Выбрать главу

»Ihr sagt mir nur, was ich mir selbst gesagt habe – aber es ist umsonst,« erwiderte Eachin mit einem Seufzer. »Nur während sich der schüchterne Hirsch mit der Hündin paart, ist er verzweifelt und gefährlich. Sei es die Körperbeschaffenheit – komme es, wie unsere hochländischen Cailliachs sagen werden, von der Milch des weißen Rehes – komme es von meiner friedlichen Erziehung und Eurer strengen Zucht – komme es, wie Ihr glaubt, von einer überspannten Phantasie, welche die Gefahr noch gefährlicher malt und gräßlicher macht, als sie wirklich ist. ich weiß das nicht zu entscheiden. Aber ich kenne meine Schwäche, und – ja, ich muß es aussprechen! – ich fürchte so sehr, sie nicht besiegen zu können, daß, fänden meine Wünsche Eure Billigung unter solcher Bedingung, ich selbst hier stillstehen, dem angenommenen Range entsagen und mich zu einem niedern Leben zurückziehen würde.«

»Wie, am Ende Handschuhmacher werden, Conachar?« sagte Simon; »dieß übertrifft die Legende von St. Crispin. Nein, nein, Eure Hand ist dazu nicht geschaffen; Ihr sollt mir keine Rehhäute mehr verderben.«

»Scherzt nicht,« sagte Eachin, »ich bin ernst. Wenn ich nicht arbeiten kann, will ich Reichthum genug bringen, um ohne sie zu leben. Sie werden mich bei Horn und Kriegspfeife als einen Elenden ausrufen – mögen sie dieß thun – Katharina wird mich um so mehr lieben, wenn ich die Pfade des Friedens denen des Blutvergießens vorzog, und Vater Clemens wird uns lehren, der Welt Bedauern und Verzeihung zu schenken, die uns mit Vorwürfen beladen wird, die nicht verwunden. Ich werde der glücklichste aller Menschen sein – Katharina wird alles genießen, was unbegrenzte Liebe ihr bieten kann, und wird befreit sein von der Besorgniß vor Schauspielen und Tönen des Schreckens, die Euer schlechtgewählter Gatte ihr bereiten würde; und Ihr, Vater Glover, solltet Eure Kaminecke einnehmen, als der glücklichste und geehrteste Mann, der je – «

»Haltet ein, Eachin – ich bitte Euch, haltet ein,« sagte der Handschuhmacher; »der Kienspan, mit welchem dieß Gespräch endigen muß, brennt sehr schwach, und ich möchte ein Wort zur Erwiderung sprechen, schlicht und ehrlich, wie es am besten ist. Wenn es Euch auch quälen oder in Wuth setzen mag, laßt mich diese Träume enden, indem ich Euch mit einem Worte sage – Katharina kann nie die Eure werden. Ein Handschuh ist das Zeichen der Treue, und ein Mann von unserer Zunft darf daher noch weniger als ein anderer die seinige brechen. Katharina's Hand ist versprochen – einem Manne versprochen, den Ihr hassen mögt, aber auch ehren müßt – Harry dem Waffenschmied. Die Heirath ist ihrem Stande gemäß, ihren gegenseitigen Wünschen angemessen, und ich habe mein Wort gegeben. Es ist am besten, gerade herauszusprechen, rächt meine Weigerung, wie Ihr wollt – ich bin ganz in Eurer Gewalt. – Aber Nichts soll mich wortbrüchig machen.«

Der Handschuhmacher sprach so entschieden, weil er aus Erfahrung wußte, daß das sehr reizbare Gemüth seines früheren Lehrlinges in den meisten Fällen einer ernsten und entschiedenen Entschlossenheit nachgab. Aber gedenkend, wo er war, sah er mit einem Gefühle der Furcht die erlöschende Flamme ausfahren und einen starken Blitz auf Eachins Gesicht werfen, der blaß wie der Tod war, während sein Auge rollte, gleich dem eines Rasenden in seiner Fieberwuth. Das Licht sank plötzlich nieder und erlosch, und Simon fühlte einen augenblicklichen Schrecken, er möchte mit dem Jüngling um sein Leben zu kämpfen haben, den er gewaltthätiger Handlungen fähig kannte, wenn er heftig erregt war, obwohl seine Natur nur kurze Zeit die Maßregeln unterstützen konnte, die seine Leidenschaft ergriff. Er wurde durch die Stimme Eachins beruhigt, der in rauhem und verändertem Tone murmelte:

»Bedenkt, was wir diese Nacht gesprochen, mit ewigem Schweigen – brächtest du's an den Tag, so wäre dir besser, du grübest dein eigen Grab.«

So sagend, öffnete er die Thür der Hütte, durch welche ein Strahl des Mondes eindrang. Die Gestalt des fortgehenden Häuptlings zeigte sich einen Augenblick darunter, dann schloß sich die Thür, und die Hütte blieb in Finsterniß.

Simon Glover fühlte sich erleichtert, als eine Unterhaltung, die Verletzung und Gefahr mit sich brachte, so friedlich geendet war. Aber er blieb tief ergriffen von der Lage Hektor Mac Jans, den er selbst erzogen hatte.

»Das arme Kind,« sagte er, »zu einer erhabenen Stelle berufen zu werden, nur um mit Verachtung sie zu verlassen! Was er mir sagte, wußt' ich zum Theil, da ich oft bemerkte, daß Conachar aufgelegter war zu zanken, als zu fechten. Aber diese überwältigende Schwachherzigkeit, die weder Scham noch Nothwendigkeit bezwingen kann, kann ich, obwohl ich kein Sir William Wallace bin, nicht begreifen. Und sich zum Gemahl meiner Tochter anzubieten, als ob eine Braut Muth für sich und den Bräutigam gewährte! Nein, nein, – Katharina muß einen Mann heirathen, zu dem sie sagen kann: Gemahl, schone deinen Feind! – nicht einen solchen, zu dessen Trost sie schreien muß: Großmüthiger Feind, schone meines Gatten!«

Ermüdet von solchen Betrachtungen, entschlief der alte Mann endlich. Am Morgen ward er durch seinen Freund, den Booshalloch geweckt, der ihm, mit etwas langem Gesicht, vorschlug, zu seiner Wohnung auf der Wiese beim Ballough zurückzukehren. Er entschuldigte, daß der Häuptling Simon Glover diesen Morgen nicht sehen könne, weil er mit den Vorbereitungen zum Kampfe beschäftigt sei. Eachin Mac Jan halte den Aufenthalt am Ballough am sichersten für Simon Glovers Gesundheit, und habe Befehl gegeben, für seinen Schutz und seine Bequemlichkeit alle Sorge zu tragen.

Nie! Booshalloch verbreitete sich über diese Umstände, um die Vernachlässigung zu bemänteln, die darin lag, daß der Häuptling seinen Gast ohne besondere Audienz entließ.

»Sein Vater, sagte der Hirt, verstand es besser. Aber wo sollte er Sitten gelernt haben, der arme Mensch, da er unter Euch Perthern Bürgern aufwuchs, die, außer Euch, Nachbar Glover, der gälisch so gut spricht wie ich, ein Volk sind, welches keine Höflichkeit erlernen kann!«

Simon Glover empfand, wie man wohl glauben kann, den Mangel an Achtung nicht, den sein Freund hinsichtlich seiner andeutete. Im Gegentheil zog er den Aufenthalt des guten Hirten sehr gern der geräuschvollen Gastfreundschaft des täglichen Festes beim Häuptling vor, selbst wenn auch nicht soeben mit Eachin ein Gespräch über einen Gegenstand vorgekommen wäre, dessen Erneurung ihm höchst peinlich sein mußte.

Daher zog er sich ruhig zum Ballough zurück, wo, wenn er nur von Katharina's Sicherheit überzeugt gewesen wäre, seine Zeit angenehm genug hinzubringen war. Sein Vergnügen war, den See in einem kleinen Kahne zu befahren, den ein Hochländerknabe lenkte, während der alte Mann angelte. Er landete häufig auf der kleinen Insel, wo er auf dem Grabe seines alten Freundes, Gilchrist Mac Jan, seinen Gedanken nachhing, und die Mönche sich zu Freunden machte, indem er dem Prior Handschuhe von Marderfell und den niederen Dienern jedem dergleichen aus dem Felle einer wilden Katze schenkte. Das Schneiden und Nähen dieser kleinen Geschenke vertrieb ihm die Zeit nach Sonnenuntergang, während die Familie des Hirten sich um ihn versammelte, seine Geschicklichkeit bewundernd, und den Geschichten und Liedern lauschend, mit welchen der alte Mann einen langen Abend zu vertreiben wußte.

Man muß gestehen, daß der vorsichtige Glover den Umgang des Pater Clemens mied, den er irrig mehr als den Urheber seines Mißgeschickes, denn als den schuldlosen Theilnehmer betrachtete. »Ich will nicht,« dachte er, »seinen Grillen zu gefallen, die Freundschaft dieser guten Mönche verlieren, die mir einst nützlich sein kann. Ich habe, denk' ich, genug durch seine Predigten gelitten. Sie haben mich wenig weiser, aber viel ärmer gemacht. Nein, nein, Katharina und Clemens mögen denken, wie sie wollen; doch werd' ich die erste Gelegenheit ergreifen, mich einer gehörigen Buße im härenen Rock zu unterwerfen, und eine tüchtige Strafe zahlen, um wieder mit der ganzen Kirche einig zu werden.«