Die Herolde schritten vor, gingen halb um die Schranken herum und hielten von Zeit zu Zeit still, um nach dem erhaltenen Befehl den Aufruf hören zu lassen, ohne daß sich bei irgend Jemand die mindeste Neigung zu zeigen schien, der Werbung folgen zu wollen. Einige spotteten über die Armseligkeit der Hochländer, die einen so niedrigen Preis für einen so verzweifelten Dienst boten. Andere waren unwillig, daß sie das Blut der Bürger so niedrig anschlugen. Keiner zeigte die mindeste Neigung, das Anerbieten anzunehmen, bis der Lärm des Ausrufers Harry vom Wynd erreichte, der, von Zeit zu Zeit mit dem Bailie Craigdallie sprechend, oder vielmehr zerstreut anhörend, was ihm diese Magistratsperson erzählte, an den Schranken stand.
»Ha! was rufen sie aus?« rief er.
»Ein freigebiges Anerbieten von Seiten Mac Gillie Chattanachs,« sagte der Wirth aus dem Greif; »derselbe bietet eine Goldkrone Jedem, der es heute mit der wilden Katze halten und sich in ihrem Dienst ein Bißchen todtschlagen lassen will! Das ist Alles.«
»Wie!« rief der Schmied eifrig, »fordern sie einen Mann, um gegen den Clan Quhele zu fechten?«
»Ja, das thun sie wahrhaftig,« sagte Greif; »aber ich denke, solche Narren werden sie in Perth nicht finden.«
Er hatte das Wort bereits gesagt, als er sah, wie der Schmied mit einem Sprunge in den Schranken stand und sagte: »Hier bin ich, Sir Herold, Harry vom Wynd, bereit zum Kampfe auf Seiten des Clans Chattan.«
Ein Schrei der Verwunderung lief durch die Menge, während die ersten Bürger nicht den geringsten Grund finden konnten für Harry's Benehmen, und daher schlossen, sein Kopf müsse ganz verdreht vor Kampflust sein. Der Oberrichter war besonders betroffen. »Du bist toll!« sagte er, »Harry! Du hast weder ein zweihändiges Schwert, noch Panzer.«
»Freilich nicht,« sagte Harry, »denn ich trennte mich von einem Panzer, den ich für mich gemacht, und ließ ihn jenem hübschen Häuptling des Clans Quhele, der bald auf seinen Schultern fühlen soll, mit was für Hieben ich an meinen Ringen rassele! Was das zweihändige Schwert anlangt, so wird mir dieser Kindersäbel genügen, bis ich mir eine schwerere Waffe erbeute.«
»Das darf nicht geschehen,« sagte Errol. »Hör', Waffenschmied, bei St. Maria, du sollst meinen Mailänder Harnisch und mein gutes spanisches Schwert haben.«
»Ich danke Eurer Herrlichkeit, Sir Gilbert Ray; aber die Wehr, womit Euer tapferer Ahn die Schlacht von Loncarty gewann, würde mir wohl auch genügen. Ich bin wenig gewöhnt an Schwert oder Harnisch, die ich nicht selber gemacht habe, weil ich nicht genau weiß, welche Hiebe der Eine aushält, ohne zu brechen, oder der Andere austheilt, ohne zu springen.«
Der Lärm hatte sich unterdessen unter der Menge verbreitet und war in die Stadt gedrungen, daß der tapfere Schmied im Begriff sei, ohne Rüstung zu fechten, als, just wie sich die verhängnißvolle Stunde näherte, der gellende Schrei eines Weibes gehört ward, welches sich schreiend durch die Menge drängte. Das Volk gab ihrer Zudringlichkeit Raum und sie trat, athemlos vor Eile, unter der Last eines Harnisches und großen zweihändigen Schwertes heran. Man erkannte bald Oliver Proudfute's Wittwe, und die Rüstung, die sie trug, war Harry Schmieds eigene, die ihr Gatte an dem armseligen Abend seiner Ermordung getragen, die natürlich mit dem Leichnam nach Hause gebracht worden war, und die nun durch die Anstrengungen der dankbaren Wittwe in dem Augenblick in die Schranken gebracht wurde, da so erprobte Waffen sehr wichtig für ihren Besitzer waren. Harry empfing mit Vergnügen die wohlbekannte Rüstung, und die Wittwe nahm, nachdem sie zitternd vor Hast sie ihm anlegen geholfen, mit den Worten Abschied: »Gott mit dem Kämpfer für Wittwen und Waisen, und Unglück Allen, die ihm entgegenstehen!«
Sich vertrauensvoll in seiner wohlerprobten Rüstung fühlend, schüttelte sich Harry, als wollte er das Stahlkleid am Körper anschmiegen lassen, und das große zweihändige Schwert entblößend, schwang er es über seinem Kopfe, die Luft, welche dabei pfiff, in Form einer Achte durchschneidend, und zwar mit so leichter und gewandter Hand, daß man sah, wie kräftig und geschickt er die gewichtige Waffe zu führen verstand. Die Kämpfer erhielten nun Befehl, in Ordnung um die Schranken zu ziehen, so jedoch, daß sie einander nicht begegneten, während sie, bei der goldenen Laube, wo der König saß, vorübergehend, sich verbeugten.
Während dieser Zug Statt fand, verglichen die meisten Zuschauer wieder neugierig die Gestalt, Glieder und Sehnen der beiden Parteien und bemühten sich, den wahrscheinlichen Ausgang des Streites vorauszusagen. Eine hundertjährige Fehde, mit all ihren Angriffen und Wiedervergeltungen, concentrirte sich im Busen eines jeden Streiters. Ihre Mienen schienen zum wildesten Ausdruck des Stolzes, Hasses und des verzweifelten Entschlusses, bis auf's Aeußerste zu kämpfen, gebracht zu sein.
Die Zuschauer murmelten freudig Beifall, in hochgespannter Erwartung des blutigen Spieles. Wetten wurden geboten und angenommen über den Streit im Allgemeinen und die Thaten einzelner Kämpfer. Der helle, freie und stolze Blick Harry Schmieds machte ihn zum Liebling aller Anwesenden, und ungleiche Wetten wurden darauf eingegangen, daß er drei Gegner tödten würde, ehe er selbst fiele. Kaum war der Schmied zum Kampfe gerüstet, als der Befehl der Anführer die Kämpfer an ihre Plätze stellte, und in demselben Augenblick hörte er Simon Glovers Stimme aus dem Volke, das vor Erwartung schwieg, rufen : »Harry Schmied, Harry Schmied, welcher Wahnsinn hat dich befallen?«
»Ja, er will seinen hoffnungsvollen Schwiegersohn retten, das heißt nämlich aus des Schmieds Händen,« war Harry's erster Gedanke – sein zweiter war, sich umzudrehen und ihn anzureden – und sein dritter, daß er unter keinem Vorwande die Schaar verlassen könnte, zu der er sich gesellt, ja, daß es auch nicht mit der Ehre verträglich sei, wenn er wünsche, das Gefecht zu verschieben.
Er wendete sich daher dem Werke dieser Stunde zu. Beide Parteien waren von ihren Häuptlingen in drei Linien, jede zu zehn Mann, getheilt. Sie waren neben einander gestellt, daß zwischen den Einzelnen immer Raum genug blieb, um ein Schwert zu schwingen, dessen Klinge, ohne den Griff, fünf Fuß lang war. Die zweite und dritte Reihe diente als Rückhalt, wenn die erste unglücklich war. Rechts in der Schlachtordnung des Clans Quhele stand der Häuptling Eachin Mac Jan, in der zweiten Reihe zwischen zweien seiner Pflegebrüder. Vier von ihnen nahmen die rechte Seite der ersten Linie ein, indeß der Vater und zwei andere Brüder den Rücken des geliebten Häuptlings deckten. Torquil besonders hielt sich ganz nahe an Eachin, um ihn zu schirmen. So stand dieser mitten unter den neun stärksten Männern seiner Schaar, indem er vier treffliche Vertheidiger vor sich, einen auf jeder Seite und drei hinter sich hatte.
Die Linien des Clans Chattan waren genau auf die nämliche Weise geordnet, nur daß der Häuptling das Centrum der mittelsten Reihe einnahm, statt zur äußersten Rechten zu stehen. Dies bewog Harry Schmied, der unter den beiden Schaaren nur einen Feind sah, und zwar den unglücklichen Eachin, vorzuschlagen, daß er in die erste Reihe des linken Flügels des Clan Chattan gestellt würde. Aber der Anführer mißbilligte dies, und nachdem er Harry erinnert hatte, daß er ihm Gehorsam schuldig sei, weil er Sold von ihm erhalte, befahl er ihm, den Platz in der dritten Linie gerade hinter ihm selbst einzunehmen, ein Ehrenplatz, den Harry nicht ablehnen konnte, obwohl er ihn mit Widerstreben einnahm.
Als die Clans so einander gegenüber aufgestellt waren, zeigten sie ihre Fehdelust und ihre Begier zum Kampfe durch ein wildes Geschrei an, welches, vom Clan Quhele ausgestoßen, der Clan Chattan zur Antwort wiederhallen ließ, indem Alle zu gleicher Zeit ihre Schwerter schüttelten und einander drohten, als wenn sie die Einbildungskraft ihrer Gegner besiegen wollten, bevor sie den Streit wirklich begönnen.