Выбрать главу

Eine gewaltige Kürbisflasche voll Sect ward den Lippen des Flehenden geboten, während dieser Fürst der Schwärmer ihn ermahnte: –

»Knack' mir diese Nuß und mach' es hübsch und ohne Grimassen.«

Aber wie gern auch Oliver einen guten Schluck dieses trefflichen Weines genossen hätte, so erschreckte ihn doch die Menge, die er bewältigen sollte. Er that einen Zug und bat dann um Gnade.

»Mit Eurer fürstlichen Erlaubniß, ich habe noch weit zu gehen, und wenn ich Eurer Majestät Huld völlig genießen wollte, wofür Ihr meinen schuldigen Dank annehmen mögt, so würd' ich nicht im Stande sein, über den nächsten Graben zu schreiten.«

»Bist du im Stande, dich als lustiger Bruder zu betragen? Nun, thu' einen Sprung – ha! eins – zwei – drei – vortrefflich! – noch einmal – gebt ihm den Sporn – (hier gab ein Trabant des Indiers Oliver einen leichten Schwertstreich) – nein, das war das Beste von Allem – er sprang wie eine Katze in der Dachrinne! Gebt ihm die Nuß noch einmal – nun, keinen Zwang, er hat seine Buße gezahlt, und verdient nicht nur freie Entlassung, sondern Belohnung. Knie nieder, knie, und steh' auf Sir Ritter von der Kürbißflasche! Wie heißt du? Leih' mir Einer von Euch ein Rapier.«

»Oliver, wenn's Euer Gnaden gefällt – Eurer Majestät, wollt' ich sagen.«

»Oliver, Mann? na, dann bist du schon einer der zwölf Pairs, und das Schicksal ist unserer beabsichtigten Beförderung zuvorgekommen. Aber steh' auf, werther Sir Oliver Strohkopf, Ritter des ehrenwerthen Ordens vom Tanzschuh. – Steh' auf im Namen des Unsinns, und geh' deinen eignen Schlichen nach und der Teufel geh' mit dir.«

Mit diesen Worten gab der Fürst der Schwärmer mit flacher Klinge des Strumpfwirkers Schultern einen Schlag, und Oliver sprang mit mehr Behendigkeit, als er bisher gezeigt hatte, auf seine Füße und tanzte, angetrieben durch das Lachen und Halloh, das sich hinter ihm erhob, an des Schmieds Hause an, so eilend, wie ein gejagter Fuchs bei seiner Höhle.

Erst als der in Furcht gejagte Strumpfwirker einen Schlag an die Thür gethan hatte, besann er sich, daß er vorher hätte überlegen sollen, auf welche Art er sich bei Harry einführen und wie er dessen Vergebung für die unbedachten Mittheilungen bei Simon Glover erlangen könnte. Man antwortete nicht auf sein erstes Klopfen, und vielleicht hätte in dem Augenblick, da all' diese Betrachtungen in seinem erschreckten Gemüthe sich erhoben, der Strumpfwirker seinen Plan aufgegeben, aber ein ferner Schall von Gesang weckte seine Besorgnisse, wieder in die Hände der lustigen Masken zu fallen, denen er entgangen war, und er erneuerte sein Klopfen am Thor der Schmiedswohnung mit hastiger, obwohl zitternder Hand. Dann vernahm er die tiefe, aber wohlklingende Stimme Harry Gow's, der von innen rief: – »Wer klopft zu dieser Stunde? – und was ist Euer Begehr?«

»Ich bin's – Oliver Proudfute,« erwiderte der Strumpfwirker; »ich hab' Euch einen lustigen Spaß zu erzählen, Gevatter Harry.«

»Bring' deine Narrheit auf einen andern Markt. Ich bin in keiner scherzhaften Laune,« sagte Harry; »geh' fort. – Ich will heut' Nacht Niemand sehen.«

»Aber, Gevatter – guter Gevatter,« antwortete der Kriegsheld außen, »ich bin von Schurken bedrängt und bitte um den Schutz deines Hauses.«

»Narr, der du bist!« erwiderte Harry; »kein Hahn vom Düngerhof, der schlechteste, der an diesem Fastnachtabend gekämpft hat, würde seine Federn gegen einen solchen feigen Vogel, wie du bist, sträuben!«

In diesem Augenblick ertönte wieder Gesang, und zwar, wie der Strumpfwirker merkte, viel näher, wodurch seine Besorgniß auf's Höchste stieg; mit einer Stimme, welche unverkennbar die größte Furcht ausdrückte, rief er: –

»Um unserer guten Gevatterschaft und der Liebe unserer lieben Frau willen, laßt mich ein, Harry, wenn Ihr mich nicht als blutigen Leichnam an Eurer Thür finden wollt, erschlagen von dem blutgierigen Douglas!«

»Das würde eine Schande für mich sein,« dachte der gutmüthige Schmied; »und er kann allerdings in wirklicher Gefahr sein. Es streifen Falken umher, die auf einen Sperling so gut wie auf einen Reiher stoßen.«

Mit diesen Gedanken, halb gemurmelt, halb gesprochen, that Harry seine wohlbefestigte Thür auf, um die Wahrheit der Gefahr zu untersuchen, bevor er seinen unwillkommenen Gast in sein Haus treten ließ. Aber während er sich in der Straße umsah, um zu erkennen, wie die Sachen ständen, schlüpfte Oliver in das Haus wie ein gehetztes Reh in ein Dickicht, und ließ sich bei des Schmieds Küchenfeuer nieder, bevor Harry die Straße auf- und absehen und sich überzeugen konnte, daß den besorgten Flüchtling keine Feinde verfolgten. Er schloß daher seine Thür und kehrte in die Küche zurück, unzufrieden, daß er seine melancholische Einsamkeit hatte stören lassen, indem er Befürchtungen theilte, die doch, wie er denken konnte, bei seinem furchtsamen Mitbürger so leicht zu erregen waren.

»Wie nun?« sagte er kalt genug, als er den Strumpfwirker ruhig an seinem Herde sitzen sah. »Was sind das für thörichte Possen, Meister Oliver? – ich sehe Niemand in der Nähe, der Euch Etwas zu Leide thun will.«

»Gib mir was zu trinken, guter Gevatter,« sagte Oliver, »ich bin von der Eile erschöpft, mit der ich hierher zu kommen suchte.«

»Ich habe geschworen,« sagte Harry, »daß dieß keine lustige Nacht in diesem Hause sein soll – ich bin in meinen Werkeltagskleidern, wie Ihr seht, und halte Fasten, wozu ich guten Grund habe, statt des Festes. Ihr habt genug getrunken für den Festabend, denn die Zunge ist Euch bereits schwer. Wenn Ihr noch mehr Bier oder Wein wollt, müßt Ihr anderswohin gehen.«

»Ich habe schon mehr als genug gehabt,« sagte der arme Oliver, »und wäre fast darin ersäuft worden. – Die verfluchte Kürbißflasche! – einen Trunk Wasser, guter Gevatter! – Darum laßt Ihr mich doch nicht umsonst bitten? oder, wenn Ihr wollt, einen Becher Dünnbier.«

»Nun, wenn das Alles ist,« sagte Harry, »das soll nicht fehlen. Aber es muß viel gewesen sein, was dich dahin brachte, um solchen Trank zu bitten.«

So sprechend füllte er eine Quartflasche aus einem Fasse, das in der Nähe stand, und setzte sie seinem Gaste vor. Oliver nahm sie sogleich, führte sie mit zitternder Hand zum Munde, und schlürfte den Inhalt mit Lippen, die vor Aufregung bebten, und obwohl das Getränk so dünn war, als er verlangt hatte, so war er doch so erschöpft von der Furcht wegen Angriffen und von früheren Gelagen, daß, als er die Flasche auf den Eichentisch setzte, er einen tiefen Seufzer der Beruhigung hören ließ und schwieg.

»Nun, jetzt habt Ihr Euern Trunk gehabt, Gevatter,« sagte der Schmied, »was bedürft Ihr sonst? Wo sind die, die Euch bedrohten? Ich konnte Niemand sehen.«

»Nein – aber es waren zwanzig, die mich nach dem Wynd verfolgten,« sagte Oliver. »Als sie uns aber beisammen sahen, so verloren sie freilich den Muth, der Alle gegen Einen von uns gebracht hätte.«

»Ei, treib' keinen Scherz, Freund Oliver,« erwiderte sein Wirth. »Dazu bin ich nicht aufgelegt.«

»Ich scherze nicht, bei St. John von Perth. Ich bin angehalten und schnöde behandelt worden (dabei fuhr seine Hand über den angegriffenen Theil), und zwar durch den tollen David von Rothsay, den tobenden Ramorny und die Anderen. Sie ließen mich eine Viertelstonne Malvasier trinken.«

»Du redest thöricht, Mensch, – Ramorny ist krank und dem Tode nah', wie der Apotheker überall erzählt; sie, und zumal Ramorny, können gewiß um Mitternacht nicht aufstehen, um solche Possen zu treiben.«

»Ich kann's zwar nicht behaupten,« erwiderte Oliver; »aber ich sah die Gesellschaft bei Fackellicht, und ich kann einen körperlichen Eid schwören, daß ich sie an den Mützen erkannte, die ich seit dem Unschuldigen-Kindeltag für sie gemacht habe. Sie sind wunderlich geformt und ich muß doch mein eigenes Gewebe kennen.«