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»Es ist wahr, es ist wahr,« antworteten die Versammelten; »sein Blut ist unser Blut, so gut, als wär' es das Harry Gow's.«

»Ihr redet wahr, Nachbarn,« sagte Bailie Craigdallie; »und die Sache darf nicht abgethan werden, wie die vorige – Bürgerblut darf nicht ungerächt in unsern Gassen fließen, als wär' es Pfützenwasser, sonst werden wir bald den breiten Tay dunkelroth damit gefärbt sehen. Aber dieser Schlag war nimmer dem armen Manne zugedacht, auf den er gefallen ist. Jedermann weiß, was Oliver Proudfute war, wie groß er sprach und wie wenig er that. Er hat Harry Schmieds Wams, Schild und Helm. Die ganze Stadt kennt sie so gut, als ich, da ist kein Zweifel. Er hatte die Manier, wie ihr wißt, dem Schmied Alles nachzuthun. So hat Jemand, blind vor Wuth oder Rausch, den unglücklichen Strumpfwirker getroffen, den Niemand fürchtete oder haßte, oder sich um ihn überhaupt kümmerte, statt des tapferen Schmieds, der zwanzig Fehden unter den Händen hat.«

»Was ist nun zu thun, Bailie?« rief die Menge.

»Das, meine Freunde, wird eure Obrigkeit für euch beschließen, da wir uns sogleich versammeln werden, wenn Sir Patrick Charteris hierher kommt, was bald geschehen wird. Indessen laßt den Wundarzt Dwining dies arme Stück Erde untersuchen, daß er sage, wie er zu seinem schlimmen Tode kam, und dann laßt ihn in einen reinlichen Sarg, wie es einem ehrsamen Bürger ziemt, vor den Hochaltar der Kirche St. John's stellen, des Schutzpatrons der guten Stadt. Hütet Euch vor Geschrei und Lärm; und jeder Waffenfähige, der der guten Stadt wohl will, halte seine Waffen bereit und sei fertig, sich beim Schall der Glocke des Stadthauses in der Highstreet einzufinden, damit wir entweder den Tod unseres Mitbürgers rächen, oder das Loos annehmen, das uns der Himmel sendet. – Inzwischen meidet jeden Streit mit den Rittern und ihrem Gefolge, bis wir den Unschuldigen von dem Schuldigen unterscheiden. – Aber wo bleibt denn der kühne Schmied? Er ist gleich bereit bei Unruhen, wo man seine Gegenwart nicht verlangt, und er fehlt, wenn er mit derselben der guten Stadt dienen kann? – Was fehlt ihm, weiß es Niemand? Hat er am Fastnachtsabend geschwärmt?«

»Er ist vielmehr krank oder mürrisch, Meister Bailie,« sagte einer von den Mairs oder Gerichtsdienern; »denn obwohl er zu Hause ist, wie seine Leute sagen, will er uns doch weder antworten noch einlassen.«

»Mit Eurer Erlaubniß, Meister Bailie,« sagte Simon Glover, »will ich selber gehen, Harry Schmied zu holen. Ich habe einen kleinen Streit mit ihm abzumachen. Und gepriesen sei unsre Frau, die es so gefügt hat, daß ich ihn lebend finde, wie ich vor einer Viertelstunde nimmer erwartet hätte!«

»Bringt den trotzigen Schmied zum Rathhause,« sagte der Bailie, als sich ein reitender Yeoman durch die Menge drängte und ihm zuflüsterte: – »Hier ist ein guter Bursch', welcher sagt, daß der Ritter von Kinfauns durch's Thor zieht.«

So standen die Dinge, als Simon Glover, wie bereits erwähnt, vor Harry Gow's Hause erschien.

Nicht gehemmt durch die Betrachtungen des Zweifels und der Besorgniß, welche auf die Andern Einfluß hatten, ging er nach dem Wohnzimmer; und nachdem er die Stimme der Frau Shoolbred vernommen, nahm er das Vorrecht der genauen Bekanntschaft in Anspruch, in's Schlafgemach hinaufzugehen, öffnete mit der leichten Entschuldigung, »bitt' um Verzeihung, guter Nachbar,« die Thür und trat in das Gemach, wo ihn ein seltsamer und unerwarteter Anblick überraschte. Beim Ton seiner Stimme wurde die schöne Katharina viel schneller belebt, als die Arzneien der Frau Shoolbred dies hätten bewirken können, und die Blässe ihres Gesichts wechselte plötzlich mit einer tiefen Glut der lebhaftesten Röthe. Sie stieß ihren Liebhaber mit beiden Händen zurück, die sie bis jetzt, aus Bewußtlosigkeit oder aus einer durch die Vorfälle des Morgens erweckten Neigung ganz seinen Liebkosungen überlassen hatte. Harry Schmied, dessen Schüchternheit wir kennen, strauchelte im Aufstehen, und Niemand in der Gesellschaft war ohne Verlegenheit, außer Frau Shoolbred, die sich das Vergnügen machte, unter einem Vorwand den Andern den Rücken zu kehren, um auf ihre Kosten zu lachen, was sie nicht langer zurückhalten konnte; und der Handschuhmacher, dessen Staunen, obwohl groß, doch von kurzer Dauer war, stimmte fröhlich mit ein.

»Nun, bei St. John,« sagte er, »ich glaubte diesen Morgen einen Anblick zu haben, der mich vom Lachen heilen würde, mindestens bis nach dem Fasten; aber das würde mich zum Lachen bringen und läg' ich im Sterben. Nun, da steht der ehrsame Harry Schmied, den man als todt beweint und von jedem Thurm in der Stadt ausläutet, lebendig, lustig und, nach seinem rothen Gesicht zu urtheilen, so weit vom Tode, als irgend Einer von Perth. Und da ist meine köstliche Tochter, die gestern Abend von Nichts sprechen wollte, als von der Schlechtigkeit der Wichte, die eitlem Spielwerk nachlaufen und Sängerinnen schützen, – ja, sie, die St. Valentin und St. Cupido zugleich trotzte, – sie ist hier, so viel ich sehe, selbst in ein lustiges Mädchen verwandelt. Wahrlich, mich freut es, zu sehen, daß Ihr, meine gute Frau Shoolbred, die keine Unordnung duldet, selbst bei der Liebesangelegenheit waret.«

»Ihr thut mir Unrecht, mein theuerster Vater!« sagte Katharina, im Begriff zu weinen. »Ich kam mit ganz anderen Erwartungen hierher, als Ihr vermuthet. Ich kam nur, weil – weil –«

»Weil du einen todten Liebhaber zu finden dachtest,« sagte ihr Vater; »und du hast einen lebendigen gefunden, der die Zeichen deiner Achtung annehmen und sie erwidern kann. Nun, wär' es nicht eine Sünde, so könnt' ich in meinem Herzen dem Himmel danken, daß du endlich bei dem Geständniß überrascht worden bist, du sei'st ein Weib – Simon Glover verdient nicht eine vollkommen Heilige zur Tochter zu haben. – Nein, blicke nicht so flehentlich, erwarte kein Erbarmen von mir! ich will blos versuchen, nicht lustig zuzusehen, wenn du deine Thränen stillen oder gestehen willst, daß es Freudenthränen sind.«

»Müßte ich wegen eines solchen Geständnisses sterben,« sagte die arme Katharina, »ich wüßte nicht, wie ich sie nennen sollte. Glaubt nur, lieber Vater, und laßt auch Harry glauben, daß ich nie hierher gekommen wäre, wenn nicht – wenn nicht –«

»Wenn du nicht bedacht hättest, Harry könnte nicht zu dir kommen,« sagte ihr Vater. »Und nun reicht euch die Hände in Frieden und Eintracht, und vertragt euch, wie Valentine sollen. Gestern war Fastnacht, Harry – wir wollen glauben, daß du deine Thorheiten gebeichtet hast, daß dir Absolution geworden und daß du von aller Schuld, womit du beladen warst, befreit bist.«

»Ei, da Ihr darauf kommt, Vater Simon,« sagte der Schmied, »nun Ihr kalt genug seid, mich zu hören, so kann ich beim Evangelium schwören und kann meine Amme, Frau Shoolbred, zum Zeugen ausrufen –«

»Nein, nein,« sagte der Handschuhmacher, »warum Zwistigkeiten aufstören, die ganz vergessen sein sollten?«

»Hört Ihr, Simon! – Simon Glover!« dies schallte nun von unten herauf.

»Ja, Sohn Harry,« sagte der Handschuhmacher ernst, »wir haben jetzt ein ander Geschäft vor uns. Ihr und ich müssen sogleich vor den Rath; Katharina wird hier bei Frau Shoolbred bleiben, die sie bis zu unsrer Rückkehr unter ihre Obhut nehmen wird; und dann, Harry, wollen wir Beide, da die Stadt unruhig ist, sie nach Hause führen, und es würden tollkühne Männer sein, die uns in den Weg träten.«

»Ei, mein lieber Vater,« sagte Katharina mit einem Lächeln, »jetzt übernehmt Ihr ja Oliver Proudfute's Amt. Dieser tapfere Bürger ist Harry's Waffenbruder.« Ihres Vaters Gesicht verdüsterte sich.

»Du hast ein verletzendes Wort gesprochen, Tochter; aber du weißt nicht, was geschehen ist. Küss' ihn Katharina, zum Zeichen der Vergebung.«

»Nicht doch,« sagte Katharina; »ich habe ihm bereits zu viel Gunst erwiesen. Wenn er das irrende Mädchen sicher daheim sieht, wird Zeit genug sein, den Lohn zu fordern.«

»Unterdessen,« sagte Harry, »will ich als Euer Wirth in Anspruch nehmen, was Ihr unter anderer Bedingung nicht gewähren wollt.«