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»Er ist persönlich wohl,« sagte Ramorny, »und so frei, als er sein kann; während Eure Hoheit – «

»Fesseln brechen muß, eheliche und wirkliche – ich weiß es. – Dort kommt Douglas mit seiner Tochter an der Hand, so hochmüthig und von so rauhen Zügen, wie er selbst, außer was das Alter anlangt.«

»Und zu Falkland sitzt einsam die schönste Dirne Schottlands,« sagte Ramorny. »Hier ist Buße und Haft, dort ist Freude und Freiheit.«

»Du hast gesiegt, höchstweiser Rath,« erwiderte Rothsay; »aber merk' dir's, es wird die letzte meiner Thorheiten sein.«

»So hoff' ich,« erwiderte Ramorny; »denn wenn Ihr in Freiheit seid, so könnt Ihr einen guten Vergleich mit Eurem königlichen Vater schließen.«

»Ich will ihm schreiben, Ramorny – schafft Schreibmaterial herbei – doch nein – ich kann meine Gedanken nicht in Worte bringen – schreibe du.«

»Eure königliche Hoheit vergißt –« sagte Ramorny, auf seinen verstümmelten Arm deutend.

»Ach! über Eure verwünschte Hand. Was können wir thun?«

»Wenn es Eurer Hoheit gefällt,« antwortete sein Rathgeber, »Euch der Hand des Arztes Dwining zu bedienen – er schreibt wie ein Gelehrter.«

»Weiß er Etwas von dem Stande der Dinge? Kennt er sie?«

»Vollkommen,« sagte Ramorny; und zum Fenster tretend rief er Dwining aus dem Boote.

Er trat vor den Prinzen von Schottland, schleichend, als wenn er auf Eiern ginge, mit niedergeschlagenen Augen und mit einem Körper, der vor Ehrfurcht zusammengeschrumpft schien.

»Hier, Bursche, ist Schreibzeug. Ich will dich versuchen – du kennst die Sache – stelle mein Benehmen meinem Vater in einem guten Lichte dar.«

Dwining setzte sich und schrieb binnen wenigen Minuten einen Brief, den er Sir John Ramorny einhändigte.

»Ei, der Teufel hat dir geholfen, Dwining,« sagte der Ritter. »Hört, mein theurer Herr: – Verehrter Vater und königlicher Herr, – wißt, daß wichtige Rücksichten mich veranlassen, von diesem Eurem Hofe Abschied zu nehmen, indem ich meinen Aufenthalt in Falkland nehmen will, sowohl als dem Besitzthum meines theuersten Oheims Albany (mit dem ich nach Eurer Majestät Wunsch im besten Einvernehmen stehen soll), wie auch dem Wohnsitze Einer, der ich zu lange entfremdet gewesen bin, und mit der ich fortan das Gelöbniß treuester Zuneigung zu tauschen eile.«

Der Herzog von Rothsay und Ramorny lachten laut, und der Arzt, der seiner eigenen Schrift zugehört hatte, als wäre sie ein Todesurtheil, erhob, durch ihren Beifall ermuthigt, die Augen, indem er ganz leise sein »hi, hi!« hören ließ, worauf er wieder ernst und schweigend war, als fürchte er die Grenzen ehrerbietigen Respekts überschritten zu haben.

»Bewundernswerth!« sagte der Prinz – »vortrefflich! Der alte Mann wird Alles dies der sogenannten Herzogin von Rothsay hinterbringen. – Dwining, du solltest ein Geheimschreiber Seiner Heiligkeit des Papstes sein, der bisweilen, wie man sagt, einen Schreiber braucht, welcher ein Wort mit zweierlei Deutung aufzusetzen versteht. Ich will es unterschreiben und das Lob dafür ärnten.«

»Und nun, Mylord,« sagte Ramorny, den Brief siegelnd, und ihn liegen lassend, »wollt Ihr nicht in's Boot?«

»Nicht eher, als bis mein Kammerdiener mit einigen Kleidern und nothwendigen Sachen kommt – auch mögt Ihr meinen Vorschneider rufen.«

»Mylord,« sagte Ramorny, »die Zeit drängt und Vorbereitungen werden nur Argwohn erregen. Eure Dienstleute werden Euch morgen mit den Sachen folgen. Für diese Nacht wird Euch hoffentlich mein armer Dienst bei Tafel und Schlafgemach genügen.«

»Nun, diesmal bist du der vergeßliche,« sagte der Prinz, den verwundeten Arm mit seiner Reitgerte berührend. »Bedenke, Mann, du kannst weder einen Kapaun vorschneiden, noch eine Schleife binden – ein guter Vorschneider oder Mundschenk!«

Ramorny lächelte mit Wuth und Schmerz; denn seine Wunde, obwohl in der Heilung begriffen, war noch sehr empfindlich und selbst die Bewegung eines Fingers dagegen machte ihn zittern.

»Gefällt es Eurer Hoheit nicht, in's Boot zu gehen?«

»Nicht, bis ich Abschied vom Lord Connetable genommen. Rothsay darf nicht, wie ein Dieb aus dem Gefängniß, aus Errols Hause davonschleichen. Ruft ihn hierher.«

»Mylord Herzog,« sagte Ramorny, »es könnte unserm Plane gefährlich sein.«

»Zum Teufel mit Gefahr, deinem Plane und dir! – ich muß und will gegen Errol handeln, wie es uns Beiden gebührt.«

Der Graf trat auf des Prinzen Ruf herein.

»Ich bemühte Euch hieher, Mylord,« sagte Rothsay mit der würdevollen Artigkeit, die er so wohl anzunehmen verstand, »um Euch für Eure Gastfreundschaft und gute Gesellschaft zu danken. Ich kann mich derselben nicht länger erfreuen, weil mich dringende Angelegenheiten nach Falkland rufen.«

»Mylord,« sagte der Großconnetable, »ich hoffe, Eure Hoheit erinnert sich, daß Ihr in Haft seid.«

»Wie! – in Haft! Wenn ich ein Gefangener bin, redet deutlich, – wo nicht, so nehm' ich mir die Freiheit abzureisen.«

»Ich wünschte, Eure Hoheit erbäte Seiner Majestät Erlaubniß zu dieser Reise. Es wird großes Mißfallen erregen.«

»Meint Ihr, Mißfallen gegen Euch, Mylord, oder gegen mich?«

»Ich habe bereits gesagt, Eure Hoheit sei hier in Haft; seid Ihr aber entschlossen, sie zu brechen, so hab' ich keine Vollmacht – Gott verhüte das – Euch gegen Eure Neigung zu zwingen. Ich kann Eure Hoheit nur dringend bitten, um Eurer selbst willen –«

»Was meinen eigenen Vortheil anlangt, bin ich der beste Richter – guten Abend Euch, Mylord.«

Der leichtsinnige Prinz begab sich mit Dwining und Ramorny in's Boot, und da keine andere Dienerschaft vorhanden war, stieß Eviot das Fahrzeug ab, welches mit Hilfe von Segel, Ruder und Ebbe schnell den Tay hinabfuhr.

Eine Zeitlang erschien der Herzog von Rothsay schweigend und unmuthig, und seine Gefährten unterbrachen auch nicht seine Betrachtungen. Endlich erhob er sein Haupt und sagte: »Mein Vater liebt einen Scherz, und wenn Alles vorbei ist, wird er diesen Streich nicht ernster aufnehmen, als er's verdient – eine Jugendthorheit, die er betrachten wird, wie er andere betrachtete. – Dort, meine Herren, zeigt sich der alte Sitz von Kinfauns, über den Tay drohend empor ragend. Nun sag' mir, John Ramorny, wie hast du das schöne Mädchen von Perth aus den Händen jenes hartköpfigen Oberrichters bekommen können? Denn Errol theilte mir das Gerücht mit, sie sei unter seinem Schutze.«

»Das war sie allerdings, Mylord, in der Absicht, der Obhut der Herzogin übergeben zu werden, – ich meine der Lady Marjory von Douglas. Nun hat dieser stierköpfige Oberrichter, der jedenfalls nur ein plumpes Stück von Tapferkeit ist, wie die meisten seines Gleichen, einen Diener von einiger List und Schlauheit, den er bei allen Dingen braucht, und dessen Rathschläge er gewöhnlich als seine eigenen betrachtet. Will ich mich eines Landbarons bemächtigen, so wend' ich mich an solch' einen Vertrauten, der in gegenwärtigem Falle Kitt Henschaw heißt, ein alter Tayschiffer, welcher, nachdem er zu seiner Zeit bis Campvere gefahren, jetzt bei Sir Patrick Charteris die Achtung behauptet, die einem Manne gebührt, der ferne Länder gesehen hat. Diesen seinen Agenten hab' ich zum meinigen gemacht, und habe durch ihn verschiedene Entschuldigungen angebracht, um die Abreise Katharinens nach Falkland aufzuschieben.«

»Und in welcher guten Absicht?« »Ich weiß nicht, ob es klug ist, dies Eurer Hoheit zu sagen, da Ihr meine Absichten mißbilligen könntet – ich dachte, die Beamten der Commission für Erforschung ketzerischer Meinungen sollten das schöne Mädchen zu Kinfauns finden, und da unsere Schöne eine eigensinnige Abtrünnige von der Kirche ist, so schloß ich, daß der Ritter gewiß sein Theil an den Bußen und Confiscationen, die man verhängen wollte, haben werde. Die Mönche waren eifrig genug, an ihn zu kommen, weil sie häufig Streit mit ihm über den Salmenzehnten gehabt hatten.«