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»Wie, Sir,« sagte Rothsay, aus seinem Schweigen des Staunens und der Betäubung emporfahrend und sich stolz gegen seinen Oheim wendend: »Wollt Ihr, daß ich mein königliches Wort gegen das eines verworfenen Ungeheuers verpfände? Laßt diejenigen, welche glauben können, der Sohn ihres Souveräns, der Nachkomme Bruce's, sei fähig, dem Leben eines armen Handwerkers einen Hinterhalt zu legen, laßt die sich des Gedankens freuen, des Schurken Rede sei wahr.«

»Das will ich nicht, was mich anlangt,« sagte der Schmied offen. »Ich that nie Etwas, außer was ehrenhaft war, gegen seine königliche Hoheit den Herzog von Rothsay, und nie erfuhr ich etwas Unfreundliches in Wort, Blick oder That von ihm; und ich kann nicht glauben, daß er so etwas Schlechtes bezweckt habe.«

»War es ehrenhaft, daß Ihr seine Hoheit von der Leiter warft, in Curfewstreet am Valentinsabend?« sagte Bonthron; »oder meint Ihr, diese Gunstbezeugung sei freundlich oder unfreundlich aufgenommen worden?«

Dies war so kühn gesagt und erschien so glaublich, daß es des Schmieds Meinung von des Prinzen Unschuld erschütterte.

»Ach, Mylord,« sagte er, schmerzlich auf Rothsay blickend, »könnte Eure Hoheit eines armen Mannes Leben suchen, weil er so seine Pflicht für ein hilfloses Mädchen erfüllte? – Ich wollte lieber in diesen Schranken gestorben sein, als leben, um dies von Bruce's Erben sagen zu hören!«

»Du bist ein guter Mensch, Schmied,« sagte der Prinz; »aber ich kann nicht erwarten, daß du weiser urtheilen sollst, als Andere. – Fort mit dem Verbrecher zum Galgen und knüpft ihn lebendig auf, wenn Ihr wollt, daß er Lüge ausspreche und Aergerniß über uns verbreite bis zum letzten Augenblick seines Daseins!«

Mit diesen Worten wandte sich der Prinz aus den Schranken, indem er's verschmähte, der düsteren Blicke, die sich auf ihn richteten, zu achten, während die Menge ihm langsam und widerstrebend Platz machte, und über ein tiefes, hohles Murmeln oder Seufzen, welches seinen Weggang begleitete, Staunen oder Mißfallen zu äußern. Nur wenige seiner vertrauten Diener begleiteten ihn vom Kampfplatze, obwohl mehrere vornehme Männer in seinem Gefolge gekommen waren. Selbst die niederen Bürger hörten auf dem unglücklichen Prinzen zu folgen, dem sein früherer zweifelhafter Ruf schon vorher oft den Vorwurf der Unbesonnenheit und des Leichtsinns zugezogen hatte, und um den sich jetzt ein finsterer Verdacht der schrecklichsten Art zu lagern schien.

Er lenkte seinen langsamen und gedankenvollen Schritt nach der Kirche der Dominikaner; aber die schlimmen Neuigkeiten, die sprüchwörtlich schnell fliegen, hatten seines Vaters Ruhesitz erreicht, bevor er selbst erschien. Als der Herzog von Rothsay in den Palast trat und nach dem Könige fragte, wurde er durch die Botschaft überrascht, er sei in tiefer Berathung mit dem Herzog von Albany, der sogleich zu Pferde steigend, als der Prinz die Schranken verließ, das Kloster vor ihm erreicht hatte. Er wollte eben, das Vorrecht seines Ranges und seiner Geburt geltend machend, in das königliche Gemach treten, als Mac Louis, der Befehlshaber der Brandanenwache, ihm in den ehrerbietigsten Ausdrücken meldete, er habe besondern Befehl, ihm den Zutritt zu verbieten.

»Geh' wenigstens, Mac Louis, und laß sie wissen, daß ich ihren Willen erwarte,« sagte der Prinz. »Wenn mein Oheim die Macht wünscht, des Vaters Zimmer gegen den Sohn zu verschließen, so wird es ihm angenehm sein, zu wissen, daß ich wie ein Bedienter im Vorsaal warte.«

»Mit Eurer Erlaubniß,« sagte Mac Louis zögernd, »wenn Eure Hoheit sich nur gerade jetzt zurückziehen und eine Weile geduldig warten wollte, so will ich Euch Nachricht senden, wenn der Herzog von Albany geht; und ich zweifle nicht, daß dann Seine Majestät Euch vorlassen werde. Jetzt – Eure Hoheit muß mir verzeihen – ist es unmöglich, Euch Zutritt zu gestatten.«

»Ich verstehe Euch, Mac Louis; aber trotzdem geh' und gehorche meinem Befehl.«

Der Offizier ging also und kehrte mit der Nachricht zurück, der König sei unwohl und im Begriff, sich in sein Privatzimmer zurückzuziehen; aber der Herzog von Albany werde dem Prinzen von Schottland sogleich aufwarten.

Es verging indeß eine volle halbe Stunde, ehe der Herzog von Albany erschien, – ein Zeitraum, den Rothsay theils in müssigem Geschwätz mit Mac Louis und den Brandanen hinbrachte, je nachdem der Leichtsinn oder die Reizbarkeit seines Gemüthes die Oberhand behielt.

Endlich kam der Herzog und mit ihm der Lord Großconnetable, dessen Gesicht großen Kummer und Verlegenheit ausdrückte.

»Lieber Neffe,« sagte der Herzog von Albany, »es schmerzt mich, zu sagen, daß meines königlichen Bruders Meinung ist, es werde zur Ehre der königlichen Familie das Beste sein, daß Eure königliche Hoheit sich eine Zeitlang zu der Abgeschiedenheit der Wohnung des Großconnetabels entschlösse, und den edlen Grafen hier als Euern hauptsächlichsten, wo nicht einzigen Gesellschafter annähme, bis die ärgerlichsten Gerüchte, die heute verbreitet wurden, widerlegt oder vergessen sind.«

»Wie ist das, Mylord von Errol?« sagte der Prinz erstaunt. »Soll mir Euer Haus ein Gefängniß und Eure Herrlichkeit mein Kerkermeister sein?«

»Die Heiligen verhüten das, Mylord,« sagte der Graf von Errol; »aber es ist meine unglückliche Pflicht, den Befehlen Eures Vaters zu gehorchen, indem ich Eure königliche Hoheit eine Zeitlang als unter meiner Obhut stehend betrachte.«

»Der Prinz – der Erbe von Schottland unter der Obhut des Großconnetable's! – Was für ein Grund ist dazu vorhanden? Ist die schändliche Rede eines überführten Verbrechers von genügender Kraft, um mein königliches Wappen zu beflecken?«

»So lange solche Beschuldigungen nicht widerlegt und geläugnet sind, mein königlicher Neffe,« sagte der Herzog von Albany, »werden sie das eines Monarchen beflecken.«

»Geläugnet, Mylord?« rief der Prinz; »wer behauptet sie? nur ein Elender, der zu schmachvoll ist, selbst durch sein eigenes Geständniß, um nur einen Augenblick glaubwürdig zu sein, wär' auch nur eines Bettlers und nicht eines Prinzen Charakter verdächtigt. – Holt ihn hierher – laßt ihm die Folter zeigen; Ihr werdet ihn bald die Verläumdung widerrufen hören, die er zu äußern wagte.«

»Der Galgen hat sein Werk zu sicher gethan, als daß Bonthron noch Gefühl für die Folter hätte,« sagte der Herzog von Albany. »Er ist seit einer Stunde hingerichtet.«

»Und warum so eilig, Mylord?« sagte der Prinz; »wißt Ihr, daß das wie ein Kunstgriff aussieht, um meinen Namen zu beflecken?«

»Es ist allgemeiner Brauch – der im Kampfe des Gottesgerichts geschlagene Kämpfer wird sogleich aus den Schranken zum Galgen gebracht. – Und doch, lieber Neffe,« fuhr der Herzog von Albany fort, »wenn Ihr die Anschuldigung fest und keck geläugnet hättet, würde ich es für recht gehalten haben, den Elenden zu weiterer Untersuchung leben zu lassen, da aber Eure Hoheit schwieg, so hielt ich es für's Beste, das Aergerniß mit dem Athem dessen zu ersticken, der es ausgesprochen.«

»Heilige Maria, Mylord, dies ist aber zu beleidigend! Hieltet Ihr, mein Oheim, mich der Ausübung einer so unnützen und unwürdigen That für schuldig, als sie der Sklave bekannte?«

»Es kommt mir nicht zu, über die Sache mit Eurer Hoheit zu streiten; sonst würde ich fragen, ob Ihr auch den fast ebenso unwürdigen, obwohl minder blutigen Angriff auf das Haus in Curfewstreet läugnen wollt? – Seid nicht böse mit mir, Neffe; aber fürwahr, Eure zeitweilige Entfernung vom Hofe, wär' es auch nur, so lange sich der König in dieser Stadt aufhält, wo so großes Aergerniß gegeben worden, wird unumgänglich gefordert.«

Rothsay schwieg, als er diese Anrede vernahm, und den Herzog auf ganz eigentümliche Weise anblickend, erwiderte er: