Выбрать главу

»Nun, er ist ein bereitwilliger Teufel, den man weder zu treiben noch zu drängen braucht!« sagte Ramorny.

»Wie ich hoffe, dies in Eurer Herrlichkeit Dienst nie zu brauchen.«

»Wir wollen unsern Gehilfen nun unterrichten,« fuhr der Ritter fort, »Wir werden ihn willig finden; denn ein Hund, wie er's ist, weiß den, der ihn füttert, von dem, der ihn prügelt, zu unterscheiden; und einen vormaligen königlichen Herrn von mir haßt er tief wegen kränkender Behandlung und schmachvoller Ausdrücke, die er von ihm erfuhr. Ich muß auch weiter mit dir über deine Kunstgriffe sprechen, wie der Bullenbeißer aus den Händen der Bürgerheerde zu retten ist.«

Wir überlassen dies würdige Freundespaar ihren geheimen Praktiken, deren Erfolge wir später sehen werden. Sie waren, obwohl verschiedenen Standes und Charakters, doch so geeignet zu Anlegung und Ausführung verbrecherischer Plane, als das Windspiel zum Zerreißen des Tieres, das der Spürhund aufjagt, oder dieser zum Aufsuchen der Beute, die der scharfsehende Windhund mit dem Auge entdeckt. Stolz und Selbstsucht waren Beiden eigen; aber wegen Verschiedenheit des Standes, der Erziehung und der Anlagen hatten sie das verschiedenste Ansehen in den beiden Individuen angenommen.

Nichts konnte dem hochfahrenden Ehrgeize des begünstigten Höflings, des glücklichen Liebhabers und kühnen Kriegers weniger ähnlich sein, als der unterwürfige, anspruchslose Mediziner, der, selbst wenn er beleidigte, zu schmeicheln und zu unterhalten schien, während er im Innern der Seele sich überlegener Einsicht bewußt war, – einer Macht der Wissenschaft wie des Verstandes, der die rohen Edeln seiner Zeit tief unter ihn stellte. Henbane Dwining kannte diese höhere Stellung so gut, daß er oft wie Einer, der wilde Thiere hält, zu seinem Vergnügen den stürmischen Zorn eines Mannes, wie Ramorny, zu erregen wagte, wohl wissend, daß er mit seiner Unterwürfigkeit dem Sturm entgehen würde, den er erregt hatte, wie ein indianischer Knabe seinen leichten Kahn, den seine Zerbrechlichkeit selbst schützt, in die wilde Brandung treibt, worin das Boot eines Kauffahrers sicher scheitern würde. Daß der Lehensbaron den niederen Arzneikünstler verachtete, war natürlich; aber Ramorny fühlte trotzdem den Einfluß, den Dwining auf ihn hatte, und wurde im Kampfe des Verstandes oft von ihm besiegt, wie die wildesten Sprünge eines feurigen Rosses von einem zwölfjährigen Knaben, der Reiten gelernt hat, überwunden werden. Die Verachtung Dwinings gegen Ramorny aber war weit weniger eingeschränkt. Er betrachtete den Ritter im Vergleich mit sich als Einen, der sich kaum über das Thier erhob, und zwar im Stande sei zu verderben, wie der Stier mit den Hörnern, der Wolf mit den Zähnen, aber von gemeinen Vorurtheilen unterjocht, ein Sklave des Pfaffenthums sei, – ein Ausdruck, in welchen Dwining alles Religiöse mit einschloß. Im Ganzen glaubte er, Ramorny sei von der Natur zu seinem Knechte bestimmt, um nach dem Golde zu graben, das er anbetete und dessen habsüchtige Verehrung sein größter Fehler, aber nicht sein schlimmstes Laster war. Er vertheidigte diese schmähliche Neigung vor sich selber dadurch, daß er sich überredete, sie habe ihren Ursprung in der Liebe zur Macht.

»Henbane Dwining,« sagte er, während er entzückt auf die Schätze sah, die er im Stillen gehäuft hatte, und die er von Zeit zu Zeit besuchte, »ist kein dummer Geizhals, der diese Stücke wegen ihres goldigen Glanzes liebt; es ist die Macht, mit der sie ihren Besitzer begaben, die ihn zu ihrem Anbeter wirbt. Was gibts, das dir durch sie nicht zu Gebote steht? Liebst du Schönheit und bist gemein, häßlich, schwach und alt – hier ist eine Lockspeise, der die schönsten Falken zufliegen werden. Bist du schwächlich, kraftlos, der Unterdrückung des Mächtigen unterworfen? hier ist das, was jene bewaffnet, die mächtiger sind, als dein kleiner Tyrann. Bist du glänzend in Wünschen und verlangst Pracht und äußeren Schein des Reichthums? Diese dunkle Kiste enthält manche weite Strecke von Thal und Hügel, manch' schönen Wald und Tausende voll Vasallen. Wünschest du Hofgunst, geistliche oder weltliche? Das Lächeln der Könige, die Verzeihung der Päpste und Priester für alle Verbrechen, und die Erlaubniß, welche arme, von Priestern bethörte Seelen aufmuntert, neue zu wagen, – all' diese heiligen Antriebe zum Laster kannst du um Geld kaufen. Selbst Rache, von der man sagt, daß sie die Götter sich vorbehalten, ohne Zweifel, weil sie der Menschheit einen so süßen Bissen beneiden – selbst Rache kann man dafür haben. Aber sie ist auch durch höheren Verstand zu gewinnen, und das ist die edlere Art, sie zu erlangen. Ich will daher meinen Schatz zu anderem Gebrauche sparen und die Rache ohne Geld ausüben, oder vielmehr, ich will die Wollust vermehrten Reichthums dem Triumph vergoltener Beleidigung beifügen.«

So dachte Dwining, als er, heimgekehrt von seinem Besuche bei Sir John Ramorny, das für seine verschiedenen Dienste empfangene Gold der Masse seines Schatzes hinzufügte; und nachdem er ein paar Minuten das Ganze betrachtet hatte, drehte er den Schlüssel seiner verborgenen Schatzkammer und ging fort, seine Kranken zu besuchen; er wich dabei Jedem aus, dem er begegnete, verbeugte sich und zog die Mütze vor dem ärmsten Bürger, der eine kleine Bude besaß, ja, vor den Handwerkern, die ihr tägliches Brod durch harte Arbeit verdienten. »Thoren,« war der Gedanke seines Herzens, während er so höflich war, »niedrige, verstandlose Handwerker! wüßtet ihr, was dieser Schlüssel öffnen kann, welches schlechte Wetter vom Himmel würde euch hindern, eure Mützen zu ziehen? Welcher schmutzige Graben in eurem elenden Dorfe wäre ekelhaft genug, daß ihr euch besännet, vor dem Besitzer solchen Reichthums niederzufallen und anzubeten? Aber ich will euch meine Macht fühlen lassen, wenn gleich es mir gefällt, sie zu verbergen. Ich will ein Zauberteufel eurer Stadt sein, weil ihr mich nicht zur Obrigkeit gewählt habt. Wie der Alp will ich auf euch liegen und doch unsichtbar bleiben. – Auch dieser elende Ramorny, der, weil er eine Hand verloren hat, wie ein elender Handwerker um den einzigen schätzbaren Theil seines Leibes gekommen ist, er häuft beleidigende Reden auf mich, wenn irgend Etwas, das er sagen kann, im Stande ist, einen so festen Geist, wie den meinigen, zu erhitzen. Aber während er mich einen Schurken, Elenden und Sklaven nennt, handelt er so klug, als wollte er sich damit erlustigen, mir Haare aus dem Kopfe zu ziehen, während meine Hand seine Herzfasern festhält. Jede Beleidigung kann ich augenblicklich mit Körperschmerz und Seelenqual bezahlen – und – hi, hi! – ich häufe keine langen Rechnungen bei seiner Herrlichkeit, das muß ich gestehen.«

Während der Mediciner so seinen teuflischen Gedanken nachhing und in seiner kriechenden Manier die Straße entlang wandelte, hörte er hinter sich ein Geschrei weiblicher Stimmen.

»Ach, dort ist er, unsere Frau sei gelobt! – Da ist der hilfreichste Mann in Perth!« sagte eine Stimme.

»Sie mögen von Rittern und Königen sprechen, wegen der Sühne, wie sie's nennen – aber mir bringt den würdigen Meister Dwining, den Apotheker, Gevatterin,« erwiderte eine andere.

Im nämlichen Augenblicke war der Arzt umringt und von den Rednerinnen, ehrsamen Frauen der guten Stadt Perth, angehalten.

»Wie – was gibt es?« sagte Dwining; »wessen Kuh hat gekalbt?«

»Es ist nicht von Kalben die Rede,« sagte eine der Frauen, »sondern von einem armen, vaterlosen, sterbenden Kinde; so kommt mit uns fort, denn unser Vertrauen steht auf Euch, wie Bruce zu Donald von den Inseln sagte.«

» Opiferque per orbem dicor,« sagte Henbane Dwining. » Woran wird das Kind sterben?« »An der Bräune – an der Bräune!« schrie eine der Gevatterinnen; »das unschuldige Kind krächzt wie ein Rabe.«

» Cyanche trachealis– diese Krankheit macht's kurz. Zeigt mir gleich das Haus,« fuhr der Arzt fort, der gewohnt war, seine Kunst trotz seines natürlichen Geizes und seiner natürlichen Bosheit freigebig und menschlich zu üben. Da wir keinen besseren Grund bei ihm vermuthen können, so war sein Hauptmotiv wahrscheinlich Eitelkeit und die Liebe zu seiner Kunst.