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»Vater,« sagte Simon kurz, »mich dünkt, Eure Gegenwart wäre nützlicher in jener Kapelle, um Euren Brüdern bei Verrichtung ihres kirchlichen Amtes zu helfen, als um den Glauben eines demüthigen, obwohl unwissenden Christen, wie ich bin, zu stören und wankend zu machen.«

»Und warum, guter Bruder, sollte ich deine Glaubensgrundsätze wankend machen wollen?« antwortete Clemens. »So wahr mir der Himmel helfe, wäre mein Herzblut nöthig, um die Seele eines Menschen an die heilige Religion, die er bekennt, zu knüpfen, es sollte dafür frei verströmen.«

»Eure Rede ist schön, Vater, ich gesteh' es,« sagte der Handschuhmacher; »aber wenn ich die Lehre nach den Früchten beurtheile, so hat mich der Himmel durch die Hand der Kirche gestraft, indem ich darauf hörte. Eh' ich Euch hörte, war mein Beichtvater wenig bekümmert, obwohl ich gestehen möchte, daß ich etwa ein Wort auf der Bierbank habe fallen lassen, wenn auch ein Mönch oder eine Nonne der Gegenstand sein mochte. Als ich einmal den Pater Hubert einen bessern Hasen- als Seelenjäger genannt hatte, so beichtete ich es dem Pfarrer Weinsauf, welcher lachte und mich eine Rechnung zur Buße bezahlen ließ, – oder wenn ich sagte, der Pfarrer Weinsauf sei seinem Becher treuer, als seinem Brevier, so beichtete ich es beim Vater Hubert, und ein neuer Falkenhandschuh machte Alles wieder gut; so lebte ich, mein Gewissen und Mutter Kirche in Friede, Freundschaft und gegenseitiger Verträglichkeit miteinander. Aber seit ich Euch gehört habe, Vater Clemens, ist diese angenehme Verbindung in Stücke gebrochen, und nichts donnert in mein Ohr, als Fegfeuer in jener und Scheiterhaufen in dieser Welt. Darum geht weg von mir, Vater Clemens, oder sprecht mit Solchen, die Eure Lehre verstehen können. Ich habe nicht das Herz, ein Märtyrer zu werden, und habe nie in meinem Leben Muth genug gehabt, ein Licht mit den Fingern zu putzen; und, die Wahrheit zu gestehen, ich bin gesonnen, nach Perth zurückzugehen, beim geistlichen Gerichtshof mir Verzeihung auszuwirken, meinen Scheiterhaufen zum Zeichen des Widerrufs an den Fuß des Galgens zu tragen und mir den Namen eines guten Katholiken wieder zu erkaufen, wäre es auch um den Preis alles weltlichen Reichthums, der mir übrig ist.«

»Ihr seid unwillig, mein theuerster Bruder,« sagte Clemens; »und einer geringen irdischen Gefahr und eines geringen irdischen Verlustes wegen gereuen Euch die guten Gedanken, die Ihr einst unterhieltet.«

»Ihr könnt leicht so sprechen, Vater Clemens, da Ihr, wie ich denke, schon längst dem Reichthum und den Gütern der Welt entsagt habt und vorbereitet seid, das Leben, wenn es verlangt wird, für die Lehre, die ihr predigt und glaubt, hinzugeben. Ihr seid so bereit, das Pechhemd und die Schwefelmütze anzulegen, als ein nackter Mann, in sein Bett zu gehen, und es könnte scheinen, Ihr hättet nicht viel mehr Widerwillen gegen die Ceremonie. Aber ich habe noch immer Etwas, was mir anhängt. Mein Reichthum ist noch mein eigen, und ich danke dem Himmel, daß er ein anständiges Auskommen gewährt – mein Leben ist überdies das eines gesunden alten Mannes von sechzig, der nicht eilen will, es zu Ende zu bringen. – Und wär' ich auch so arm, wie Hiob, und am Rande des Grabes, müßt' ich nicht immer an meiner Tochter hängen, der Eure Lehren schon so theuer zu stehen gekommen sind?«

»Deine Tochter, Freund Simon,« sagte der Karmeliter, »kann wirklich ein Engel auf Erden genannt werden.«

»Ja; und weil sie auf Eure Lehren hörte, Vater, wird sie nun wahrscheinlich bald ein Engel im Himmel heißen, und aus einem feurigen Wagen dorthin geschickt werden.«

»Ach, mein guter Bruder,« sagte Clemens, »ich bitte dich, laß ab von dem zu sprechen, wovon du wenig verstehst. Da es Zeitverschwendung wäre, dir das Licht zu zeigen, gegen welches du sprichst, so höre nur, was ich in Betreff deiner Tochter zu sagen habe, deren zeitliches Glück, obwohl ich es durchaus nicht gegen das geistige abwägen möchte, trotzdem dem Clemens Blair so theuer ist, als ihrem eigenen Vater.«

Thränen standen dem alten Manne im Auge, während er sprach, und Simon Glover war etwas erweicht, als er ihn wieder anredete.

»Man könnte dich, Vater Clemens, für den freundlichsten und liebenswürdigsten Mann halten; wie kommt es denn, daß deinen Schritten allgemeines Mißfallen folgt, wohin du sie auch wenden magst? Ich wollte mein Leben wetten, du hast bereits jenes Dutzend armer Mönche in ihrem wasserumgürteten Käfig zu beleidigen versucht, und sie haben dir deshalb die Theilnahme am Leichenbegängniß verboten!«

»Allerdings, mein Sohn,« sagte der Karthäuser, »und ich zweifle, daß ihre Bosheit mich länger in diesem Lande dulden wird. Ich sagte nur einige Worte über den Aberglauben und die Thorheit, St. Fillians Kirche zu besuchen, um mittelst ihrer Glocke Diebstahl zu entdecken – wahnsinnige Kranke in seinem Teiche zu baden, um ihre Geistesschwachheit zu heilen – und siehe, die Verfolger haben mich aus ihrer Gemeinschaft gestoßen, wie sie mich bald aus diesem Leben stoßen werden.«

»Da habt Ihr's nun,« sagte der Handschuhmacher; »seht, wie es mit einem Manne geht, der keine Warnung hören kann. Nun, Vater Clemens, die Leute werden mich nicht ausstoßen, so lang' ich nicht Euer Gefährte bin; ich bitte Euch daher, sagt mir, was Ihr von meiner Tochter zu sagen habt, und laßt uns weniger Nachbarn sein, als wir's gewesen sind.«

»Nun, Bruder Simon, so hab' ich dir dies bekannt zu machen. Dieser junge Häuptling, der von Stolz auf seine eigene Macht und Ehre aufgeblasen ist, liebt einen Gegenstand mehr denn Alles, und das ist Eure Tochter.«

»Ha, Conachar!« rief Simon. »Mein entlaufener Lehrling wagt, zu meiner Tochter emporzusehen!«

»Ach,« sagte Clemens, »wie fest sitzt Euer weltlicher Stolz, ganz wie Epheu, der sich an die Mauer klammert und nicht abgelöst werden kann! – Emporsehen zu deiner Tochter, guter Simon? Ach nein! der Häuptling des Clans Quhele, groß, wie er ist, und größer, als er bald zu sein erwartet, blickt nieder zur Tochter des Bürgers von Perth und glaubt sich dadurch erniedrigt. Aber, um seinen eigenen profanen Ausdruck zu brauchen, Katharina ist ihm theurer, als das Leben hier und der Himmel jenseits – er kann nicht ohne sie leben.«

»So mag er sterben, wenn er will,« sagte Simon Glover, »denn sie ist einem ehrsamen Bürger von Perth verlobt; und mein Wort möcht' ich nicht brechen, um meine Tochter zur Braut des Prinzen von Schottland zu machen.«

»Ich dachte, daß Ihr so antworten würdet,« erwiderte der Mönch; »ich wollte, werther Freund, du könntest in deinen geistlichen Angelegenheiten nur einen Theil des kühnen und entschlossenen Muthes anwenden, womit du deine weltlichen Geschäfte leitest.«

»Still – still, Vater Clemens!« antwortete der Handschuhmacher; »wenn du in dies Kapitel geräthst, so riechen deine Worte nach brennendem Pech, und diesen Duft lieb' ich nicht. Was Katharina betrifft, so muß ich mich benehmen, so gut ich kann, um den jungen Würdenträger nicht zu beleidigen; aber es ist gut für mich, daß sie weit außer seinem Bereich ist.«

»Dann muß sie in der That fern sein,« sagte der Karmeliter. »Und nun, Bruder Simon, da du es für gefährlich hältst, mich und meine Meinungen anzuerkennen, so muß ich allein mit meinen Lehren und den Gefahren gehen, die sie auf mich ziehen. Aber sollte Euer Auge, minder verblendet, als es jetzt durch weltliche Hoffnung und Furcht ist, je einen Blick auf ihn wenden, der bald von Euch gerissen sein kann, so erinnert Euch, daß Clemens Blair durch nichts als sein tiefes Gefühl der Wahrheit und Wichtigkeit der Lehre, die er vortrug, dazu gebracht werden konnte, dem Stolze der Mächtigen und Verhärteten entgegenzutreten, ja ihn herauszufordern, die Furcht des Argwöhnischen und Schüchternen aufzuschrecken, in der Welt umher zu gehen, an der er keinen Theil hatte, und für wahnsinnig gehalten zu werden, weil er, wo möglich, Gott Seelen gewinnen wollte. Der Himmel ist mein Zeuge, daß ich Alles, was recht ist, thun will, um die Liebe und das Gefühl meiner Mitmenschen zu gewinnen! Es ist keine leichte Sache, von dem Würdigen als ein Angesteckter vermieden, von den Pharisäern des Tages als ein Ungläubiger verfolgt, mit Abscheu und Verachtung von dem Pöbel, der mich für einen Wahnsinnigen hält, dessen unglückliches Ende er erwartet, angesehen zu werden. Aber mögen auch alle diese Uebel hundertfach vermehrt werden, das Feuer in mir darf nicht verlöschen, und die innere Stimme, die mich sprechen heißt, muß Gehorsam finden. Wehe mir, wenn ich nicht das Evangelium predige, selbst wenn ich es am Ende mitten unter des Scheiterhaufens Flammen predigen sollte!«