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»Wenn er, der Jüngste der Kämpfer des Clans Chattan, abwesend ist, kann ich, der Jüngste des Clans Quhele, wegen der Nichttheilnahme entschuldigt werden?« sagte Eachin, über das gemeine ihm zur Rettung gebotene Mittel erröthend.

»Sieh nun zu, mein Häuptling,« sagte Torquil, »und beurtheile meine Gesinnungen gegen dich – Andere könnten dir ihr eigenes Leben und das ihrer Söhne geben – ich opfere dir die Ehre meines Hauses.«

»Mein Freund, mein Vater,« wiederholte der Häuptling, Torquil an seine Brust drückend, »welch' ein niedriger Elender bin ich, daß ich feigherzig genug bin, mich deines Opfers zu bedienen!«

»Sprich nicht davon – die Bäume haben Ohren. Laß uns zurück zum Lager und unsere Knaben nach dem Wilde schicken. – Fort, Hunde, und folgt uns auf der Ferse.«

Der Spürhund hatte, zum Glück für Simon, seine Nase in das Blut des Rehes getaucht, sonst könnte er des Handschuhmachers Spur im Dickicht gefunden haben; da aber sein schärferer Geruch verloren war, so folgte er ruhig mit den übrigen Hunden.

Als man die Jäger nicht mehr sah und hörte, stand der Handschuhmacher, sehr erleichtert durch ihren Abschied, auf, und begann sich in entgegengesetzter Richtung, so schnell es sein Alter erlaubte, davon zu machen. Sein erster Gedanke war die Treue des Pflegevaters.

»Das wilde Hochländerherz ist ächt und treu. Jener Mann gleicht eher den Riesen in den Romanzen, als einem Menschen unseres Schlages; und doch könnten sich Christen ein Beispiel an seiner Anhänglichkeit nehmen. Obwohl es ein einfältiger Versuch ist, einen Mann aus der Reihe der Feinde zu beseitigen, als ob nicht zwanzig der wilden Katzen bereit sein würden, seine Stelle zu füllen.«

So dachte der Handschuhmacher, der nicht wußte, daß die strengsten Befehle erlassen waren, welche jedem der streitenden Clans geboten, ihre Freunde, Verbündete und Untergebene eine Woche vor und eine Woche nach dem Kampfe nicht auf fünfzig Meilen von Perth kommen zu lassen; eine Verordnung, die durch bewaffnete Mannschaft unterstützt wurde.

Sobald unser Freund Simon bei der Wohnung des Hirten anlangte, fand er andere Neuigkeiten für sich. Vater Clemens hatte sie überbracht, der in einem Pilgergewand kam, bereit seine Rückkehr nach dem Süden anzutreten, und mit dem Wunsche, von seinem Gefährten in der Verbannung Abschied zu nehmen oder ihn zum Begleiter zu gewinnen.

»Aber was,« sagte der Bürger, »hat Euch so plötzlich verleitet, in das Reich der Gefahr zurückzukehren?«

»Habt Ihr nicht gehört,« sagte Vater Clemens, »daß, nachdem March und seine englischen Verbündeten sich vor dem Grafen Douglas nach England zurückgezogen haben, der gute Graf es übernommen hat, das Unglück des Staates zu beseitigen, und daß er an den Hof Briefe geschrieben hat, welche die Aufhebung des hohen Gerichtshofes gegen Ketzerei als eine Störung des menschlichen Gewissens verlangen – daß die Ernennung Henry's von Wardlaw zum Prälaten von St. Andrews dem Parlament übertragen werden solle, nebst verschiedenen anderen Dingen, die den Gemeinen erfreulich sind? Nun haben sich die meisten Edeln, die mit dem König zu Perth sind, und unter ihnen Sir Patrick Charteris, Euer würdiger Oberrichter, für die Vorschläge des Douglas erklärt. Der Herzog von Albany hat seine Beistimmung gegeben, ob aus gutem Willen oder aus Staatsklugheit, kann ich nicht sagen. Der gute König ist leicht zu milden und gütigen Maßregeln zu überreden. Und so sind die Zähne der Unterdrücker in ihren Höhlen in Stücke gebrochen und die Beute ist ihren räuberischen Klauen entrissen. Wollt Ihr mit mir nach dem Niederlande, oder noch eine Weile hier bleiben?«

Niel Booshalloch ersparte seinem Freunde die Mühe der Antwort.

»Er habe des Häuptlings Befehl,« sagte er, »zu sagen, daß Simon Glover bleiben solle, bis die Streiter zur Schlacht hinabgezogen wären.« In dieser Antwort sah der Bürger etwas mit seiner eigenen vollkommenen Freiheit nicht Uebereinstimmendes; aber er kümmerte sich jetzt wenig darum, da es eine gute Ausrede gab, nicht mit dem Geistlichen zu reisen.

»Ein vorzüglicher Mann,« sagte er zu seinem Freunde Niel Booshalloch, sobald Vater Clemens Abschied genommen hatte, »ein großer Gelehrter und großer Heiliger. Es ist schade, daß er nicht mehr in Gefahr ist, verbrannt zu werden, da seine Predigt am Pfahle Tausende bekehren würde. O, Niel Booshalloch! Vater Clemens' Scheiterhaufen würde ein süßduftendes Opfer sein und ein Leuchtthurm für alle gläubigen Christen. Aber wozu würde der Brand eines gemeinen unwissenden Bürgers, gleich mir, dienen? Man gibt nicht altes Handschuhleder für Weihrauch und unterhält auch nicht Leuchtthürme mit ungegerbten Fellen, denk' ich? Aufrichtig zu sprechen, hab' ich zu wenig Gelehrsamkeit und zu viel Furcht, um Ruhm bei der Affaire zu ärnten, und daher würde ich, wie man bei uns sagt, beides, den Schaden und den Spott, haben.«

»Da habt Ihr Recht,« sagte der Hirt.

Dreißigstes Kapitel

Wir müssen zu den Personen unserer dramatischen Erzählung zurückkehren, die wir in Perth ließen, als wir den Handschuhmacher und seine schöne Tochter nach Kinfauns begleiteten und von diesem gastfreundlichen Hause den Weg Simons nach dem Taysee verfolgten; der Prinz, als die Hauptperson, nimmt zunächst unsere Aufmerksamkeit in Anspruch.

Dieser rasche und unbedachte junge Mann ertrug mit einiger Ungeduld seinen abgeschiedenen Aufenthalt beim Lord Großconnetable, dessen sonst immer angenehme Gesellschaft ihm blos deswegen nicht zusagte, weil er einigermaßen seinen Hofmeister machte. Erzürnt gegen seinen Oheim, und unzufrieden mit seinem Vater, sehnte er sich natürlich nach der Gesellschaft Sir John Ramorny's, von dem er so lange gewohnt war Unterhaltung zu erlangen, und von dem er sich, so beleidigend er diesen Vorwurf auch finden mochte, hatte leiten und beherrschen lassen. Er sandte ihm daher eine Einladung, ihn zu besuchen, wenn seine Gesundheit es erlaubte; und deutete ihm an, er möge zu Wasser sich nach einem kleinen Pavillon in des Großconnetables Garten begeben, der, wie Sir Johns eigener, an den Tay stieß. Bei der Erneuerung einer so gefährlichen Verbindung bedachte Rothsay nur, daß er Sir John Ramorny's freigebiger Freund gewesen, während Sir John Ramorny, als er die Einladung erhielt, sich nur der launischen Beleidigungen seines ehemaligen Gebieters, des Verlustes seiner Hand, der Leichtigkeit, womit diesen der Prinz betrachtete, und der Bereitwilligkeit erinnerte, mit welcher Rothsay ihn hinsichtlich der Ermordung des Strumpfwirkers im Stich gelassen hatte. Er lachte bitter, als er des Prinzen Brief las.

»Eviot,« sagte er, »bemanne ein starkes Boot mit sechs zuverlässigen Leuten, – zuverlässige Leute, merke dir's – verliere keinen Augenblick; und heiße Dwining sogleich hieher kommen. – Der Himmel lächelt uns, mein wackerer Freund,« sagte er zum Arzt. »Ich zermarterte eben mein Gehirn, wie ich Zutritt zu dem wankelmüthigen Burschen erhalten könnte, und hier schickt er eine Einladung.«

»Hm! – ich sehe die Sache deutlich,« sagte Dwining. »Der Himmel lächelt zu manchen mißlichen Vorfällen – hi, hi,hi!«

»Thut nichts, die Schlinge ist bereit; und es ist auch Köder d'ran, mein Freund, womit man den Burschen aus einem Heiligthum locken würde, wenn ihn auch ein Trupp mit gezogenen Schwertern auf dem Kirchhof erwartete. Doch ist das kaum nöthig. Sein eigener Ueberdruß würde den Streich vollbracht haben. Halt deine Sachen bereit – du gehst mit uns. Schreib ihm, da ich es nicht kann, daß wir sogleich kommen, seine Befehle zu hören, und schreibe gut. Er liest gut und das verdankt er mir.«