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So erwartete Harry mit wenig Hoffnung aber größter Entschlossenheit die Zeit, die sein Schicksal entscheiden sollte. Was ihn das Schlimmste besorgen ließ, war das Schweigen des Handschuhmachers und seiner Tochter. »Sie schämen sich,« sagte er, »mir die Wahrheit zu gestehen und daher schweigen sie.«

Am Freitag Mittag kamen die beiden Schaaren, jede dreißig Mann stark, welche die streitenden Clans vertraten, bei den verschiedenen Punkten an, wo sie zur Erholung Halt machen sollten.

Der Clan Quhele wurde gastlich in der reichen Abtei Scone bewirthet, während der Oberrichter die Gegner in seinem Schlosse Kinfauns aufnahm. Die äußerste Sorgfalt ward angewendet, um beide Parteien mit der pünktlichsten Aufmerksamkeit zu behandeln und keinen Anlaß zu geben, daß sie sich über Parteilichkeit beklagen könnten. Alle Punkte der Etikette wurden indessen von dem Lord Großconnetable, Grafen Errol, und dem Grafen von Crawford geordnet, indem Ersterer für den Clan Chattan sprach, während der Letztere des Clans Quhele Vertreter war. Boten gingen beständig von dem einen Grafen zum andern, und sie hielten mehr als sechs Zusammenkünfte in dreißig Stunden, ehe das Ceremoniel des Kampfes vollständig geordnet werden konnte.

Unterdessen befahl, für den Fall einer Erneuerung alten Streites, wozu viel Samen zwischen den Bürgern und ihren hochländischen Nachbarn vorhanden war, eine Bekanntmachung den Bürgern, sich nicht über eine halbe Meile dem Orte zu nähern, wo die Hochländer einquartiert waren, während hinsichtlich der Letztern die bestimmten Streiter genöthigt waren, eine Annäherung an Perth ohne besondere Erlaubniß zu meiden. Truppen waren zur Vollziehung des Befehls aufgestellt, die ihre Pflicht so gewissenhaft thaten, daß sie selbst Simon Glover, einen ächten Bürger von Perth, hinderten in die Stadt zu kommen, weil er gestand, mit Eachin Mac Jan's Kämpfern angelangt zu sein und ein Plaid nach ihrem Muster trug. Dies machte es dem Handschuhmacher unmöglich, Harry Wynd aufzusuchen und ihn von Allem, was seit ihrer Trennung vorgegangen, genau zu unterrichten; ein Gespräch, dessen Stattfinden das Ende unserer Erzählung wesentlich geändert haben würde.

Am Sonnabend Nachmittag kam noch Jemand an, der die Stadt fast ebensosehr interessirte, als die Vorbereitungen zum bevorstehenden Kampfe. Dies war der Graf von Douglas, der durch die Stadt ritt mit einer Schaar von nur dreißig Reitern, von denen aber Alle Ritter und Herren des ersten Ranges waren. Aller Augen folgten diesem gefürchteten Grafen, wie man den Flug des Adlers durch die Wolken verfolgt, unfähig, den Lauf von Jupiters königlichem Vogel zu erkennen, aber schweigend, aufmerksam und so ernst in der Betrachtung, als könnte man den Grund errathen, warum er am Firmamente dahin eilt. Er ritt langsam durch die Stadt und zog durch das nördliche Thor hinaus. Am Dominikanerkloster stieg er ab und verlangte den Herzog von Albany zu sehen. Der Graf wurde sogleich eingeführt und vom Herzog auf eine Weise empfangen, die einnehmend und gefällig sein sollte, aber beim ersten Anblick Verstellung und Unruhe verrieth. Nachdem die ersten Begrüßungen vorüber, sagte der Graf mit großem Ernst: »Ich bringe Euch traurige Nachrichten. Euer königlicher Neffe, der Herzog von Rothsay, ist nicht mehr, und ich fürchte, er ist durch schändliche Anschläge zu Grunde gegangen.«

»Anschläge!« sagte der Herzog verwirrt, »was für Anschläge? – Wer wagt Anschläge gegen den Erben des schottischen Thrones?«

»Es ist nicht meine Sache, diese Zweifel zu erklären,« sagte Douglas – aber die Leute sagen, der Adler ward mit einem Pfeil getödtet, der mit seiner eigenen Schwinge befiedert war, und der Eichstamm ward durch einen Keil des nämlichen Holzes gespalten.«

»Graf von Douglas,« sagte der Herzog von Albany, »ich verstehe keine Räthsel.«

»Und ich gebe keine aus,« sagte Douglas hochfahrend. »Eure Hoheit wird Umstände in diesen Papieren finden, die des Durchlesens werth sind. Ich will eine halbe Stunde nach dem Klostergarten gehen und dann wieder zu Euch kommen.«

»Ihr geht nicht zum König, Mylord?« fragte Albany.

»Nein,« antwortete Douglas; »ich hoffe, Eure Hoheit wird mir beistimmen, daß wir dies große Familienunglück unserem Monarchen verbergen, bis die Sache des morgenden Tages entschieden ist.«

»Gern stimm' ich bei,« sagte Albany. »Wenn der König von diesem Verluste hörte, könnte er nicht Zeuge des Kampfes sein; und wenn er nicht in Person erscheint, werden die Leute sich wahrscheinlich weigern zu fechten, und die ganze Sache ist aufgelöst. Ich bitte, setzt Euch, Mylord, während ich diese traurigen Papiere in Betreff des armen Rothsay lese.«

Er ging die Papiere in seinen Händen durch, einige flüchtig überlaufend und auf andern weilend, wie wenn ihr Inhalt von größter Wichtigkeit wäre. Als er fast eine Viertelstunde auf diese Weise zugebracht hatte, erhob er die Augen und sagte sehr ernst: »In diesen höchst traurigen Dokumenten ist wenigstens der Trost, daß ich nichts darin sehen kann, was die Spaltungen im Staatsrath erneuern dürfte, die durch den letzten feierlichen Vertrag zwischen Eurer Herrlichkeit und mir beigelegt wurden. Mein Unglücklicher Neffe sollte demzufolge bei Seite gebracht werden, bis die Zeit ihm mehr Ernst und Urtheilskraft gäbe. Er ist jetzt durch das Schicksal entfernt, das unserer Absicht hierbei zuvorkam und unser Handeln unnöthig machte.«

»Wenn Eure Hoheit,« erwiderte der Graf, »nichts sieht, was das gute Einverständniß zwischen uns stört, auf dem die Ruhe und Sicherheit Schottlands beruht, so bin ich kein so schlechter Freund meines Vaterlandes, um dergleichen zu suchen.«

»Ich versteh' Euch nicht, Mylord von Douglas,« sagte Albany schnell. »Ihr urtheilt zu rasch, wenn Ihr meint, ich würde mich von Eurer Herrlichkeit beleidigt fühlen, weil Ihr Eure Macht als Statthalter gebrauchtet, und die elenden Mörder auf meinem Gebiete zu Falkland straftet. Glaubt, ich bin vielmehr Eurer Herrlichkeit Dank schuldig, daß Ihr mir die Bestrafung der Elenden abnahmt, da es mir das Herz gebrochen hätte, sie nur zu sehen. Das schottische Parlament wird ohne Zweifel ihre ruchlose That untersuchen, und glücklich schätz' ich mich, daß das Racheschwert in der Hand eines so gewichtigen Mannes, wie Eure Herrlichkeit, war. Unser Beschluß ging, wie Ihr Euch erinnern werdet, nur bis zum Vorschlag der Haft unseres unglücklichen Neffen, bis einige Jahre ihn Klugheit gelehrt hätten.«

»Dies war allerdings Eurer Hoheit Vorschlag, wie er mir ausgedrückt wurde,« sagte der Graf; »das kann ich bezeugen.«

»Nun, edler Graf, dann kann uns kein Tadel treffen, weil Schurken zu ihrem eigenen rachsüchtigen Zwecke unserer guten Absicht ein Ziel gesetzt haben.«

»Das Parlament wird nach seiner Weisheit entscheiden,« sagte Douglas. »Was mich anlangt, mein Gewissen spricht mich frei.«

»Und meines beruhigt mich,« sagte der Herzog feierlich. »Nun, Mylord, was die Vormundschaft des Knaben Jakob anlangt, der seines Vaters Erbe sein soll, wie steht es damit?«

»Der König muß das entscheiden,« sagte Douglas, den das Gespräch ungeduldig machte. »Meinetwegen wohne er, wo es sei, nur nicht zu Stirling, Doune oder Falkland.«

Damit verließ er das Gemach sofort.

»Er ist fort,« murmelte der schlaue Albany, »und er muß mein Verbündeter sein – doch er fühlt sich geneigt, mein Todfeind zu werden. Gleichviel – Rothsay schläft bei seinen Vätern – Jakob kann bald folgen, und dann – vergütet eine Krone meine Verlegenheiten.«

Vierunddreißigstes Kapitel

– Dreißig gegen Dreißig fochten in Schranken