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»Der Rath kommt zu spät, Vater,« antwortete Katharina, auf einen Stuhl neben des Vaters Bett niedersinkend. »Die Worte sind gesprochen und gehört worden; und es wird geklagt gegen Simon Glover, Bürger in Perth, daß er unehrerbietige Reden über die Lehre der heiligen Kirche geführt – «

»So wahr ich von Messer und Nadel lebe,« fiel Simon ein, »es ist eine Lüge! Ich war nie so thöricht, zu sprechen von dem, was ich nicht verstand.«

»Und die Gesalbten der Kirche lästerte, beide, Ordens- wie Weltgeistliche,« fuhr Katharina fort.

»Ei, die Wahrheit will ich nie läugnen,« sagte der Handschuhmacher; »ein müßiges Wort kann ich auf der Bierbank gesprochen haben, oder bei einem Schoppen Wein, oder in sicherer Gesellschaft; aber sonst ist meine Zunge nicht von der Art, um meinen Kopf in Gefahr zu stürzen.«

»So glaubt Ihr, mein theuerster Vater; aber Eure geringste Rede ist erspäht worden, Eure bestgemeinten Worte hat man verdreht, und Ihr seid im Verruf als grober Spötter gegen Kirche und Geistliche, der gegen dieselben Gespräche mit lockern und liederlichen Leuten gehalten, wie z. B. der verstorbene Oliver Proudfute war, der Schmied Harry vom Wynd und Andere; ein Mann, der die Lehren des Pater Clemens empfiehlt, den sie auf sieben Hauptketzereien anklagen und mit Stab und Speer suchen, um ihn zum Tode zu bringen. – Aber dieß,« sagte Katharina knieend und aufwärtsblickend mit der Miene einer jener schönen Heiligen, welche die Katholiken durch die schönen Künste darstellten, – »dieß werden sie nimmer thun. Er ist aus dem Netze des Jägers entkommen; und, ich danke dem Himmel, es geschah durch meine Hülfe.«

»Durch deine Hülfe, Mädchen – bist du wahnsinnig?« sagte der erstaunte Handschuhmacher.

»Ich will nicht läugnen, worauf ich stolz bin,« antwortete Katharina; »es geschah durch mich, daß Conachar veranlaßt ward, mit einer Anzahl Leute hierher zu kommen und den alten Mann, der nun weit jenseit der hochländischen Grenze ist, wegzuführen.

»O, mein vorschnelles – mein unglückliches Kind!« sagte der Handschuhmacher; »wagtest du, die Flucht eines der Ketzerei Angeklagten zu unterstützen und bewaffnete Hochländer aufzufordern, sich in die Verwaltung der Gerechtigkeit in der Stadt zu mischen? Ach, du hast dich gegen beide, die Gesetze der Kirche und des Reiches, vergangen. Was – was würde aus uns werden, wenn dies bekannt würde?«

»Es ist bekannt, mein theurer Vater,« sagte das Mädchen mit Festigkeit; »bekannt sogar denen, die die bereitwilligsten Rächer der That sein werden.«

»Das muß eine leere Einbildung sein, Katharina, oder ein Streich jener heuchlerischen Priester und Nonnen; es stimmt nicht mit deiner neulichen frohen Bereitwilligkeit, Harry Schmied zu heirathen.«

»Ach, theuerster Vater, gedenkt der schrecklichen Ueberraschung, welche das Gerücht seines Todes veranlaßte, und des freudigen Staunens, ihn lebend zu finden; und laßt es Euch nicht wunderbar scheinen, wenn ich unter Eurem Schutze mir mehr zu sagen erlaubte, als meine Ueberlegung rechtfertigte. Aber damals wußte ich noch nicht das Schlimmste und hielt die Gefahr für übertrieben. Ach! ich wurde gestern schrecklich enttäuscht, als die Aebtissin selbst hierher kam und mit ihr der Dominikaner. Sie zeigten mir den schriftlichen Auftrag, mit dem großen Siegel von Schottland, Ketzerei auszuforschen und zu bestrafen; sie zeigten mir Euren und meinen Namen in der Liste verdächtiger Personen; und unter Thränen, fürwahr unter Thränen beschwor mich die Aebtissin, ein furchtbares Schicksal abzuwenden, indem ich mich eilig in das Kloster flüchtete; und der Mönch gab sein Wort, daß Ihr nicht belästigt werden solltet, wenn ich nachgäbe.

»Der böse Feind hole sie Beide als weinende Krokodille!« sagte der Handschuhmacher.

»Ach,« erwiderte Katharina, »Beklagen oder Zürnen wird uns wenig helfen; aber Ihr seht, ich hatte wirklichen Grund für meine gegenwärtige Unruhe.«

»Unruhe! nenn' es äußerstes Verderben. – Ach, mein leichtsinniges Kind, wo war deine Klugheit, als du blindlings in eine solche Schlinge fielst?«

»Hört mich, Vater,« sagte Katharina; »noch eine Art der Rettung ist möglich; es ist eine, die ich oft vorgeschlagen, und für die ich immer umsonst um Eure Erlaubniß bat.«

»Ich verstehe dich – das Kloster,« sagte ihr Vater. »Aber Katharina, welche Aebtissin oder Priorin würde wagen –«

»Ich will Euch das erklären, Vater, und will Euch auch die Umstände zeigen, welche mich unentschlossen und wankelmüthig in einem Grade erscheinen ließen, der mir von Euch und Andern Tadel zuzog. Unser Beichtvater, der alte Pater Francis, den ich aus dem Dominikanerkloster auf Euren Befehl wählte –«

»Ja, allerdings,« unterbrach sie der Handschuhmacher; »und ich rieth und befahl dir so, um das Gerücht zu beseitigen, daß dein Gewissen ganz unter der Leitung des Pater Clemens stehe.«

»Gut, dieser Pater Francis hat mich mehrmals gedrängt und aufgefordert, über Dinge mit ihm zu sprechen, mittelst deren er von mir Etwas über den Karthäuserprediger zu erfahren gedachte. Der Himmel vergebe mir meine Blindheit! Ich fiel in die Schlinge, sprach offen, und da er sanft in mich drang, wie Einer, der gern überzeugt sein wollte, sprach ich sogar warm zur Vertheidigung dessen, was ich andächtig glaubte. Der Beichtvater zeigte nicht sein wahres Gesicht und verrieth nicht seine geheime Absicht, bis er Alles wußte, was ich ihm sagen konnte. Dann aber drohte er mir mit weltlicher Strafe und ewiger Verdammniß. Hätten seine Drohungen mich allein betroffen, so hätte ich standhaft bleiben können; denn ihre Grausamkeit auf Erden könnte ich erdulden, und an ihre Macht jenseit dieses Lebens glaube ich nicht.«

»Um des Himmels willen,« sagte der Handschuhmacher, der nun im Stillen bei jedem neuen Worte die wachsende, äußerste Gefahr seiner Tochter erkannte, »hüte dich, die heilige Kirche zu lästern – deren Waffen so schnell treffen, als ihre Ohren scharf hören.«

»Für mich,« sagte das Mädchen von Perth, wieder emporblickend, »würden die Schrecken der gedrohten Anzeige nicht erheblich sein; aber als sie davon sprachen, dich, mein Vater, in meine Anklage zu verwickeln, so gesteh' ich, daß ich zitterte und zu unterhandeln wünschte. Der Aebtissin Martha, vom Nonnenkloster zu Elcho, die eine Base von meiner Mutter war, erzählte ich mein Unglück, und sie gab mir das Versprechen, daß sie mich aufnehmen wollte, wenn ich weltlicher Liebe und Heirathsgedanken entsagen, und den Schleier in ihrer Schwesterschaft nehmen würde. Sie sprach ohne Zweifel über den Gegenstand mit dem Dominikaner Francis, und Beide sangen dasselbe Lied. »Bleib' in der Welt,« sagten sie, »und dein Vater und du werden als Ketzer in Untersuchung kommen – nimm den Schleier, und die Irrthümer Beider sollen vergeben und vergessen sein.« Sie sprachen nicht einmal von einem Widerruf der Irrlehren; Alles sollte still sein, wenn ich nur in das Kloster träte.«

»Ich zweifle nicht – ich zweifle nicht,« sagte Simon; »man hält den alten Handschuhmacher für reich, und sein Reichthum würde seiner Tochter in's Kloster von Elcho folgen, bis auf das, was die Dominikaner für sich in Anspruch nähmen. Dieß also ist dein Beruf zum Schleier – dieß sind deine Einwendungen gegen Harry Wynd?«

»In der That, Vater, von allen Seiten drängte man, und mein eignes Herz war ziemlich einverstanden. Sir John Ramorny bedrohte mich mit der mächtigen Rache des jungen Prinzen, wenn ich fortführe, seine schnöde Bewerbung zurückzuweisen – und was den armen Harry betrifft, so hab' ich erst ganz kürzlich zu meinem eignen Staunen bemerkt, – daß, – daß ich seine Tugenden mehr liebe, als mir seine Fehler mißfallen. Ach, diese Entdeckung hat mir meinen Abschied von der Welt nur schwerer gemacht, als wenn ich geglaubt hätte, blos dich zu beklagen.«

Sie stützte das Haupt mit der Hand und weinte bitterlich.

»Dieß ist Alles Thorheit,« sagte der Handschuhmacher. »Nie war eine Noth so groß, daß ein weiser Mann nicht Rath finden könnte, wenn er kühn genug ist, darnach zu handeln. Dieß war nie das Land oder Volk, über welches die Priester im Namen Roms herrschen konnten, ohne ihre Anmaßung eingeschränkt zu sehen. Wenn sie jeden ehrlichen Bürger strafen dürften, welcher sagt, daß die Mönche Geld lieben und daß das Leben etlicher von ihnen den Lehren, die sie predigen, Schande mache, so würde es wahrlich Stephen Smotherwell nicht an Geschäften fehlen, – und wenn alle thörichten Mädchen von der Welt sich absondern wollten, weil sie den Irrlehren eines beliebten Predigermönchs folgen, so müßten sie die Nonnenklöster erweitern, und die Schwestern auf leichtere Bedingungen aufnehmen. Unsere Rechte sind von unserm guten alten Fürsten oft gegen den Papst selbst vertheidigt worden; und wenn er sich anmaßte, sich in die weltliche Regierung zu mischen, so fehlte es nicht an einem schottischen Parlament, das ihm seine Pflicht in einem Briefe vorhielt, den man in Lettern von Gold hätte schreiben dürfen. Ich habe den Brief selbst gesehen, und ob ich ihn gleich nicht lesen konnte, so machte mir doch der Anblick der Siegel der hochwürdigen Prälaten, der edlen und treuen Barone, die daran hingen, das Herz vor Freude hüpfend. Du hättest mir dieß Geheimniß nicht vorenthalten sollen, mein Kind; doch es ist nicht Zeit, dir deinen Fehler vorzurücken. Geh' hinunter, hole mir Etwas zu essen. Ich will mich sogleich zu Pferde setzen und zu unserm Lord Oberrichter reiten, und seinen Rath suchen, und wie ich glaube seinen Schutz, nebst dem anderer treuherziger schottischer Edeln, die einen ehrlichen Mann eines leeren Wortes wegen nicht niedertreten lassen.«