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Nachdem er sich mit einer Milde und Freundlichkeit, die sonst nicht in seinem Benehmen lag, versichert hatte, daß die unglückliche Frau seine Meinung vollkommen begriff, sagte er laut zur Versammlung: »Gute Bürger von Perth und freie Männer der Gilden und Zünfte, merkt auf das, was geschehen soll, denn es betrifft eure Rechte und Freiheiten. Hier steht Magdalena Proudfute, welche die gebührende Rache für den Tod ihres, wie sie sagt, von Sir John Ramorny schmählich ermordeten Gatten zu verfolgen gedenkt, was sie durch das Gottesgericht des Sarges oder durch den Leib eines Mannes zu erweisen erbötig ist. Daher mache ich, Patrick Charteris, ein gegürteter Ritter und freigeborner Edelmann, mich anheischig, in ihrem gerechten Kampfe zu streiten, so lange Mann und Roß aushalten, wenn Jemand meines Standes den Handschuh aufhebt. – Was sagt Ihr, Magdalena Proudfute, wollt Ihr mich zu Eurem Kämpen annehmen?«

Die Wittwe antwortete mit Mühe: »Ich kann keinen edlern wünschen.«

Sir Patrick nahm nun ihre rechte Hand in die seinige, und, indem er sie auf die Stirne küßte, denn so war der Brauch, sagte er feierlich: »So möge mir Gott und St. John in meiner Noth helfen, wie ich meine Pflicht als Euer Kämpe thun werde, ritterlich, treu und mannhaft. Geht nun, Magdalena, und wühlt nach Belieben unter den Bürgern der guten Stadt, ob gegenwärtig oder abwesend, einen aus, dem Ihr Euern Kampf zu übertragen wünscht, wenn der, gegen den Ihr klagt, unter meinem Stande sein sollte.«

Aller Augen richteten sich auf Harry Schmied, den die allgemeine Stimme bereits als den in jeder Hinsicht hierbei passendsten Kämpen bezeichnet hatte. Aber die Wittwe wartete nicht auf das, was die Blicke Aller sagten. Sobald Sir Patrick ausgesprochen hatte, ging sie durch den Saal zu der Stelle, wo am untern Ende der Tafel der Waffenschmied unter Männern seines Standes stand, ergriff ihn bei der Hand und sagte:

»Harry Gow, oder Schmied, guter Bürger und Zunftgenosse, mein – mein – «

Gatte, wollte sie sagen, aber sie brachte das Wort nicht hervor; sie war genöthigt, sich anders auszudrücken.

»Er, der geschieden ist, liebte und lobte Euch vor allen Männern; daher ziemt es sich, daß du den Streit für seine Wittwe und Waisen ausfechten wirst.«

Wäre eine Möglichkeit gewesen, was in diesem Zeitalter nicht der Fall war, daß Harry einem Auftrage, wozu ihn Alle zu bestimmen schienen, entgehen und ausweichen konnte, so war doch jeder Wunsch und Gedanke daran abgeschnitten, als die Wittwe ihn anzureden begann; und kein Befehl des Himmels hätte einen stärkern Eindruck auf ihn machen können, als die Bitte der unglücklichen Magdalena. Ihre Hindeutung auf seine genaue Bekanntschaft mit dem Abgeschiedenen rührte ihn in der Seele. Während Olivers Leben lag ohne Zweifel etwas Albernes in seiner übertriebenen Vorliebe für Harry, was, wenn man die völlige Verschiedenheit ihres Charakters betrachtete, wahrhaft lächerlich war. Aber alles dies war nun vergessen, und Harry, seinem natürlichen Feuer nachgebend, erinnerte sich nur noch, daß Oliver sein Freund und Bekannter war, ein Mann, den er so sehr liebte und ehrte, als er fähig war, solche Gefühle für einen Mann zu hegen; und besonders dachte er daran, daß viel Grund zu dem Verdachte vorhanden war, der Ermordete sei als Opfer eines für Harry bestimmten Streiches gefallen.

Es geschah daher mit einer Lebhaftigkeit, die er eine Minute vorher kaum hätte zeigen können, und die ein trauriges Vergnügen auszudrücken schien, daß der Waffenschmied, nachdem er seine Lippen auf die kalte Stirn der unglücklichen Magdalena gedrückt, erwiderte:

»Ich, Harry, der Schmied, wohnhaft auf dem Wynd in Perth, ehrsamer Mann, treu und frei geboren, übernehme das Amt eines Kämpen für diese Wittwe Magdalena und diese Waisen, und will in ihrer Sache bis auf den Tod kämpfen mit jedem Manne meines eigenen Standes, so lange ich athmen werde. So helfe mir in meiner Noth Gott und St. John!«

Hier erhob sich unter den Zuhörern ein halb unterdrücktes Geschrei, welches die Theilnahme anzeigte, die alle Anwesenden an der Verfolgung des Streites hegten, so wie ihr Vertrauen auf den Ausgang desselben.

Sir Patrick Charteris machte sodann Anstalt, zum König zu gehen und um Erlaubniß zu bitten, die Untersuchung der Ermordung Oliver Proudfute's, der Form des Sarg-Rechts gemäß, und, wenn dies nothwendig, des Zweikampfes, verfolgen zu dürfen.

Er vollbrachte dies Geschäft, nachdem sich der Stadtrath aufgelöst hatte, in einer geheimen Audienz beim König, der von diesen neuen Unruhen mit vielem Kummer hörte, und für Sir Patrick und die betheiligten Parteien den nächsten Morgen nach der Messe als Zeit bestimmte, seinen Willen im Staatsrathe zu vernehmen. Inzwischen ward ein königlicher Diener nach den »Constable's Lodgings« abgeschickt, um die Liste der Dienerschaft Sir John Ramorny's zu fordern und ihm nebst seinem ganzen Gefolge bei schwerer Strafe zu befehlen, in Perth zu bleiben, bis des Königs Wille Weiteres verfügen würde.

Einundzwanzigstes Kapitel

In Gottes Namen, Schranken und Alles ist bereit;

So geht an's Werk. – Es schütze Gott das Recht!

Heinrich IV.

Im nämlichen Rathssaale des Klosterpalastes der Dominikaner saß König Robert mit seinem Bruder Albany, dessen affectirte Tugendstrenge und wirkliche List und Verstellung so viel Einfluß auf den schwachen Monarchen übten. Es war allerdings natürlich, daß ein Mann, der die Dinge selten in ihren wirklichen Formen und Umrissen sah, sie aus dem Gesichtspunkte betrachtete, unter welchem sie ihm durch einen kühnen, listigen Mann gezeigt wurden, der das Vorrecht einer so nahen Verwandtschaft in Anspruch nahm.

Immer besorgt hinsichtlich seines irregeleiteten, unglücklichen Sohnes, bemühte sich nun der König, Albany mit sich gleicher Meinung zu machen, indem er Rothsay von einer Theilnahme an des Strumpfwirkers Tode freisprach in Bezug auf die Andeutung, die Sir Patrick Charteris Seiner Majestät deswegen gegeben hatte.

»Dies ist eine unselige Sache, Bruder Robin,« sagte er, »ein höchst unseliger Vorfall, und wird wohl Zwist und Streit zwischen Adel und Volk hier anstiften, wie sie in vielen freien Ländern einander bekriegt haben. Mir ist nur etwas daran tröstlich, und das ist, daß Sir John Ramorny seine Entlassung aus dem Dienste des Herzogs von Rathsay erhalten hat, und man daher nicht sagen kann, er oder Jemand von seinen Leuten, die diese blutige That verübt haben (wenn sie fürwahr verübt worden ist), sei dazu von meinem armen Sohne ermuthigt oder aufgehetzt worden. Ich bin gewiß, Bruder, Ihr und ich können es bezeugen, wie bereitwillig er auf meine Bitten wegen des Streites in Curfewstreet Ramorny aus seinem Dienste entlassen hat.«

»Ich erinnere mich dessen,« sagte Albany; »und ich hoffe wohl, daß die Verbindung zwischen dem Prinzen und Ramorny nicht erneuert worden sei, seit er sich Eurer Majestät Wünschen zu fügen schien.«

»Zu fügen schien – die Verbindung erneuert?« sagte der König; »wen meint Ihr mit diesen Ausdrücken, Bruder? Gewiß, als David mir versprach, er wolle sich, wenn die unselige Sache in Curfewstreet nur unterdrückt und verborgen bliebe, von Ramorny entfernen, da man ihn für einen Rathgeber hielt, der fähig sei, ihn in ähnliche Thorheiten zu verwickeln, und zufrieden sein, wenn wir ihn verbannten oder sonst eine beliebige Strafe ihm auflegten, – gewiß, Ihr könnt nicht zweifeln, daß seine Geständnisse da aufrichtig waren, und daß er sein Versprechen halten wird? Wißt Ihr nicht mehr, daß auf Euern Rath, man solle statt der Verbannung eine schwere Geldbuße auf seine Güter in Fife legen, der Prinz selber zu sagen schien, Verbannung werde besser für Ramorny, wie für ihn selbst sein?«

»Ich erinnere mich dessen wohl, mein königlicher Bruder. Auch könnt' ich wahrlich nicht von Ramorny vermuthen, daß er so viel Einfluß auf den Prinzen habe, nachdem er dazu beitrug, ihn in eine so gefährliche Lage zu versetzen, hätte es nicht, wie Eure Majestät bemerkte, mein königlicher Neffe selbst gestanden, daß Jener, wenn man ihn am Hofe ließe, noch immer sein Benehmen leiten könnte. In diesem Falle hätte ich bedauert, auf Geldstrafe statt der Verbannung angetragen zu haben. Aber diese Zeit ist vorüber, und es ist neues, für Eure Majestät, für Euern königlichen Erben und das ganze Königreich gefahrvolles Unheil geschehen.«