»Nur zu gut, um Euer eignes Wort zu brauchen,« sagte Conachar, »für die Wünsche eines unnützen Lehrlings und für die Bedürfnisse eines jungen Hochländers. Wenn aber gestern, wie ich hoffe, vollauf Speise vorhanden war, fandet Ihr nicht, guter Glover, einigen Mangel an höflichem Willkommen? Entschuldigt es nicht, – ich weiß, es war der Fall. Aber ich bin jung an Ansehen bei meinen Leuten und ich darf nicht zu früh ihre Aufmerksamkeit auf die Zeit meines Aufenthalts im Niederland ziehen, die ich indeß nimmer vergessen kann.« »Ich verstehe den Grund recht wohl,« sagte Simon; »und daher geschah es ungern und nur gezwungen, daß ich so zeitig einen Besuch hier machte.«
»Still, Vater, still! Es ist gut, daß Ihr kamt, Etwas von meinem hochländischen Glanze zu sehen, während er noch schimmert; kommt nach Palmsonntag wieder, und wer weiß, wen oder was Ihr in dem Gebiete finden mögt, welches wir jetzt noch besitzen! Die wilde Katze kann ihre Wohnung gemacht haben, wo jetzt der Festsaal Mac Jans steht.«
Der junge Häuptling schwieg und drückte das Ende der Gerte an seine Lippen, als wollte er sich verbieten, mehr zu sagen.
»Das steht nicht zu fürchten, Eachin,« sagte Simon auf die unbestimmte Weise, in welcher laue Tröster sich bemühen, die Aufmerksamkeit ihrer Freunde von der Betrachtung einer unvermeidlichen Gefahr abzulenken.
»Es ist zu fürchten und es ist Gefahr des äußersten Verderbens,« antwortete Eachin; »und es ist bestimmte Gewißheit großen Verlustes vorhanden. Mich wundert, daß sich mein Vater diesem schlauen Vorschlage Albany's gefügt hat. Ich wollte, Mac Gillie Ehattahan stimmte mit mir überein: dann, statt unser bestes Blut gegenseitig zu verschwenden, gingen wir zusammen hinunter nach Strathmore, und würden tödten und Besitz nehmen. Ich würde zu Perth herrschen und er zu Dundee, und das ganze weite Land sollte unser sein, bis zu den Ufern des Busens vom Tay. Das ist die Politik, die ich von Eurem alten grauen Kopfe lernte, Vater Simon, wenn ich hinter deinem Rücken den Teller hielt und deinem Abendgespräch mit Bailie Craigdallie zuhörte.«
»Die Zunge wird mit Recht ein unbändiges Glied genannt,« dachte der Handschuhmacher. »Da hab' ich dem Teufel ein Licht hingehalten, um ihm den Weg zum Unheil zu zeigen.« »Aber laut sagte er blos: »Diese Pläne kommen zu spät.«
»Zu spät allerdings!« antwortete Eachin. »Die Verträge zum Kampfe sind mit unsern Unterschriften und Siegeln gezeichnet; der glühende Haß des Clans Quhele und des Clans Chattan ist durch wechselseitige Verhöhnungen und Prahlereien zur unlöschbaren Flamme angefacht. Doch, die Zeit ist vorüber. – Nun zu deinen eigenen Angelegenheiten, Vater Glover. Es ist die Religion, die dich hieher brachte, wie ich von Niel Booshalloch höre. Wahrlich, so weit ich deine Vorsicht kannte, konnte ich nicht ahnen, daß du in Streit mit der Mutter Kirche geriethest. Was meinen alten Bekannten, Vater Clemens, betrifft, so ist der Einer von denen, die nach der Krone des Martyrthums jagen und glauben, ein Pfahl, mit lodernden Flammen umgeben, sei der Umarmung würdiger, als eine liebende Braut. Er ist ganz ein irrender Ritter, der seine religiösen Ansichten vertheidigt und kämpft, wohin er nur kommt. Er hat schon einen Streit mit den Mönchen der Sybilleninsel drüben über einen Lehrpunkt – hast du ihn gesehen?«
»Ja,« antwortete Simon; »aber wir sprachen wenig mit einander, weil die Zeit drängte.«
»Er hat vielleicht gesagt, daß es eine dritte Person gibt (wie mich dünkt, wahrscheinlich ein wahrhafterer Flüchtling der Religion wegen, als du, ein kluger Bürger, oder er, ein zänkischer Prediger), die recht herzlich willkommen sein würde, unsern Schutz zu theilen? Du schweigst, Mann, und willst mich nicht verstehen – deine Tochter Katharina?«
Die letzten Worte des jungen Häuptlings wurden englisch gesprochen; auch setzte er das Gespräch in dieser Sprache fort, als fürchtete er belauscht zu werden, – und in der That auch wie unter dem Einflusse eines unfreiwilligen Schwankens.
Meine Tochter Katharina,« sagte der Handschuhmacher, indem er daran dachte, was ihm der Karthäuser gesagt, »befindet sich wohl und sicher.«
»Aber wo und bei wem?« sagte der junge Häuptling. »Und warum kam sie nicht mit Euch? Meint Ihr, der Clan Quhele habe nicht Matronen, so thätig wie die alte Dorothee, deren Hand einst meine Ohren bediente, um die Tochter von ihres Häuptlings Meister zu pflegen?«
»Ich danke Euch nochmals,« sagte der Handschuhmacher, »und zweifle weder an Eurer Macht, noch an Eurem Willen, meine Tochter zu schützen, so wie mich selbst. Aber eine edle Lady, die Freundin des Sir Patrick Charteris, hat ihr einen sichern Zufluchtsort geboten, ohne daß sie sich der Gefahr einer mühsamen Reise durch ein ödes und unruhiges Land aussetzte.«
»O, hm! – Sir Patrick Charteris,« sagte Eachin in zurückhaltenderem und gemessenerem Tone – »er muß allen andern Männern vorgezogen werden, ohne Zweifel; er ist Euer Freund, nicht wahr?«
Simon Glover hatte Lust, diese Anmaßung eines Jünglings zu bestrafen, der vier Mal des Tages gescholten worden war, weil er auf die Straße lief, um Sir Patrick Charteris vorbeireiten zu sehen; aber er unterdrückte eine heftige Antwort und sagte einfach:
»Sir Patrick Charteris ist seit sieben Jahren Oberrichter von Perth; und wahrscheinlich ist er es noch, da die Magistratspersonen nicht in den Fasten, sondern zu Martini erwählt werden.«
»Ach, Vater Glover,« sagte der Jüngling in einem freundlicheren und vertrauteren Tone, »Ihr seid die prächtigen Schauspiele und Aufzüge in Perth so gewohnt, daß Euch im Vergleich damit unser barbarisches Fest nur wenig freuen wird. Was hieltest du von unsrer gestrigen Feierlichkeit?«
»Sie war edel und ergreifend,« sagte der Handschuhmacher, »und vorzüglich für mich, der ich Euren Vater kannte. Als Ihr auf dem Schwerte ruhtet und um Euch schautet, war mir, als säh' ich meinen alten Freund Gilchrist Mac Jan, an Jahren und Kraft verjüngt, von den Todten erstanden.«
»Ich spielte meine Rolle dabei kühn, denk' ich; und ließ wenig von dem elenden Lehrling blicken, den Ihr behandeltet wie – gerade wie er's verdiente.«
»Eachin gleicht Conachar,« sagte der Handschuhmacher, »nicht mehr, als ein Salm einem Lachs, obwohl die Leute sagen, beide wären derselbe Fisch in verschiedenem Zustande; oder als ein Schmetterling einer Raupe gleicht.«
»Glaubst du, daß ich, als ich die Macht übernahm, die alle Weiber lieben, selbst ein Gegenstand war, auf dem eines Mädchens Auge ruhen möchte? – Um offen zu sprechen, was würde Katharina von mir bei dem Feste gedacht haben?«
»Jetzt kommen wir zu den Untiefen,« dachte Simon Glover, »und ohne recht vorsichtige Lenkung werden wir auf den Sand gerathen.«
»Die meisten Weiber lieben Pracht, Eachin; aber ich denke, meine Tochter Katharina macht eine Ausnahme. Sie würde sich freuen über das Glück ihres Hausfreundes und Spielgenossen; aber sie würde den prächtigen Mac Jan, Häuptling des Clans Quhele, nicht höher schätzen als den verwaisten Conachar.«
»Sie ist stets großmüthig und uneigennützig,« erwiderte der junge Häuptling. »Ihr aber, Vater, habt die Welt viele Jahre länger gesehen, als sie, und könnt besser beurtheilen, was Macht und Reichthum denen nützen, die sie besitzen. Ueberlegt und sprecht aufrichtig, was würden Eure eigenen Gedanken sein, wenn Ihr Eure Katharina unter jenem Baldachin stehen sähet, mit der Macht über hundert Berge und dem ergebenen Gehorsam von zehntausend Vasallen; und als Preis dieser Vorzüge ihre Hand in der des Mannes, welcher sie über Alles in der Welt liebt?«
»Das heißt in Eurer eigenen, Conachar?« sagte Simon.
»Ja, nennt mich Conachar – ich liebe den Namen, da er es war, unter dem mich Katharina kannte.«
»Nun also aufrichtig,« sagte der Handschuhmacher, indem er sich bemühte, seine Antwort so wenig als möglich verletzend zu geben, »mein innerster Gedanke würde der ernste Wunsch sein, daß ich mich mit Katharina in unserm bescheidenen Hause in Curfewstreet befände, wo Dorothee unser einziger Vasall wäre.«