Dem stimmte rasch der Graf von Crawford und Sir Patrick Charteris bei, die Pathen beider Parteien, welche, da die Kämpfer Männer niederen Standes waren, übereinkamen, daß sie in Stahlhauben, Büffelwämsern und mit Aexten fechten sollten; und das so bald, als sie sich zum Kampfe bereiten könnten.
Die Schranken wurden in den Kürschnerhöfen, einem benachbarten Grundstücke, errichtet, welches die Innung besaß, von der es den Namen hatte, und die schnell einen Raum, dreißig Fuß lang und fünfundzwanzig breit, für die Kämpfer errichtete. Dorthin drängten sich Edle, Priester und Volk, – Alle, außer dem alten König, der, solche Blutscenen verabscheuend, sich in seinen Palast zurückzog, und dem Lord Großconnetable von Errol, zu dessen Amt es eigentlich gehörte, die Aufsicht über den Kampfplatz übergab. Der Herzog von Albany beobachtete den ganzen Vorgang mit scharfem und listigem Auge. Sein Neffe betrachtete die Sache mit der Gleichgiltigkeit, die seinem Charakter eigen war.
Als die Kämpfer in den Schranken erschienen, konnte nichts überraschender sein, als der Contrast zwischen dem männlichen, fröhlichen Gesichte des Schmieds, dessen leuchtendes, helles Auge schon von dem Siege zu strahlen schien, den er erwartete, und der düstern, niedergeschlagenen Miene des thierischen Bonthron, der einem Nachtvogel glich, welcher aus dem Schutze seines finstern Schlupfwinkels an das Sonnenlicht gejagt wird. Sie beschworen beide die Wahrheit ihrer Sache, Harry Gow mit heiterem, männlichem Vertrauen, Bonthron mit hündischer Frechheit, was den Herzog von Rothsay nöthigte, dem Großconnetable zu sagen: »Hast du je, mein lieber Errol, eine solche Mischung von Bosheit, Grausamkeit und, wie mich dünkt, auch Furcht gesehen, als in dieses Kerls Gesicht?«
»Er ist nicht hübsch,« sagte der Graf, »aber ein so kräftiger Bursche, wie ich je einen sah.«
»Ich wette ein Oxhost Wein mit Euch, mein guter Lord, daß er den Tag verliert. Harry der Waffenschmied ist so stark als er, und weit gewandter. Und dann seht sein kühnes Benehmen! Es ist Etwas in dem andern Kerl, was Abscheu einflößt. Laßt sie sogleich aneinander, mein lieber Connetable, denn mich ekelt, ihn anzusehen.«
Der Großconnetable wandte sich darauf an die Wittwe, die, in tiefer Trauer und ihre Kinder neben sich, einen Platz in den Schranken einnahm: – »Frau, seid Ihr bereit, diesen Mann, Harry Schmied, als Euern Kämpen in dieser Sache anzunehmen?«
»Ich thu es – ich thu es, sehr gern,« antwortete Magdalena Proudfute; »und mag der Segen Gottes und St. Johns ihm Kraft und Glück geben, da er für vaterlose Waisen kämpft!«
»Dann erkläre ich dies für geschlossenes Kampffeld,« sagte der Connetable laut. »Niemand wage, bei Gefahr seines Lebens, diesen Streit durch Wort, Rede oder Blick zu unterbrechen. – Tönt, Trompeten, und fechtet, Kämpfer!«
Die Trompeten schmetterten und die Kämpfer naheten von den entgegengesetzten Enden der Schranken, mit festem, ruhigem Schritte, sahen einander aufmerksam an, wohlgeübt, aus der Bewegung des Auges die Richtung zu erkennen, nach welcher der Schlag fallen soll. Sie standen, als sie nahe genug waren, still und versuchten mehr als eine Finte, um die Gewandtheit und Wachsamkeit des Gegners zu erproben. Endlich, entweder dieser Bewegungen müde oder aus Furcht, in diesem Streit seine ungeheure Kraft von der Gewandtheit des Waffenschmieds überwunden zu sehen, hob Bonthron die Axt zu einem senkrechten Schlage, mit der ganzen Kraft seiner stämmigen Arme das Gewicht der niederfahrenden Waffe verstärkend. Der Schmied aber beugte dem Hiebe durch eine Bewegung seitwärts aus, denn der Streich war zu gewaltig, um durch irgend Etwas aufgehalten zu werden, das er zu seiner Hemmung hätte thun können. Ehe Bonthron sich wieder decken konnte, schleuderte ihm Harry einen Seitenhieb auf den Stahlhelm, der ihn zu Boden streckte.
»Bekenne oder stirb,« sagte der Sieger, seinen Fuß auf den Körper des Besiegten und ihm die Axt an die Kehle setzend, welche in einer Spitze dolchartig endete.
»Ich will bekennen,« sagte der Schurke, wild aufwärts gen Himmel starrend. »Laß mich aufstehen.«
»Nicht, bis Ihr Euch ergeben habt,« sagte Harry Schmied.
»Ich ergebe mich,« murmelte Bonthron wieder, und Harry rief laut, daß sein Gegner unterlegen sei.
»Die Herzöge von Rothsay und Albany, der Großconnetable und der Dominikanerprior betraten nun die Schranken und fragten Bonthron, ob er sich als besiegt bekenne.
»Ja,« antwortete das Ungeheuer.
»Und als schuldig der Ermordung Oliver Proudfute's?«
»Ich bin's – aber ich nahm ihn für einen Andern.«
»Und wen dachtest du zu erschlagen?« sagte der Prior; »gesteh', mein Sohn, und verdiene deine Verzeihung in einer andern Welt; denn in dieser hast du wenig mehr zu thun.«
»Ich hielt den Erschlagenen,« sagte der besiegte Kämpfer, für den, dessen Hand mich niedergeworfen hat, dessen Fuß mich jetzt drückt.«
»Gepriesen seien die Heiligen!« sagte der Prior; »nun mögen Alle, die an der Kraft des heiligen Gottesgerichts zweifeln, die Augen über ihren Irrthum öffnen. Seht, er ist in die Schlinge gefallen, die er dem Unschuldigen legte.«
»Ich sah den Mann kaum jemals zuvor,« sagte der Schmied. »Ich that ihm oder den Seinen nie ein Unrecht. – Fragt ihn, wenn es Euch gefällt, ehrwürdiger Herr, warum er mich meuchlerisch zu erschlagen gedachte.«
»Es ist eine Frage, die sich ziemt,« antwortete der Prior. »Gib Ehre, dem sie gebührt, mein Sohn, wenn es auch zu deiner Schmach offenbart werden mag. Aus welchem Grunde wolltest du diesem Waffenschmied auflauern, der sagt, er habe dich nie gekränkt?«
»Er hat ihn beleidigt, dem ich diente,« antwortete Bonthron; »und ich unternahm die That auf seinen Befehl.«
»Auf wessen Befehl?« fragte der Prior.
Bonthron schwieg einen Augenblick, dann brummte er: »er ist zu mächtig, als daß ich ihn nennen könnte.«
»Hör', mein Sohn,« sagte der Geistliche, »warte nur eine kurze Stunde, und die Mächtigen und Geringen dieser Erde werden dir wie ein leerer Schall sein. Die Schleife wird eben bereitet, um dich zum Richtplatze zu schleppen. Daher, Sohn, bitte ich dich noch ein mal, dein Seelenheil zu berathen, indem du Gott die Ehre gibst und die Wahrheit sagst. War es dein Herr, Sir John Ramorny, der dich zu einer so schändlichen That trieb?
»Nein,« antwortete der verworfene Schurke, »es war ein Größerer als er.« Und zugleich wies er mit dem Finger nach dem Prinzen.
»Elender!« sagte der erstaunte Herzog von Rothsay; »wagst du, anzudeuten, ich habe dich angereizt?«
»Ihr selbst, Mylord,« antwortete der schamlose Schuft.
»Stirb in deiner Lüge, schamloser Sklave!« sagte der Prinz; und sein Schwert ziehend, würde er seinen Verleumder durchbohrt haben, hätte sich nicht der Großconnetable mit Wort und That dazwischen gelegt.
»Eure Hoheit muß mir verzeihen, wenn ich mein Amt verwalte – dieser Schuft muß den Händen des Henkers übergeben werden. Er darf nicht von einem Andern, am wenigsten von Eurer Hoheit abgethan werden.«
»Wie! edler Graf,« sagte Albany laut und mit großer, wahrer oder angenommener Bewegung, »wollt Ihr den Hund lebendig von hier lassen, um der Leute Ohren mit falschen Anklagen gegen den Prinzen von Schottland zu vergiften? – Ich sage, haut ihn auf der Stelle in Stücke.«
»Eure Hoheit wird mir verzeihen,« sagte der Graf von Errol; »ich muß ihn schützen, bis sein Urtheil vollzogen ist.«
»Dann laßt ihn sofort wegschleppen,« sagte Albany. – »Und Ihr, mein königlicher Neffe, warum steht Ihr so starr vor Staunen? Ruft Eure Entschlossenheit zurück – sprecht mit dem Gefangenen – schwört – bezeugt bei Allem, was heilig ist, daß Ihr nichts von dieser Schandthat wißt. – Seht, wie die Leute einander ansehen und heimlich flüstern. – Diese Lüge breitet sich wahrlich schneller aus als das Evangelium. – Sprecht zu ihnen, königlicher Vetter, gleichviel, was Ihr sagt, wenn Ihr nur standhaft im Läugnen seid.«