Der Herzog hielt inne, und nachdem er einige Minuten König Robert in einem Nachdenken gelassen, welches er nicht zu unterbrechen versuchte, sagte er in lebhaftem Tone: »Aber, seid guten Muthes, mein edler König. Der Streit kann vielleicht ohne weiteres Gefecht und ohne Schwierigkeit abgemacht werden. Die Wittwe ist arm, denn ihr Gatte war, so viel er auch arbeitete, eitel und verschwenderisch. Die Sache läßt sich daher vielleicht mit Geld abmachen, und den Betrag einer Buße kann man von Ramorny's Gütern erheben.«
»Nein, das wollen wir selber besorgen,« sagte König Robert, begierig die Hoffnung auf einen friedlichen Schluß des unerfreulichen Streites ergreifend. »Ramorny's Aussichten werden durch seine Verbannung vom Hofe und seine Entlassung aus dem Hause des Prinzen zerstört, und es wäre unedel, einen Fallenden zu beschweren. – Aber hier kommt unser Schreiber, der Prior, um uns zu sagen, daß die Stunde des Rathes naht. – Guten Morgen, mein würdiger Vater.«
»Benedicte, mein königlicher Herr!« antwortete der Abt.
»Nun, guter Vater,« fuhr der König fort, »wir können, ohne auf Rothsay zu warten, für dessen Uebereinstimmung mit unseren Beschlüssen wir bürgen, die Geschäfte unseres Reiches beginnen. Was wißt Ihr von Douglas?«
»Er ist in seinem Schlosse Tantallon eingetroffen, mein König, und hat einen Boten mit der Nachricht gesendet, daß, obwohl der Graf von March in düsterer Abgeschlossenheit in seiner Veste Dunbar bleibt, sich doch seine Gefährten und Freunde sammeln und ein Feldlager bei Coldingham bilden, wo sie, wie man glaubt, die Ankunft eines starken Heeres der Engländer erwarten wollen, das Hotspur und Sir Ralph Percy an der englischen Grenze zusammenziehen.«
»Das sind kalte Neuigkeiten,« sagte der König; »und Gott möge Georg von Dunbar vergeben! – Der Prinz trat bei diesen Worten ein, und er fuhr fort – »ha! bist du endlich da, Rothsay? – ich sah dich nicht in der Messe.«
»Ich war diesen Morgen ein Müßiggänger,« sagte der Prinz, »weil ich eine schlaflose und fieberische Nacht gehabt habe.«
»Ah, thörichter Bursche!« antwortete der König; »wärst du nicht am Fastnachtabend schlaflos gewesen, so wärst du die Nacht des Aschermittwochs nicht vom Fieber geplagt.«
»Ich will Eure Gebete nicht unterbrechen, mein König,« sagte der Prinz leicht. »Eure Majestät ruft den Himmel an für einen – einen Feind wahrscheinlich, denn denen kommen Eure Gebete häufig zu gut.«
»Setze dich und sei still, thörichter Jüngling!« sagte sein Vater, während sein Blick zugleich auf dem hübschen Gesicht und der anmuthigen Gestalt seines Lieblings ruhte. Rothsay zog einen Schemel zu den Füßen seines Vaters und ließ sich nachlässig darauf nieder, worauf der König weiter sprach: »Ich bedaure, daß der Graf von March, nachdem er von mir mit der Zusicherung der Vergütung für Alles, worüber er sich beklagen konnte, weggegangen, fähig gewesen sein sollte, sich mit Northumberland gegen sein eigenes Vaterland zu verschwören – ist es möglich, daß er an unserer Absicht zweifelte, unser Wort zu erfüllen?«
»Ich will für ihn antworten, nein!« sagte der Prinz; »March zweifelte nie an Eurem Wort. Wahrlich, es mag ihm wohl fraglich gewesen sein, ob Eure erfahrenen Räthe Eurer Majestät die Macht lassen würden, es zu halten.«
Robert der Dritte hatte in hohem Grade die furchtsame Politik angenommen, sich zu stellen, als höre er Ausdrücke nicht, die, wenn sie gehört wurden, selbst in seinen Augen eine Kundgebung des Mißfallens erforderten. Er fuhr daher in seiner Rede fort, ohne des Sohnes Worte zu bemerken; aber im Stillen vermehrte Rothsay's Raschheit das Mißfallen, welches sein Vater gegen ihn zu unterhalten begann.
»Es ist gut, daß Douglas an den Grenzen ist,« sagte der König. »Seine Brust ist, wie die seiner Vorfahren, immer das beste Bollwerk Schottlands gewesen.«
»Dann weh' uns, wenn er dem Feinde den Rücken wendet!« sagte der unverbesserliche Rothsay.
»Wagst du den Muth des Douglas zu verdächtigen?« erwiderte der König, höchst aufgebracht.
»Kein Mensch stellt des Grafen Muth in Frage,« sagte Rothsay; »er ist so sicher wie sein Stolz; – aber sein Glück ist etwas zu bezweifeln.«
»Bei St. Andreas, David!« rief sein Vater, »du bist wie eine Eule! – jedes deiner Worte bedeutet Streit und Unglück.«
»Ich schweige, Vater!« antwortete der Jüngling.
»Und welche Neuigkeiten von den hochländischen Unruhen?« fuhr der König, sich an den Prior wendend, fort.
»Ich hoffe, sie haben eine günstige Gestalt angenommen,« antwortete der Geistliche. »Das Feuer, welches das ganze Land bedrohte, wird wahrscheinlich mit dem Blute von vierzig bis fünfzig Räubern gelöscht werden; denn die zwei großen Bündnisse haben in feierlichem Waffenvertrage beschlossen, ihren Streit mit den von Eurer Majestät genannten Waffen in Eurer königlichen Gegenwart, an einem von Euch bestimmten Orte, am nächsten dreißigsten März, dem Palmsonntag, zu entscheiden. Die Zahl der Kämpfer ist auf dreißig von jeder Seite beschränkt, und das Gefecht geht bis zum letzten Hauch, weshalb sie Eure Majestät demüthig und ehrerbietig ersuchen und bitten, daß Ihr an diesem Tage Euer königliches Vorrecht, den Kampf durch Hinunterwerfen Eures Scepters oder durch den Ruf: »Ho!« zu endigen, väterlich außer Kraft setzen wollt, bis die Schlacht gänzlich zu Ende gekämpft ist.«
»Die wilden Barbaren!« rief der König; »wollen sie unser bestes und theuerstes Vorrecht beschränken, das, einem Streite Einhalt zu thun und einer Schlacht Stillstand zu gebieten? – Wollen sie den einzigen Beweggrund entfernen, der mich zu dem schlächtermäßigen Schauspiel ihres Kampfes bringen könnte? – Wollen sie wie Menschen fechten oder wie ihre eigenen Bergwölfe?«
»Mylord,« sagte Albany; »der Graf von Crawford und ich haben uns angemaßt, ohne Euch zu befragen, jene Artikel zu ratificiren, da uns dringende Gründe die Annahme zu fordern schienen.«
»Wie! der Graf von Crawford!« sagte der König. »Mich dünkt, er ist ein junger Rath in so ernsten Angelegenheiten.«
»Er ist,« erwiderte Albany, »trotz seiner jungen Jahre so geachtet unter seinen hochländischen Nachbarn, daß ich ohne seine Hilfe und seinen Einfluß wenig bei ihnen hätte ausrichten können.«
»Hör' dies, junger Rothsay!« sagte der König vorwurfsvoll zu seinem Erben.
»Ich bedaure Crawford, Sir.« erwiderte der Prinz. »Er hat zu früh einen Vater verloren, dessen Rathschläge in einer solchen Zeit, wie diese, besser gewesen sein würden.«
Der König wendete sich zunächst mit einem triumphirenden Blicke gegen Albany wegen der kindlichen Zuneigung, die sein Sohn durch seine Antwort an den Tag gelegt hatte.
Albany fuhr ungerührt fort. »Es ist nicht das Leben dieser Hochländer, sondern ihr Tod, welcher dem schottischen Staate nützlich sein wird; und allerdings schien es dem Grafen von Crawford und mir höchst wünschenswerth, daß der Streit ein Vernichtungskampf werde.«
»Wahrlich,« sagte der Prinz, »wenn die jugendliche Politik Lindsay's eine solche ist, so wird er nach zehn oder zwölf Jahren ein gnädiger Gebieter sein! Zum Henker mit einem Knaben, der ein hartes Herz hat, bevor er Haar über der Lippe trägt! Besser, er hätte sich zu Fastnacht mit Hahnkämpfen begnügt, als Pläne zu schmieden, wie zum Palmsonntag Menschen sich niedermetzeln sollen, wie wenn es einen wälschen Kampf gälte, wo Alle bis zum Tode streiten müssen.«