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In diesem Augenblicke der Prüfung wurde Torquil, der nie für sich selbst gefürchtet hatte, von Unruhe ergriffen, hinsichtlich seines Pflegesohnes, tröstete sich jedoch, indem er bemerkte, daß er eine entschlossene Miene zeigte, und daß die wenigen Worte, die er zu seinem Clan sprach, kühn geäußert wurden und wohlberechnet waren, sie zum Kampfe zu ermuthigen, da sie seinen Entschluß ausdrückten, ihr Schicksal zu Tod oder Sieg zu theilen. Aber es war keine Zeit zu fernerer Beobachtung. Die Trompeten des Königs tönten zum Angriff, die Sackpfeifen ließen ihre schmetternden, betäubenden Töne hören, und die Streiter, in regelmäßiger Ordnung vorschreitend und ihren Schritt bis zum schnellen Laufe beschleunigend, trafen mitten im Kampfplatze zusammen, wie ein wüthender Landstrom der nahenden Meerfluth begegnet.

Einige Augenblicke schienen die vordersten Reihen, mit ihren langen Schwertern gegen einander hauend, in einer Folge einzelner Kämpfe begriffen; aber die zweite und dritte Reihe kamen von beiden Seiten, angetrieben durch die Gier des Hasses und den Durst nach Ehre, drängten sich durch die Zwischenräume und machten die Scene zu einem lärmenden Chaos, über dem die gewaltigen Schwerter stiegen und sanken, einige immer blinkend, andere von Blut überströmt; sie schienen bei der seltsamen Schnelle, mit der sie geschwungen wurden, eher durch verwickelte Maschinen in Bewegung gesetzt, als durch Menschenhände geführt zu werden. Einige der Streiter, die sich zu sehr zusammengedrängt hatten, um diese großen Waffen zu gebrauchen, hatten bereits zu ihren Dolchen ihre Zuflucht genommen, und sich bemüht, ihren Gegnern auf den Leib zu kommen. Indessen floß eine Menge Blut, und das Stöhnen der Fallenden begann sich mit dem Geschrei der Fechtenden zu mischen, das nach der bei den Hochländern zu allen Zeiten waltenden Sitte kaum ein Geschrei, sondern mehr ein gellendes Gekreisch genannt werden konnte. Die von den Zuschauern, deren Augen an solche Blutscenen am besten gewöhnt waren, konnten jedoch keinen Vortheil aus irgend einer Seite entdecken. Der Kampf schwankte in der That in verschiedenen Zwischenräumen vorwärts und zurück; aber es war nur augenblicklicher Sieg, den die Partei, die ihn gewann, fast augenblicklich durch eine ähnliche Anstrengung der andern wieder verlor. Die wilden Töne der Pfeifen wurden noch immer unter dem Tumulte gehört und reizten die Wuth der Kämpfer.

Auf einmal bliesen jedoch, wie auf gegenseitige Uebereinkunft, die Instrumente zum Rückzug; dieser ward durch klagende Töne ausgedrückt, welche eine Todtenweise für die Gefallenen zu sein schienen. Die Parteien trennten sich von einander, um einige Minuten Athem zu schöpfen. Die Augen der Zuschauer betrachteten mit Vergnügen die zerrissenen Rüstungen der Kämpfer, als sie sich aus dem Kampfe zurückzogen; aber es war ihnen immer noch unmöglich, zu entscheiden, wer den größten Verlust erlitten hatte. Es schien, als habe der Clan Chattan weniger Leute verloren, als sein Gegner; aber dagegen zeigten die blutigen Plaids und Waffenröcke seiner Schaar (denn von beiden Seiten hatten Mehrere die Mäntel weggeworfen) mehr Verwundete, als der Clan Quhele. Ungefähr zwanzig von beiden Seiten lagen todt oder sterbend auf dem Felde; abgehauene Arme und Beine, bis auf das Rückgrat gespaltene Köpfe, tiefe Hiebe durch die Schulter bis in die Brust zeigten auf einmal die Wuth des Kampfes, die Furchtbarkeit der gebrauchten Waffe, und die verhängnißvolle Stärke der Arme, die sie führten. Der Häuptling des Clans Chattan hatte den entschlossensten Muth gezeigt und war leicht verwundet. Auch Eachin hatte, von seiner Leibwache umringt, tapfer gefochten. Sein Schwert war blutig, sein Benehmen kühn und kriegerisch, und er lächelte, als der eine Torquil ihn in die Arme schloß, und mit Lob und Segnungen überhäufte.

Die beiden Häuptlinge zogen, nachdem sie ihre Gefährten zehn Minuten lang hatten Athem schöpfen lassen, wieder in ihre Reihen auf, die fast um ein Drittel ihrer ursprünglichen Anzahl vermindert waren. Sie wählten nun ihre Stelle näher am Flusse, als wo sie zuvor einander begegnet waren, da der erste Kampfplatz mit Todten und Verwundeten bedeckt war. Einige der letzteren sah man von Zeit zu Zeit sich erheben, um dem Kampfe ein wenig zuzusehen, zurücksinken und meist an Blutverlust durch die fürchterlichen Wunden sterben, die ihnen der Claymore geschlagen hatte.

Harry Schmied zeichnete sich leicht aus durch seine Niederlandskleidung, sowie durch sein Zurückbleiben auf der Stelle, wo man zuerst gefochten hatte, und wo er, auf seinem Schwert lehnend, neben einem Leichnam stand, dessen mit der Mütze bedeckter Kopf durch die Gewalt des Hiebes, der ihn abgehauen, zehn Yards weit vom Rumpfe geschleudert war, und der das Eichenlaub, die eigenthümliche Auszeichnung der Leibwache Eachins, trug. Seit er diesen Mann erschlug, hatte Harry keinen Hieb mehr gethan, sondern sich begnügt, viele abzuwehren, die auf ihn geführt wurden, und einige, die auf den Häuptling gezielt waren. Mac Gillte Chattanach ward unruhig, als, nachdem er seinen Leuten das Zeichen sich zu ordnen gegeben hatte, dieser gewaltige Streiter fern von den Reihen blieb und wenig Neigung zeigte, sich zu ihm zu gesellen. »Was hast du, Mann?« sagte der Häuptling. »Kann ein so starker Leib einen gemeinen und feigen Geist haben? Komm und nimm am Kampfe Theil.«

»Ihr habt mich vorhin nur einen Miethling genannt,« erwiderte Harry – »bin ich ein solcher,« auf den kopflosen Leichnam deutend, »so hab' ich für meinen Tagelohn genug gethan.« »Wer mir dient, ohne die Stunden zu zählen,« erwiderte der Häuptling, »den belohn' ich, ohne die Arbeit nachzurechnen.« »Dann fecht' ich,« sagte der Schmied, »als ein Freiwilliger, und auf dem Posten, der mir am besten gefällt.«

»Das kommt Alles auf Euch an,« sagte Mac Gillie Chattanach, der es für gut hielt, einen so vielversprechenden Bundesgenossen bei Laune zu erhalten.

»Es ist genug,« sagte Harry, und seine schwere Waffe schulternd, gesellte er sich eilig zu den übrigen Streitern, und stellte sich dem Häuptling des Clans Quhele gegenüber.

Da geschah es zum ersten Male, daß Eachin einige Unsicherheit zeigte. Er hatte Harry längst als den besten Streiter betrachtet, den Perth und die Umgegend in die Schranken bringen könnte. Sein Haß gegen ihn als Gegner mischte sich mit der Erinnerung, wie leicht derselbe unlängst, obwohl unbewaffnet, seinen plötzlichen, verzweifelten Angriff vereitelt hatte, und als er ihn die Augen auf sich heften und das blutige Schwert in der Hand, offenbar auf einen Zweikampf mit ihm sinnen sah, da sank sein Muth und er zeigte ein Beben, welches seinem Pflegevater nicht entging.

Es war ein Glück für Eachin, daß Torquil in Folge seines eigenen Charakters und desjenigen der Personen, mit denen er gelebt hatte, nicht im Stande war, den Gedanken zu begreifen, daß Einer seines eigenen Stammes, und zumal sein Häuptling und Pflegesohn, Mangel an persönlichem Muthe haben könne. Hätte er dies gewußt, sein Schmerz und seine Wuth hätten ihn zum Aeußersten getrieben, Eachin das Leben zu nehmen, um ihn vor Befleckung seiner Ehre zu bewahren. Aber sein Geist verachtete den Gedanken, sein Pflegesohn könne ein Feigling sein, weil ihm dies unnatürlich und entsetzlich schien. Daß er unter dem Einfluß eines Zaubers stehe, war eine Lösung des Räthsels, die der Aberglaube eingab, und nun fragte er ängstlich und mit flüsternder Stimme Hektor: »Verdunkelt jetzt der Zauber deinen Geist, Eachin?«

»Ja; o, ich Elender!« antwortete der unglückliche Jüngling; »und dort steht der schändliche Zauberer!«

»Wie!« rief Torquil, »und du trägst einen von ihm gemachten Harnisch? – Norman, elender Bursche, warum brachtest du diesen verfluchten Panzer?«

»Wenn mein Pfeil fehlgegangen ist, so kann ich nur mein Leben hinterdrein schießen,« antwortete Norman nan Ord. »Steht fest, Ihr sollt mich den Zauber brechen sehen.«

»Ja, steh' fest,« sagte Torquil. »Er mag ein schnöder Zauberer sein; aber mein eigenes Ohr hörte und meine eigene Zunge hat es gesagt, daß Eachin die Schlacht gesund, frei und unverwundet verlassen solle – laßt uns den sächsischen Hexenmeister sehen, der das Lügen strafen kann. Er mag ein starker Mann sein, aber der schöne Stamm der Eiche soll fallen, Stock und Zweige, eh' er einen Finger an meinen Pflegesohn legt; umringt ihn, meine Söhne, – Bas air son Eachin!«