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»Nun,« sagte der Wundarzt, »ich muß Etwas für ihn thun, wenn ich kann, da es zur Förderung meiner Rache geschah, daß er jenen Streich führte, obwohl er zum Unglück hintraf, wohin er nicht treffen sollte.«

»Und wessen Schuld war das, furchtsamer Schuft,« sagte Ramorny, »außer deine eigene, der ein schlechtes Reh für einen Hirsch erster Größe ansah?«

»Benedicite, edler Herr,« erwiderte der Mediciner; »wollt Ihr, daß ich, der ich wenig mehr außer Kammerdienst verstehe, ein so geschickter Waidmann sei, als Ihr selber, daß ich unterscheide Hirsch und Hindin, Bock und Kuh im Walde um Mitternacht? Ich war nur ein wenig im Zweifel, als ich die Gestalt im Mohrentänzerkleide an uns vorbei nach des Schmieds Wohnung im Wynd eilen sah, und doch wußte ich nicht ganz, ob es unser Mann war, denn er schien mir zu klein. Aber als er wieder herauskam nach der Zeit, die man zum Kleiderwechseln etwa braucht, und mit Büffelwams und Pickelhaube weiter schritt, nach der gewöhnlichen Weise des Waffenschmieds pfeifend, da gesteh' ich, daß ich mich irrte, super totam materiem, und ließ Eurer Herrlichkeit Bullenbeißer auf ihn los, der seine Pflicht ganz richtig that, wenn er gleich das unrechte Thier traf. Ich bin daher entschlossen, wenn der verfluchte Waffenschmied unsern armen Freund nicht auf dem Flecke todt schlägt, wenn die Kunst es vermag, zu sorgen, daß dem Kettenhund nichts Schlimmes begegne.«

»Das wird deine Kunst auf die Probe stellen, Mann der Medicin,« sagte Ramorny; »denn wisse, das Schlimmste beim Kampfe ist, daß unser Kämpe, wenn er nicht sogleich in den Schranken todtgeschlagen ist, bei den Fersen fortgeschleppt und ohne Ceremonie an den Galgen geknüpft wird, als des Mordes überwiesen; und wenn er dort etwa eine Stunde lang wie eine lose Troddel gebaumelt hat, so wirst du, denk ich, wohl schwerlich im Stande sein, seinen gebrochenen Hals zu heilen.«

»Ich bin, mit Eurer Herrlichkeit Erlaubniß, anderer Meinung,« antwortete Dwining ruhig. »Ich will ihn vom Fuße des Galgens in das Land der Feen tragen, wie König Arthur, oder Sir Hyon von Bordeaux, oder Ugero der Däne; oder ich will ihn eine Anzahl Minuten oder Stunden am Galgen hängen lassen und dann ihn vor den Augen Aller weghaschen, so leicht, wie der Wind ein dürres Blatt fortweht.«

»Das ist leere Prahlerei, Sir Arzt,« sagte Ramorny. »Der ganze Pöbel von Perth wird ihn zum Galgen begleiten, Einer immer begieriger als der Andere, den Diener eines Edelmanns sterben zu sehen, und zwar für den Mord eines dummköpfigen Bürgers. Tausend von ihnen werden den Galgen umringen.«

»Und wären es zehntausend,« sagte Dwining; »sollte ich, der ich hochgelehrt bin, der ich in Spanien und selbst in Arabien studirte, nicht fähig sein, die Augen dieser säuischen Bürgerheerde zu täuschen, während der geringste Gaukler, der je Taschenspielerei trieb, selbst die scharfe Aufmerksamkeit Eurer höchst scharfsichtigen Ritterschaft hintergehen kann? Ich sage Euch, ich will sie so überlisten, als besäße ich Keddie's Ring.«

»Wenn du Wahrheit redest,« antwortete der Ritter, »und ich denke, du wagst nicht mit mir über dergleichen zu spaßen, so mußt du des Satans Beistand haben, und ich will nichts mit ihm zu thun haben. Ich verachte ihn und trotze ihm.«

Dwining mußte seinem innerlichen Lachen nachgeben, als er hörte, wie sein Gönner seinen Trotz gegen den bösen Feind aussprach, und wie er ihn bekräftigte, indem er ein Kreuz schlug. Er bezwang sich indeß, als er Ramorny's Miene sehr ernst werden sah, und sagte mit ziemlichem Ernste, obwohl etwas unterbrochen durch die nothwendige Anstrengung, seine lustige Stimmung zu unterdrücken:

Verbindung mit Andern, höchst frommer Sir, Verbindung ist die Seele der Gauklerkunst. Aber – hi, hi, hi! – ich habe nicht die Ehre – hi, hi, hi! – ein Verbündeter des Herrn zu sein, von dem ihr sprecht – an dessen Existenz ich – hi, hi, hi! – nicht sehr glaube – obwohl Eure Herrlichkeit ohne Zweifel bessere Gelegenheit zur Bekanntschaft hat.«

»Fahre fort, Schurke, aber ohne diesen Spott, sonst sollst du theuer dafür zahlen.«

»Ich will es, Allermuthigster,« erwiderte Dwining. »Wißt, daß ich auch meinen Verbündeten habe, sonst wäre meine Kunst wenig werth.«

»Und wer mag der sein, ich bitt' Euch?«

»Stephan Smotherwell, mit Eurer Gnaden Erlaubniß, Nachrichter dieser schönen Stadt. Mich wundert, daß ihn Eure Herrlichkeit nicht kennt.«

»Und mich wundert, daß deine Schuftigkeit ihn nicht von seinem Handwerk aus kennt,« erwiderte Ramorny; »aber ich sehe, deine Nase ist nicht aufgeschlitzt, deine Ohren nicht abgeschnitten, und wenn deine Schultern gebrandmarkt sind, so bist du so klug, ein hochkragiges Wams zu tragen.«

»Hi, hi! Ihr beliebt zu spaßen,« sagte der Arzt. »Nicht persönliche Umstände erwarben mir die genaue Bekanntschaft Stephan Smotherwells, sondern ein gewisser Handel zwischen uns, wobei ich, mit Eurer Erlaubniß, gewisse Summen Silbers für die Leiber, Köpfe und Glieder derer gebe, die mit Hilfe Freund Stephans sterben.«

»Elender!« rief der Ritter voll Abscheu, »geschieht es, um Tränke und Mittel der Hexerei zu bereiten, daß Ihr die erbärmlichen Reste der Sterblichkeit einhandelt?«

»Hi, hi, hi! – nein, mit Eurer Herrlichkeit Erlaubniß,« antwortete der Mediciner, sehr ergötzt von der Unwissenheit seines Gönners: »aber wir, die wir Ritter der Lanzette sind, sind gewohnt, uns sorgsam im Schneiden an den Gliedern todter Menschen zu üben und nennen dies Section, woran wir durch Untersuchung eines todten Gliedes lernen, wie eines zu behandeln ist, das einem lebenden Menschen angehört und das auf irgend eine Art beschädigt ist. Ach, wenn Eure Herrlichkeit mein armes Laboratorium sähe, so könnte ich Euch Köpfe und Hände, Füße und Lungen zeigen, von denen man glaubt, sie seien längst im Sarg verfault. Den Schädel Wallace's, von der Londoner Brücke gestohlen; das Herz Sir Simon Frasers, der Niemand fürchtete; den lieblichen Schädel der schönen Katie Logie – o hätt' ich nur das Glück gehabt, die ritterliche Hand meines verehrten Gönners zu retten.«

»Fort mit dir, Sklave! willst du mir mit deinem Katalog von Abscheulichkeiten Ekel bereiten? – Sage mit einem Worte, was du willst. Wie kann dein Handel mit dem Henker mir von Nutzen sein oder meinem Diener Bonthron helfen?«

»Ei, ich empfehle das Eurer Herrlichkeit nicht, außer im äußersten Nothfall,« erwiderte Dwining. »Aber wir wollen annehmen, der Kampf sei vorbei und unser Hahn geschlagen. Nun müssen wir ihm zuerst die Gewißheit beibringen, daß, wenn er nicht siegt, wir ihn wenigstens vom Henker retten werden, vorausgesetzt, daß er nichts gesteht, was Eurer Herrlichkeit Ehre beeinträchtigen kann.«

»Ja! – ja, da fällt mir ein Gedanke ein,« sagte Ramorny. »Wir können mehr als das thun – wir können ein Wort in Bonthrons Mund legen, das beunruhigend genug für ihn sein soll, den ich als Ursache meines Mißgeschicks verfluchen muß. Laß uns zum Stall des Hundes gehen und ihm erklären, was für jeden Fall zu thun ist. Können wir ihn überreden, dem Sargrecht zu stehen, so ist das eine bloße Posse und wir sind sicher. Nimmt er den Kampf an, so ist er wild wie ein gehetzter Bär, wird vielleicht seinen Gegner überwältigen und wir sind mehr als sicher – wir sind gerächt. Wenn Bonthron selbst besiegt wird, so führen wir deinen Plan aus, und machst du es gut, so geben wir ihm an, was er zu beichten hat, nehmen den Vortheil davon, den ich dir nachher erklären werde, und thun einen Riesenschritt in der Rache. – Immer bleibt noch ein Wagniß. Denke dir unsern Bullenbeißer tödlich verwundet in den Schranken, wer wird ihn hindern, eine Art von Beichte zu heulen, verschieden von der, die wir ihm anempfehlen?«

»Wahrlich, das kann sein Arzt,« sagte Dwining. »Laßt mich ihn warten und gebt mir Gelegenheit, nur einen Finger auf seine Wunde zu legen, und vertraut mir, er wird kein Vertrauen täuschen.«