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»Aber warum wolltest du des Ritters Vermögen zu Grunde richten und das schöne junge Weib vielleicht auf den Scheiterhaufen bringen?«

»Pah, Mylord Herzog! – Die Mönche verbrennen nie hübsche Mädchen. Eine alte Frau könnte in einiger Gefahr gewesen sein; und was den Lord Oberrichter betrifft, wie man ihn nennt, so wär' es eine Buße für die unnütze Beleidigung gewesen, die er mir in der St. Johnskirche anthat, wenn man ihm einige seiner fetten Aecker genommen hätte.«

»Mich dünkt, John, das wäre nur niedrige Rache,« sagte Rothsay.

»Beruhigt Euch, Mylord. Wer sich nicht Recht mit der Hand verschaffen kann, muß den Kopf brauchen. – Nun, diese Möglichkeit entschwand durch des hartköpfigen Douglas Erklärung zu Gunsten der zarten Gewissen; und dann, Mylord, fand der alte Henschaw weiter keinen Einwand gegen die Reise des schönen Mädchens von Perth nach Falkland, – nicht um die eigensinnige Gesellschaft der Lady Marjory zu theilen, wie Sir Patrick Charteris und sie selbst dachte, sondern um Eurer Hoheit die Langeweile zu vertreiben, wenn wir von der Jagd im Parke zurückkommen.«

Wieder entstand eine lange Pause, während welcher der Prinz in tiefes Sinnen versunken schien. Endlich sagte er: »Ramorny, ich habe ein Bedenken bei der Sache; aber wenn ich es dir nenne, wird der Teufel der Sophisterei, von dem du besessen bist, es mir ausreden, wie schon mit vielem Andern geschehen. Dies Mädchen ist, eines ausgenommen, das schönste von allen, die ich je sah oder kannte; und ich liebe sie um so mehr, weil sie einige Züge von – Elisabeth von Dunbar hat. Aber sie, ich meine Katharina Glover, ist verlobt, und soll jetzt mit Harry dem Waffenschmied verheirathet werden, einem Handwerksmann, unübertroffen in seiner Kunst, und einem Krieger, der noch nie besiegt ward. Diese Intrigue ausführen, hieße einem braven Manne zu viel Unrecht thun.«

»Eure Hoheit wird nicht erwarten, daß ich mich sehr um Harry Schmieds Vortheil kümmere,« sagte Ramorny, auf seinen verwundeten Arm sehend.

»Bei St. Andreas mit seinem Kreuz, dieses dein Mißgeschick wird mir zu sehr vorgerückt, John Ramorny! Andere begnügen sich, einen Finger in Jedermanns Schüssel zu stecken, aber du mußt die ganze blutige Hand hineinwerfen. Es ist geschehen und läßt sich nicht ändern – laß es vergessen sein.«

»Ei, Mylord, Ihr spielt häufiger darauf an, als ich,« antwortete der Ritter, – allerdings spottweise; während ich – aber ich kann von der Sache schweigen, wenn ich sie auch nicht vergessen kann.«

»Nun wohl, ich sage dir, daß ich eine Bedenklichkeit bei diesem Anschlag habe. Erinnerst du dich, als wir einmal zum Spaß hingingen, um Vater Clemens predigen zu hören oder vielmehr die schöne Ketzerin zu sehen, daß er rührend wie ein Minstrel vom reichen Manne sprach, der des armen Mannes einziges Lamm wegnahm?«

»Eine wichtige Sache in der That,« antwortete Sir John, »daß der älteste Sohn vom Weibe dieses Kerls den Prinzen von Schottland zum Vater haben sollte! Wie viele Grafen würden sich dies Loos für ihre schönen Gräfinnen wünschen! und wie Viele, die so gutes Glück gehabt haben, schlafen darum kein Haar schlechter!«

»Und dürft' ich mir anmaßen, zu sprechen,« sagte der Arzt, »so ertheilen die alten Gesetze Schottlands solch ein Recht jedem Lehnsherrn über seine weiblichen Unterthanen, obwohl Mangel an Feuer und Liebe zum Gelde es Viele für Gold hingeben ließ.«

»Ich brauche keine Gründe, daß ich freundlich gegen ein hübsches Weib sein soll; aber diese Katharina ist immer kalt gegen mich gewesen,« sagte der Prinz.

»Ei, Mylord,« sagte Ramorny, »wenn Ihr, jung, hübsch und ein Prinz, Euch nicht einem schönen Weibe angenehm zu machen wißt, so hab' ich nichts weiter zu sagen.«

»Und wär' es nicht eine allzugroße Kühnheit für mich, noch ein Mal zu reden,« sagte der Arzt, »so würde ich sagen, daß ganz Perth weiß, daß der Gow Chrom nie des Mädchens Wahl war, sondern ihr vom Vater aufgezwungen ward. Ich weiß ganz gewiß, daß sie ihn mehrmals zurückwies.«

»Nun, wenn du mich dessen versichern kannst, so ist es eine ganz andere Sache,« sagte Rothsay. »Vulkan war ein Schmied so gut wie Harry Wynd; er warb um Venus, und unsere Chroniken sagen uns, was dabei herauskam.«

»So möge Lady Venus lange leben und verehrt werden,« sagte Sir John Ramorny; »und glücklich sei der artige Ritter Mars, der geht, um ihre Göttlichkeit zu werben!«

Das Gespräch nahm für einige Minuten eine heitere und tändelnde Richtung; aber der Herzog von Rothsay ließ es bald fallen. »Ich habe,« sagte er, »die Luft des Gefängnisses dort zurückgelassen, und doch will mein Muth nicht aufleben. Ich fühle die matte, nicht unangenehme, aber doch melancholische Stimmung, die uns befällt, wenn uns Bewegung fehlt, oder Vergnügen übersättigt hat. Eine Musik, sich zum Ohr stehlend, nicht laut genug, um uns den Blick erheben zu lassen, wäre ein Götterfest.«

»Eure Hoheit braucht Ihre Wünsche nur auszusprechen, und die Nymphen im Tay werden so gefällig sein, wie die Schönen am Strande. – Horcht – das ist eine Laute.«

»Eine Laute!« sagte der Herzog von Rothsay lauschend; »so ist's, und mit seltner Kunst gespielt. Dieses Tonfalls sollt' ich mich erinnern. Lenkt das Boot dahin, woher die Musik tönt.«

»Es ist der alte Henschaw,« sagte Ramorny, »der stromauf fährt – heda, Schiffer!«

Der Bootsmann beantwortete den Gruß und legte sich an die Barke des Prinzen.

»Oho! meine alte Freundin!« sagte der Prinz, der Gestalt und Kleidung der französischen Sängerin Louise wieder erkannte. »Ich denke, ich bin dir Etwas schuldig, weil ich dir mindestens Schrecken verursachte am St. Valentinstag. Komm in dies Boot, sammt Laute, Hund, Gepäck und Allem – ich will dich in einer Dame Dienst bringen, die selbst deinen Hund mit Kapaun und Kanariensekt füttern wird.«

»Ich hoffe, Eure Hoheit wird bedenken – « sagte Ramorny.

»Ich will nichts als mein Vergnügen bedenken, John. Bitte, sei so gefällig und bedenke das ebenfalls.«

»Wollt Ihr mich fürwahr in einer Lady Dienst bringen?« sagte die Sängerin, »und wo wohnt sie?«

»Zu Falkland,« antwortete der Prinz.

»O, ich habe von der großen Lady gehört!« sagte Louise; »und wollt Ihr mich wirklich in den Dienst Eurer königlichen Gemahlin bringen?«

»Ich will's, bei meiner Ehre – sobald ich sie als solche anerkenne – merk' diesen Vorbehalt, John,« sagte er leise zu Ramorny.

Die Personen, die im Boote waren, hörten die Kunde, und da sie schlossen, es sei eine Aussöhnung zwischen dem königlichen Paar im Werke, ermahnten sie Louise, ihr Glück zu benutzen und in's Gefolge der Herzogin von Rothsay zu treten. Mehrere boten ihr eine Belohnung für die Ausübung ihres Talents.

Während dieses kurzen Aufenthalts flüsterte Ramorny Dwining zu: »Bring' einen Einwand zum Vorschein, Schuft. Diese Zugabe ist zu viel. Wecke deinen Witz, unterdessen will ich ein Wort mit Henschaw sprechen.«

»Dürft' ich mir anmaßen, zu sprechen,« sagte Dwining, »als Einer, der seine Studien in Arabien und Spanien gemacht hat, so würd' ich sagen, Mylord, daß sich die Seuche in Edinburg gezeigt hat, und daß es gewagt sein dürfte, wenn Ihr diese junge Fremde in Eurer Hoheit Nähe kommen ließt.«

»Ach! was geht es dich an,« sagte Rothsay, »ob ich mich lieber durch die Pest oder durch den Apotheker vergiften lassen will? Thut es auch dir Noth, meine Laune zu trüben?«

Während der Prinz so die Gegenreden Dwinings zum Schweigen brachte, hatte Sir John einen Augenblick gewonnen, um von Henschaw zu erfahren, daß die Entfernung der Herzogin von Rothsay aus Falkland immer noch tiefes Geheimniß sei, und daß Katharina Glover dort an diesem Abend oder am nächsten Morgen ankommen werde, in der Erwartung, unter der edlen Dame Schutz zu kommen.

Der Herzog von Rothsay, tief in Gedanken versunken, empfing diese Nachricht so kalt, daß Ramorny sich die Freiheit nahm, zu tadeln. »Dies, Mylord,« sagte er, »heißt das verzogene Kind des Glückes spielen. Ihr wünscht Freiheit – sie kommt. Ihr wünscht Schönheit – sie erwartet Euch, nur eben so viel zögernd, um das Gut um so köstlicher zu machen. Selbst Eure geringsten Wünsche scheinen dem Schicksal Gesetz zu sein; denn Ihr wünscht Musik, während sie am fernsten scheint, und Laute und Gesang sind Euch zur Hand. Diese Dinge, so gesendet, sollte man genießen, sonst gleichen wir nur eigensinnigen Kindern, die das Spielzeug von sich werfen, nach welchem sie sich krank geweint haben.«