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Der prächtige Busen des Sees selbst gewährte einen entzückenden Anblick. Seine stattliche Breite, nebst seinem Ausgang in einen vollen und schönen Strom, ward noch malerischer durch eine jener Inseln, die oft so glücklich in den schottischen Seen gelegen sind. Die Ruinen dieser Inseln, jetzt fast formlos und mit Holz überwachsen, erhoben sich in der Zeit, von welcher wir sprechen, zu den Thürmen und Zinnen einer Abtei, wo die Reste Sibilla's, Tochter Heinrichs I. von England und Gemahlin Alexanders I. von Schottland, ruhten. Diese heilige Stätte wurde genug in Ehren gehalten, um der Ruheplatz der Reste des Häuptlings vom Clan Quhele zu sein, wenigstens bis die Entfernung der Gefahr, die jetzt so nahe drohte, es erlauben würde, seinen Leichnam in ein ausgezeichnetes Kloster im Norden zu bringen, wo er schließlich bei all' seinen Ahnen ruhen sollte.

Eine Anzahl Boote stieß von verschiedenen Punkten des nahen und ferneren Gestades ab, viele Trauerfahnen entfaltend, und andere mit ihren verschiedenen Pfeifern, die von Zeit zu Zeit einige Töne schrillen, traurigen und beklagenden Charakters hören ließen, und dem Handschuhmacher somit anzeigten, daß die Ceremonie vor sich gehen sollte. Diese Klagetöne waren nur das Vorspiel der Instrumente in Vergleich mit der allgemeinen Klage, die sogleich erhoben werden sollte.

Weit vom See herauf hörte man einen feinen Ton, der aus den entfernten und abgelegenen Thälern zu kommen schien, aus denen der Dochart und der Lochy ihre Fluthen in den Taysee ergießen. Es war an einem wilden, unzugänglichen Orte, – wo die Campells in einer spätern Zeit ihre starke Veste Finlayrigg gründeten, – daß der muthige Gebieter des Clans Quhele seinen letzten Athemzug that; und um seinem Leichenbegängniß die gebührende Feierlichkeit zu geben, ward sein Körper nun den See herab nach der Insel geführt, die seine einstweilige Ruhestätte sein sollte. Die Leichenflotte, von des Häuptlings Boote, aus welchem eine ungeheure schwarze Fahne wallte, geführt, hatte mehr als zwei Drittel des Weges zurückgelegt, ehe man von der Anhöhe, wo Simon Glover stand, die Feierlichkeit übersehen konnte. Sobald der entfernte Klageton des Coronach, der von den Leuten auf der Leichenbarke ausging, gehört wurde, schwiegen auf einmal alle geringern Wehklagen, wie der Rabe zu krächzen und der Habicht zu pfeifen aufhört, wenn das Geschrei des Adlers gehört wird. Die Boote, welche auf dem See, wie eine Heerde Wasservögel, zerstreut umhergefahren waren, zogen sich nun mit einer Art von Ordnung zusammen, damit die Leichenflotte voran ginge und sie selbst an ihre gehörigen Plätze kämen. Indessen wurde der durchdringende Ton der Kriegspfeifen lauter und lauter, und das Geschrei von den zahllosen Booten, die demjenigen folgten, aus dem das schwarze Banner des Häuptlings wehete, erhob sich in wildem Einklang zu dem Tom-an-Lonach, auf dem Glover das Schauspiel betrachtete. Die Galeere, welche den Zug anführte, trug auf dem Hintertheil ein Gerüst, worauf in weiße Leinewand gewickelt, das Gesicht blos, der Leichnam des gestorbenen Häuptlings ausgestellt war. Sein Sohn und die nächsten Verwandten befanden sich auf dem Fahrzeuge, während eine große Menge Boote jeder Art, so viel ihrer auf dem Taysee selbst, oder auf Landwegen vom Earnsee oder sonst woher zusammengebracht werden konnten, zum Theil schwachgebaute Fahrzeuge, hinten nachfolgten. Es waren selbst Curraghs hier, aus Ochsenhäuten bestehend, die man nach der Art der alten Britten über Weidenstämme spannte; Einige vertrauten sich sogar Flößen, die man aus dem nächsten, dem besten Holze so leicht zusammengefügt hatte, daß es wahrscheinlich wurde, es dürften, ehe die Reise zu Ende sei, einige der Clansleute den verstorbenen Häuptling in die Geisterwelt begleiten.

Als die Hauptflottille der kleinern Gruppe von Booten, die sich am Ende des Sees sammelten und von der kleinen Insel abfuhren, zu Gesicht kam, begrüßten sie einander mit einem Geschrei, so laut und allgemein und in einem so seltsam verlängerten Tonfall endend, daß nicht allein das Wild meilenweit in der Runde aus seinen Klüften aufgeschreckt ward, sondern selbst das an die Stimme des Menschen gewöhnte Hausvieh all' den panischen Schrecken empfand, den das menschliche Geschrei auf wildere Stämme macht, und von seinen Weiden in Moräste und Gebüsche floh.

Durch diese Klänge aus ihrem Kloster gerufen, begannen die Mönche, welche die kleine Insel bewohnten, aus ihrem niedrigen Thore zu treten, mit Kreuz und Fahne und mit so viel kirchlicher Pracht, als sie zu entfalten vermochten; zu gleicher Zeit mischte sich der Klang ihrer Glocken, deren das Gebäude drei besaß, das Todtengeläute über den weiten See hallend, welches in's Ohr der nun schweigenden Menge tönte, mit dem feierlichen Gesange der katholischen Kirche, den die Mönche in ihrer Prozession anstimmten. Verschiedene Ceremonien fanden Statt, während die Verwandten des Verblichenen den Leichnam an's Land trugen, auf eine hierzu längst geweihte Bank legten und dem alten Brauche gemäß den Deafil um ihn machten. Als der Leichnam aufgehoben wurde, um in die Kirche getragen zu werden, brach ein neues Geschrei von der versammelten Menge aus, in welchem die tiefe Stimme der Krieger und das gellende Klagegeschrei der Weiber mit der zitternden Stimme der Greise und dem stammelnden Geschrei der Kinder sich verband. Der Coronach wurde wieder und zum letzten Male geschrieen, als der Leichnam in das Innere der Kirche gebracht wurde, wo nur die nächsten Verwandten des Verblichenen und die ausgezeichnetsten Führer des Clans eintreten durften. Das letzte Wehgeschrei war so schrecklich laut und von so viel hundert Echos beantwortet, daß der Bürger von Perth unwillkürlich seine Hände zu den Ohren erhob, um einen so durchdringenden Schall abzuhalten, oder wenigstens zu dämpfen. Er behielt diese Stellung, während Habichte, Eulen und andere Vögel, durch das wilde Geschrei gestört, anfingen sich in ihre Schlupfwinkel zu setzen, als beim Wegziehen seiner Hand eine Stimme dicht neben ihm sagte:

»Haltet Ihr dies, Simon Glover, für eine Hymne der Demuth und des Lobes, womit es ziemt, einen armen verlorenen Mann, ausgeworfen aus seiner irdischen Hülle, vor's Angesicht seines Schöpfers zu senden?«

Der Handschuhmacher drehte sich um, und es ward ihm nicht schwer, in dem alten Manne, der mit langem weißem Barte dicht neben ihm stand, an dem hellen sanften Auge und der wohlwollenden Miene, den Karthäusermönch Vater Clemens wiederzuerkennen, der nicht mehr seine klösterlichen Kleider trug, sondern in einen Friesmantel gehüllt war und eine Hochländermütze trug.

Man muß sich erinnern, daß der Handschuhmacher diesen Mann mit einem aus Achtung und Mißfallen gemischten Gefühle betrachtete, – mit Achtung, die sein Verstand der Person und dem Charakter des Mönchs nicht versagen konnte, und mit Mißfallen, welches aus Pater Clemens eigenthümlichen Lehren entstand, welche die Ursache der Verbannung seiner Tochter und seiner eigenen Bedrängniß waren. Es war daher nicht mit dem Gefühle reiner Zufriedenheit, daß er den Gruß des Paters erwiderte, und er sagte auf die wiederholte Frage, was er von dem Leichenbegängniß halte, das auf so wilde Art vollzogen werde: – »Ich weiß nicht, mein guter Vater; aber diese Leute thun ihre Pflicht gegen den verstorbenen Häuptling nach der Gewohnheit ihrer Vorfahren. Sie wollen den Schmerz über den Verlust ihres Freundes ausdrücken und ihr Gebet zum Himmel für ihn erheben, und was mit gutem Willen geschieht, muß, wie mich dünkt, günstig aufgenommen werden. Wäre es anders gewesen, so denk' ich, sie wären schon längst zu etwas Besserem erleuchtet worden.«

»Du täuschest dich,« antwortete der Mönch. »Gott hat sein Licht unter uns Alle gesendet, obwohl in verschiedenem Maße; aber der Mensch schließt absichtlich die Augen und zieht Finsterniß vor. Dies umnachtete Volk mischt mit dem Ritual der römischen Kirche die alten heidnischen Ceremonien seiner Väter, und vereinigt so mit den Abscheulichkeiten einer durch Reichthum und Macht verdorbenen Kirche die grausamen und blutigen Gebräuche des rohen Heidenthums.«