Выбрать главу

»Es ist hart,« sagte er, »in alle Fehden der Stadt gedrängt zu werden, da das Kriegshandwerk Katharinen so zuwider ist. Gewiß gibt es genug Dirnen in Perth, die zu ihren Geliebten sagen: Geh' hinaus, thu' muthig deine Pflicht, und werb' um deiner Dame Gunst! Und doch schickten sie nicht nach ihren Liebhabern, sondern nach mir, der nicht die Schuldigkeit eines Mannes thun, und eine Sängerin schützen, noch die Pflicht eines Bürgers erfüllen kann, der für die Ehre seiner Stadt kämpft, ohne daß mich diese eigensinnige Katharina behandelt, als wäre ich ein Hurer und Raufbold!«

Dies waren die Gedanken, die seinen Kopf beschäftigten, als er, um auszugehen, seine Thür öffnete, und nun das Wesen, welches seinen Gedanken das theuerste war, obwohl er's jetzt am wenigsten zu sehen erwartete, in seine Arme sinken sah.

Sein aus Staunen, Freude und Besorgniß gemischtes Gefühl beraubte ihn nicht der Geistesgegenwart, welche der Vorfall erforderte. Katharine Glover in Sicherheit zu bringen und sie zum Bewußtsein zu rufen, daran dachte er zuerst, bevor er dem Rufe des Magistrates folgte, wie dringend dieser auch gewesen sein mochte. Er trug seine liebliche Bürde, leicht wie eine Feder, aber köstlicher wie dieselbe Quantität Goldes, in ein kleines Schlafgemach, welches seine Mutter inne gehabt hatte. Es war das passendste für einen Kranken, da es nach dem Garten ging und vom Toben des Aufruhrs fern lag.

»Hierher, Amme – Amme Shoolbred – komm schnell – komm, es gilt Tod und Leben – hier braucht Jemand deine Hülfe!«

Die Alte trabte herbei. »Wenn es nur Jemand wäre, der dich aus dem Handel ziehen könnte – denn auch sie war von dem Lärm erweckt worden, – aber wie groß war ihr Staunen, als sie, mit Liebe und Ehrerbietung auf das Bett ihrer verstorbenen Gebieterin gelegt und unterstützt von den athletischen Armen ihres Pflegesohnes, die leblose Gestalt des schönen Mädchens von Perth vor sich sah. »Katharina Glover!« sagte sie; »und heilige Mutter Gottes – eine Sterbende, glaub' ich gar!«

»Nicht doch, Alte,« sagte ihr Pflegesohn; »das theure Herz schlägt – der süße Athem kommt und kehrt wieder! komm du, du kannst ihr geschickter helfen als ich – bring' Wasser – Essenzen – was deine alte Kunst nur schaffen kann. Der Himmel legte sie nicht in meine Arme, um zu sterben, sondern zu leben für sich und mich!«

Mit einer Behendigkeit, die ihr Alter nicht erwarten ließ, sammelte Anna Shoolbred die Mittel, um die Ohnmächtige zu beleben; denn, gleich vielen Frauen jener Zeit, verstand sie, was in solchen Fällen zu thun war, ja, sie war sogar kundig, Wunden von gewöhnlicher Art zu behandeln, und die kriegerischen Neigungen ihres Pflegesohnes hatten sie darin in beständiger Uebung erhalten.

»Nun, Harry,« sagte sie, »laß meine Kranke aus deinen Armen – obwohl sie die Umarmung werth ist – und mache deine Hände frei, um mir mit dem Nöthigen zu helfen. – Nun, ich bestehe nicht darauf, daß Ihr auch ihre Hand fahren laßt, wenn Ihr sanft darauf schlagen wollt, so wie die im Krampfe gebogenen Finger sich lösen.«

»Ich ihre zarte, schöne Hand schlagen!« sagte Harry; »Ihr könntet mich ebenso ein Wasserglas mit einem Schmiedehammer schlagen heißen, als ihre schöne Hand mit meinen hornharten Fingern klopfen. – Aber die Finger lösen sich, und wir werden ein besseres Mittel finden, als Schlagen.« Er drückte seine Lippen auf die hübsche Hand, deren Bewegung das wiederkehrende Leben anzeigte. Einige tiefe Seufzer folgten und das schöne Mädchen von Perth öffnete die Augen, heftete sie auf den Geliebten, der neben dem Bett knieete, und sank wieder auf's Kissen zurück. Da sie ihre Hand dem Drucke des Liebenden nicht entzog, so müssen wir mit billiger Nachsicht glauben, die Rückkehr des Bewußtseins sei nicht so vollkommen gewesen, daß sie bemerkte, wie er den Vortheil mißbrauchte, und sie abwechselnd an seine Lippen und an seine Brust drückte. Zugleich müssen wir gestehen, daß während dieses Rückfalles das Blut ihre Wangen röthete und ihr Athem einige Minuten tief und unregelmäßig war.

Der Lärm vor der Thür begann jetzt viel lauter zu werden und Harry ward bei all' seinen verschiedenen Namen gerufen: Schmied, Gow und Harry vom Wynd, gleichwie die Heiden ihre Götter bei verschiedenen Namen anzurufen pflegten. Endlich nahm die Menge draußen, wie portugiesische Katholiken, wenn sie sich in Bitten an ihre Heiligen erschöpft haben, ihre Zuflucht zu tadelnden Ausrufungen.

»Daß Euch der Kuckuck, Harry! Ihr seid ein unwürdiger Mann, Eurem Bürgereide treulos, und ein Verräther der guten Stadt, wenn Ihr nicht sogleich herauskommt!«

Es schien, daß die Bemühungen der Amme Shoolbred in so weit erfolgreich waren, daß Katharinens Sinne sich einigermaßen sammelten; denn indem sie ihr Gesicht mehr gegen das des Geliebten wandte, als ihre frühere Lage gestattete, ließ sie ihre rechte Hand auf seine Schulter fallen, während sie die linke in der seinigen ließ und ihn leicht zurückzuhalten schien, indem sie sagte: »Geh' nicht, Harry – bleib bei mir – sie wollen dich tödten, diese blutigen Menschen!«

Es schien, daß diese zarte Anrede (darauf gegründet, daß sie den Geliebten lebend fand, den sie nur als Leichnam zu erblicken erwartet hatte), obwohl sie ganz leise und fast unvernehmbar gesprochen ward, doch wirksamer war, Harry Wynd in seiner gegenwärtigen Stellung zurückzuhalten, als der wiederholte Ruf so vieler Stimmen draußen, um ihn die Treppe hinabzubringen.

»Alle Heiligen, Bürger,« rief ein kühner Mann seinen Gefährten zu, »der trotzige Schmied treibt Scherz mit uns! Laßt uns in's Haus dringen und ihn herausschleppen.«

»Bedenkt, was Ihr thun wollt,« sagte ein vorsichtigerer Angreifer; »der Mann, der in Harry Gow's Wohnung eindringt, mag wohl mit heiler Haut in's Haus gehen, wird aber gehörig für den Wundarzt zurecht gemacht herauskommen. – Aber hier kommt Einer, der ein gutes Recht hat, uns bei ihm zu vertreten und dem Abtrünnigen Vernunft beizubringen.«

Die Person, auf die sich dies bezog, war Niemand anders, als Simon Glover. Er hatte den verhängnißvollen Ort erreicht, wo des unglücklichen Strumpfwirkers Körper lag, und zwar gerade zu rechter Zeit, um zu seinem größten Troste, da derselbe auf Befehl des Bailie Craigdallie umgedreht wurde, die Züge des armen Prahlers Proudfute zu entdecken, während das Volk den Lieblingskämpen Harry Schmied erwartete. Ein Gelächter, oder wenigstens etwas dem Aehnliches, verbreitete sich unter denen, die daran dachten, wie sehr sich Oliver um den Ruf eines Raufboldes bemühte, so fremd er seinem natürlichen Charakter auch war, und sie bemerkten, er sei eines Todes gestorben, der eher seinen Ansprüchen, als seiner Gemüthsart entspreche. Aber diese unzeitige spaßhafte Stimmung, die an die Rohheit der Zeit erinnert, verstummte plötzlich vor der Stimme, dem Jammer und Wehklagen einer Frau, die sich durch die Menge drängte mit dem Ausrufe: »O mein Gatte! – mein Gatte!«

Man machte der Trauernden Platz, welche von einigen Freundinnen begleitet war. Magda Proudfute war bisher nur als eine hübsche, schwarzhaarige Frau bekannt gewesen, die man für eingebildet und stolz gegen diejenigen hielt, welche ihr niederer und ärmer als sie selbst dünkten, und als Gebieterin ihres verstorbenen Gatten, den sie schnell nöthigte, den Kamm sinken zu lassen, wenn sie ihn zur Unzeit krähen hörte. Aber nun, unter dem Einflusse des mächtigen Schmerzes, zeigte sie einen weit mehr Achtung gebietenden Charakter.

»Lacht ihr,« sagte sie, »ihr unwürdigen Bürger von Perth, weil einer eurer Mitbürger sein Blut in den Rinnstein vergossen hat? – oder lacht ihr, weil das Todesloos meinen Gatten traf? Wie hat er das verdient? – Unterhielt er nicht ein ehrsames Haus durch seinen eigenen Fleiß, und einen anständigen Tisch, wo der Kranke willkommen war und der Arme Erquickung fand? – Lieh er nicht den Bedürftigen, – stand er seinen Nachbarn nicht bei als ein Freund, und hielt auf Recht und Gerechtigkeit wie eine Obrigkeit?«