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»Diese Drei waren's, denen die Wache des Prinzen allein übertragen war während seiner angeblichen Krankheit?« sagte Douglas, eine Untersuchung fortsetzend, die er im Saale des Schlosses begonnen hatte.

»Kein Anderer sah ihn, Mylord!« sagte Eviot, »obwohl ich meine Dienste anbot.«

»Führt uns in des Herzogs Zimmer und bringt die Gefangenen mit – es soll sich auch ein Weib im Schlosse befinden, wenn man sie nicht ermordet oder hinweggezaubert hat – die Gefährtin der Sängerin, welche die erste Nachricht brachte.«

»Sie ist hier, Mylord,« sagte Eviot, Katharinen vorführend.

Ihre Schönheit und Rührung machten selbst auf den unempfindlichen Grafen einigen Eindruck.

»Fürchte nichts, Mädchen,« sagte er, »du hast Lob und Belohnung verdient. Sage mir, wie wenn du dem Himmel beichtetest, Alles, wovon du im Schlosse Zeuge gewesen.«

Mit einigen Worten berichtete Katharina die furchtbare Geschichte.

»Es stimmt,« sagte Douglas, »mit der Erzählung der Sängerin Punkt für Punkt überein. – Nun zeigt uns des Prinzen Zimmer.«

Sie gingen nach dem Gemach, wo der unglückliche Herzog von Nothsay angeblich gewohnt hatte; aber der Schlüssel war nicht zu finden, und der Graf konnte nur Zutritt erlangen, indem man die Thür sprengte. Beim Eintritt entdeckte man den abgezehrten und schmutzigen Körper des Prinzen, wie in Eile auf's Bett geworfen. Die Absicht der Mörder war offenbar gewesen, den Leichnam so in Stand zu setzen, daß er einem längst Gestorbenen ähnlich sehe; aber sie waren durch die Unruhe, die Louisens Flucht veranlaßt hatte, gestört worden. Douglas betrachtete den Leichnam des verführten Jünglings, dessen wilde Leidenschaften und Launen ihn zu dieser verhängnißvollen und vorzeitigen Katastrophe gebracht hatten.

»Ich hatte Beleidigungen zu rächen,« sagte er; »aber ein Anblick wie dieser verbannt alle Erinnerung an Beleidigungen!«

»Hi, hi! – er hätte geordnet werden sollen,« sagte Dwining, »um Eurer Herrlichkeit mehr zu gefallen; aber Ihr kamt plötzlich über uns, und eilige Herren verursachen schlechten Dienst.«

Douglas schien nicht zu hören, was sein Gefangener sagte, so eifrig prüfte er die verfallenen und zerstörten Züge und steifen Glieder des Leichnams vor ihm. Katharina, überwältigt von Unwohlsein und Ohnmacht, erhielt endlich Erlaubniß, sich von dem furchtbaren Anblick zurückzuziehen, und fand durch Verwirrung aller Art den Weg nach ihrem früheren Gemach, wo Louise, die indeß zurückgekehrt war, sie in die Arme schloß.

Die Untersuchungen Douglas' schritten fort. Man fand, daß die starre Hand des Prinzen eine Haarlocke krampfhaft umfaßt hielt, an Farbe und Stärke dem kohlschwarzen verworrenen Haar Bonthrons gleich. So, obwohl Hunger das Werk begonnen hatte, schien es doch, daß Rothsan's Tod endlich durch Gewalt vollständig herbeigeführt worden sei. Die geheime Treppe des Kerkers, wozu die Schlüssel an des untergeordneten Mörders Gürtel gefunden wurden, – die Lage des Gewölbes, seine Verbindung mit der äußern Luft durch den Mauerspalt, das elende Strohlager mit den Fesseln, die sich noch vorfanden, – Alles bestätigte vollkommen die Erzählung Katharinens und der Sängerin.

»Wir wollen keinen Augenblick zögern,« sagte der Douglas zu seinem nahen Verwandten, dem Lord Balveny, sobald sie aus dem Kerker zurückkehrten. »Fort mit den Mördern! hängt sie über die Zinnen.«

»Aber, Mylord, ein Verhör möchte doch erforderlich sein,« antwortete Balveny.

»Zu welchem Zweck?« antwortete Douglas. »Ich habe sie Kraft meines Rechts und Amts gefangen. Meine Vollmacht gestattet sofortige Hinrichtung. Doch halt – haben wir nicht einige Leute aus Jedwood unter unsern Truppen?«

»Eine Menge Turnbulls, Rutherfords, Ainslies und so fort,« sagte Balveny.

»Ruft mir eine Anzahl von ihnen herbei; sie sind sämmtlich gute und ehrliche Leute, außer daß sie ein Bischen zu ihrem Unterhalt stehlen. Laßt sie diese Schurken hinrichten, während ich einen Gerichtshof im großen Saale halte, und wir wollen versuchen, ob der Gerichtshof oder der Profoß eher fertig wird; wir wollen Jedwood-Gerechtigkeit üben – schnell hängen und nach Muße untersuchen.«

»Doch halt, Mylord,« sagte Ramorny, »Ihr möchtet Eure Eile bereuen – wollt Ihr mir ein Wort in's Ohr erlauben?«

»Nicht um die Welt!« sagte Douglas; »sprich es aus, was du zu sagen hast, vor Allen, die hier sind.«

»So wißt denn Alle,« sagte Ramorny laut, »daß dieser edle Graf Briefe vom Herzog Albany und mir hat, ihm durch jenen feigen Ausreißer Buncle übergeben, – laßt ihn läugnen, wenn er's kann – welche die Entfernung des Herzogs vom Hofe auf einige Zeit anrathen, sowie seine Gefangenschaft in diesem Schlosse.«

»Aber kein Wort davon,« erwiderte Douglas, ernst lächelnd, »daß man ihn in einen Kerker werfen sollte – verhungern – erdrosseln. – Fort mit den Elenden, Balveny, sie verderben Gottes Luft zu lange!« Die Gefangenen wurden nach den Zinnen geschleppt. Aber während die Mittel der Hinrichtung zubereitet wurden, drückte der Apotheker einen so glühenden Wunsch aus, Katharina noch einmal zu sehen, wie er sagte, zum Heil seiner Seele, daß das Mädchen in der Hoffnung, seine Hartnäckigkeit habe sich noch in der letzten Stunde geändert, noch ein Mal hinauf ging, um eine Scene zu sehen, vor welcher ihr Herz zurückschauderte. Ein einziger Blick zeigte ihr Bonthron in gänzliche, trunkene Fühllosigkeit versunken, Ramorny seiner Rüstung beraubt, und umsonst bemüht, seine Angst zu verbergen, während er mit einem Priester sprach, um dessen Beistand er gebeten hatte, und Dwining als denselben unterwürfigen, demüthigen, kriechenden Burschen, wie sie ihn vorher gesehen hatte. Er hielt in der Hand eine kleine, silberne Feder, womit er auf ein Stück Pergament schrieb.

»Katharina,« sagte er, – »hi, hi, hi! – ich wünsche zu dir über die Natur meines religiösen Glaubens zu sprechen.«

»Wenn das deine Absicht ist, warum verlierst du Zeit mit mir? – sprich mit diesem frommen Vater.«

»Der fromme Vater,« sagte Dwining, »ist hi, hi! – bereits ein Verehrer der Gottheit, welcher ich gedient habe. Ich zieh' es daher vor, dem Altar meines Götzen einen neuen Verehrer in dir zu geben, Katharina. Dies Stück Pergament wird dir den Weg zu meiner Kapelle zeigen, wo ich oft in der Stille gebetet habe. Ich hinterlasse dir als ein Vermächtniß die Götzenbilder, die sie enthält, blos weil ich dich etwas minder hasse und verachte, als andere alberne Elende, die ich bisher Mitgeschöpfe zu nennen genöthigt war. Und nun fort! – Oder bleib und sieh, ob das Ende des Quacksalbers sein Leben Lügen straft.«

»Unsere Frau verhüt' es!« sagte Katharina.

»Nun,« sagte der Arzt, ich habe nur ein einzig Wort zu sagen, und jenes Edelmanns Herrlichkeit mag es hören, wenn er will.«

Lord Balveny näherte sich mit einiger Neugier; denn die unerschrockene Entschlossenheit eines Mannes, der nie ein Schwert geschwungen oder eine Rüstung getragen, und von Person ein elender Zwerg war, schien ihm Etwas wie Zauberei zu sein.

»Ihr seht dies elende Werkzeug,« sagte der Verbrecher, die silberne Feder zeigend. »Mittelst dieser kann ich selbst der Macht des schwarzen Douglas entgehen.«

»Gebt ihm weder Tinte noch Papier,« sagte Balveny hastig, »er will einen Zauber schreiben.«

»Nicht doch, mit Eurer Weisheit und Tapferkeit Erlaubniß – hi, hi, hi! – « sagte Dwining mit seinem gewöhnlichen Lachen, während er das Ende der Feder losschraubte und daraus ein Stück Schwamm oder etwas Aehnliches, nicht größer als eine Erbse, hervorzog. »Nun, merkt auf! – – « sagte der Gefangene und nahm es zwischen die Lippen. Die Wirkung war augenblicklich. Er lag als Leichnam vor ihnen, die höhnische Verachtung auf dem Gesichte.

Katharina schrie auf und floh, indem sie hastig hinabeilte, um einem so schrecklichen Anblicke zu entgehen. Lord Balveny war einen Augenblick starr und dann rief er: »Das kann Hexerei sein! hängt ihn über die Mauern lebendig oder todt. Wenn sich sein schlechter Geist nur auf einige Zeit zurückgezogen hat, so mag er zu einem Körper mit umgedrehtem Halse zurückkehren.«