Man gehorchte seinem Befehl. Darauf wurden Ramorny und Bonthron zur Hinrichtung gefühlt. Der Letztere ward gehangen, bevor er völlig zu begreifen schien, was mit ihm geschah. Ramorny, bleich wie der Tod, aber mit demselben Stolze, der sein Verderben herbeigeführt hatte, berief sich auf seine Ritterwürde und verlangte das Vorrecht, mit dem Schwert enthauptet zu werden und nicht durch den Strang zu sterben.
»Der Douglas ändert nie sein Urtheil,« sagte Balveny. »Aber dir sollen all deine Rechte werden. – Schickt den Koch mit einem Hackmesser hieher.« Der geforderte Diener erschien auf seinen Ruf. »Weshalb zitterst du, Bursche?« sagte Balveny; »hier, hau' mir mit deinem Messer dieses Mannes goldene Sporen von seinen Fersen – und nun, John Ramorny, bist du nicht mehr ein Ritter, sondern ein Schurke – zum Strang' mit ihm, Profoß! hängt ihn zwischen seine Gefährten, und wo möglich höher als sie.«
Eine Viertelstunde nachher ging Balveny hinab, um Douglas zu sagen, daß die Verbrecher hingerichtet wären.
»Dann hat die Untersuchung keinen weitern Nutzen,« sagte der Graf. »Was meint Ihr, liebe Männer des Gerichts, waren jene Leute des Hochverraths schuldig? ja oder nein?«
»Schuldig!« rief das nachträgliche Gericht mit erbaulicher Einmüthigkeit; »wir brauchen kein weiteres Zeugniß.«
»Laßt trompeten, und dann zu Roß nur mit unserm Gefolge; und laßt Jedermann über das hier Vorgegangene schweigen, bis das Verfahren dem König vorgelegt ist, was nicht füglich geschehen kann, bevor der Kampf am Palmsonntag gefochten und beendigt ist. Wählt unser Gefolge und sagt, daß Jeder, der, mag er mit uns gehen oder hier bleiben, plaudert, sterben muß.«
Nach wenigen Minuten saß Douglas zu Pferde, nebst dem für seine Person erwählten Gefolge. Boten wurden an seine Tochter, die verwittwete Herzogin von Rothsay, mit der Weisung geschickt, sie solle ihren Weg nach Perth nehmen, über die Küste von Lochleven, ohne sich Falkland zu nähern; zugleich wurden ihrer Obhut Katharina Glover und die Sängerin übergeben, als Personen, deren Sicherheit er wünschte.
Als sie durch den Wald ritten, sahen sie zurück und betrachteten die drei hängenden Körper, die gleich Flecken die Mauern des alten Schlosses verdunkelten.
»Die Hand ist gestraft,« sagte Douglas; »aber wer wird den Kopf anklagen, auf dessen Weisung die That verübt ward?«
»Ihr meint den Herzog von Albany?« sagte Balveny.
»Ja, Vetter; und hörte ich auf die Mahnungen meines Herzens, so würde ich ihn der That beschuldigen, die er, wie ich überzeugt bin, angab. Aber es ist kein Beweis da, außer starkem Verdacht, und Albany hat die zahlreichen Freunde des Hauses Stuart an sich gefesselt, denen allerdings die Schwachheit des Königs und die lüderlichen Sitten Rothsay's keinen andern Führer übrig ließen. Breche ich daher das Band, welches mich seit Kurzem mit Albany verknüpft, so ist die Folge ein Bürgerkrieg, das Verderblichste für das arme Schottland, so lang' es ein Einfall des thätigen Percy bedroht, dem die Verrätherei March's Vorschub leistet. Nein, Balveny, – die Strafe Albany's muß dem Himmel bleiben, der zu seiner Zeit ihn und sein Haus richten wird.«
Dreiunddreißigstes Kapitel
Die Stund ist nah'; ein jedes Schwert
Ist scharf, die Herzen schlagen;
Wer sterben kann, wer Flucht begehrt:
Das Morgenlicht wird's sagen.
Sir Edwald.
Wir müssen nun unsere Leser erinnern, daß Simon Glover und seine schöne Tochter aus ihrer Wohnung geeilt waren, ohne Zeit zu haben, Harry Schmied ihren Abschied oder den beunruhigenden Grund desselben zu melden. Als daher der Liebende am Morgen nach ihrer Flucht in Curfewstreet erschien, empfieng er statt des herzlichen Willkomms des ehrsamen Bürgers und des halb fröhlichen, halb tadelnden Aprilgrußes, der ihm von Seiten der lieblichen Tochter versprochen war, nur die niederschlagende Kunde, sie sei mit ihrem Vater auf Befehl eines Fremden, der sich sorgfältig vermummt gehalten habe, früh abgereist. Dann gefiel es Dorotheen, deren Talente für Erzählung von Unglücksfällen und Mittheilungen ihrer Ansichten hierüber der Leser schon kennt, noch beizufügen, sie zweifle nicht, daß ihr Herr und ihre junge Gebieterin in's Hochland gereist seien, um einen Besuch zu vermeiden, der ihnen seit ihrer Abreise von einigen Gerichtsdienern gemacht worden sei, die im Namen eines vom König niedergesetzten Gerichtshofes das Haus durchsucht, alle Behältnisse, von denen man dachte, sie könnten Papiere enthalten, versiegelt, und gerichtliche Vorladungen für Vater und Tochter hinterlassen hätten, an einem bestimmten Tage, bei Strafe des Bannes, vor dem Gerichtshofe zu erscheinen. Alle diese beunruhigenden Nachrichten bemühte sich Dorothee in den düstersten Farben zu malen, und der einzige Trost, den sie dem geängstigten Liebhaber gab, war der, daß sie ihm sagte, ihr Herr habe ihr aufgetragen, ihm zu sagen, er möchte ruhig in Perth bleiben, und er würde bald Kunde von ihnen erhalten. Dies hintertrieb des Schmieds ersten Entschluß, ihnen sogleich nach den Hochlanden zu folgen und Theil an dem Schicksale zu nehmen, welches ihnen drohen möchte.
Als er sich aber seiner öfteren Fehden mit mehreren aus dem Clan Quhele erinnerte und besonders seines persönlichen Zwistes mit Conachar, der nun zu einem ersten Häuptling erhoben war, konnte er bei näherer Ueberlegung nur glauben, daß sein Eindringen in ihre Zufluchtsstätte wahrscheinlich eher die Sicherheit, deren sie sich sonst dort erfreuen konnten, stören, als ihnen nützlich sein möchte. Simons Freundschaft mit dem Häuptling des Clans Quhele war ihm wohlbekannt, und er vermuthete mit Recht, der Handschuhmacher werde dort einen Schutz finden, den seine eigene Ankunft nur stören konnte, da seine Hitze ihn ohne Zweifel in einen Streit mit dem ganzen Clan zorniger Hochländer verwickeln würde.
Zugleich schlug sein Herz vor Unwillen, wenn er dachte, daß Katharina nun ganz in der Gewalt des jungen Conachar sei, der gewißlich sein Nebenbuhler war, und nun so viele Mittel hatte, seine Bewerbung zu unterstützen. Wie, wenn der junge Häuptling die Sicherheit des Vaters von der Gunst der Tochter abhängig machte! Er setzte kein Mißtrauen in Katharinens Liebe, aber ihre Denkart war so uneigennützig und ihre Liebe zu ihrem Vater so innig, daß, wenn ihre Liebe gegen seine Sicherheit oder vielleicht sein Leben in die Wage gelegt würde, ein schwerer und schrecklicher Zweifel waltete, ob erstere sich nicht als zu leicht bewähren möchte. Von Gedanken gequält, bei denen wir nicht verweilen dürfen, beschloß er daher, zu Hause zu bleiben, seine Angst so gut als möglich zu unterdrücken und die versprochene Nachricht von dem Alten zu erwarten. Sie kam, befreite ihn aber nicht von seiner Besorgniß.
Sir Patrick Charteris hatte das Versprechen nicht vergessen, dem Schmied den Plan der Flüchtlinge mitzutheilen. Aber bei dem Getümmel, welches die Bewegungen der Truppen veranlaßte, konnte er die Nachricht nicht selbst überbringen. Er vertraute daher seinem Geschäftsträger, Kitt Henschaw, das Geschäft an. Aber dieser würdige Mann war, wie der Leser weiß, von Ramorny gewonnen, dem daran lag, Jedermann, besonders aber einem so thätigen und kühnen Liebhaber, wie Harry, den wahren Aufenthalt Katharinens zu verbergen. Henschaw sagte daher dem geängstigten Schmied, sein Freund, der Handschuhmacher, sei sicher in den Hochlanden, und obwohl er von Katharina etwas zurückhaltender sprach, sagte er doch wenig, was der Meinung widersprechen konnte, sie theile, gleich Simon, den Schutz des Clans Quhele. Aber er wiederholte im Namen Sir Patricks die Versicherung, daß Vater und Tochter sich wohlbefänden, und Harry für sein eigenes Interesse und ihre Sicherheit am besten sorgen würde, wenn er ruhig bliebe, und den Lauf der Begebenheiten abwartete.
Daher beschloß Harry Gow geängstigten Herzens ruhig zu bleiben, bis er gewissere Nachricht erhalten würde, und beschäftigte sich mit der Vollendung eines Panzerhemdes, welches das härteste und polirteste sein sollte, das seine geschickten Hände je verfertigt hatten. Diese Uebung seiner Kunst gefiel ihm besser, als irgend etwas Anderes, das er hätte treiben können, und diente ihm zur Entschuldigung dafür, daß er sich in seiner Werkstatt einschloß und die Gesellschaft mied, in welcher täglich müßige Gerüchte umliefen, die ihn nur in Verlegenheit setzen und verwirren konnten. Er beschloß, auf Simons Achtung, auf die Treue seiner Tochter und die Freundschaft des Oberrichters zu vertrauen, der seine Tapferkeit im Kampfe mit Bonthron so sehr lobte, und von dem er glaubte, er würde ihn in dieser äußersten Noth nicht verlassen; die Zeit ging jedoch Tag für Tag hin, und erst als der Palmsonntag nahe war, gedachte Sir Patrick Charteris, da er wegen einiger Anordnungen zu dem bevorstehenden Kampfe nach Perth geritten war, dem Schmied vom Wynd einen Besuch zu machen.