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»Es ist keine Schande, mein theuerster Sohn,« sagte Simon; »du bist so mild, als tapfer, und ich habe das stets gewußt. Es gibt noch eine Auskunft für uns. Es wird vielleicht Niemand entdeckt, auf dem ein Verdacht haftet, und wenn kein solcher gefunden wird, kann der Zweikampf nicht stattfinden. Es ist ein arges Ding, zu wünschen, daß unschuldig Blut nicht gerächt werde. Aber wenn der Vollbringer des schändlichen Mordes für jetzt verborgen bleibt, so wirst du mit dem Geschäft verschont, die Rache zu suchen, die der Himmel sicherlich zur gehörigen Zeit nehmen wird.«

Während sie so sprachen, langten sie auf dem Punkte der Highstreet an, wo das Rathhaus lag. Als sie die Thür erreichten und sich Bahn durch die Menge machten, welche die Straße erfüllte, fanden sie die Zugänge durch eine auserlesene Schaar bewaffneter Bürger und etwa fünfzig Lanzen des Ritters von Kinfauns besetzt, der mit seinen Verbündeten, den Gray's, Blair's, Moncrieff's und Anderen eine beträchtliche Reiterschaar nach Perth geführt hatte, wovon diese ein Theil waren. Sobald der Handschuhmacher und der Schmied erschienen, wurden sie in das Zimmer geführt, wo die Magistratspersonen versammelt waren.

Zwanzigstes Kapitel

Ein Weib steht draußen um Gerechtigkeit,

Beraubt des Gatten, trostlos und verlassen.

Bertha.

Das Rathszimmer von Perth bot ein seltsames Schauspiel dar. In einem düsteren Gemache, schlecht und ungehörig durch zwei Fenster von verschiedener Gestalt und ungleicher Größe erleuchtet, war um eine große Eichentafel eine Gruppe Männer versammelt, von denen diejenigen, welche die höheren Sitze einnahmen, Kaufleute waren, das heißt Gildebrüder oder Inhaber von Kaufläden; in anständiger Kleidung, wie sie ihrem Stande gebührte, saßen sie bei einander, aber die Meisten von ihnen trugen, wie der Regent York, »Kriegszeichen um die bejahrten Nacken«, nämlich Halsbänder und Wehrgehänge, woran ihre Waffen hingen. Die niederen Plätze um den Tisch nahmen die Handwerker und Künstler ein, die Vorsitzenden oder Diakonen, wie man sie nannte, der arbeitenden Klassen, in ihren gewöhnlichen Kleidern, die aber doch etwas besser geordnet waren, als sonst. Diese trugen auch noch verschiedene Waffenstücke. Einige hatten die schwarze Jacke oder das Wams mit rautenförmigen kleinen Eisenplatten besetzt, die, am obern Winkel befestigt, in Reihen über einander hingen, und, jeder Bewegung des Körpers folgend, eine sichere Schutzrüstung bildeten. Andere hatten Büffelkoller, die, wie schon erwähnt wurde, einem Schwerthiebe oder einem mäßig starken Lanzenstoße widerstehen konnten. Unten an dieser von so verschiedener Gesellschaft umgebenen Tafel saß Sir Louis Lundin, kein Kriegsmann, sondern Priester und Pfarrer von St. Johns, in seinem kirchlichen Gewande, Feder und Tinte vor sich. Er war der Stadtschreiber und erhielt, wie damals alle Priester (die man deswegen des Papstes Ritter nannte), den ehrenvollen Titel Dominus, was verkürzt in Dom oder Don, oder übersetzt in Sir, der Titel war, welcher der weltlichen Ritterschaft zukam.

Auf einem erhöhten Sitze oben an der Rathstafel saß Sir Patrick Charteris, in vollständiger, glänzend polirter Rüstung; ein seltsamer Contrast gegen die bunte Mischung kriegerischer und friedlicher Anzüge der Bürger, die nur gelegentlich zu den Waffen gerufen wurden. Das Benehmen des Oberrichters war, indem es zugleich die innige Verbindung, welche gegenseitiges Interesse zwischen ihm, der Stadt und der Obrigkeit hervorbringen mußte, vollkommen zuließ, wohlberechnet, um die Ueberlegenheit hervorblicken zu lassen, welche ihm kraft seines edlen Blutes und ritterlichen Ranges die Meinung des Zeitalters über die Glieder der Versammlung gab, in welcher er den Vorsitz führte. Zwei Knappen standen hinter ihm, deren einer des Ritters Fahne, der andere seinen Schild mit dem Wappenzeichen trug, welches eine Hand war, die einen Dolch oder ein kurzes Schwert hielt, mit dem stolzen Wahlspruch: Dies ist mein Freibrief! Ein schöner Page zeigte das lange Schwert seines Herrn und ein anderer seine Lanze, welche ritterliche Schmuck- und Standeszeichen um so sorgfältiger zur Schau gestellt waren, da der Herr, dem sie angehörten, beschäftigt war, sein Amt als Stadtobrigkeit auszuüben. An seiner eigenen Person schien der Ritter von Kinfauns etwas steife Vornehmheit zu affectiren, die seinem offenen und jovialen Charakter nicht natürlich war.

»Nun, seid ihr endlich angekommen, Harry Schmied und Simon Glover?« sagte der Oberrichter. »Wißt, daß ihr uns lange auf euer Erscheinen habt warten lassen. Sollte dies wieder geschehen, wenn wir diese Stelle einnehmen, so werden wir euch eine solche Buße auflegen, deren Zahlung euch kein Vergnügen machen wird. Genug – keine Entschuldigungen. Sie werden jetzt nicht verlangt, und ein anderes Mal nicht angenommen. Wißt, meine Herren, daß unser ehrwürdiger Schreiber der Läng' und Breite nach aufgesetzt hat, was ich euch jetzt in der Kürze sagen will, damit ihr seht, was man, insbesondere von Euch, Harry Schmied, verlangt. Unser verstorbener Mitbürger Oliver Proudfute wurde, gleich beim Eingang in den Wynd, todt in der Highstreet gefunden. Es schien, daß er durch einen schweren Hieb mit kurzer Axt von hinten und unvermerkt erschlagen worden sei; und die That, durch welche er fiel, kann nur eine schändliche und vorsätzliche Mordthat genannt werden. So viel vom Verbrechen. Der Thäter kann nur durch die Umstände angezeigt werden. Es wird in dem Protocoll des ehrwürdigen Sir Louis Lundin bemerkt, daß verschiedene wohlberufene Zeugen unsern verstorbenen Mitbürger noch spät in die Entry der Mohrentänzer, zu der er gehörte, bis zu Simon Glovers Haus in Curfewstreet begleiten sahen, wo sie ihren Tanz aufführten. Auch ist angezeigt, daß er sich nach einigem Gespräch mit Simon Glover dort von der übrigen Schaar trennte und der Gesellschaft versprach, in der Greifschenke mit ihnen zur Beschließung des Festes zusammenzukommen. – Nun, Simon, ich frage Euch, ist die Angabe richtig, so viel Ihr wißt? Und ferner, was war der Inhalt des Gespräches zwischen Euch und dem verstorbenen Oliver Proudfute?«

»Mylord Oberrichter und sehr ehrenwerther Sir Patrick,« antwortete Simon Glover, »Ihr und dieser ehrwürdige Rath werdet wissen, daß, wegen gewisser Gerüchte, die über Harry Schmieds Benehmen entstanden waren, zwischen mir und einer andern Person meiner Familie und besagtem hier anwesenden Schmied ein Zwist vorgekommen war. Da nun dieser unser armer Mitbürger Oliver Proudfute bei Verbreitung jener Gerüchte thätig gewesen, wie überhaupt dergleichen Plauderei seine Sache war, so wechselten wir einige Worte darüber; und er ging von mir, wie ich glaube, in der Absicht, Harry Schmied zu besuchen, denn er verließ die Mohrentänzer, wie es scheint, mit dem Versprechen, sie, wie Eure Herrlichkeit sagt, in der Greifschenke wiederzufinden, um den Abend zu beschließen. Aber was er wirklich that, weiß ich nicht, da ich ihn nie wieder lebend sah.«

»Es ist genug,« sagte Sir Patrick, »und stimmt mit Allem überein, was wir gehört haben. Nun, werthe Herren, finden wir unseren armen Mitbürger zunächst umgeben von einer Schaar von Schwärmern und Masken, die sich in der Highstreet versammelt hatten, von denen er schimpflich gemißhandelt ward, indem sie ihn zwangen, auf der Straße niederzuknieen und dort gegen seinen Willen eine ungeheure Menge Wein zu trinken, bis er ihnen endlich durch die Flucht entkam. Diese Gewaltthat geschah mit gezogenen Schwertern, lautem Geschrei und Fluchen, so daß die Sache die Aufmerksamkeit verschiedener Personen auf sich zog, die, von dem Lärm beunruhigt, aus den Fenstern sahen, so wie auch einiger Vorübergehenden, die, aus dem Lichte der Fackeln tretend, um nicht ebenso gemißhandelt zu werden, der schlimmen Behandlung unsers Mitbürgers in der Hauptstraße der Stadt zusahen. Und obwohl jene Menschen verkleidet waren und Masken trugen, so war doch ihre Mummerei wohlbekannt, denn es waren prächtige Masken, die vor einigen Wochen auf Befehl Sir John Ramorny's, Stallmeisters Seiner königlichen Hoheit des Herzogs von Rothsay, königlichen Prinzen von Schottland, verfertigt wurden.«