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»Ich kann bezeugen,« sagte der Prinz, »daß ich in derselben Nacht, wo dieser Mord geschah, Sir John Ramorny sah und mit demselben einige Gegenstände in Betreff meines Haushaltes besprach. Daher weiß ich, daß er krank war und die fragliche That nicht in Person begehen konnte. Aber ich weiß nichts von der Beschäftigung seiner Leute und will es nicht auf mich nehmen, zu sagen: daß Einer von ihnen nicht das angeschuldigte Verbrechen begangen haben könne.«

Sir John Ramorny hatte während des Anfangs dieser Rede mit trotziger Miene um sich geschaut, wurde aber durch Rothsay's letzte Worte etwas verwirrt. »Ich danke Eurer Hoheit,« sagte er mit einem Lächeln, »für Euer behutsames und beschränktes Zeugniß für mich. Er war weise, der da schrieb: >Setze dein Vertrauen nicht auf Fürsten!<«

»Wenn Ihr kein anderes Zeugniß Eurer Unschuld habt, Sir John Ramorny,« sagte der König, »so können wir hinsichtlich Eurer Diener der beleidigten Wittwe und den Waisen, den Klägern, den Beweis durch das Gottesgericht des Sargrechts nicht verweigern, wenn nicht Einer von ihnen das des Zweikampfes vorziehen sollte. Was Euch selbst betrifft, so seid Ihr durch des Prinzen Zeugniß von der Anklage befreit.«

»Mein König,« antwortete Sir John, »ich kann selbst für die Unschuld meines Gefolges und meiner Diener bürgen.«

»Ei, so könnte ein Weib oder ein Mönch sprechen,« sagte Sir Patrick Charteris. »In ritterlicher Sprache: willst du, Sir John von Ramorny, für dein Gefolge mit mir kämpfen?«

»Der Oberrichter von Perth hätte nicht Zeit gehabt, das Wort Zweikampf zu nennen,« sagte Ramorny, »eh' ich ihn angenommen hätte. Aber ich bin jetzt nicht fähig, eine Lanze zu führen.«

»Das freut mich; mit Eurer Gunst, Sir John – dann wird um so weniger Blutvergießen sein,« sagte der König. »Ihr müßt daher Eure Leute nach Eures Verwalters Haushaltbuch in der großen Kirche St. Johns stellen, damit sie in Gegenwart Aller, die es angeht, sich von der Anklage reinigen können. Sorgt dafür, daß ein Jeder von ihnen zur Zeit des Hochamtes erscheint, wenn Eure Ehre nicht arg befleckt sein soll.«

»Sie werden sämmtlich erscheinen,« sagte Sir John Ramorny. Dann verbeugte er sich tief vor dem König, wendete sich an den jungen Herzog von Rothsay, zu dem er, gleichfalls mit ehrerbietiger Begrüßung, so daß er's allein hören konnte, sagte: »Ihr habt mich großmüthig behandelt, Mylord! – Ein Wort von Euern Lippen konnte diesen Streit geendet haben, und Ihr weigertet Euch, es zu sprechen!« –

»Bei meinem Leben,« flüsterte der Prinz, »ich sprach, so weit es die äußerste Grenze von Wahrheit und Gewissen erlaubten. Ich denke, du konntest nicht erwarten, daß ich Lügen für dich schmieden sollte; – und überdies, John, entsinne ich mich in meinen verworrenen Erinnerungen dieser Nacht eines schlächtermäßigen Kerls mit einer Streitaxt, dem es ganz ähnlich sah, daß er jenen Nachtstreich begangen! – Ha! traf ich es, Sir Ritter?«

Ramorny gab keine Antwort, sondern wendete sich so hastig ab, als hätte plötzlich Jemand seinen verwundeten Arm gedrückt, und erreichte mit dem Grafen von Crawford seine Wohnung wieder. Letzterem, obwohl er zu nichts weniger als zu einem Gelage aufgelegt war, mußte er eine glänzende Mahlzeit bieten, um einigermaßen den Beistand anzuerkennen, den der junge Edelmann ihm gewährt hatte.

Zweiundzwanzigstes Kapitel

Groß war er in Quacksalbereien;

Viel' mordet' er durch Arzeneien.

Dunbar.

Als nach einer Mahlzeit, deren Verlängerung für den verwundeten Ritter eine Folter war, der Graf von Crawford endlich zu Pferde stieg, um sich nach seiner fernen Wohnung im Schlosse Dupplin zu begeben, wo er sich als Gast aufhielt, zog sich der Ritter von Ramorny in sein Schlafgemach zurück, gepeinigt von Körperschmerz und Seelenangst. Hier fand er Henbane Dwining, von dem er in Betreff des Trostes für beiderlei Schmerz sein hartes Geschick abhängig machte. Der Arzt hoffte in seiner erheuchelten tiefsten Demuth seinen gereizten Kranken fröhlich und glücklich zu sehen.

»Fröhlich, wie ein toller Hund!« sagte Ramorny, »und glücklich wie der Elende, den die Bestie gebissen hat und der die Nähe der rasenden Tollheit zu fühlen beginnt. Der rohe Knabe Crawford sah meinen Schmerz und ersparte mir keinen einzigen Trunk. Wahrlich, ich müsse ihm Gerechtigkeit widerfahren lassen! Wenn ich ihm und der Welt Gerechtigkeit hätte widerfahren lassen, so hätt' ich ihn aus dem Fenster geworfen, und eine Laufbahn gekürzt, die, wenn er fortfährt, wie er begonnen hat, ein Quell des Elends für ganz Schottland, besonders aber für die Taygegend sein wird. – Nimm dich in Acht, wenn du die Bänder abnimmst, Chirurg; die Berührung des Flügels einer Fliege auf dem rohen, glühenden Stumpf wäre ein Dolchstich für mich.«

»Fürchtet nichts, mein edler Herr,« sagte der Wundarzt mit einem schluchzenden Lachen der Freude, welches er umsonst unter dem Tone erheuchelten Mitgefühls zu verbergen strebte. »Wir wollen frischen Balsam auflegen, und – hi, hi, hi! – Euer Gnaden von der Reizung befreien, die Ihr so standhaft ertraget.«

»Standhaft, Mensch?« sagte Ramorny, vor Schmerz knirschend; »ich ertrage sie, wie ich die sengenden Flammen des Fegefeuers ertragen würde – der Knochen scheint glühendes Eisen zu sein – deine fette Salbe wird zischen, wenn sie auf die Wunde fällt – und doch ist das December-Eis verglichen der Fiebergluth meiner Seele!«

»Wir wollen zuerst unsere Erleichterung auf den Körper anwenden, mein edler Gönner,« sagte Dwining; »und wird dann, mit Eurer Herrlichkeit Erlaubniß, Euer Diener seine Kunst auch an dem beunruhigten Gemüth versuchen. – Obwohl ich glaube, daß die geistige Qual einigermaßen von der Reizung der Wunde abhängt, so hoffe ich doch, die körperlichen Schmerzen werden bald gelindert sein und die stürmischen Gefühle sich dann vielleicht von selber legen.«

»Henbane Dwining,« sagte der Kranke, als er den Schmerz seiner Wunde nachlassen fühlte, du bist ein kostbarer und unschätzbarer Wundarzt, aber Einiges ist über deine Macht. – Du kannst das körperliche Gefühl dieser rasenden Schmerzen stillen, aber du kannst mich nicht lehren den Spott des Knaben zu ertragen, den ich erzog, den ich liebte, Dwining – ich liebte ihn, zärtlich liebte ich ihn! Meine schlimmsten Thaten geschahen, um seinen Lastern zu schmeicheln, und er weigerte mir ein Wort seines Mundes, wo ein solches mir diese Last abgenommen hätte. Er lächelte – ich sah ihn lächeln, als der elende Oberrichter, der Genosse und Schutzpatron erbärmlicher Bürger, mich herausforderte, mich, den dieser herzlose Prinz unfähig machte, Waffen zu führen. – Eh' ich das vergesse oder vergebe, sollst du selbst Verzeihung der Beleidigungen predigen! – Und dann die Sorgen für morgen. – Glaubst du, Henbane Dwining, daß sich in aller Wahrheit die Wunde des gemordeten Leichnams öffnen und Tropfen frischen Blutes bei des Mörders Annäherung vergießen werde?«

»Ich kann's nicht sagen, Mylord, außer nach dem Gerücht,« sagte Dwining, »welches die Sache bestätigt.«

»Der viehische Bonthron,« sagte Ramorny, »ist durch die Furcht vor so Etwas beunruhigt und spricht davon, daß er lieber den Zweikampf bestehen wolle. Was meinst du? – er ist ein Kerl von Stahl!«

»Des Waffenschmieds Geschäft ist's, mit Stahl umzugehen,« antwortete Dwining.

»Wenn Bonthron fiele, es sollte mich wenig schmerzen,« sagte Ramorny, »obwohl ich eine nützliche Hand entbehren würde.«

»Ich denke wohl, Eure Herrlichkeit wird sie nicht so wie die in Curfewstreet verlorne tragen – entschuldigt den Scherz – hi, hi, hi! – aber welches sind die nützlichen Eigenschaften eines Kerls wie Bonthron?« »Die eines Bullenbeißers,« antwortete der Ritter; »er zerreißt, ohne zu bellen.«

»Ihr fürchtet nicht sein Geständnis?« sagte der Arzt.

»Wer kann sagen, was Furcht vor dem nahenden Tode im Stande ist?« erwiderte der Kranke. »Er hat bereits eine Schüchternheit gezeigt, die seiner gewöhnlichen Gemüthsrohheit ganz fremd ist; er, der seine Hände kaum waschen mochte, nachdem er einen Mann erschlagen, fürchtet sich nun, einen todten Körper bluten zu sehen.«