»Wie, ich bitt' Euch!« sagte der Schmied.
»Ei nun, so! – Vater Simon, sagt' ich, Ihr seid ein alter Mann und kennt unsere Beschaffenheit nicht, in deren Adern die Jugend wie Quecksilber fließt. Ihr meint nun, es lieg' dem Harry an jenem Mädchen, sagt' ich, und daß er sie in irgend einem Winkel hier in Perth habe? Keineswegs; ich weiß, sagt' ich, und will einen Eid drauf schwören, daß sie am nächsten Morgen in aller Frühe aus seinem Hause nach Dundee abreiste. Ha! Hab' ich dir in der Noth geholfen?«
»Wahrlich, das scheint mir so, und wenn in diesem Augenblick noch Etwas meine Unruhe und meinen Kummer mehren könnte, so ist es, daß, während ich so tief im Sumpfe stecke, ein Esel wie du seinen plumpen Fuß auf meinen Kopf stellt, um mich gänzlich versinken zu lassen. Nun mach', daß du fort kommst, und mögest du solches Glück haben, als deine klatschhafte Laune verdient; dann denk' ich, wird man dich mit gebrochenem Halse in der nächsten Gasse finden. – Mach', daß du fortkommst, oder ich werfe dich mit dem Kopfe voran aus der Thür.«
»Ha, ha!« lachte Oliver sehr gezwungen, »wie kannst du so unzart sein! Aber, Gevatter Harry, willst du mich in deinem Trübsinn nicht nach meinem Hause in Meal Vennal begleiten?«
»Zum Teufel, nein!« antwortete der Schmied.
»Ich will dir Wein vorsetzen, wenn du mitgehst,« sagte Oliver.
»Ich will dir Prügelsuppe vorsetzen, wenn du bleibst,« sagte Harry.
»Nun, dann will ich dein Büffelwams anziehen und die Stahlhaube aufsetzen und deinen starken Schritt annehmen, und deinen Pibroch; ›Gebrochene Beine zu Loncarty,‹ pfeifen; und wenn sie mich für dich nehmen, so werden vier auf einmal sich nicht an mich wagen.«
»Nimm Alles oder was du willst in des Satans Namen! aber geh' nur.«
»Gut, gut, Harry, wir sehen uns, wenn du besser aufgelegt bist,« sagte Oliver, der die Kleidung angelegt hatte.
»Geh' – und mög' ich dein narrenhaftes Gesicht nie wiedersehen!«
Oliver befreite endlich seinen Wirth, indem er fortging, so gut er konnte, den festen Schritt und die kühne Haltung seines unerschrockenen Gefährten nachahmend, und einen Pibroch pfeifend, der die Niederlage der Dänen zu Loncarty enthielt und welchen er aufgeschnappt hatte, weil er eine Lieblingsweise des Schmieds war, den er, so gut er konnte, zu seinem Vorbilde nahm. Aber, als der unschuldige, obwohl eingebildete Bursch' den Wynd an der Stelle verließ, wo er sich mit der Highstreet verbindet, empfing er von hinten einen Hieb, gegen den seine Blechhaube keinen Schutz lieh, und er todt auf den Platz fiel; ein Versuch, Harry's Namen zu murmeln, von welchem er stets Schutz erwartete, bewegte noch seine sterbende Zunge.
Siebzehntes Kapitel
Ei, ich will dich zu einem jungen Prinzen machen.
Falstaff.
Wir kehren zu der fröhlichen Schaar zurück, die vor einer halben Stunde mit so geräuschvollem Applaus Olivers Behendigkeit angesehen hatte, die letzte Probe, die der arme Strumpfwirker je davon ablegen sollte. Auch seinen hastigen Rückzug, den ihr wilder Jubel anfeuerte, hatten sie gesehen. Nachdem sie genugsam gelacht, setzten sie ihren fröhlichen Weg jubelnd und scherzend fort, manche der ihnen Begegnenden anhaltend und erschreckend; aber man muß gestehen, alles dieß, ohne Jemand ernstlich zu kränken, sei es an der Person oder an der Ehre. Endlich gab ihr Führer, von seinen Streifereien ermüdet, seinen lustigen Leuten ein Zeichen, sich dicht um ihn zu versammeln.
»Wir, meine tapferen Herzen und weisen Räthe, sind,« sagte er, »der wirkliche König über alle in Schottland, die des Beherrschens würdig sind. Wir scheuchen die Stunden, wenn der Becher kreist und wenn die Schönheit gefällig wird, wenn der Scherz erwacht und der Ernst auf seinem Bette schnarcht. Wir überlassen unserm Viceherrscher, dem König Robert, das mühevolle Geschäft, ehrsüchtige Edle unter seiner Macht zu erhalten, die Habgier der Geistlichen zu befriedigen, wilde Bergbewohner zu demüthigen und blutige Händel auszugleichen. Und da unser Rath das Reich der Freude und Lust ist, so ist es billig, daß wir all' unsere Kräfte vereinigen, um denen von unsern Unterthanen zu Hilfe zu kommen, die durch unglückliches Geschick im Kerker der Sorge und Krankheit liegen. Ich spreche hauptsächlich von Sir John, den man gemeinhin Ramorny nennt. Wir haben ihn seit dem Tumult in der Curfewstraße nicht gesehen; und obwohl wir wissen, daß er bei jener Sache ein wenig gelitten hat, können wir doch nicht begreifen, warum er nicht kommt, uns zu huldigen, wie es dem treuen Vasallen geziemt. – Hierher, unser Herold von der Kürbißflasche, habt Ihr Sir John zu diesem Abendfeste gesetzmäßig geladen?«
»Ich that es, Herr.«
»Und verkündigtet Ihr ihm, daß wir für diese Nacht sein Verbannungsurtheil aufhoben, damit, weil höhere Mächte die Sache geordnet haben, wir wenigstens einen fröhlichen Abschied von einem alten Freunde nehmen könnten?«
»Das hab' ich ausgerichtet, Herr, antwortete der Gauklerherold.
»Und sandte er kein Wörtchen schriftliche Antwort, er, der sich so sehr rühmt, ein gelehrter Schreiber zu sein?«
»Er war zu Bett', Mylord, und ich konnte ihn nicht sehen. So viel ich weiß, hat er sehr eingezogen gelebt, weil er einige körperliche Verletzungen hat, unzufrieden mit Eurer Hoheit Ungnade ist und Beleidigungen in den Straßen fürchtet, da er nur mit Mühe den Bürgern entkam, als die Kerls ihn und zwei Diener in das Dominikanerkloster verfolgten. Die Diener sind auch nach Fife entfernt worden, damit sie nichts ausplaudern.«
»Nun, das war weise gehandelt,« sagte der Prinz, – der, wie wir dem einsichtsvollen Leser nicht zu sagen brauchen, mit besserem Rechte so genannt ward, als es ihm die lustige Nacht gewährte, – »es war vorsichtig gehandelt, leichtzüngige Gefährten aus dem Wege zu schaffen. Aber Sir John's Abwesenheit von diesem feierlichen, schon so lang' angeordneten Feste ist Meuterei und Aufkündigung des Gehorsams. Wenn aber der Ritter wirklich Gefangener der Krankheit und Melancholie ist, so müssen wir ihn mit einem Besuche erfreuen, denn es gibt kein besseres Mittel gegen solche Krankheiten, als unsere Gegenwart und einen sanften Kuß der Kürbißflasche. – Vorwärts, Knappen, Musikanten, Wachen und Hofleute! Tragt hoch das große Emblem unserer Würde. – Auf mit dem Kürbiß, sag' ich! und laßt die Träger der Tonnen, mit deren Blut wir unsern Becher füllen, ihres festen Zustandes gemäß erwählt sein. Die Last ist schwer und kostbar, und wenn unser Gesicht nicht getrübt ist, scheinen sie mehr zu schwanken und zu straucheln als uns wünschenswerth ist. Nun, vorwärts, ihr Herren, und laßt unsere Musikanten recht laut und lustig spielen.«
Vorwärts zogen sie mit jubelnder Lust und Freude, während die zahlreichen Fackeln ihr rothes Licht gegen die kleinen Fenster der engen Straßen warfen, aus welchen Hausherren in der Nachtmütze, bisweilen ihre Weiber daneben, verstohlen vorguckten, um zu sehen, welcher wilde Lärm die friedlichen Straßen zu so ungewohnter Stunde störte. Endlich hielt der muntere Zug vor Sir John Ramorny's Hausthür, die durch einen kleinen Hof von der Straße getrennt war.
Hier klopften sie, donnerten und halloheten, Rache drohend dem Widerspenstigen, der die Thüren nicht öffnen wollte. Die geringste Strafe, die angedroht ward, war Einkerkerung in ein leeres Faß im Burgverließ des Schlosses des Fürsten Kurzweil, d.h. im Bierkeller. Aber Eviot, Ramorny's Page, hörte und kannte wohl den Charakter der Zudringlichen, die so kühn anpochten, und er hielt es für besser, in Betracht der Lage, worin sein Herr sich befand, keine Antwort zu geben, in der Hoffnung, die jungen Thoren würden ihres Weges gehen; denn er wußte wohl, daß es ein vergeblicher Versuch sein würde, sie von ihrem Vorsatz abzubringen. Da das Gemach seines Herrn auf einen kleinen Garten ging, so dachte der Page, er würde durch das Geräusch nicht geweckt werden. Er vertraute der Stärke des äußeren Thores und beschloß, sie klopfen zu lassen, bis sie von selbst müde würden oder ihr Rausch vorüber wäre. Die lüderliche Gesellschaft schien sich auch wirklich bald durch das Geschrei und die Anstrengungen erschöpfen zu müssen, die sie mit Anschlagen an die Pforte machten, als ihr scheinbarer Fürst, oder vielmehr derjenige, der unglücklicher Weise nur zu gewiß ihr Gebieter war, sie als traurige und träge Verehrer des Gottes des Weines und der Lust schalt.