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»Rothsay hat Recht, Albany,« sagte der König: »es wäre unschicklich für einen christlichen Monarchen, in diesem Punkte nachzugeben. Ich kann nicht billigen, daß Menschen kämpfen, bis sie wie Vieh im Schlachthaus zusammengehauen sind. Der Anblick würde mich krank machen und das Scepter würde meiner Hand entfallen, blos weil mir die Kraft fehlte, es zu halten.«

»Es würde unbeachtet fallen,« sagte Albany. »Laßt mich Eure Majestät bitten, zu bedenken, daß Ihr nur ein königliches Vorrecht aufgebt, das Euch, wenn Ihr es ausübt, keine Achtung brächte, da ihm nicht gehorcht würde. Würde Eure Majestät das Scepter niederwerfen, wenn der Kampf tobt und das Blut dieser Männer heiß ist, so würde es nicht mehr Achtung finden, als wenn ein Sperling den Strohhalm, den er zu Neste trägt, unter eine Heerde kämpfender Wölfe fallen läßt. Nichts wird sie trennen, als die Ermordung Aller; und besser, sie geben sich den Tod unter einander, als daß sie ihn von den Kriegsleuten erhalten, die sie auf Eurer Majestät Befehl zu trennen suchten. Ein Versuch, Frieden durch Gewalt zu erhalten, schiene ihnen ein für sie gelegter Hinterhalt, beide Parteien würden sich dagegen vereinigen, das Morden wäre dasselbe und die gehofften friedlichen Folgen verloren.«

»Es ist nur zu viel Wahrheit in dem, was Ihr sagt, Bruder Robin,« erwiderte der lenksame König. »Es hilft wenig, das zu befehlen, was ich nicht erzwingen kann; und obwohl ich das Unglück habe, dies jeden Tag meines Lebens zu thun, so ist es doch nicht nöthig, vor dem Volke, das sich zum Zuschauen hinzudrängt, ein so öffentliches Schauspiel königlicher Ohnmacht zu geben. Laßt also diesen Wilden ihren blutigen Willen gegen einander bis auf das Aeußerste; ich will nicht versuchen, Etwas zu verbieten, was ich nicht hindern kann. – Der Himmel helfe diesem unglücklichen Lande! Ich will in mein Betgemach und für dasselbe beten, da es mir versagt ist, ihm mit Kopf und Hand zu helfen. Vater Prior, ich bitte um Euern Arm.«

»Aber Bruder,« sagte Albany, »verzeiht mir, wenn ich Euch erinnere, daß wir die Sache zwischen den Bürgern von Perth und Ramorny hören müssen, wegen des Todes eines Bürgers –«

»Wahr, wahr,« – sagte der Monarch, sich wieder setzend; – »noch mehr Gewaltthat – noch mehr Kampf – o Schottland, Schottland! wenn das beste Blut deiner tapferen Söhne deinen dürren Boden bereichern könnte, welches Land auf Erden würde dich an Fruchtbarkeit übertreffen! Wann hat man einen Schotten weißes Haar tragen sehn, es sei denn ein Unglücklicher, wie dein König, den seine Ohnmacht vor dem Morden schützt, um die Blutscenen zu sehen, denen er kein Ziel setzen kann? – Laßt sie eintreten – haltet sie nicht auf. Sie sind auf Mord erhitzt, und beneiden einander jeden frischen Athemzug aus ihres Schöpfers lieber Luft. Der Dämon des Streites und Mordes besitzt das ganze Land.«

Während sich der sanfte Fürst mit einer Miene voll Zorn und Ungeduld, die ihm nicht sehr gewöhnlich war, auf seinem Stuhle zurücklegte, wurde die Thür am untern Ende des Saales geöffnet, und es trat aus der Gallerie, in welche sie führte, und wo man im Hintergrunde eine Wache der Brandanen aufgestellt sah, in Trauerprocession die Wittwe des armen Oliver Proudfute, von Sir Patrick Charteris mit so viel Ehrerbietung geführt, als wäre sie eine Lady vom ersten Range gewesen. Hinter ihnen kamen zwei ehrbare Frauen, die Gattinnen von Stadtbeamten, in Trauerkleidern, die eine das kleine Kind tragend und die andere das ältere führend. Der Schmied folgte in seiner besten Kleidung, eine Trauerschürze über dem Koller tragend. Den trauernden Zug schlossen der Bailie Craigdallie und ein anderer Beamter.

Des guten Königs vorübergehende Heftigkeit verschwand sofort, als er auf das blasse Gesicht der kummervollen Wittwe sah und die Bewußtlosigkeit der unschuldigen Waisen betrachtete, die einen so großen Verlust erlitten hatten; und als Sir Patrick Charteris der Wittwe niederknien half und sich selbst, sie immer noch bei der Hand haltend, auf ein Knie niederließ, fragte der König mitleidig nach ihrem Namen und Geschäft. Sie gab keine Antwort, sondern murmelte Etwas, auf ihren Führer blickend.

»Sprecht für das arme Weib, Sir Patrick Charteris,« sagte der König, »und berichtet uns, weshalb sie vor uns tritt.«

»Mit Eurer Erlaubniß, mein König,« antwortete Sir Patrick aufstehend, »diese Frau und diese unglücklichen Kinder klagen bei Eurer Hoheit gegen Sir John von Ramorny, Ritter, daß durch ihn oder durch Jemand aus seinem Hause ihr vormaliger Gatte, Oliver Proudfute, Freier und Bürger von Perth, in den Straßen der Stadt am Abend des Fastendienstags oder am Morgen des Aschermittwochs erschlagen wurde.

»Frau,« erwiderte der König mit vieler Leutseligkeit, »du bist sanft schon deines Geschlechts wegen und solltest gerade durch deine Trauer barmherzig sein; denn unser eigenes Unglück sollte uns, – ja, ich glaube, macht uns wirklich gegen Andere barmherzig; dein Gatte hat nur den Weg betreten, der uns Allen angewiesen ist.«

»In diesem Falle,« sagte die Wittwe, »muß sich mein König erinnern, daß es ein kurzer und blutiger war.«

»Ich gestehe, daß arg mit ihm verfahren ward. Aber da ich unfähig war, ihn zu schützen, wie es allerdings meine königliche Pflicht war, so bin ich bereit zur Sühne, dich und diese Waisen zu unterstützen, und zwar so gut oder vielmehr besser, als Ihr in den Tagen Eures Gatten lebtet; laß du nur von dieser Anklage ab und gib keinen Anlaß, noch mehr Blut zu vergießen. Bedenke, ich lasse dir die Wahl zwischen Barmherzigkeit und Rache, und die zwischen Fülle und Armuth.«

»Es ist wahr, mein König, wir sind arm,« antwortete die Wittwe mit unerschütterter Festigkeit; »aber ich und meine Kinder werden uns eher mit den Thieren des Feldes nähren, ehe wir um den Preis des Blutes meines Gatten leben. Ich verlange den Kampf durch meinen Kämpen, so wahr Ihr gegürteter Ritter und gekrönter König seid.«

»Ich wußte, so würd' es kommen!« sagte der König leise zu Albany. »In Schottland sind die ersten Worte, die ein Kind stammelt, und die letzten des sterbenden Graukopfes: Kampf, Blut, Rache. Weitere Worte fruchten nichts. – Laßt die Vertheidigung vor.«

Sir John Ramorny trat in das Gemach. Er war in einen langen Pelzmantel gekleidet, wie Männer vom Stande trugen, wenn sie unbewaffnet waren. Verborgen durch die Falten des Besatzes, wurde sein verwundeter Arm durch eine Schärpe oder Schlinge von rother Seide gehalten, und mit dem linken Arm stützte er sich auf einen Jüngling, der, kaum über die Knabenjahre hinaus, auf der Stirn die tiefe Spur frühen Denkens und frühreifer Leidenschaft trug. Es war der gepriesene Lindsay, Graf von Crawford, der in seinen späteren Tagen durch den Beinamen des »Tigergrafen« bekannt war und das große, reiche Thal von Strathmore mit der unbeschränkten Macht und unbarmherzigen Grausamkeit eines Lehnstyrannen beherrschte. Zwei oder drei Edelleute, seine oder des Grafen Freunde, unterstützten Sir John Ramorny durch ihre Gegenwart bei dieser Gelegenheit. Die Anklage wurde wiederholt und von Seiten des Beschuldigten kurzweg durch Läugnen abgewiesen, und die Kläger erboten sich sofort, ihre Versicherung durch Berufung auf das Gottesgericht des Sargrechts zu erweisen.

»Ich bin nicht gebunden,« antwortete Sir John Ramorny, »mich diesem Gericht zu unterwerfen, da ich durch das Zeugniß meines ehemaligen königlichen Herrn darthun kann, daß ich in meiner eigenen Behausung war und auf meinem Bette krank lag, zu der Zeit, wo dieser Oberrichter und diese Bailie's behaupten, daß ich ein Verbrechen begangen habe, wozu ich nie Willen oder Versuchung hatte. Ich kann daher kein gerechter Gegenstand des Verdachtes sein.«