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»Um Vergnügen zu genießen, Ramorny,« sagte der Prinz, »muß man Schmerz empfunden haben, wie man fasten muß, um guten Appetit zu gewinnen. Wir, die wir Alles nach Wunsch haben können, genießen das wenig, was wir besitzen. Siehst du jene dichte Wolke, die im Begriff ist, sich in Regen aufzulösen? Sie scheint mir zu ersticken – das Wasser sieht dunkel und trübe – das Ufer scheint seine Schönheit verloren zu haben –«

»Mylord, verzeiht Eurem Diener,« sagte Ramorny. »Ihr gebt einer mächtigen Einbildungskraft nach, so wie ein ungeschickter Reiter einen feurigen Hengst sich bäumen läßt, bis er zurückfällt und den Herrn erdrückt. Ich bitt' Euch, schüttelt diese Schlaffheit von Euch. Soll die Sängerin ein wenig musiciren?«

»Sie mag's thun – aber es muß melancholisch sein, alles Lustige würde in diesem Augenblicke mein Ohr beleidigen.«

Das Mädchen sang ein trauriges normannisches Lied; die Worte, von denen Folgendes eine Nachahmung ist, wurden in einer ebenso schwermüthigen Weise gesungen.

Ja, seufze jetzt, – Noch ein Mal magst du ringsum schau'n

Auf Himmel, Land, auf Strom und Au'n;

Dein Leben schließt und Todesgrau'n

Naht dir zuletzt.

Ja, ruhe so,

Und da dein Puls noch zittert bang',

Stimm' an der Mönch der Messe Sang,

Dumpf schall' der Todtenglocke Klang –

Dein Leben floh.

Nichts, was dir droht! Es ist ein Schmerz, ein Beben dann,

Gluth, die in Kälte bald zerrann,

Ein Ende jeden Weh's sodann,

Denn du bist todt.

Der Prinz machte keine Bemerkung über die Musik, und das Mädchen setzte, auf Ramorny's Wink, von Zeit zu Zeit ihren Gesang fort, bis der Abend niedersank mit Regen, erst leis und sanft, endlich aber in Strömen und von einem kalten Winde begleitet. Der Prinz hatte weder Mantel noch Decke, und düster wies er den zurück, welchen ihm Ramorny bot.

»Es paßt nicht für Rothsay, Eure abgelegten Kleider zu tragen, Sir John; – diesem geschmolzenen Schnee, den ich nun bis auf's Mark dringen fühle, setzt' ich mich durch Eure Schuld aus. Warum unterstandet Ihr Euch, das Boot zu lösen, ohne meine Diener und Geräthschaften?«

Ramorny wagte keine Entschuldigung; denn er wußte, daß sich der Prinz in einer solchen Laune befand, wo es ihm angenehmer war, seine Beschwerden zu behaupten, als sich mit einer vernünftigen Entschuldigung zum Schweigen bringen zu lassen. In trübem Schweigen oder unter verhaltenem Aerger kamen sie bei dem Fischerdorf Newburgh an. Die Gesellschaft landete und fand Pferde bereit, die Ramorny längst für diese Gelegenheit in Bereitschaft gehalten hatte. Der Prinz spottete bitter über ihre Gestalt, und drückte diesen Spott bald in offenen Worten, bald in Seitenhieben gegen Ramorny aus. Endlich stiegen sie auf und ritten durch die finstere Nacht und den fallenden Regen, indeß der Prinz immer mit rastloser Eile voranjagte. Die Sängerin, die auf seinen ausdrücklichen Befehl gleichfalls ein Pferd bekommen hatte, begleitete sie und hielt, glücklicherweise an strengeres Wetter gewöhnt, die Anstrengungen des nächtlichen Rittes so fest wie die Männer aus. Ramorny war genöthigt, sich neben dem Prinzen zu halten, da er nicht wenig in Angst war, dieser möchte in seiner mürrischen Laune ganz von ihnen wegreiten, in das Schloß irgend eines ergebenen Barons fliehen und so der Schlinge entgehen, die sie ihm gelegt hatten. Er litt daher unaussprechlich während des Rittes, sowohl körperlich, wie im Innern.

Endlich nahm der Wald von Falkland sie auf, und ein Strahl des Mondes zeigte das düstere und hohe Schloß, ein Eigenthum der Krone, obwohl auf eine Zeitlang dem Herzog von Albany geschenkt. Auf ein Zeichen senkte sich die Zugbrücke. Fackeln strahlten im Hofe, Diener waren bereit, und der Prinz, dem man vom Pferde half, wurde in ein Gemach geführt, wo Ramorny und Dwining ihn bedienten, und baten, den Rath des Arztes anzunehmen. Der Herzog von Rothsay wies den Vorschlag zurück, befahl stolz, sein Bett zu bereiten, und nachdem er eine Zeitlang in seinen nassen Kleidern frierend bei einem großen Feuer gestanden, zog er sich in sein Gemach zurück, ohne von irgend Jemand Abschied zu nehmen.

»Ihr seht nun die eigensinnige Laune des kindischen Burschen,« sagte Ramorny zu Dwining; »könnt Ihr Euch wundern, wenn ein Diener, der so viel für ihn gethan hat, wie ich, eines solchen Herrn müde wird?«

»Nein, wahrhaftig,« sagte Dwining, »dies und die versprochene Grafschaft von Lindores würde Jedermanns Treue erschüttern. Aber was werden wir diesen Abend mit ihm beginnen? Er hat, wenn Wange und Auge wahr reden, den Grund des Fiebers in sich, was unser Werk leicht machen wird, während es eine Wirkung der Natur scheint.«

»Es ist eine Gelegenheit verloren,« sagte Ramorny; »aber wir müssen unsern Streich verzögern, bis er jene Schönheit, Katharina Glover, gesehen hat. Sie kann hernach bezeugen, daß sie ihn in völliger Gesundheit sah, kurz vorher, und Herr aller seiner Bewegungen – Ihr versteht mich?«

Dwining nickte bejahend und fügte hinzu:

»Es ist keine Zeit verloren, denn es macht wenig Schwierigkeit, eine Blume verwelken zu lassen, die erschöpft ist, weil sie zu früh erblühte.« </p> <p> </p> <p>

Einunddreißigstes Kapitel

Fürwahr, er war ein schamlos wilder Mann,

Ergeben schnöder Lust und Becherklang;

Nur wenig war's, was seine Gunst gewann;

Nur üpp'ge Dirnen, lock're Brüder dann,

Und wilde Zecher auch von hoh' und nieder'm Rang.

Byron.

Mit dem nächsten Morgen hatte sich die Laune des Herzogs von Rothsay verändert. Er beklagte sich allerdings über Schmerz und Fieber, aber dies schien ihn mehr anzuregen, als zu bewältigen. Er war freundlich gegen Ramorny, und obwohl er nichts von der Angelegenheit des vorigen Abends sagte, war es doch klar, daß er sich dessen erinnerte, was er aus dem Gedächtniß seiner Gefährten auszulöschen wünschte – der üblen Laune, die er da entfaltet hatte. Er war artig gegen Jeden, und scherzte mit Ramorny hinsichtlich der Ankunft Katharinens;

»Wie erstaunt wird die hübsche Spröde sein, sich in einem Haushalt von Männern zu befinden, während sie erwartete, unter die Hüte und Hauben der Kammerfrauen Lady Marjory's zu kommen. Du hast wohl wenig vom zarten Geschlecht in deinem Haushalt, Ramorny?«

»Meiner Treu, Keine außer der Sängerdirne und einer oder zwei unentbehrlichen Mägden. Beiläufig, sie fragt besorglich nach der Gebieterin, die Eure Hoheit ihr versprochen – soll ich sie entlassen, um mit Muße einer neuen Herrin nachzujagen?«

»Nicht doch, sie wird zu Katharinens Unterhaltung dienen. Und hört, wär' es nicht gut, das spröde Mädchen mit einiger Mummerei zu empfangen?«

»Wie meint Ihr das. Mylord?«

»Du begreifst schwer, Mensch – Wir wollen sie nicht enttäuschen, da sie die Herzogin von Rothsay zu finden hofft – Ich will Herzog und Herzogin in eigener Person sein.«

»Noch begreif' ich nicht.«

»Keiner ist dümmer als ein Witziger,« sagte der Prinz, »wenn er nicht gleich auf die Spur kommt. Meine sogenannte Herzogin ist in großer Eile von hier weggelaufen, als ich herangekommen bin. Wir haben beide unsere Kleider zurückgelassen. Es ist genug weiblicher Flitterstaat in der Kleiderkammer, die an mein Schlafgemach stößt, um damit einen ganzen Karneval zu versorgen. Seht, ich will die Lady Marjory spielen, mit einem Trauerschleier und einem Weidenkranz auf diesem Ruhebett liegend, um mich als Verlassene darzustellen; du, John, wirst für ihre Galwegische Ehrendame, die Gräfin Hermigild, starr und steif genug aussehen, und Dwining soll die alte Hekate, ihre Amme, vorstellen, nur hat sie mehr Bart auf der Oberlippe, als Dwining im ganzen Gesicht und auf dem Kopfe zusammengenommen. Er sollte den Vorzug eines Bartes haben, um sie gehörig zu spielen, Hole deine Küchenmägde und was du von erträglichen Pagen bei dir hast, um meine Kammerfrauen zu machen. Hörst du? – es muß gleich geschehen.«