So sprach dieser kühne Zeuge; einer von denen, die der Himmel von Zeit zu Zeit aufstehen ließ, eine Darlegung des unverfälschten Christenthums, von der Zeit der Apostel bis zu den Tagen, wo, durch die Erfindung der Buchdruckerkunst begünstigt, die Reformation in vollem Glanze ausbrach, in den unwissendsten Zeitaltern zu bewahren, und den darauffolgenden zu überliefern. Die selbstsüchtige Klugheit des Handschuhmachers wurde seinen eigenen Augen enthüllt, und er kam sich selbst verächtlich vor, als er den Karmeliter in aller Heiligkeit der Entsagung sich von ihm wenden sah. Er empfand sogar eine momentane Neigung, dem Beispiele des Predigers der Menschenliebe und des uneigennützigen Eifers zu folgen; aber der Gedanke fuhr nur wie ein Blitzstrahl durch ein finsteres Gewölbe, wo nichts liegt, um den Strahl aufzufangen; und langsam stieg er den Hügel hinab in einer andern Richtung, als der des Karthäusers, indem er ihn und seine Lehren vergaß, und sich in sorgenvolle Gedanken über seines Kindes Schicksal und sein eigenes versenkte. </p> <p> </p> <p>
Achtundzwanzigstes Kapitel
Braucht der Eroberer mehr, als daß ihn groß
Der feile Griffel der Geschichte heißt,
Und auf dem Grab' ein stattlich Denkmal bloß?
Nicht minder warm hofft' er,
Gut barg wie Muth ein Geist.
Byron.
Nachdem das Leichenbegängniß vorüber war, bereitete sich dieselbe Flottille, die in feierlicher und düsterer Pracht den See herabgefahren war, mit wehenden Fahnen und jeder Aeußerung von Lust und Freude zurückzukehren; denn es war nur kurze Zeit vorhanden, um Festlichkeiten zu feiern, da der furchtbare Kampf zwischen dem Clan Quhele und dessen gefürchtetsten Nebenbuhlern so nahe bevorstand. Man hatte daher beschlossen, daß das Leichenfest mit dem der Einführung des jungen Häuptlings verbunden werden sollte.
Man hatte einige Einwendungen gegen diese Anordnung, die eine üble Vorbedeutung enthalten sollte, gemacht. Auf der andern Seite aber hatte sie etwas Empfehlendes für sich, gemäß den Sitten und der Gefühlsweise der Hochländer, die bis auf diesen Tag gewohnt sind, in gewissem Grade feierliche Freude mit ihrer Trauer und etwas Melancholisches mit ihrer Freude zu verbinden. Die gewöhnliche Abneigung, an die Geliebten zu denken oder von ihnen zu sprechen, die man verlor, ist diesem ernsten und enthusiastischen Volke minder bekannt, als andern. Man hört nicht nur die Jüngeren (wie es überall gewöhnlich ist) die Verdienste und den Charakter der Aelteren erwähnen, die, dem Laufe der Natur nach, vor ihnen abgeschieden sind; sondern der verwaiste Theil redet auch im gewöhnlichen Gespräch von dem verlorenen Gatten, und, was noch befremdender ist, die Eltern spielten oft auf die Stärke und Schönheit des Kindes an, welches sie begraben haben. Die schottischen Hochländer scheinen die Trennung der Freunde durch den Tod als etwas minder Unbedingtes und Vollständiges zu betrachten, als wofür man in andern Gegenden sie hält, und sie sprechen von den theuren Verwandten, die vor ihnen in's Grab gesenkt wurden, als hätten sie eine lange Reise angetreten, in der sie ihnen bald selbst folgen müßten. Das Leichenfest, welches eine allgemeine Sitte durch ganz Schottland war, wurde daher nach der Meinung derer, die daran Theil hatten, bei der gegenwärtigen Gelegenheit nicht unschicklich mit den Festlichkeiten verbunden, welche die Erbfolge der Häuptlingschaft feierten.
Die Barke, die den Todten nur erst zu Grabe getragen, führte nun den jungen Mac Jan zu seinem neuen Herrschersitz, und die Minstrels ließen ihre fröhlichsten Weisen ertönen, da sie kaum noch die schmerzlichsten Todtenlieder, als sie Gilchrist zu Grabe begleiteten, gesungen hatten. Von der begleitenden Flottille erschollen Töne des Triumphs und Jubels, statt der Klagetöne, welche eben noch den Wiederhall des Tay-Sees aufgestört hatten; und tausend Stimmen begrüßten den jugendlichen Häuptling, der auf dem Hintertheile des Schiffes stand, vollständig bewaffnet, in der Blüthe der Jugend, Schönheit und Kraft, an der nämlichen Stelle, wo kaum vorher seines Vaters Leichnam ausgestreckt lag, und umgeben von triumphirenden Freunden, wie jener von verzweifelnden Leidtragenden. Ein Boot hielt ganz nahe bei dem Ehrenschiff der Flottille. Torquil von der Eiche, ein grauer Riese, war Steuermann, und seine acht Söhne, die alle größer als ein gewöhnlicher Mann waren, führten die Ruder. Wie ein gewaltiger und werthgehaltener Wolfshund, von der Kuppel gelöst und um seinen gütigen Herrn herumspringend, fuhr das Boot der Pflegebrüder bald auf der einen, bald auf der andern Seite der Häuptlingsbarke vorbei, und ruderte auch um sie herum, im Uebermaß der Freude; wodurch zugleich die Brüder, mit der eifersüchtigen Wachsamkeit des genannten Thieres für jedes andere Boot der Flottille es gefährlich machten, so nahe an sie zu kommen, weil es sonst befürchten mußte, durch ihre heftigen und rastlosen Manövers in Grund gebohrt zu werden. Zu einem hohen Range im Clan durch die Erbfolge ihres Pflegebruders im Oberbefehl des Clans Quhele erhoben, bezeugten sie durch jene lärmende und beinahe schreckliche Weise ihren besondern Antheil an ihres Häuptlings Triumph.
Weit hinten und mit ganz andern Gefühlen, wenigstens auf Seiten Eines in der Gesellschaft, kam das kleine Boot, worin, bemannt vom Booshalloch und einem seiner Söhne, Simon Glover ein Reisender war.
»Wenn wir bis an's Ende des See's sollen,« sagte Simon zu seinem Freunde, »so werden wir kaum in mehreren Stunden dort sein.«
Aber als er so sprach, ließ die Mannschaft des Bootes der Pflegebrüder auf ein Zeichen von des Häuptlings Galeere die Ruder ruhen, bis des Booshallochs Boot heran kam, und indem sie ein Seil von Leder an Bord warfen, welches Niel an der Spitze seines Fahrzeugs befestigte, setzten sie ihre Ruder wieder in Bewegung; und trotzdem, daß sie das kleine Boot im Schlepptau hatten, flogen sie doch über den See fast mit derselben Schnelligkeit wie zuvor. Das Fahrzeug wurde mit einer Geschwindigkeit fortgezogen, die es in Gefahr zu setzen schien, unter das Wasser gerissen zu werden oder das Vordertheil von den übrigen Balken zu trennen.
Simon Glover sah mit Besorgniß die rücksichtslose Heftigkeit ihres Laufes, und daß der Rand des Bootes bisweilen nur ein oder zwei Zoll über dem Wasser war; und obwohl sein Freund Niel Booshalloch ihn versicherte, daß Alles zu seiner besondern Ehre geschehe, so wünschte er doch herzlich das sichere Ende der Reise. Dies ward erreicht, und zwar viel eher, als er ahnte; denn der Ort der Festlichkeiten war nicht vier Meilen von der Begräbnißinsel entfernt, und so gewählt, daß er zu der Reise des Häuptlings paßte, die dieser südwärts antreten wollte, sobald das Bankett vorüber sein würde.
Eine Bucht auf der Südseite des Taysees bot eine schöne Bank funkelnden Sandes dar, wo die Boote leicht landen konnten, und eine trockene, mit Rasen bedeckte Weide, die für die Jahreszeit ziemlich grün war, rings um welche sich hohe Ufer, mit Gebüschen bedeckt, erhoben, woselbst die verschwenderischen Zurüstungen, die zum Mahle gemacht worden, sichtbar waren.
Die Hochländer, wohlbekannt als geübte Zimmerleute, hatten eine lange Halle oder ländlichen Speisesaal errichtet, fähig, zweihundert Menschen zu fassen, nebst einer Anzahl kleinerer Hütten ringsum, die zu Schlafgemächern bestimmt schienen. Die Pfeiler, Kuppeln und Sparren des einstweiligen Saales waren aus Bergfichten, die ihre Rinde noch trugen. Das Getäfel der Seiten war von Brettern oder Balken desselben Materials, von laubigen Zweigen der Tannen und anderer immergrüner Bäume, die der benachbarte Forst bot, durchzogen, während die Hügel eine Menge Haidekraut hergegeben hatten, um das Dach zu bilden. In diesen Waldpalast waren die bedeutendsten Personen eingeladen, um das hohe Fest zu feiern. Andere, minder bedeutende, sollten in langen Schuppen speisen, die mit weniger Sorgfalt gebaut waren; und Tafeln von Rasen oder rauhen Brettern, die in der freien Luft standen, wurden der zahllosen Menge angewiesen. In einiger Entfernung sah man Haufen von glühenden Kohlen oder brennendem Holz, um welche zahllose Köche arbeiteten, lärmten und sich tummelten, wie ebenso viele Teufel, die in ihrem natürlichen Elemente sind. Gruben, die in den Hügel eingegraben und von heißen Steinen umgeben waren, dienten dazu, eine ungeheure Anzahl von Rindfleisch, Hammeln und Wildpret zu braten – hölzerne Spieße trugen Schafe und Gemsen, welche ganz geröstet wurden. Andere wurden in Stücke geschnitten und in Kessel geworfen, die aus des Thieres eigenen Häuten gemacht, schnell zusammengenäht und mit Wasser gefüllt waren; während eine große Anzahl Hechte, Forellen, Lachse und Schare mit mehr Umständlichkeit in glühender Asche geröstet wurden. Der Handschuhmacher hatte viele hochländische Gastmähler gesehen, aber nie eins, dessen Zubereitungen eine so barbarische Verschwendung zeigten.