Ein tiefer Seufzer ging durch die Versammlung.
»Ja, so ist es, brave Bürger,« fuhr Sir Patrick fort; »unsere Nachforschungen haben uns zu Schlüssen geführt, die traurig und schrecklich sind. Aber wie Niemand mehr den Punkt bedauern kann, bei dem sie sich wahrscheinlich endigen werden, als ich, so kann auch Niemand ihre Folgen mehr fürchten. Es ist einmal so – verschiedene Handwerker, die daran gearbeitet haben, beschrieben den für Sir Ramorny's Maske bestimmten Schmuck genau so, wie ihn einer von den Männern trug, die man Oliver Proudfute mißhandeln sah. Und ein Handwerker, Wingfield, der Federschmücker, der die Schwärmer sah, als unser Mitbürger in ihrer Gewalt war, bemerkte, daß sie die Gürtel und Kronen von bunten Federn trugen, die er selber im Auftrage von des Prinzen Stallmeister gemacht hatte. – Vom Augenblicke seiner Flucht vor diesen Schwärmern verlieren wir jede Spur von Oliver; aber wir können beweisen, daß die Masken zu Sir John Ramorny gingen, wo sie nach einigem Zögern eingelassen wurden. Es verlautet, daß du, Harry Schmied, unsern unglücklichen Mitbürger sahest, nachdem er in den Händen jener Schwärmer gewesen war. – Was ist Wahres an der Sache?«
»Er kam zu meinem Hause auf dem Wynd,« sagte Harry, »etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht; und ich ließ ihn ein, wiewohl etwas ungern, da er den Karneval gefeiert hatte, während ich daheim geblieben war; es ist schlechtes Reden, sagt das Sprichwort, zwischen einem vollen Manne und einem Nüchternen.«
»Und in welchem Zustande schien er, als du ihn einließest?« sagte der Oberrichter.
»Er schien,« antwortete der Schmied, »außer Athem, und sagte wiederholt, daß er von Nachtschwärmern bedroht sei. Ich achtete darauf wenig, denn er war stets ein schüchterner, verzagter, obwohl gutdenkender Mann, und ich glaubte, er spräche mehr aus Einbildung als nach der Wirklichkeit. Aber stets werd' ich es mir als ein Verbrechen anrechnen, daß ich ihm nicht meine Begleitung schenkte, um die er bat; und wenn ich lebe, will ich zur Buße für meine Schuld Messen stiften.«
»Beschrieb er diejenigen, von denen er beleidigt worden war?« sagte der Oberrichter.
»Nachtschwärmer in Maskenkleidern,« erwiderte Harry.
»Und äußerte er die Besorgniß, bei seiner Rückkehr wieder mit ihnen zusammenzukommen?« fragte Sir Patrick weiter.
»Er spielte besonders darauf an, daß man ihm auflauere, was ich für Einbildung hielt, da ich Niemand auf der Straße bemerkt hatte.«
»Erhielt der Mann auf keinerlei Art Hülfe von dir?« sagte der Oberrichter.
»Ja,« erwiderte der Schmied; »er vertauschte sein Mohrenkleid mit meiner Pickelhaube, Büffelwams und Schild, die, wie ich höre, bei dem Leichnam gefunden wurden; und ich habe zu Hause seine Mohrenmütze und Schellen, nebst dem Rock und anderem Zubehör. Er wollte mir meine Waffen zurückschicken und seine Maske heute dafür in Empfang nehmen, hätten die Heiligen das gestattet.«
»Nachher saht Ihr ihn nicht wieder?«
»Nie, Mylord.«
»Noch ein Wort,« sagte der Oberrichter. »Habt Ihr irgend einen Grund, zu glauben, daß der Hieb, der Oliver Proudfute tödtete, einem andern Manne zugedacht war?«
»Allerdings,« antwortete der Schmied; »aber es ist zweifelhaft und kann gefährlich sein, einen solchen Verdacht, der nur auf Vermuthung beruht, auszusprechen.«
»Sprecht ihn aus, bei Eurem Bürgereid – wem, meint Ihr, war der Schlag zugedacht?«
»Wenn ich sprechen muß,« erwiderte Harry, »so glaub ich, Oliver Proudfute erfuhr das Geschick, welches mich selbst treffen sollte; um so eher, da Oliver in seiner Thorheit davon sprach, meinen Gang ebenso wie meine Kleider annehmen zu wollen.«
»Habt Ihr mit Jemand Fehde, daß Ihr eine solche Vermuthung hegt?« sagte Sir Patrick Charteris.
»Zu meiner Schmach und Schande sei es gesagt, daß ich Fehde mit Hochland und Niederland, Engländern und Schotten, Perth und Angus habe. Ich glaube nicht, daß der arme Oliver Fehde mit einem neugebornen Küchlein hatte. – Ach! er war desto besser bereit zu schnellem Tode!«
»Hört, Schmied,« sagte der Oberrichter, »antwortet mir genau – ist Grund zur Fehde zwischen Sir John Ramorny's Hause und Euch?«
»Ja, sicherlich, Mylord. Man sagt jetzt allgemein, daß der schwarze Quentin, der seit einigen Tagen jenseit des Tay nach Fife gegangen ist, der Eigenthümer der Hand war, die man am Abend vor St. Valentin in Curfewstreet fand. Ich war es, der diese Hand mit einem Streiche meines Schwertes abhieb. Da dieser schwarze Quentin ein Kammerdiener Sir Johns und sehr vertraut mit ihm war, so muß ja wohl Fehde zwischen mir und seines Herrn Leuten sein.«
»Das sieht wahrscheinlich aus, Schmied,« sagte Sir Patrick Charteris. – »Und nun, gute Bürger und weise Rathsherren, haben wir zwei Vermuthungen, die beide zum nämlichen Schlusse führen. Die Masken, die unsern Mitbürger angriffen und auf eine Art mißhandelten, von der sein Leichnam noch einige Spuren trägt, können ihrem vormaligen Gefangenen, als er nach Hause ging, begegnet sein und ihre Mißhandlung mit seinem Tode geendigt haben. Er selbst äußerte gegen Harry Gow, es möchte ihm so gehen. Ist dies der Fall, so müssen einer oder mehrere von Sir John Ramorny's Dienern die Mörder gewesen sein. Aber ich halte es für wahrscheinlicher, daß etliche der Schwärmer auf dem Orte zurückblieben oder wieder dorthin kamen, vielleicht mit veränderter Maske, und daß diesen Leuten (denn Oliver selbst würde, in seiner eigenen Person auftretend, nur ein Gegenstand des Spottes gewesen sein) seine Erscheinung in Schmieds Kleidung oder gar mit dessen Gang, wie er sich vornahm, ein Gegenstand tiefen Hasses war, so daß sie, ihn allein sehend, eine gewisse und sichere Art wählten, eines so gefährlichen Feindes los zu werden, als welcher der Harry Wynd Allen bekannt ist, die nicht gut mit ihm stehen. So führt die nämliche Reihe von Gedanken wieder auf Sir Ramorny's Leute, als die Schuldigen. Wie denkt ihr davon, ihr Herren? Dürfen wir sie des Verbrechens anklagen?«
Die Magistratspersonen flüsterten mehrere Minuten unter einander und erwiderten dann durch die Stimme des Bailie Craigdallie: »Edler Ritter und würdiger Oberrichter, – wir stimmen ganz dem bei, was Eure Weisheit in Betreff dieser dunkeln und blutigen Angelegenheit gesprochen hat; auch zweifeln wir nicht an Eurem Scharfsinn, der auf den Antheil und die Mitwissenschaft Sir John Ramorny's an der Schurkerei hindeutet, die unsern verstorbenen Mitbürger entweder in seinem eigenen Charakter und auf seine eigene Rechnung, oder indem man ihn für unsern tapfern Mitbürger, Harry vom Wynd, hielt, geschah. Aber Sir John hält zu seinem eigenen Behuf und als Stallmeister des Prinzen viele Dienerschaft, und da die Anklage wahrscheinlich durch gänzliches Läugnen abgewiesen werden wird, so möchten wir fragen, was wir dann zu thun haben werden? – Es ist wahr, wenn wir ein Gesetz fänden, nach dem wir sein Haus anzünden, und Alles was d'rinnen ist, niedermachen dürften, so würde das alte Sprichwort: ›Kurze Rede, gute Rede‹, hier gute Anwendung finden; denn ein elenderes Gesindel von Gotteslästerern, Mördern und Weiberschändern findet man nirgends, als in Ramorny's Bande. Aber ich zweifle, ob die Gesetze eine so kurze und schnelle Vollziehung ertrügen; und nichts von alle dem, was ich hörte, wird einem einzelnen oder einigen bestimmten Individuen das Verbrechen aufbürden können.«