Выбрать главу

»Nun, es kann dir ein Leid zugefügt worden sein,« antwortete Harry. »Wenn du in wirklicher Gefahr bist, so will ich dir hier ein Bett machen lassen. Aber Ihr müßt Euch sogleich hineinlegen, denn ich bin nicht aufgelegt zum Plaudern.«

»Ach, ich würde dir für ein Nachtquartier sehr danken, aber meine Magda wird böse – das heißt, nicht böse, denn darnach frag' ich nichts – aber, die Wahrheit zu sagen, sie ist gar zu besorgt in einer lustigen Nacht wie diese, da sie weiß, mein Sinn gleicht dem deinigen – ein Wort und ein Hieb.« »Nun, dann geh' heim,« sagte der Schmied, »und zeig' ihr, daß ihr Schatz in Sicherheit ist, Meister Oliver – die Straßen sind ruhig – und um offen zu reden: ich möchte allein sein.«

»Ach, ich hab' aber noch über wichtige Dinge mit dir zu reden,« erwiderte Oliver, der sich scheute zu bleiben, und doch auch nicht gern gehen wollte. »Es hat Lärm gegeben in unserm Stadtrath wegen der Geschichte vom Valentinsabend. Der Oberrichter sagte mir vor kaum vier Stunden, der Douglas und er wären übereingekommen, die Fehde durch einen Kämpfer von jeder Partei zu entscheiden, und es werde unser Bekannter, der Teufels-Dick, seinen Adel bei Seite setzen und die Sache des Douglas und der Edelleute verfechten. Obwohl ich nun der ältere Bürger bin, so will ich doch gern um unsrer alten Liebe und Freundschaft willen dir den Vorrang lassen, und mich mit dem bescheidenen Amte des Sekundanten begnügen.«

Harry Schmied, obwohl ungehalten, konnte doch kaum ein Lächeln unterdrücken.

»Wenn es das ist, was deine Ruhe stört und dich um Mitternacht von deinem Bette fern hält, so will ich die Sache abmachen. Du sollst den dir angebotenen Vorzug nicht einbüßen. Ich habe einige Dutzend Zweikämpfe durchgefochten – nur allzuviel. Du bist, denk' ich, blos deinem hölzernen Sultan begegnet – es wäre unbillig – ungerecht – unfreundlich – wenn ich dein freundliches Anerbieten mißbrauchte. So geh' heim, guter Freund, und laß nicht die Furcht, Ruhm einzubüßen, deinen Schlummer stören. Ruhe in der Ueberzeugung, daß du der Anforderung antworten wirst, wozu du das Recht hast, da dich der grobe Reiter beleidigte.«

»Sehr dankbar, herzlichen Dank,« sagte Oliver, sehr verlegen durch seines Freundes unerwartete Nachgiebigkeit. »Du bist der gute Freund, wie ich dich immer kannte. Aber ich hege zu viel Freundschaft für Harry Schmied, als er für Oliver Proudfute. Ich schwöre bei St. John, ich will nicht zu deinem Nachtheil in diesem Streite fechten. Das ist nun ausgesprochen und die Versuchung kann mir nichts mehr anhaben, da du mich nicht meineidig sehen sollst und gäb' es zwanzig Duelle zu bestehen.«

»Hör',« sagte der Schmied, »bekenne, daß du Furcht hast, Oliver. Sage gleich die ehrliche Wahrheit, oder ich lasse dich das Duell ausfechten, so gut du kannst.«

»Ei, guter Gevatter,« erwiderte der Strumpfwirker, »du weißt, ich fürchte mich nie. Aber, in Wahrheit, Jener ist ein verzweifelter Schurke; und da ich ein Weib habe – die arme Magda, du weißt ja – und kleine Familie, und du –«

»Und ich,« antwortete Harry heftig, »habe keine, und nie werd' ich eine haben.«

»Ei, wirklich – so ist es allerdings – und daher wollt' ich, du föchtest lieber diesen Kampf als ich.«

»Nun, bei unserer lieben Frau, Gevatter!« antwortete der Schmied, »du bist leicht fertig! Wisse, du thörichter Bursche, daß Sir Patrick Charteris, der immer ein lustiger Mann ist, nur mit dir gespaßt hat. Meinst du, er würde die Ehre der Stadt auf deinen Kopf wagen? oder daß ich dir den Vorrang lassen würde, wo es eine solche Sache gilt? Nun gut, geh' heim, laß dir von Magda eine warme Nachtmütze um den Kopf binden; nimm ein gutes Frühstück und ein Glas Branntwein, und du wirst im Stande sein, morgen deinen hölzernen Dromond oder Sultan, wie du ihn nennst, zu bekämpfen, das einzige Wesen, welches je deine Hiebe treffen werden.«

»Ach, wie du sprichst, Kamerad!« antwortete Proudfute, sehr erleichtert, aber doch für nöthig erachtend, den Beleidigten zu spielen. »Ich kümmere mich nicht um deine schlechte Laune; es ist gut für dich, daß du meine Geduld nicht so weit erschöpfen kannst, um mit dir zu streiten. Genug – wir sind Gevattern und das ist dein Haus. Warum sollten die beiden besten Klingen in Perth einander bekämpfen? Ei, ich kenne deine üble Laune und kann sie verzeihen. – Aber ist die Fehde wirklich aufgehoben?«

»So vollkommen, als je ein Hammer einen Nagel befestigte,« sagte der Schmied. »Die Stadt hat dem Johnston eine Börse Gold gegeben, daß er sie nicht eines Ruhestörers, genannt Oliver Proudfute, beraubte, als er ihn in seiner Gewalt hatte; und dieses Gold kauft für den Oberrichter die Insel Steepleß, die ihm der König schenkt, denn der König zahlt Alles in der Länge. Und so bekommt Sir Patrick den hübschen Inch, der seiner Wohnung gegenüberliegt, und alle Ehre auf beiden Seiten ist gerettet, denn was dem Oberrichter gegeben wird, wird, versteht sich, der Stadt gegeben. Ueberdieß hat Douglas die Stadt verlassen, um gegen die Engländer zu marschiren, die, wie man sagt, von dem treulosen Grafen von March über die Grenze gerufen sind. So ist die gute Stadt ihn und sein Gefolge los.«

»Aber, in St. Johns Namen, wie ist das Alles zugegangen?« sagte Oliver; »und kein Mensch hat davon gesprochen?«

»Nun sieh', Freund Oliver, dieß, denk' ich, ist der Fall gewesen. Der Kerl, dem ich eine Hand abhieb, soll nur ein Diener Sir John Ramorny's gewesen sein, der nach seiner Heimath Fife geflohen ist, wohin auch Sir John selber verbannt worden mit voller Zustimmung jedes ehrlichen Mannes. Nun, Alles, was Sir John Ramorny betrifft, geht auch einen viel größern Mann an – ich glaube, so etwas sagte Simon Glover dem Sir Patrick Charteris. Wenn es sich verhält, wie ich vermuthe, so darf ich nur dem Himmel und allen Heiligen danken, daß ich den auf der Leiter nicht prügelte, als ich ihn gefangen nahm.«

»Und auch ich danke dem Himmel und allen Heiligen auf's Beste,« sagte Oliver. »Ich stand hinter dir, wie du weißt, und –«

»Nichts mehr davon, wenn du klug bist – es gibt Gesetze gegen die, welche Fürsten schlagen,« sagte der Schmied; am besten ist's, man rührt das Hufeisen nicht eher an, als bis es kalt geworden. Alles ist nun beigelegt.«

»Wenn das ist,« sagte Oliver, zum Theil verlegen, noch mehr aber ermuthigt durch die Kunde, die er vom besser unterrichteten Freunde erhielt, »so hab' ich Grund, mich über Sir Patrick Charteris zu beklagen, daß er mit der Ehre eines ehrlichen Bürgers Scherz treibt, während er selber Oberrichter unserer Stadt ist.«

»Thu' es, Oliver; fordere ihn heraus, und er wird seinem Diener befehlen, die Hunde auf dich zu hetzen. – Aber wohlan, die Nacht rückt vor, seid Ihr zu Ende?«

»Nun, ich hätte dir noch ein Wort zu sagen, guter Gevatter. Aber zuerst noch einen Becher Eures kalten Bieres.«

»Die Pest auf dich, du Narr! Du machst, daß ich dich hinwünsche, wo kalte Getränke selten sind. – Da, leere das Faß aus, wenn du Lust hast.«

Oliver nahm die zweite Flasche, trank aber, oder schien vielmehr sehr langsam zu trinken, um Zeit zu gewinnen zur Ueberlegung, wie er den zweiten Gegenstand der Unterhaltung einleiten könne, der bei des Schmiedes gegenwärtigem reizbarem Zustande sehr kitzlich schien. Endlich fand er nichts Besseres, als gleich auf die Sache los zu gehen mit den Worten: »Ich habe heute Simon Glover gesehen, Gevatter.«

»Gut,« sagte der Schmied in einem leisen, tiefen und ernsten Tone. »Und wenn du ihn sahst, was geht es mich an?«

»Nichts, nichts,« antwortete der eingeschüchterte Strumpfwirker. »Ich dachte nur, Ihr möchtet gern wissen wollen, daß er mich genau fragte, ob ich Euch am Valentinstage, nach dem Lärm bei den Dominikanern, gesehen habe und in welcher Gesellschaft.« »Und ich wette, du sagtest ihm, daß du mich mit einer Sängerin in jenem dunkeln Gäßchen gesehen?«

»Du weißt, Harry, ich habe keine Gabe, zu lügen; aber ich brachte Alles bei ihm in's Gleiche.«