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»Ach, mein Vater,« sagte Katharina, »es war gerade diese Heftigkeit, die ich fürchtete. Ich wußte, daß, wenn ich mich bei Euch beklagte, bald Feuer und Flamme sein würde, wie wenn die Religion, obwohl vom Vater des Friedens uns gesendet, nur die Mutter der Zwietracht sein sollte – und daher könnte ich jetzt – selbst jetzt – die Welt aufgeben und mich mit meinem Schmerze unter die Schwestern von Elcho zurückziehen, wollet Ihr mich nur das Opfer sein lassen. Tröstet nur, Vater, den armen Harry, wenn wir auf ewig geschieden sein werden – und laßt ihn – laßt ihn nicht zu hart von mir denken – sagt, Katharina werde ihn nie mehr mit ihren Ermahnungen plagen, aber sie wolle ihn nie in ihren Gebeten vergessen.«

»Das Mädchen hat eine Zunge, die einen Türken zum Weinen brächte,« sagte ihr Vater, indem seine eignen Augen denen seiner Tochter nachahmten. »Aber ich will jenem Einverständniß zwischen der Nonne und dem Mönch nicht nachgeben, die mir mein einzig Kind rauben wollen. – Geh', Mädchen, und laß mich ankleiden; sei bereit, mir in Allem zu gehorchen, was ich zu deiner Sicherheit zu empfehlen habe. Packe einige Kleider zusammen und was du von Werth hast – auch nimm den Schlüssel zu meinem eisernen Kasten, den mir Harry Schmied gab, und theile das Gold, was du darin findest, in zwei Portionen, – stecke die eine in eine Börse für dich und die andere in den ausgenähten Gürtel, den ich zum Reisen machte. Damit sind wir versorgt, wenn das Schicksal uns trennen sollte; dann möge der Himmel geben, daß der Wirbelwind das welke Laub nehme und das grüne schone! Laß sogleich mein Pferd satteln und den weißen Zelter, den ich gestern für dich kaufte, in der Hoffnung, dich nach der St. Johnskirche mit Mädchen und Frauen als eine so fröhliche Braut reiten zu sehen, wie noch keine über die heilige Schwelle ging. Aber das Geplauder hilft nichts. – Geh' und gedenke, daß die Heiligen denen helfen, die sich selbst helfen wollen. Kein Wort mehr – fort, sag' ich, – nur jetzt keinen Eigensinn. Der Steuermann läßt nur bei ruhigem Wetter den Schiffsjungen mit dem Ruder spielen; aber bei meiner Seele, wenn der Wind heult und die Wellen steigen, steht er selber am Steuer. Fort; kein Widerspruch.«

Während die schöne Katharina damit beschäftigt war, ihres Vaters Aufträge zu besorgen, und der gute alte Handschuhmacher sich hastig ankleidete, wie ein Mensch, der im Begriff ist, eine Reise anzutreten, hörte man den Hufschlag eines Rosses in der engen Straße. Der Reiter war in seinen Reitermantel gehüllt, den Kragen aufgeschlagen, als wollte er den untern Theil des Gesichts verbergen, und die Mütze über die Stirn gezogen, indeß eine große Feder das Gesicht von oben verdeckte. Er sprang vom Pferde, und Dorothee hatte kaum Zeit, seine Frage zu beantworten, ob der Handschuhmacher in seinem Zimmer sei, als der Fremde schon die Treppe bestiegen hatte, und in das Schlafgemach getreten war. Simon, erstaunt und erschreckt und in der Stimmung, in diesem frühen Besuch einen Gerichtsdiener oder Forderer zu sehen, der ihn und seine Tochter festnehmen wollte, war sehr erfreut, in dem Fremden, als er die Mütze abnahm und den Mantelkragen vom Gesicht zurückschlug, den ritterlichen Oberrichter der guten Stadt zu erkennen, dessen Besuch zu jeder Zeit eine ungewöhnliche Gunst war, aber zu solcher Stunde etwas Wunderbares, und, hinsichtlich der Zeitumstände, selbst etwas Schreckendes hatte.

»Sir Patrick Charteris!« – sagte der Handschuhmacher – »diese hohe Ehre für Euern armen Diener –«

»Still,« sagte der Ritter, »es ist keine Zeit zu leeren Höflichkeiten. Ich kam hierher, weil ein Mann in gefährlichen Umständen sein eigener sicherster Page ist, und ich kann mich nicht länger aufhalten, als dich fliehen zu heißen, guter Glover, da heut' im Rathe Vollmacht ertheilt werden wird, dich und deine Tochter unter Anklage der Ketzerei zu verhaften; Verzug wird euch Beiden gewiß eure Freiheit, vielleicht euer Leben kosten.«

»Ich habe so etwas vernommen,« sagte der Handschuhmacher, »und wollte diesen Augenblick nach Kinfauns, um meine Unschuld bei dieser schmählichen Anklage darzulegen, Eurer Herrlichkeit Rath zu erbitten und Euren Schutz zu erflehen.«

»Deine Unschuld, Freund Simon, wird dir bei vorurtheilsvollen Richtern nur wenig helfen; mein Rath ist, mit einem Worte, zu fliehen und bessere Zeiten abzuwarten. Was meinen Schutz betrifft, so müssen wir warten, bis die Flut abnimmt, eh' er dir von Nutzen sein kann. Aber wenn du einige Tage oder Wochen verborgen bleiben kannst, so zweifle ich kaum daran, daß die Pfaffen, welche, in einer Hofintrigue mit dem Herzog von Albany vereint, und den Verfall der reinen katholischen Lehre als einzigen Grund des gegenwärtigen Staatsunglückes angebend, für jetzt wenigstens unwiderstehliche Gewalt über den König haben, werden nachgeben müssen. Indessen wisse, daß König Robert nicht nur diesen allgemeinen Befehl zur Untersuchung der Ketzerei bekräftigt, sondern auch die päpstliche Ernennung Henry Wardlaws zum Erzbischof von St. Andrews und Primas von Schottland bestätigt hat, und somit Rom die Freiheiten und Vorrechte der schottischen Kirche überläßt, die seine Vorfahren seit Malcolm Canmore's Zeiten so kühn vertheidigt haben. Seine tapferen Väter würden eher einen Bund mit dem Teufel unterschrieben, als in einer solchen Sache den Ansprüchen nachgegeben haben.«

»Ach, und welche Hilfe?«

»Keine, alter Mann, außer in einer plötzlichen Hofveränderung,« sagte Sir Patrick. »Der König ist nur wie ein Spiegel, der, selbst kein Licht habend, mit immer gleicher Bereitwilligkeit zurückstrahlt, was ihm gerade nahe kommt. Jetzt, obgleich der Douglas mit Albany sich verbunden hat, ist doch der Graf den hohen Ansprüchen dieser herrschsüchtigen Priester ungünstig, und liegt mit ihnen wegen der Erpressungen im Streit, die sein Gefolge an dem Abt von Aberbrothock verübt hat. Er wird mit zahlreicher Heeresmacht zurückkommen, denn das Gerücht sagt, der Graf von March sei vor ihm geflohen. Kehrt er zurück, so ist die Welt verändert, denn seine Gegenwart wird Albany im Zaume halten; besonders sind viele Edle und ich selbst, wie ich Euch im Vertrauen sage, entschlossen, sich mit ihm zur Vertheidigung des allgemeinen Rechts zu verbinden. Deine Verbannung wird daher mit seiner Rückkehr an den Hof enden; du mußt dir aber einen einstweiligen Schlupfwinkel suchen.«

»Was das betrifft, Mylord,« sagte der Handschuhmacher, »so kann mir's nicht fehlen, da ich gerechten Anspruch auf den Schutz des großen Hochländerhäuptlings Gilchrist Mac Jan, Häuptling des Clans Quhele, habe.«