»Und am heutigen Tage,« sagte Harry mit derselben verächtlichen Gleichgültigkeit, »bitt' ich Euch, mir aus dem Lichte zu gehen.«
»Ihr seid ein unhöflicher Mann; aber sie selbst ist auch Fir nan ord [ein Mann des Hammers]; und sie weiß, der Schmied ist trotzig, wenn das Eisen heiß ist.«
»Wenn sie selbst ein Hammermann ist, so kann sie ihren Harnisch selber machen,« bemerkte Harry.
»Und sie selbst würde das thun, und Euch nimmer um die Sache angehen; aber man sagt, Gow Chrom, Ihr pfeift und singt Weisen über die Schwerter und Harnische, die Ihr schmiedet, welche solche Kraft haben, daß die Klingen Stahl durchhauen, wie Papier, und Panzer und Harnisch Stahllanzen zurückweisen, als wären es Nadeln.«
»Man sagt Eurer Unwissenheit allen Unsinn, den Christenmenschen nicht glauben mögen,« sagte Harry. »Ich pfeife bei meinem Werk, was mir einfällt, wie ein ehrlicher Handwerksmann, und gewöhnlich ist es die Hochlandsweise: Hoch auf die Houghmansstufen [Galgen]! Mein Hammer geht von selber nach dieser Weise.«
»Freund, es ist müssig Spiel, ein Roß zu spornen, wenn seine Beine gefesselt sind,« sagte der Hochländer stolz. »Sie selbst kann gerade jetzt nicht fechten und also ist's nicht artig, sie so zu reizen.«
»Bei Nagel und Hammer, da habt Ihr Recht,« sagte der Schmied, seinen Ton ändernd. »Aber sagt es heraus, Freund, was ist's, was Ihr von mir haben wollt? Ich habe nicht Lust, zu plaudern.«
»Einen Harnisch für ihren Häuptling, Eachin Mac Jan,« sagte der Hochländer.
»Ihr seid ein Hammermann, sagt Ihr? Versteht Ihr Etwas davon?« sagte unser Schmied, den Harnisch aus einem Kasten hervorholend, womit er sich in der letzten Zeit beschäftigt hatte.
Der Gäler betrachtete ihn mit einer Verwunderung, die mit etwas Neid gemischt war. Neugierig betrachtete er jeden Theil des Werkes, und endlich erklärte er es für das beste Waffenstück, welches er je gesehen.
»Hundert Kühe und Stiere und eine gute Heerde Schafe würde Euch ein zu leichtes Gebot sein?« sagte der Hochländer, um einen Versuch zu machen; »aber sie selbst wird dir nicht weniger bieten, komme sie dazu wie sie wolle.
»Es ist ein schönes Gebot,« erwiderte Harry; »aber Gold und Gut erkauft diesen Harnisch nicht. Ich muß mein eigenes Schwert an meiner eigenen Rüstung versuchen können; und ich gebe dieses Stahlkleid Keinem, als wer mir im freien Felde auf drei Hiebe und einen Stoß stehen will; auf diese Bedingungen gehört sie Eurem Häuptling.«
»Oho, Mann – nehmt einen Trunk und geht zu Bett«, sagte der Hochländer mit großer Verachtung. »Seid Ihr toll? Meint Ihr, der Häuptling des Clans Quhele würde kämpfen und balgen mit einem niedrigen Perther Bürgerleib wie Ihr? Still, Mann, und hört. Sie selbst will Euch mehr Ehre anthun, als Eurem Geschlecht je gebührte. Sie selbst will mit Euch um den schönen Harnisch fechten.«
»Sie muß erst beweisen, daß sie mir gleich ist,« sagte Harry mit spöttischem Lächeln.
»Wie, ich, Einer von Eachin Mac Jans Leibwache, und dir nicht gleich?«
»Ihr könnt mich versuchen, wenn Ihr wollt. Ihr sagt, Ihr seid ein Fir nan ord – wißt Ihr, wie man einen Schmiedehammer wirft?«
»Ei, freilich – fragt Ihr den Adler, ob er über den Ferragon fliegen kann?«
»Aber bevor Ihr mit mir streitet, müßt Ihr erst einen Wurf mit Einem von meiner Leibwache versuchen. – Dunter, stelle dich für die Ehre von Perth! – Und nun, Hochländer, da steht eine Reihe Hämmer – nimm, welchen du willst, und laß uns zum Garten gehen.«
Der Hochländer, der Norman nan Ord oder Normann vom Hammer hieß, bewies sein Recht zu diesem Titel, indem er den größten Hammer wählte, worüber Harry lächelte. Dunter, der starke Gefährte des Schmieds, that, was man einen ungeheuren Wurf nennt; aber der Hochländer, der sich verzweifelt anstrengte, warf einige Fuß weiter und sah Harry mit triumphirender Miene an, worüber dieser wieder lächelte.
»Wollt Ihr's besser machen?« sagte der Gäle, dem Schmied den Hammer bietend.
»Nicht mit diesem kindischen Spielzeug,« sagte Harry, »was kaum Gewicht genug hat um gegen den Wind zu fliegen. – Janniken, hole meinen Simson; oder helf' Einer von Euch dem Jungen, denn Simson ist etwas schwer.«
Der jetzt beigebrachte Hammer war um die Hälfte schwerer als jener, den der Hochländer schon von ungewöhnlichem Gewicht erwählt hatte. Norman stand erstaunt; aber noch mehr war er's, als Harry seine Stellung nahm, das gewichtige Stück weit hinter seine Hüfte schwang und seiner Hand entgleiten ließ, als würd' es von einer Wurfmaschine geschleudert. Die Luft stöhnte und pfiff, während die Masse hindurch flog. Endlich fiel sie nieder und das Eisen einen Fuß tief in die Erde, eine volle Elle jenseits des Wurfes von Norman.
Der gedemüthigte und besiegte Hochländer ging zu dem Orte, wo die Waffe lag, hob sie auf, wog sie staunend in der Hand und prüfte sie genau, als erwartete er mehr, als einen gewöhnlichen Hammer darin zu entdecken. Endlich kehrte er mit melancholischem Lächeln zum Eigenthümer zurück, achselzuckend und kopfschüttelnd, als der Schmied ihn fragte, ob er seinen Wurf nicht übertreffen wolle.
»Norman hat bei dem Spiele bereits zu viel verloren,« erwiderte er. »Sie hat ihren eignen Namen, der Hammerer, verloren. Aber arbeitet Ihr selbst, der Gow Chrom, auf dem Ambos mit dieser Pferdelast Eisen?«
»Ihr werdet sehen, Bruder,« sagte Harry, nach der Schmiede vorangehend. »Dunter,« sagte er, »zieh' mir diese Stange aus dem Ofen;« und Simson erhebend, wie er den ungeheuren Hammer nannte, bog er das Metall mit hundert Streichen von der Rechten zur Linken, – jetzt mit der rechten Hand, jetzt mit der linken, dann mit beiden, mit so viel Kraft und Geschick, daß er ein kleines, aber schön geformtes Hufeisen in der Hälfte der Zeit vollendete, die ein gewöhnlicher Schmied mit einem bequemen Werkzeuge gebraucht hätte.
»Ei, ei!« sagte der Hochländer, »und warum wolltet Ihr mit unserm jungen Häuptling fechten, der weit über Euern Stand ist, wenn Ihr auch der beste Schmied seid, der je mit Wind und Feuer arbeitete?«
»Hört an!« sagte Harry – »Ihr scheint ein guter Bursche, und ich will Euch die Wahrheit sagen: Euer Herr hat mich beleidigt, und ich gebe ihm diesen Harnisch umsonst, wenn er mit mir kämpfen will.«
»Ei, wenn er Euch beleidigt hat, muß er sich Euch stellen,« sagte der Leibgardist. »Einen Mann beleidigen, das nimmt die Adlerfeder von des Häuptlings Mütze, und wäre er der Erste in den Hochlanden, was Eachin allerdings ist, er müßte mit dem Manne fechten, den er beleidigt hat, oder es fällt eine Rose aus seinem Kranze.«
»Wollt Ihr ihn dazu bewegen,« sagte Harry, »nach dem Kampfe am Sonntag?«
»O, sie selbst wird ihr Bestes thun, wenn die Falken nicht die Gebeine ihrer selbst abzufressen bekommen; denn Ihr müßt wissen, Bruder, daß Clan Chattans Klauen sehr tief bohren.«
»Auf diese Bedingung gehört die Rüstung Eurem Häuptling,« sagte Harry; »aber ich will ihn vor König und Hof entehren, wenn er den Preis nicht zahlt.«
»Keine Furcht, keine Furcht; ich selbst will ihn zum Kampfe führen,« sagte Norman; »gewißlich.«
»Ihr werdet mir einen Gefallen thun,« erwiderte Harry; »und damit Ihr Eures Versprechens gedenken mögt, will ich Euch diesen Dolch schenken. Seht – wenn Ihr ihn gehörig gebraucht und zwischen Harnisch und Kragen Eures Feindes setzt, so wird der Wundarzt unnöthig sein.«
Der Hochländer war verschwenderisch mit seinen Danksagungen und nahm Abschied.
»Ich hab' ihm den besten Harnisch gegeben, den ich je machte,« sagte der Schmied, seine Freigebigkeit fast bereuend, »und zwar für den armseligen Preis, daß er seinen Häuptling auf einen Kampfplatz mit mir bringen will; dann mag Katharina dem gehören, der sie tapfer gewinnen kann. Aber sehr fürcht' ich, der Jüngling wird einen Ausweg finden, er müßte denn am Palmsonntag solches Glück haben, daß er einen zweiten Kampf wagt. Das ist indeß eine Hoffnung; denn schon oft hab' ich einen unreifen Burschen nach seinem ersten Kampfe emporschießen sehen, von einem Zwerge zu einem Riesentödter.«