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»Bringt,« sagte er, »unsern Schlüssel herbei – dort liegt er, und wendet ihn bei dieser rebellischen Pforte an.«

Der Schlüssel, auf den er zeigte, war ein großer Balken, der an einer Seite der Straße lag, nach der gewöhnlichen Nachlässigkeit, welche eine schottische Stadt jener Zeit charakterisirte.

Die jauchzenden Leute aus Indien hoben ihn alsbald auf ihre Arme und stießen, ihn mit vereinigter Kraft unterstützend, damit so gewaltsam gegen das Thor, daß Riegel, Angel und Pfosten krachten und zu weichen schienen. Eviot wartete diesen äußersten Fall nicht ab; er kam in den Hof herab, und nachdem er der Form wegen einige Fragen gethan, hieß er den Pförtner das Thor öffnen, wie wenn er jetzt erst die nächtlichen Gäste erkannt hätte.

»Treuloser Sklave eines untreuen Herrn!« sagte der Prinz. »Wo ist unser pflichtvergessener Unterthan, Sir John Ramorny, der unserem Rufe nicht gehorcht hat?«

»Mylord,« sagte Eviot, sich zugleich in Rücksicht auf die wirkliche, wie auf die angenommene Würde des Anführers verbeugend; – »mein Herr ist gerade jetzt sehr unwohl – er hat einen Schlaftrunk genommen – und – Eure Hoheit muß mich entschuldigen, wenn ich meine Pflicht erfülle, indem ich sage, er kann ohne Lebensgefahr für ihn nicht gesprochen werden.«

»Still! rede mir nicht von Gefahr, Herr Teviot – Cheviot – Eviot – wie heißt Ihr doch? – aber zeige mir deines Herrn Gemach, oder vielmehr öffne mir die Thür seiner Wohnung, und ich werde mich schon selber zurechtfinden. – Tragt die Kürbißflasche hoch, meine wackeren Gefährten, und seht zu, daß ihr keinen Tropfen des Getränkes verschüttet, welches der große Bacchus uns gesendet hat, um alle Krankheiten des Leibes und Sorgen des Gemüths zu heilen. Bringt sie vorwärts, sag' ich, und laßt uns das heilige Gefäß sehen, welches so köstliche Flüssigkeit einschließt.«

Der Prinz trat somit in das Haus und eilte, mit dem Innern bekannt, die Stufen empor, gefolgt von Eviot, der vergeblich um Ruhe bat, und so stürzte er mit den übrigen Schwärmern in's Gemach des verwundeten Herrn der Wohnung.

Wer es selber erfahren hat, trotz folternden Körperschmerzes mittelst eines starken Opiats zum Schlaf gezwungen zu sein, bis er durch Lärm und Gewalt aus dem unnatürlichen Zustande der Empfindungslosigkeit erweckt ward, in welchen ihn die Macht der Arznei gebracht hatte, kann im Stande sein, den verwirrten und unruhvollen Gemüthszustand Sir John Ramorny's und die Qualen seines Körpers sich vorzustellen, die beide gegenseitig auf einander wirkten. Nehmen wir zu diesen Empfindungen noch das Bewußtsein des verbrecherischen Befehls, den er gegeben hatte und der wahrscheinlich schon vollzogen war, so können wir uns ein Erwachen denken, dem der ewige Schlaf vorzuziehen wäre. Der Seufzer, den er beim ersten Schmerzgefühl hören ließ, hatte etwas so Schauerliches, daß selbst die leichtsinnigen, jungen Leute einige Minuten still blieben. Ohne die Lage zu ändern, die er während des Schlafes auf seinem Bette eingenommen hatte, sah der Kranke sich düsteren Blickes in dem mit phantastischen Gestalten gefüllten Zimmer um und sagte, noch halb besinnungslos, zu sich selbst:

»Ist denn demnach fürwahr so, und die Sage ist wahr! Diese sind Teufel und ich bin für immer verdammt? Das Feuer ist nicht äußerlich, aber ich fühl' es – ich fühl' es am Herzen – es brennt, wie wenn ein sieben Mal geheizter Ofen im Innern wirkte!«

Während er schreckliche Blicke um sich warf und einen Theil seines Bewußtseins zu erringen strebte, näherte sich Eviot dem Prinzen und bat ihn, auf die Knie fallend, die Anwesenden das Gemach räumen zu lassen.

»Es kann,« sagte er, »meinem Herrn das Leben kosten.«

»Keine Furcht, Eviot!« erwiderte der Herzog von Rothsay: »wär' er auch an den Pforten des Todes. Hier ist Etwas, was die Teufel ihre Beute zu verlassen zwingt. – Bringt die Kürbißflasche, Ihr Herren.«

»Es ist Tod für ihn, wenn er in diesem Zustande trinkt,« sagte Eviot; »wenn er Wein trinkt, stirbt er.«

»Es muß Jemand für ihn trinken, er wird durch einen Stellvertreter geheilt – und möge unser großer Bacchus dem Sir John Ramorny Trost, Erhebung des Herzens, Erleichterung der Lunge und schöne Einbildungskraft schenken, welches seine erlesensten Gaben sind, während der treue Diener, der für ihn trinkt, Ekel, Unbehaglichkeit, Nervenreizung, Trübung der Augen und Hirnklopfen haben wird, womit unser großer Meister Gaben begleitet, die uns sonst den Göttern zu ähnlich machen würden. – Was meint Ihr, Eviot? wollt Ihr der treue Diener sein, der zu seines Herrn Besten und als sein Stellvertreter trinkt? Thut dieß, und wir werden uns begnügen, Abschied zu nehmen, denn uns dünkt, daß unser Unterthan etwas gräßlich aussieht.«

»Ich würde Alles thun, was in meiner geringen Macht steht,« sagte Eviot, »um meinen Herrn vor einem Tranke zu bewahren, der sein Tod sein kann, und Eure Hoheit vor dem Bewußtsein, ihn veranlaßt zu haben. Aber hier ist Jemand, der sich mit Freuden diesem Geschäft unterziehen und Eurer Hoheit obendrein danken wird.

»Wen haben wir da?« sagte der Prinz. »Einen Fleischer – und mich dünkt, direkt von seinem Geschäft? Treiben Fleischer ihr Geschäft am Fastnachtsabend? Pfui, wie er nach Blut riecht!«

Diese Worte galten Bonthron, der, theils verwundert über den Tumult im Hause, wo er Alles finster und still zu finden erwartete, und theils vom Weine betäubt, den der Elende in großer Masse getrunken, auf der Schwelle der Thür stand, den Auftritt vor sich anstarrend, sein Büffelwams mit Blut bedeckt und eine blutige Axt in der Hand, so daß er einen schrecklichen und widerlichen Anblick für die Schwärmer darbot, welche, obwohl sie nicht sagen konnten warum, Furcht und Unbehagen bei seiner Anwesenheit empfanden.

Als sie diesem unsaubern und gräßlich aussehenden Wilden die Kürbißflasche näherten und als er eine, wie es schien, mit Blut besudelte Hand darnach ausstreckte, rief der Prinz:

»Hinab mit ihm! laßt den Elenden nicht in unserer Gegenwart trinken; sucht ein ander Gefäß für ihn, als unsern heiligen Kürbiß, das Zeichen unserer Freuden – ein Sautrog wäre besser, wenn er zu haben wäre. Fort mit ihm! Man ertränke ihn zur Buße für seines Herrn Nüchternheit. – Laßt mich mit Sir John Ramorny und seinem Pagen allein; bei meiner Ehre! mir gefallen jenes Schurken Blicke nicht.«

Das Gefolge des Prinzen verließ das Gemach und nur Eviot blieb zurück.

»Ich fürchte,« sagte der Prinz, sich dem Bette mit anderem Betragen, als er bisher gezeigt, nähernd, »ich fürchte, mein lieber Sir John, daß dieser Besuch unwillkommen war; aber es ist Eure eigene Schuld. Obwohl Ihr unsere alte Gewohnheit kennt und die Pläne für den Abend selber entwerfen halfet, seid Ihr uns doch nicht nahe gekommen seit dem St. Valentinstag – es ist nun Fastnacht und die Entfernung ist offener Ungehorsam und Verrath an unserm Königreiche der Lust und den Statuten der Kürbisflasche.«

Ramorny erhob sein Haupt und heftete einen wirren Blick auf den Prinzen; dann gab er Eviot ein Zeichen, ihm Etwas zu trinken zu geben. Der Page reichte ihm einen großen Becher Arznei, welche der Kranke mit Gier und zitternder Hast verschlang. Dann brauchte er wiederholt die aufreizende Essenz, die ihm zu dem Zwecke der Arzt zurückgelassen, und schien seine zerstreuten Sinne zu sammeln.

»Laßt mich Euern Puls fühlen, lieber Ramorny,« sagte der Prinz; »Ich versteh' Etwas von der Heilkunst – Wie, Ihr reicht mir die linke Hand, Sir John? – Das ist gebührlich weder nach den Regeln der Arzneikunst, noch nach denen der Höflichkeit.«