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»Er wird Euer Schuldner für fernere Kenntnisse sein, bevor er stirbt – hi, hi, hi! aber ist Euer Handel mit dem Herzog von Albany gewiß?«

»Genug, um meinen Ehrgeiz, deine Habsucht und unser Beider Rache zu befriedigen. In's Boot, in's Boot, schnell; Eviot soll einige Flaschen des auserlesensten Weines und etwas kalte Küche hineinschaffen.«

»Aber Euer Arm, Sir John? Schmerzt er Euch nicht?«

»Das Beben meines Herzens bringt den Schmerz meiner Wunde zum Schweigen. Es schlägt, als wollt' es mir die Brust sprengen.«

»Behüte der Himmel!« – sagte Dwininig, und leise fügte er hinzu: »Das würde einen seltsamen Anblick geben. Ich möchte es wohl gern seciren, aber sein steiniger Stoff würde meine besten Instrumente verderben.«

Nach wenigen Minuten waren sie im Boote, während ein rascher Bote dem Prinzen die Nachricht brachte.

Rothsay saß beim Connetable, nachdem sie ihr Mittagsmahl gehalten. Er war düster und schweigend, und der Graf hatte so eben gefragt, ob er wünsche, daß abgetragen werde, als ein dem Prinzen übergebener Brief sofort dessen Miene veränderte.

»Wie Euch beliebt,« sagte er. »Ich gehe zum Pavillon im Garten, – versteht sich mit Erlaubniß Mylord des Connetables, – um meinen ehemaligen Stallmeister zu empfangen.«

»Mylord?« sagte Lord Errol.

»Ja, Mylord; muß ich zwei Mal um Erlaubniß bitten?«

»Keineswegs, Mylord,« antwortete der Connetable. »Erinnert sich aber Eure königliche Hoheit, daß Sir John Ramorny – –«

»Doch nicht die Pest hat, hoff' ich?« erwiderte Rothsay. »Nun, Errol, Ihr möchtet gern den gewissenhaften Gefangenenwärter machen; aber das widersteht Eurer Natur – lebt wohl auf eine halbe Stunde.«

»Eine neue Thorheit!« sagte Errol, als der Prinz, einen Thürflügel des Saales im Erdgeschoß, wo sie saßen, öffnend, hinaus in den Garten ging. »Eine neue Thorheit, diesen Schurken zu seinem Rathe zurückzurufen. Aber er ist bethört.«

Der Prinz sah inzwischen zurück und sagte eilig:

»Euer Gnaden guter Haushalt wird ein paar Flaschen Wein und eine kleine Collation in dem Salon für uns haben? Ich liebe das al Fresko des Flusses.«

Der Connetable verbeugte sich und gab die nöthigen Befehle, so daß Sir John die Materialien eines guten Mahles bereit fand, als er die Barke verließ und in den Pavillon trat.

»Es betrübt mein Herz, Eure Hoheit unter Aufsicht zu sehen,« sagte Ramorny, indem er geschickt eine Miene des Mitleids annahm.

»Die Betrübniß deines Herzens betrübt das meine,« sagte der Prinz. »Freilich hat mich hier Errol, der ein recht biederherziger Lord ist, so ermüdet mit ernsten Blicken und gewissermaßen auch ernsten Lehren, daß es mich zu dir zurücktrieb, du Böser, von dem ich zwar nichts Gutes erwarte, aber vielleicht doch einige Unterhaltung erlange. Doch eh' wir weiter sprechen: – es war eine schlechte That, die am Fastenabend, Ramorny. Ich hoffe, du hast sie nicht angegeben.«

»Bei meiner Ehre, Mylord, ein bloßer Irrthum des rohen Bonthron. Ich gab ihm zu verstehen, daß der Kerl einige Hiebe verdiene, durch den ich die Hand verlor; und seht, mein Schuft begeht einen doppelten Mißgriff. Er nimmt den einen Mann für den andern und statt des Knittels gebraucht er die Axt.«

»Gut, daß es nicht weiter kam. Was liegt viel am Strumpfwirker; aber nie hätt' ich Euch vergeben, wenn der Waffenschmied fiel – der hat seines Gleichen nicht in Britannien. – Aber ich hoffe, man hängte den Schurken hoch genug?«

»Wenn dreißig Fuß genügen,« erwiderte Ramorny.

»Pah! nichts mehr von ihm,« sagte Rothsay; »sein elender Name macht den guten Wein nach Blut schmeckend. – Und was gibt's Neues in Perth, Ramorny? – Wie steht es mit den Bona Rodas und den lustigen Freunden?«

»Es gibt nicht viel Lustigkeit, Mylord,« antwortete der Ritter. »Aller Augen sind auf die Bewegungen des schwarzen Douglas gerichtet, der mit fünftausend auserlesenen Kriegern kommt, uns Alle zurecht zu bringen, als gäb' es ein zweites Otterburn für ihn. Man sagt, er soll wieder Statthalter werden. Gewiß ist, daß sich Viele für seine Partei erklärt haben.«

»Also ist es Zeit, daß meine Füße frei werden,« sagte Rothsay, »sonst kann ich einen schlimmeren Gefangenwärter als Errol finden.«

»Ach, Mylord! wärt Ihr einmal von diesem Orte weg, so könntet Ihr das Haupt so kühn erheben, wie Douglas.«

»Ramorny,« sagte der Prinz ernst, »ich habe nur eine dunkle Erinnerung von Etwas Furchtbarem, was Ihr mir einmal vorgeschlagen habt. Hütet Euch vor solchem Rath. Ich möchte frei sein – ich möchte über meine Person selbst verfügen können; aber nie will ich die Waffen gegen meinen Vater erheben, noch gegen die, auf die er sich verläßt.

»Nur hinsichtlich der persönlichen Freiheit Eurer Hoheit erlaubte ich mir zu sprechen,« antwortete Ramorny. »Wär' ich an Eurer Stelle, ich begäbe mich in das gute Boot, das auf dem Tay liegt und zöge ruhig hinunter nach Fife, wo Ihr viele Freunde habt, und Falkland in Besitz nehmen könnt. Es ist ein königliches Schloß; und obwohl es der König Eurem Oheim geschenkt hat, so kann, selbst wenn das Geschenk nicht bestritten werden dürfte, doch Eure Hoheit sicherlich sich des Wohnsitzes eines so nahen Verwandten bedienen.«

»Er hat sich des meinen frei bedient,« sagte der Herzog, »wie das königliche Gut von Renfrew beweist. Aber halt, Ramorny – halt – hört' ich nicht Errol sagen, daß die Lady Marjory Douglas, die sie Herzogin von Rothsay nennen, in Falkland ist? Ich möchte nicht bei dieser Dame wohnen und ebensowenig sie durch Vertreibung beleidigen.«

»Die Dame war dort, Mylord,« erwiderte Ramorny; »aber ich habe sichere Nachricht, daß sie gegangen ist, ihren Vater zu besuchen.«

»Ha! um Douglas gegen mich aufzubringen? oder vielleicht, ihn anzuflehen, daß er meiner schone, vorausgesetzt, daß ich auf meinen Knieen an ihr Bett komme, wie uns Pilger erzählen, daß es Emire und Admirale thun müssen, denen ein türkischer Sultan seine Tochter zur Ehe gibt? Ramorny, ich will nach des Douglas eigenem Worte handeln: ›es ist besser, die Lerche singen, als die Maus quiken zu hören!‹ Ich will Fuß und Hand aus den Fesseln befreien.« »Kein Ort ist dazu besser, als Falkland,« erwiderte Ramorny. »Ich habe genug guter Yeomen, um den Platz zu behaupten; und sollte Eure Hoheit ihn verlassen wollen, so bringt ein kurzer Ritt Euch in drei Richtungen zur See.«

»Ihr habt recht. Aber wir werden dort vor langer Weile sterben. Weder Freunde, Musik, noch Mädchen – ha!« sagte der leichtsinnige Prinz.

»Verzeiht mir, edler Herzog; aber obwohl die Lady Marjory Douglas, gleich einer irrenden Dame in den Balladen, fortgegangen ist, um Hilfe bei ihrem tapferen Vater zu suchen, so ist doch, ich kann wohl sagen, ein liebenswürdigeres, jedenfalls aber ein jüngeres Mädchen, entweder bereits in Falkland oder bald unterwegs dorthin. Eure Hoheit hat das schöne Mädchen von Perth nicht vergessen?«

»Die artigste Dirne in Schottland vergessen? – Nein – so wenig du die Hand vergessen hast, die du im Gefechte in Curfewstreet am Valentinsabend hattest.«

»Die Hand, die ich hatte? – Eure Hoheit wollte sagen, die Hand, die ich verlor. So gewiß ich sie nimmer wieder gewinnen werde, ist Katharina Glover zu Falkland, oder wird bald dort sein. Ich will Eurer Hoheit nicht schmeicheln, indem ich sagte, sie erwarte Euch dort – in der That, sie will sich dort selbst unter den Schutz der Lady Marjory stellen.«

»Die kleine Verrätherin,« sagte der Prinz – »auch sie stellt sich gegen mich? Sie verdient Strafe, Ramorny.«

»Ich hoffe, Ihr werdet ihr eine sanfte Strafe auferlegen,« erwiderte der Ritter.

»Meiner Treu, ich hätte schon längst ihr Beichtvater sein mögen, aber ich habe sie immer spröde gefunden.«

»Die Gelegenheit fehlte, Mylord,« erwiderte Ramorny, »und gerade jetzt drängt die Zeit.«

»Ei, ich bin nur zu bereit zu einer Narrheit; – aber mein Vater – «