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Während er so sprach, legte er die Arme um Katharinens Nacken und zog sie gegen sich, als wollte er sie zum Zeichen des Willkommens küssen. Aber der Kuß ward mit einem Eifer gegeben, der so sehr die Rolle der schönen Besitzerin überschritt, daß Katharina, in der Meinung, die Herzogin sei von Sinnen, laut aufschrie.

»Still, Närrin! ich bin es – David von Rothsay.«

Katharina sah umher – die Amme war gegangen, und indem der Herzog den Schleier abriß, sah sie sich in der Gewalt eines kühnen jungen Wüstlings.

»Nun sei Gott mit mir!« sagte sie; »und er wird es, wenn ich mich nicht selbst verlasse!«

Als dieser Entschluß in ihrer Seele erwachte, unterdrückte sie ihre Neigung zu schreien, und bemühte sich, so viel als möglich ihre Furcht zu verbergen.

»Der Scherz ist ausgespielt,« sagte sie mit so viel Festigkeit, als sie annehmen konnte; »darf ich bitten, daß Eure Hoheit mich nun loslassen?« denn noch immer hielt er ihren Arm.

»Nein, meine hübsche Gefangene, wehre dich nicht – Warum dich fürchten?«

»Ich wehre mich nicht, Mylord. Da es Euch beliebt, mich zu halten, so will ich Euch durch Widerstand nicht reizen, mich übel zu behandeln und Euch selbst Qual zu bereiten, sobald Euch Zeit zum Ueberlegen wird.«

»Warum, Verrätherin, hast du mich Monate lang gefangen gehalten,« sagte der Prinz; »und du willst dich von mir nicht einen Augenblick halten lassen?«

»Dies wäre Artigkeit, Mylord, geschäh' es in den Straßen von Perth, wo ich zuhören oder entfliehen könnte, nachdem ich gehört – hier ist es Tyrannei.«

»Und wenn ich dich gehen ließe, wohin willst du fliehen?« sagte Rothsay. »Die Brücken sind empor – die Fallgitter nieder – und meine Leute sind außerordentlich taub gegen die Klagen eines eigensinnigen Mädchens. Sei daher freundlich, und du sollst wissen, was es heißt, einem Prinzen gefällig sein.«

»Also laßt mich los, Herr, und hört, wie ich von Euch an Euch selbst appellire – von Rothsay an den Prinzen von Schottland. – Ich bin die Tochter eines niedern, aber ehrlichen Bürgers. Ich bin, wie ich fast sagen kann, die Gattin eines braven und wackern Mannes. Wenn ich Eurer Hoheit irgend eine Aufmunterung dazu, was Ihr gethan habt, gab, so ist es ohne Absicht geschehen. So gewarnt, bitte ich Euch, Eure Gewalt über mich zu vergessen, und mich abziehen zu lassen. Eure Hoheit kann nichts von mir erlangen, außer durch Mittel, die ebenso unwürdig des Ritters wie des Mannes wären.«

»Ihr seid kühn, Katharina,« sagte der Prinz; »aber weder als Ritter noch als Mann kann ich vermeiden, eine Ausforderung anzunehmen. Ich muß Euch lehren, wie gefährlich solche Ausforderungen sind.«

Während er so sprach, versuchte er seine Arme wieder um sie zu legen; aber sie entwand sich der Umarmung und fuhr im nämlichen Tone fester Entschiedenheit fort:

»Meine Kraft, Mylord, ist eben so groß, um mich in einem ehrenhaften Streite zu vertheidigen, als die Eurige sein kann, um mich in höchst unehrenhafter Absicht anzugreifen. Beschämt nicht Euch und mich, indem ihr es zum Kampfe kommen laßt. Ihr könnt mich durch Schläge betäuben oder Beistand rufen, um mich zu überwältigen; außerdem aber werdet Ihr Euern Zweck verfehlen.«

»Zu welchem Barbaren willst du mich machen?« sagte der Prinz. »Die Gewalt, die ich brauchen möchte, ist keine andere, als welche Frauen entschuldigt, wenn sie ihrer Schwachheit nachgeben.«

Er setzte sich in einiger Aufregung nieder.

»Dann bewahrt sie,« sagte Katharina, »für jene Frauen, die solch' eine Entschuldigung wünschen. Mein Widerstand ist der des entschlossensten Muthes, welcher je durch Ehrliebe und Furcht vor Schande eingeflößt ward. Ach, Mylord, könnt' es Euch gelingen, so würdet Ihr nur jedes Band zwischen mir und dem Leben zerreißen – zwischen Euch selbst und der Ehre. Ich wurde falsch hieher gelockt, durch welche List, weiß ich nicht; aber müßte ich entehrt von hier weggehen, so wär' es, um jedem Lande in Europa den Zerstörer meines Glückes anzuzeigen. Ich nähme den Wanderstab in die Hand, und wo nur die Ritterlichkeit geehrt würde, oder Schottlands Name gehört worden wäre, da würde ich den Erben von hundert Königen, den Sohn des gütigen Robert Stewart, den Nachkommen des Helden Bruce – einen falschen, treulosen Mann nennen, unwerth der Krone, die ihn erwartet, und der Sporen, die er trägt. Jede Dame im weiten Europa hielt' Euren Namen für zu schlecht für ihren Mund – jeder würdige Ritter hielt' Euch für einen verworfenen Elenden, der dem ersten Waffengelübde, dem Schutze der Frauen und der Vertheidigung des Schwachen, treulos geworden.«

Rothsay nahm seinen Sitz wieder ein und betrachtete sie mit einer Miene, worin Unwillen mit Bewunderung gemischt war. »Ihr vergeßt, zu wem Ihr sprecht, Mädchen. Wißt, die Auszeichnung, die ich Euch erwies, ist eine, wofür sich Hunderte, deren Schleppe Ihr zu tragen geboren seid, sich dankbar fühlen würden.«

»Noch einmal, Mylord,« begann Katharina wieder, »behaltet solche Gunst für Jene, welche sie schätzen, oder vielmehr bewahrt Eure Zeit und Gesundheit für andere und edlere Bestrebungen, – für die Vertheidigung Eures Vaterlandes und das Glück Eurer Unterthanen. Ach, Mylord! wie gern möchte ein jauchzendes Volk Euch zu seinem Oberherrn annehmen! – Wie freudig würden sie Euch umringen, zeigtet Ihr ihnen den Wunsch, sie zu führen gegen die Unterdrückung der Mächtigen, die Gewaltthat der Gesetzlosen und die Tyrannei der Heuchler.«

Der Herzog von Rothsay, dessen tugendhafte Gefühle eben so leicht erregt wurden, als sie schwanden, war gerührt durch die Begeisterung, mit welcher sie sprach. »Verzeih' mir, wenn ich dich beunruhigte, Mädchen,« sagte er; »du bist zu edelsinnig, um das Spielwerk flüchtiger Lust zu sein, wozu dich mein Irrthum bestimmte; und ich hätte Euch, wäre auch Eure Geburt Eures edlen Geistes und Eurer großen Schönheit würdig, ich hätte Euch kein Herz zu geben; und nur Huldigung des Herzens darf um ein Mädchen werben, wie du bist. Aber meine Hoffnungen sind verwelkt, Katharina – das einzige Mädchen, das ich liebte, wurde mir durch den Willen der Staatskunst entrissen und mir ein Weib aufgedrungen, die ich immer verabscheuen müßte, und besäße sie selbst die milde Sanftmuth, die allein ein Weib in meinen Augen liebenswürdig macht. Auch meine Gesundheit schwindet in der Jugend hin, und Alles, was mir übrig bleibt, ist, so viel Blumen zu pflücken, als ich auf meinem kurzen Wege zum Grabe erlangen kann. Sieh meine schwindsüchtige Wange – fühle, wenn du willst, meinen unterbrochenen Pulsschlag, und bemitleide und entschuldige mich, wenn ich, dessen Rechte als Fürst und Mensch man geraubt und mit Füßen getreten hat, oft gleichgiltig gegen die Rechte Anderer bin, und dem selbstsüchtigen Verlangen nachgebe, dem Wunsche eines flüchtigen Augenblicks zu genügen.«

»O, Mylord!« rief Katharina mit der Begeisterung, welche ihrem Charakter eigen war – »ich bitte Euch, mein theurer Herr – denn theuer muß der Erbe Bruce's jedem Kinde Schottlands sein – laßt mich Euch nicht solche Worte sprechen hören! Euer ruhmwürdiger Ahn trug Verbannung, Verfolgung, die Nacht des Hungers und den Tag des ungleichen Kampfes, um sein Vaterland zu befreien – übt die nämliche Selbstverläugnung, um Euch selbst frei zu machen. Entreißt Euch denen, die ihren Weg zur Größe durch Nährung Eurer Laster gebahnt finden. Mißtraut dem finstern Ramorny! Ihr kennt ihn nicht, das weiß ich! – Ihr könnt ihn nicht kennen. Aber der Elende, der die Tochter auf die Bahn der Schande drängen will, indem er das Leben des alten Vaters bedroht, ist alles Schlechten fähig – Alles fähig, was verräterisch ist!«

»That Ramorny dies?« sagte der Prinz.

»Er that es allerdings, Mylord, und er wagt nicht, es zu läugnen.«

»Es soll untersucht werden,« antwortete der Herzog von Rothsay; »ich habe aufgehört, ihn zu lieben; aber er hat meinetwillen viel gelitten, und ich muß sehen, daß seine Dienste ehrenvoll belohnt werden.«