei: ich gehe nicht zum Greif, ich will mich zum Schmied begeben; er muß daheim sein, da ihn heut' noch Niemand gesehen hat. Ich will Frieden mit ihm zu machen suchen und ihm meine Vermittelung beim Handschuhmacher antragen. Harry ist ein ehrlicher, gerader Bursch, und obwohl ich gestehen muß, daß er bei einem Tumult tüchtiger ist, als ich, so kann ich doch im Wortstreit machen, was ich will. – Die Straßen sind jetzt ruhig, die Nacht ist finster, und ich verberge mich leicht, wenn mir Jemand begegnet. Ja, ich will zum Schmied gehen – und, wenn ich mir seine Freundschaft erhalte, den alten Simon auslachen. St. Ringan bringe mich sicher durch diese Nacht, und ich will mir die Zunge lieber ausreißen, eh' sie meinen Kopf wieder in solche Gefahr bringen soll! Jener alte Bursche glich, als sein Blut wallte, eher einem Menschen, der Büffelkoller durchhaut, als einem Gemsfellschneider.«

Mit diesen Betrachtungen wandelte der gewaltige Oliver eilig, doch so geräuschlos wie möglich, nach dem Wynd, wo, wie unsere Leser wissen, der Schmied seine Wohnung hatte. Aber das böse Geschick ließ nicht ab, ihn zu verfolgen. Als er sich nach der hohen oder Hauptstraße wandte, hörte er einen musikalischen Akkord, begleitet von einem lauten Jubel, in der Nähe.

»Meine lustigen Genossen, die Mohrentänzer,« dachte er; »ich kenne des alten Jeremias Geige unter hundert andern. Ich will mich über die Straße wagen, eh' sie herankommen – wenn man mich erspäht, werden sie denken, ich habe ein besonderes Abenteuer, und das wird meine Ehre als wackerer Raufbold erhöhen.«

Mit diesem Verlangen nach Auszeichnung unter den Fröhlichen und Tapfern, welches jedoch im Innern klügere Betrachtungen bekämpften, machte der Strumpfwirker einen Versuch, über die Straße zu gehen. Aber die Nachtschwärmer, wer sie auch sein mochten, waren von Fackeln begleitet, deren Licht auf Oliver fiel, dessen hellfarbiges Kleid ihn um so leichter sichtbar machte. Der allgemeine Ruf; »Ein Fang! ein Fang!« übertäubte den Gesang des Minstrels, und bevor der Strumpfwirker entscheiden konnte, ob es besser sei, zu stehen oder zu fliehen, ergriffen ihn zwei gewandte junge Männer, gehüllt in phantastische Maskengewänder, wilde Menschen vorstellend und große Keulen tragend, die in tragischem Tone sagten: »Ergib dich, Mann der Schellen und des Bombasts; ergib dich auf Gnad' und Ungnade, oder du bist nur ein todter Mohrentänzer.«

»Wem soll ich mich ergeben?« sagte der Strumpfwirker mit bebender Stimme; denn obwohl er sah, daß er's mit einer Gesellschaft Masken zu thun hatte, welche nur Vergnügen suchten, so bemerkte er doch zu gleicher Zeit, daß sie weit über seinem Stande waren, und er verlor die Kühnheit, die nöthig war, seine Rolle in einem Spiele zu unterstützen, wobei der Schwächere wahrscheinlich am schlechtesten wegkommen mußte.

»Du raisonnirest, Sclave?« antwortete eine der Masken; »soll ich dir zeigen, daß du ein Gefangener bist, indem ich dir zugleich die Bastonade gebe?«

»Ganz und gar nicht, Gewaltiger aus Indien,« sagte der Strumpfwirker; »wahrlich, ich stehe Euch durchaus zu Befehl.«

»So komm,« sagten Jene, die ihn gefangen hatten, »komm, und huldige dem Kaiser der Gaukler, dem König der Springer und dem Großherzog der finstern Stunden, und erkläre, mit welchem Rechte du so anmaßend warst, zu singen und zu tanzen und Schuhleder in seinen Bereich zu tragen, ohne ihm Tribut zu geben. Weißt du nicht, daß du die Strafe des Hochverraths verwirkt hast?«

»Das wäre hart, dünkt mich,« sagte der arme Oliver, »da ich nicht wußte, daß Se. Majestät diesen Abend die Herrschaft übte. Aber ich will gern das Vergnügen büßen, wenn die Börse eines armen Strumpfwirkers es vermag, einige Kannen Wein oder so etwas als Strafe zu entrichten.«

»Bringt ihn vor den Kaiser!« schrie man allgemein; und der Mohrentänzer ward vor die schmächtige, aber hübsche und leichte Gestalt eines jungen Mannes gestellt, welcher prächtige Kleider, Gürtel und eine Tiara von Pfauenfedern trug, die man damals als große Seltenheit aus Indien brachte. Eine kurze Jacke schloß sich unter der Brust über einem Leopardenfell; im Uebrigen war er mit fleischfarbener Seide bedeckt und sah einem indischen Fürsten ganz ähnlich; er trug Sandalen, die mit scharlachrothen Seidenbändern befestigt waren, und eine Art Fächer, wie die Damen damals brauchten, ebenfalls aus Pfauenfedern bestehend, die in einem Büschel zusammenstanden.

»Was für einen Patron haben wir da,« fragte der indische Häuptling, »der es wagt, die Mohrenglocken an die Knöchel eines dummen Esels zu binden? – Hört Ihr, Freund, Euer Kleid macht Euch zu unserem Unterthan, da unser Reich sich über's ganze Narrenland erstreckt, umfassend Gaukler und Minstrels jeder Gattung. – Wie, ist die Zunge gefesselt? Er braucht Wein – gebt ihm eine Nußschale voll Sect!«