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»Wenn Niel Booshalloch seine Wohnung gleich den Uebrigen verlassen hat, so bin ich am Ende schön angekommen,« dachte Simon, »da ich nicht nur den Vortheil seines guten Rathes entbehre, sondern auch seinen Einfluß bei Gilchrist Jan; überdies auch ein Nachtquartier und Abendessen.«

So denkend, erreichte er den Gipfel eines schwellenden grünen Hügels und sah den prächtigen Anblick des Taysees unter sich, eine unermeßliche Platte polirten Silbers, seine dunklen Haideberge und laublosen Eichenwälder, die dem mit Arabesken gezierten Rahmen eines prächtigen Spiegels glichen.

Gegen Naturschönheiten stets gleichgültig, war es Simon Glover besonders jetzt, und der einzige Theil der herrlichen Landschaft, worauf er den Blick heftete, war der Winkel oder Vorsprung eines Wiesenlandes, wo der Fluß Tay, in stolzer Fülle aus seinem väterlichen See hervorrauschend und um ein etwa eine Meile breites Thal sich im Bogen wälzend, seinen großen Lauf südostwärts beginnt, wie ein Eroberer und Gesetzgeber, um ferne Lande zu unterjochen und zu bereichern. Auf der einsamen Stelle, welche reizend zwischen See, Berg und Strom liegt, erhob sich später das lehensherrliche Schloß, der Ballongh, welches in unserer Zeit dem prächtigen Palaste des Grafen von Breadalbane Platz gemacht hat.

Aber die Campbells, obwohl sie bereits eine bedeutende Macht in Argyleshire erlangt hatten, hatten sich doch nicht so weit ostwärts bis zum Taysee ausgedehnt, dessen Ufer, sei es durch Recht oder durch bloße Besitzergreifung, damals der Clan Quhele besaß, der seine auserlesensten Heerden darauf werden ließ. In diesem Thale also, zwischen dem Fluß und dem See, zwischen ausgedehnten Wäldern von Eichen, Haselbüschen, Eschen und Lerchenbäumen, erhob sich die niedrige Hülle Niel Booshallochs, eines ländlichen Eumäus, dessen gastlicher Schornstein reichlichen Rauch aufsteigen ließ, zur großen Beruhigung Simon Glovers, indem er sonst genöthigt gewesen wäre, nicht zu seinem besonderen Vergnügen die Nacht unter freiem Himmel zuzubringen.

Er erreichte die Thür der Hütte, pfiff, schrie und machte seine Ankunft bekannt. Es erhob sich ein Gebell von Hunden, und alsbald trat der Herr der Hütte hervor. Es lag viel Sorge auf seiner Stirn, und er schien beim Anblick Simon Glovers zu erschrecken, obgleich der Hirt Beides, so gut er konnte, verbarg; denn nichts galt in diesem Lande für unhöflicher, als wenn der Wirth in Blick oder Miene Etwas zeigte, was den Besuch zu dem Gedanken verleiten konnte, daß seine Ankunft unangenehm oder auch nur unerwartet sei. Das Pferd des Reisenden wurde in einen Stall gebracht, der beinahe zu niedrig war, um es aufzunehmen, und der Handschuhmacher selbst wurde in das Haus Booshallochs geführt, wo ihm nach der Sitte des Landes Brod und Käse vorgesetzt wurde, während man nahrhaftere Speisen bereitete. Simon, der all' ihre Gewohnheiten verstand, wollte die offenbaren Zeichen von Traurigkeit auf der Stirne seines Wirthes und der Familie desselben nicht bemerken, bis er der Form wegen Etwas gegessen hatte, worauf er die allgemeine Frage that, was es Neues im Lande gäbe?

»So schlechte Neuigkeiten, als je genannt wurden.« sagte der Hirte; »unser Vater ist nicht mehr.«

»Wie?« sagte Simon, höchlich beunruhigt, »ist der Häuptling des Clans Quhele todt?«

»Der Häuptling des Clans Quhele stirbt nie,« antwortete der Booshalloch; »aber Gilchrist Mac Jan starb vor zwanzig Stunden, und sein Sohn Eachin Mac Jan ist nun Häuptling.«

»Was, Eachin – das ist Conachar – mein Lehrling.«

»So wenig als möglich von diesem Gegenstande, Bruder Simon,« sagte der Hirte. »Ihr müßt Euch erinnern, Freund, daß Euer Gewerbe, das wohl gut ist, um in der hübschen Stadt Perth zu leben, etwas zu handwerksmäßig ist, um am Fuße des Ben Lawers oder an den Ufern des Taysees sehr geachtet zu sein. Wir haben nicht einmal ein gälisches Wort, um einen Handschuhmacher damit zu bezeichnen.«

»Es wäre auch seltsam, wenn Ihr's hättet, Freund Niel,« sagte Simon trocken, »da Ihr so wenig Handschuhe zu tragen habt. Ich glaube, es gibt keine im ganzen Clan Quhele, außer die, welche ich selbst Gilchrist Mac Jan schenkte, dem Gott gnädig sei, der sie als etwas Vorzügliches schätzte. Sehr tief bedaure ich seinen Tod, denn ich kam in wichtigen Geschäften zu ihm.«

»Ihr thätet besser, Eures Pferdes Kopf morgen früh südwärts zu wenden,« sagte der Hirte. »Das Leichenbegängniß wird gleich stattfinden, und es muß ohne viel Ceremonie geschehen; denn es soll eine Schlacht zwischen dem Clan Quhele und dem Clan Chattan gefochten werden, dreißig Kämpfer von jeder Seite, und zwar am nächsten Palmsonntag; und wir haben wenig Zeit übrig, um die Todten zu beklagen oder die Lebenden zu ehren.«

»Aber meine Angelegenheiten sind so wichtig, daß ich den jungen Häuptling nothwendig sehen muß, wär' es auch nur auf eine Viertelstunde,« sagte der Handschuhmacher.

»Höre, Freund,« erwiderte sein Wirth. »ich denke, dein Geschäft ist, entweder Geld einzusammeln oder Handel zu treiben. Nun, wenn der Häuptling dir etwas für Erziehung oder dergleichen schuldig ist, so verlang' es nicht von ihm zu einer Zeit, wo er alle Schätze des Stammes zu prächtigen Waffenrüstungen und Kleidern für seine Mitkämpfer bedarf; denn wir müssen jenen stolzen Bergkatzen so begegnen, daß sie sehen, wie hoch wir über ihnen stehen. Aber wenn du kommst, um Handel mit uns zu schließen, so ist deine Zeit noch schlimmer gewählt. Du weißt, daß du bereits von Vielen unseres Stammes beneidest wirst, wie du den jungen Häuptling erzogen hast, ein Geschäft, welches den Besten des Clans übertragen zu werden pflegt.«

»Aber, bei St. Maria, Mann!« rief der Handschuhmacher, »die Leute sollen sich erinnern, daß mir das Geschäft nicht als eine Gunst übertragen wurde, um die ich warb, sondern daß es von mir nur ungern und nur auf Bitten, zu meiner nicht geringen Verlegenheit, angenommen ward. Dieser euer Conachar, oder Hektor, oder wie ihr ihn nennt, hat mir Rehhäute im Betrage vieler schottischen Pfunde verdorben.«

»Da hast du nun wieder,« sagte der Booshalloch, »ein Wort gesprochen, was dir das Leben kosten kann; – jede Anspielung auf Felle oder Häute, zumal auf Rehhäute, kann dich in höchste Gefahr bringen. Der Häuptling ist jung und eifersüchtig auf seinen Rang – Niemand kennt den Grund besser, als du, Freund Handschuhmacher. Er wünschte natürlich, daß Alles, was sich auf den Widerspruch gegen seine Erbfolge und auf seine Verbannung bezieht, gänzlich vergessen werde; und er wird den nicht lieben, der das Gedächtniß seiner Leute zu Etwas zurückruft, oder sein eigenes zurückzwingt, dessen Beide mit Widerwillen gedenken. Denke, wie sie in solcher Zeit auf den alten Glover von Perth sehen werden, bei welchem der Häuptling so lange Lehrling war! – Nun, nun, alter Freund, Ihr habt Euch darin geirrt. Ihr seid zu eilig, die aufgehende Sonne anzubeten, während ihre Strahlen noch am Rande des Horizonts stehen. Komm, wenn sie höher am Himmel emporgestiegen ist, und du sollst an der Wärme ihrer Mittagshöhe Theil haben.«

»Niel Booshalloch,« sagte der Handschuhmacher, »wir sind alte Freunde gewesen, wie du sagst; und da ich dich für einen Treuen halte, will ich offen zu dir sprechen, obwohl, was ich sage, gefährlich sein könnte, wenn ich es Andern deines Clans mittheilte. Du glaubst, ich komme hieher, um Vortheil von deinem jungen Häuptling zu ziehen, und es ist natürlich, daß du das glaubst. Aber in meinen alten Tagen verlasse ich nicht meine Kaminecke in Curfewstreet, um mich an den Strahlen der glänzendsten Sonne zu wärmen, die je über hochländisches Heidekraut schien. Die Sache ist aber, ich komme in Noth hieher – meine Feinde haben sich über mich gesetzt und mich solcher Verbrechen angeklagt, deren ich selbst in Gedanken nicht schuldig bin. Trotzdem ist wahrscheinlich das Urtheil über mich gefällt, und ich habe nur die Wahl, zu fliehen oder zu bleiben, um zu sterben. Ich komme nun zu Eurem Häuptling, der bei mir in seiner Noth Zuflucht fand, von meinem Brode aß und aus meinem Becher trank. Ich verlange Zuflucht bei ihm, die ich, wie ich hoffe, nur kurze Zeit brauchen werde.«