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»Oheim, Ihr seid ein guter Jäger. Ihr habt Eure Netze sehr geschickt aufgestellt; aber Ihr würdet Euch trotzdem getäuscht haben, wenn der Hirsch nicht freiwillig hineingestürzt wäre. Gott sei mit Euch, und mögt Ihr den Nutzen davon haben, den Eure Maßregeln verdienen! Sagt meinem Vater, ich gehorche ihm. – Mylord Großconnetable, ich erwarte Euern Befehl, um Euch in Eure Wohnung zu begleiten. Da ich einmal in Verwahrung sein muß, so hätte ich keinen freundlichern und artigern Hüter wünschen können.«

Nachdem sich so das Gespräch zwischen Oheim und Neffen geschlossen, zog sich der Prinz mit dem Grafen von Errol nach seinen Gemächern zurück; die Bürger, denen sie auf den Straßen begegneten, traten, wenn sie den Herzog von Rothsay erblickten, zur Seite, um der Nothwendigkeit zu entgehen, den zu grüßen, welchen sie jetzt auch als einen grausamen, nicht mehr blos leichtsinnigen Wüstling betrachten mußten. Des Connetables Wohnung nahm den Besitzer und seinen fürstlichen Gast auf, Beide froh, die Straßen zu verlassen, aber nicht zufrieden mit der Lage, die Beide im Hause sich gegenüber einnehmen mußten.

Wir müssen zu den Schranken zurückkehren nach beendigtem Kampfe, als sich die Edelleute zurückgezogen hatten. Die Menge trennte sich nun in zwei bestimmte Haufen. Der an Zahl kleinere, aber zu gleicher Zeit durch Achtbarkeit ausgezeichnetere bestand aus der besseren Klasse der Einwohner von Perth, die dem Sieger und sich unter einander zu dem rühmlichen Ziele Glück wünschten, zu dem ihr Streit mit dem Adel geführt worden sei. Die Obrigkeit war so stolz darauf, daß sie Sir Patrick Charteris bat, eine Mahlzeit im Rathssaale anzunehmen, wozu auch vorzüglich Harry, der Held des Tages, eingeladen wurde, oder vielmehr Befehl erhielt, dabei zu erscheinen. Er hörte mit großer Verlegenheit diese Aufforderung, denn sein Herz war, wie leicht zu glauben ist, bei Katharina Glover. Aber Simon Glovers Rath gab den Ausschlag. Dieser alte und ächte Bürger hatte eine natürliche und geziemende Ehrfurcht vor dem Magistrate der guten Stadt; er unterhielt eine hohe Achtung für alle Ehren, die aus dieser Quelle floßen, und glaubte, sein künftiger Schwiegersohn würde Unrecht thun, sie nicht dankbar anzunehmen.

»Denke nicht daran, dich einer solchen Feierlichkeit fern zu halten, Sohn Harry,« war sein Rath. »Sir Patrick Charteris wird selbst dort sein, und ich denke, es ist eine seltene Gelegenheit für dich, sein Wohlwollen zu erwerben. Vielleicht bestellt er bei dir eine neue Rüstung, und ich hörte selber den würdigen Bailie Craigdallie sagen, daß man davon rede, die Rüstkammer der Stadt neu auszustatten. Du mußt die guten Geschäfte nicht vernachlässigen, da du nun eine größere Familie unterhalten wirst.«

»Still, Vater Glover,« antwortete der niedergeschlagene Sieger. »Es fehlt mir nicht an Kunden – und du weißt, daß sich Katharina über meine Abwesenheit wundern und sich allerlei Klatschereien von Spieldirnen und dergleichen erzählen lassen wird.«

»Fürchte das nicht,« sagte der Handschuhmacher; »aber geh' als gehorsamer Bürger, wohin deine Vorgesetzten dich verlangen. Ich läugne nicht, daß dir's einige Mühe kosten wird, mit Katharina wegen dieses Zweikampfes Frieden zu schließen; denn sie hält sich in solchen Dingen für klüger, als König und Staatsrath, Kirche und Geistliche, Oberrichter und Bailies. Aber ich will den Streit selbst führen und so für dich arbeiten, daß, wenn sie dich auch morgen etwas mißgelaunt empfängt, dies in Thränen und Lächeln wegschmelzen soll, wie ein Aprilmorgen, der mit mildem Regen anfängt. Also fort mit dir, mein Sohn, und sei morgen früh nach der Messe bereit.«

Der Schmied sah sich, obwohl mit Widerstreben, genöthigt, den Gründen seines künftigen Schwiegervaters nachzugeben, und einmal entschlossen, die ihm von den Vätern der Stadt bestimmte Ehre anzunehmen, zog er sich aus der Menge zurück und eilte nach Hause, um seine besten Kleider anzulegen; in diesen begab er sich nachher sogleich auf's Rathhaus, wo die schwere Eichentafel unter den gewaltigen Schüsseln mit Thaysalmen und köstlichen Seefischen aus Dundee sich zu beugen schien, Leckerbissen, welche die Fastenzeit erlaubte, und wobei es weder an Wein und Bier noch Meth fehlte, um sie hinunterzuspülen. Die »Aufwartenden oder Stadtmusikanten« spielten während des Mahles, und während der Pausen ihrer Musik erzählte Einer von ihnen sehr ausdrucksvoll die lange poetische Geschichte von der Schlacht zu Blackearnside, gefochten von Sir William Wallace und seinem unerschrockenen Hauptmann und Freunde, Thomas von Longueville, gegen den englischen General Sewart – eine allen Gästen ganz bekannte Begebenheit, der sie aber doch, nachsichtiger als ihre Enkel, zuhörten, wie wenn sie allen Reiz der Neuheit gehabt hätte. Es lag ohne Zweifel ein Kompliment für die Ahnen des Ritters von Kinfauns und anderer Familien von Perth in den Stellen, bei denen sich ein lauter Beifallruf erhob, indeß man einander gewaltig zutrank auf das Gedächtniß der Helden, die dem Kämpfer von Schottland zur Seite gestanden hatten. Harry Wynds Gesundheit wurde mit wiederholtem Jubel ausgebracht, und der Oberrichter verkündigte öffentlich, der Magistrat würde darüber berathen, wie man ihm am besten ein ausgezeichnetes Vorrecht oder einen ehrenvollen Lohn geben könnte, um zu zeigen, wie hoch seine Mitbürger seine muthigen Thaten schätzten.

»Nein, mit Eurer Erlaubniß, nehmt es nicht so, würdige Herren,« sagte der Schmied in seiner gewohnten geraden Weise, »damit die Leute nicht sagen, der Muth müsse selten in Perth sein, wenn sie einen Mann belohnen, der für das Recht einer verlassenen Wittwe kämpft. Es sind gewiß viele Dutzend braver Bürger in Perth, die das Tagewerk so gut als ich, oder besser als ich gethan Hütten. Denn wahrlich, ich hätte jenen Helm zerschmettern sollen wie einen irdenen Topf, und es wäre auch geschehen, war' es nicht einer gewesen, den ich selbst für Sir John Namorny machte. Aber wenn der Stadt mein Dienst irgend eines Lohnes werth dünkt, so halte ich ihn für weit mehr als abgetragen durch jede Hülfe, die Ihr aus dem Gemeindegute zur Unterstützung der Wittwe Magdalena und ihrer armen Waisen geben wollt.«

»Das mag wohl geschehen,« sagte Sir Patrick Charteris, »und doch kann die schöne Stadt reich genug bleiben, um ihre Schuld dem Harry Wynd abzutragen, über den jeder von uns ein besserer Richter ist, als er selbst, den eine unnütze Zartheit verdiendet, die man Bescheidenheit nennt. – Und wenn die Stadt zu arm dazu ist, so wird der Oberrichter seinen Theil tragen. Des Räubers goldene Engel sind noch nicht alle davongeflogen.«

Die Becher kreisten nun unter dem Namen eines Trostbechers für die Wittwe, und schäumten dann noch einmal auf das glückliche Gedächtniß des ermordeten Oliver, der nun so tapfer gerächt war. Kurz, es war ein so fröhliches Mahl, daß Alle übereinstimmten, es habe nichts gefehlt, um es vollkommen zu machen, als die Gegenwart des Strumpfwirkers, dessen Unfall die Zusammenkunft veranlaßte, und der sonst immer für den Spaß bei solchen festlichen Versammlungen gesorgt hatte. Wäre seine Anwesenheit möglich gewesen, bemerkte der Bailie Craigdallie trocken, so würde er gewiß den Erfolg des Tages in Anspruch genommen und sich der Rache seines eigenen Mordes gerühmt haben.

Beim Schalle der Vesperglocke brach die Gesellschaft auf; einige der ernster Gestimmten gingen zum Abendgebet, wo sie, mit halb geschlossenen Augen und strahlenden Gesichtern, einen höchst rechtgläubigen und erbaulichen Theil einer Fastenpredigt bildeten; Andere gingen nach ihren Wohnungen, um dort im Familienkreise von dem Kampfe und Gastmahle zu erzählen; Einige aber ohne Zweifel zu der ungebundenen Freiheit einer Schenke, deren Thür die Fastenzeit nicht so fest schloß, als die Kirche verlangte. Harry kehrte, warm vom guten Wein und vom Beifall seiner Mitbürger, in den Wynd zurück und schlief ein, um von vollkommenem Glück und Katharina Glover zu träumen.

Wir haben gesagt, daß sich nach Entscheidung des Kampfes die Zuschauer in zwei Haufen theilten. Von diesen folgten der achtbarere Theil dem Sieger in fröhlichem Zuge, während die Mehrzahl, oder was man den Pöbel nennen konnte, den besiegten und verurtheilten Bonthron begleitete, der nach entgegengesetzter Richtung und in ganz anderer Absicht wegzog. Was man immer zwischen dem Anziehenden eines Trauerhauses und eines Gastmahles unter andern Umständen für einen Vergleich anstellen mag, ist es doch zu errathen, was mehr Zuschauer herbeilockt, wenn es sich fragt, ob wir Zeugen fremden Elends sein oder einem Mahle zusehen wollen, woran wir nicht Theil nehmen. Dieser Wahrheit gemäß begleitete der bei weitem größere Theil der Einwohner von Perth den Karren, woraus der Verbrecher zur Hinrichtung geführt wurde.