»Ei, mein Vater,« sagte Katharina, »es war gewiß nur eine Handlung des Erbarmens, den Brand aus dem Feuer zu reißen.«
»Aber keine besondere Handlung der Weisheit,« sagte ihr Vater, »da du die eigenen Finger dabei dem Brande aussetztest. – Was sagt Mylord zu der Sache?«
»Mylord möchte das schöne Mädchen von Perth nicht beleidigen,« sagte Sir Patrick; »und er kennt wohl die Reinheit und Wahrheit ihres Gemüths. Und doch muß ich nothwendig sagen, wäre dieser Pflegesohn des Rehes runzelig, hager, plump und rothhaarig gewesen, wie einige Hochländer, die ich kannte, so wär' es die Frage, ob das schöne Mädchen von Perth so vielen Eifer auf seine Bekehrung verwendet hätte; und wäre Katharina so alt, runzelig und von Jahren gebeugt gewesen, wie das alte Weib, das mir die Thür diesen Morgen öffnete, so möcht' ich meine goldenen Sporen gegen ein paar hochländischer Holzschuhe wetten, daß der wilde Rehbock nie mehr ihren Lectionen gelauscht haben würde. – Ihr lacht, Glover, und Katharina erröthet vor Unwillen. Laßt das sein, es ist der Lauf der Welt.«
»Die Art, Mylord, auf welche die Weltmenschen ihre Nachbarn beurtheilen,« sagte Katharina etwas geärgert.
»Ach, schöne Heilige, vergebt einen Scherz,« sagte der Ritter; »und du, Simon, sag' uns, wie die Geschichte endete – mit Conachars Flucht nach den Hochlanden, vermuthlich?«
»Mit seiner Rückkehr dahin,« sagte der Handschuhmacher. »Es war vor einigen Jahren ein Kerl in Perth, eine Art Bote, der kam und ging unter mancherlei Vorwand, war aber in der That das Mittel der Mittheilung zwischen Gilchrist Mac Jan und seinem Sohne, dem jungen Conachar, oder, wie er nun heißt, Hektor. Von diesem Burschen erfuhr ich im Allgemeinen, daß die Verbannung des Dault an Neigh Dheil, oder des Pflegesohnes des weißen Rehes, vom Stamme wieder in Erwägung gezogen sei. Sein Pflegevater, Torquil von der Eiche, der alte Jäger, erschien mit acht Söhnen, den schönsten Männern des Clans, und forderte die Aufhebung des Verbannungsurtheils. Er sprach mit um so größerem Ansehen, da er selbst ein Taitschatar oder Seher war und im Rufe stand, mit der unsichtbaren Welt Verkehr zu haben. Er versicherte, eine Zauberformel vollbracht zu haben, genannt Tin-Egan, durch welche er einen Teufel beschwor, von dem er ein Geständniß erpreßte, daß Conachar, nun Eachin oder Hektor Mac Jan genannt, der einzige Mann in dem bevorstehenden Kampfe zwischen den feindlichen Clans sei, der ohne Blut und Flecken wegkommen würde. Daher bewies Torquil von der Eiche, daß die Gegenwart des vom Schicksal bestimmten Mannes nothwendig sei, um den Sieg zu sichern. ›So gewiß weiß ich dies,‹ sagte der Jäger, ›daß, wo nicht Eachin an seiner Stelle in den Reihen des Clans Quhele kämpft, weder ich, sein Pflegevater, noch einer meiner acht Söhne eine Waffe in dem Streite erheben wird.‹
»Diese Rede ward mit großer Unruhe aufgenommen, denn der Abgang von neun Männern, den muthigsten ihres Stammes, war ein ernstlicher Unfall, zumal wenn der Kampf, wie das Gerücht bereits geht, durch eine kleine Anzahl von jeder Seite entschieden werden sollte. Der alte Aberglaube hinsichtlich des Pflegesohns des weißen Rehes wurde von einem neuen Vorurtheil überwogen, und der Vater ergriff die Gelegenheit, dem Clan seinen langverborgenen Sohn vorzustellen; das jugendliche, aber schöne und lebendige Gesicht desselben, sein stolzes Benehmen und seine gewandten Glieder erregten die Aufmerksamkeit der Männer des Clans, die ihn als den Erben und Abkömmling ihres Häuptlings, trotz des unglücklichen Vorzeichens, das seine Geburt und Säugung begleitete, empfingen.
»Aus dieser Erzählung, Mylord,« fuhr Simon Glover fort, »kann Eure Herrlichkeit leicht ersehen, warum ich selbst einer guten Aufnahme unter dem Clan Quhele sicher sein konnte; und ebenso seid Ihr im Stande zu beurtheilen, daß es sehr unbedacht von mir sein würde, Katharina dorthin zu führen. Und dies, Mylord, ist die schwerste meiner Sorgen.«
»So wollen wir dir die Last erleichtern,« sagte Sir Patrick; »und, guter Glover, ich will für dich und dieses Mädchen Etwas wagen. Meine Verbindung mit Douglas gibt mir einigen Einfluß bei Majory, der Herzogin Rothsay, seiner Tochter, der vernachlässigten Gemahlin unseres leichtsinnigen Prinzen. Verlasse dich darauf, guter Glover, daß unter ihrem Schutze deine Tochter so sicher sein wird, als in einem verschanzten Schlosse. Die Herzogin lebt gegenwärtig zu Falkland, einem Schlosse, das ihr der Herzog von Albany, dem es gehört, zu ihrer Bequemlichkeit geliehen hat. Ich kann kein Vergnügen versprechen, schönes Mädchen; denn die Herzogin Majory von Rothsay ist eine unglückliche und daher mürrische, stolze und übermüthige Frau, die des Mangels an anziehenden Eigenschaften sich bewußt und daher eifersüchtig auf alle Mädchen ist, die diese besitzen. Aber sie ist ihrem Worte treu, hat einen edlen Muth, und würde den Papst oder Prälaten in den Schloßgraben werfen lassen, wenn er eine Person unter ihrem Schutze verhaften wollte. Ihr werdet daher ganz sicher sein, obwohl Euch Behaglichkeit fehlen mag.«
»Ich habe keinen weitern Anspruch,« sagte Katharina; »und tief fühle ich die Güte, die mir so ehrenvollen Schutz zu gewähren bereit ist. Ist sie hochmüthig, so will ich mich erinnern, daß sie eine Douglas ist und das Recht hat, so stolz als irgend eine Sterbliche zu sein – ist sie mürrisch, so will ich bedenken, daß sie unglücklich ist – und ist sie über Gebühr launenhaft, so will ich nicht vergessen, daß sie mich schützt. Bekümmert Euch nicht länger um mich, Mylord, wenn Ihr mich unter den Schutz der edlen Lady gebracht habt. – Aber daß mein armer Vater dem wilden und gefährlichen Volke ausgesetzt sein soll!«
»Denke nicht daran, Katharina,« sagte der Handschuhmacher; »ich bin so vertraut mit Holzschuhen und Farrenkraut, als hätte ich sie selber getragen. Ich fürchte nur, die entscheidende Schlacht möchte vorfallen, bevor ich dieses Land verlassen kann; und wenn der Clan Quhele die Schlacht verliert, so kann ich durch das Unglück meiner Beschützer leiden.«
»Wir müssen dafür sorgen,« sagte Sir Patrick; »verlaßt Euch auf mich, ich werde für Eure Sicherheit denken. – Aber welche Partei, glaubt Ihr, wird siegen?«
»Offen zu reden, Mylord Oberrichter, ich glaube, der Clan Chattan wird den Kürzern ziehen; jene neun Söhne des Waldes bilden fast ein Drittel der Schaar, die den Häuptling vom Clan Quhele umgibt, und es sind unerschrockene Streiter.«
»Und Euer Lehrling, meint Ihr, er werde stehen?«
»Er ist heiß wie Feuer, Sir Patrick,« antwortete der Handschuhmacher, »ist aber eben so beweglich, wie Wasser. Trotzdem scheint er, wenn er leben bleibt, dereinst ein tüchtiger Mann werden zu wollen.«