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Die Söhne Torquils riefen jauchzend die Worte nach, die bedeuten: »Tod für Hektor!«

Ermuthigt durch ihre Ergebenheit, raffte sich Eachin wieder zusammen und rief kühn den Musikern seines Clans zu: »Seid suas!« d. h. spielt auf!

Der wilde Pibroch tönte wieder zum Angriff, aber die beiden Parteien näherten sich einander langsamer, als das erste Mal, als Männer, die den gegenseitigen Muth kannten und achteten. Harry Wynd ging, in seiner Ungeduld, den Streit zu beginnen, vor den Clan Chattan voraus, und winkte Eachin, heranzukommen. Norman sprang aber vorwärts um seinen Pflegebruder zu bedecken, und es fand eine allgemeine, obwohl nur momentane Pause Statt, wie wenn beide Parteien den Ausgang dieses Zweikampfes als Vorbedeutung für das Schicksal des Tages erwarten wollten. Der Hochländer rückte vor, das Schwert hoch erhoben, als wolle er eben den Hieb führen; als er aber noch eine Schwertlänge von seinem Gegner entfernt war, warf er die lange schwere Waffe von sich, sprang leicht über des Waffenschmieds Schwert, als dieser nach ihm hieb, zog seinen Dolch und stieß, da er Harry so nahe kam, ihm diese Waffe (sein eigenes Geschenk) seitwärts nach dem Halse, indem er den Stoß abwärts nach der Brust lenkte und zu gleicher Zeit laut rief: »Ihr lehrtet mich den Stoß!«

Aber Harry Wynd trug seinen eigenen guten Harnisch, doppelt geschützt durch eine Lage harten Stahls. Wäre er minder sicher gerüstet gewesen, so waren seine Kämpfe auf ewig aus. Jetzt aber war er nur leicht verwundet.

»Narr!« erwiderte er, dem Norman mit dem Knopf seines langen Schwertes einen Hieb gebend, daß er zurücktaumelte, »ich lehrt' Euch den Stoß, aber nicht das Pariren;« und damit führte er einen Hieb auf den Gegner, der ihm durch den Helm den Schädel spaltete, und schritt über den Leichnam dem jungen Häuptling entgegen, der nun frei vor ihm stand.

Aber die kräftige Stimme Torquils donnerte: »Far eil son Eachin!« (ein Anderer für Hektor!) und die beiden Brüder, die ihres Häuptlings Seiten deckten, stürzten gegen Harry vor und zwangen ihn, indem Beide zugleich eindrangen, sich zu vertheidigen.

»Vorwärts, Stamm der Tigerkatze!« rief Mac Gillie Chattanach; »rettet den tapfern Sachsen; laßt diese Kerls eure Klauen fühlen!«

Bereits sehr verwundet schleppte sich der Häuptling hin zu des Schmieds Beistand, und hieb einen der Leibwache nieder, von dem er angegriffen ward. Harry's eigenes Schwert befreite ihn von dem andern.

»Reist air son Eachin!« (wieder für Hektor!) rief der treue Pflegevater.

»Bas air son Hektor!« (Tod für Hektor!) antworteten noch zwei seiner ergebenen Söhne, und stellten sich der Wehr des Schmiedes und derjenigen entgegen, die ihm zu Hilfe gekommen waren;

während Eachin, sich nach dem linken Flügel des Kampfes bewegend, minder furchtbare Gegner suchte, und indem er einige Tapferkeit zeigte, die sinkenden Hoffnungen seiner Gefährten wieder belebte. Die beiden Kinder der Eiche, die diese Bewegung deckten, theilten das Schicksal ihrer Brüder, denn das Geschrei des Häuptlings von Chattan hatte einige der Tapfersten auf diese Seite des Kampfes gezogen. Torquils Söhne fielen nicht ungerächt, sie hinterließen furchtbare Zeichen ihrer Schwerter an den Leibern der Lebenden und Todten. Aber die Nothwendigkeit, ihre ausgezeichnetsten Krieger um den Häuptling zu stellen, war dem allgemeinen Ausgange des Kampfes nachtheilig, und so klein war nun die Zahl, die noch focht, daß man leicht sah, der Clan Chattan habe noch fünfzehn Mann, obwohl meist verwundet, der Clan Quhele aber nur zehn, wovon vier, worunter auch Torquil, die Leibwache des Anführers bildeten.

Sie fochten und kämpften trotzdem, und so wie ihre Kraft abnahm, schien ihre Wuth zu steigen. Harry Wynd, an mehreren Stellen verwundet, war noch immer bemüht, die Schaar kühner Herzen zu durchbrechen oder zu vernichten, die um den Gegenstand seines Zornes focht. Aber immer wurde des Vaters Ruf: »ein Anderer für Hektor!« mit der verhängnißvollen Antwort freudig erwidert: »Tod für Hektor!« und obwohl der Clan Quhele nun so klein an Zahl war, schien der Kampf doch noch zweifelhaft. Es war nur körperliche Erschlaffung, die zu einer neuen Pause nöthigte.

Der Clan Chattan zählte nun noch zwölf Mann, aber zwei oder drei waren kaum fähig, zu stehen, ohne sich auf ihre Schwerter zu lehnen. Dem Clan Quhele waren fünf geblieben; Torquil und sein jüngster Sohn, Beide leicht verwundet, waren darunter. Eachin allein war bis jetzt, durch die Sorgfalt, womit alle gegen ihn gerichteten Hiebe aufgefangen wurden, noch unverletzt. Die Wuth beider Parteien war durch Erschöpfung in düstere Verzweiflung übergegangen. Sie wankten wie im Schlaf durch die Leichname der Erschlagenen, und starrten sie an, als wollten sie ihren Haß gegen die lebenden Feinde durch den Anblick der verlorenen Freunde beleben.

Bald nachher sah die Menge die Ueberlebenden des verzweifelten Kampfes sich zusammenziehen, um den Vernichtungskampf am Ufer des Flusses zu erneuen, da der Ort weniger schlüpfrig von Blut war, und minder bedeckt mit Körpern der Erschlagenen.

»Um Gottes willen – um der Gnade willen, die wir täglich erflehen,« sagte der sanftmüthige alte König zum Herzog von Albany, »laßt das enden! Warum soll man diese elenden Ueberreste der Menschheit ihre Schlächterei vollenden lassen? – Gewiß werden sie sich lenken lassen, und auf mäßige Bedingungen Frieden schließen.«

»Beruhigt Euch, mein König,« sagte sein Bruder. »Diese Leute sind die Pest des Niederlandes. Beide Häuptlinge leben noch – wenn sie unverletzt davon kommen, ist das ganze Tagewerk weggeworfen. Denkt an Euer dem Rathe gegebenes Versprechen, daß Ihr nicht Halt rufen wolltet.«

»Ihr zwingt mich zu einem großen Verbrechen, Albany, sowohl als König, der seine Unterthanen schützen sollte, wie als Christ, der seine Mitgläubigen achtet.«

»Ihr urtheilt falsch, Mylord,« sagte der Herzog; »diese sind keine liebenden Unterthanen, sondern ungehorsame Rebellen, wie Mylord von Crawford bezeugen kann; und sie sind noch weniger Christen, denn der Prior der Dominikaner wird Euch für mich versichern, daß sie mehr als halbe Heiden sind.«

Der König seufzte tief. »Ihr müßt Euren Willen haben, und seid zu weise für mich, um Euch zu bestreiten. Ich kann mich nur abwenden und meine Augen schließen vor dem Anblick und dem Getöse eines Blutbades, welches mich krank macht. Aber ich weiß wohl, daß Gott mich selbst dafür strafen wird, daß ich Zeuge dieser Verwüstung menschlichen Lebens bin.« »Tönt, Trompeten,« sagte Albany; »ihre Wunden erstarren, wenn sie länger zaudern.«

Während dies geschah, umarmte und ermuthigte Torquil seinen jungen Häuptling.

»Widersteh' der Hexerei nur noch einige Minuten! Sei guten Muthes – du wirst davonkommen ohne Wunde und Narbe, ohne Hieb oder Schaden. Sei guten Muthes!«

»Wie kann ich guten Muthes sein,« sagte Eachin, »während meine tapfern Verwandten nach einander vor meinen Füßen starben? – Alle starben für mich, der ich nimmer ihre Liebe im Geringsten verdienen konnte!«

»Und wozu sind sie geboren, außer für ihren Häuptling zu sterben?« sagte Torquil mit Fassung. »Warum klagen, daß der Pfeil nicht wieder in den Köcher zurückkehrt, wenn er nur das Ziel trifft? Sei fröhlich – hier ist Tormot und ich nur wenig verwundet, während die wilden Katzen sich durch die Ebene schleppen, als wären sie halb erwürgt von den Dachshunden – nur Einer steht noch muthig, und der Tag soll Euer sein, obwohl es sein kann, daß Ihr allein am Leben bleibt. – Spielleute, blas't zum Angriff!«

Die Pfeifer beider Parteien bliesen zum Angriff, und die Streiter mischten sich im Kampfe, zwar nicht mit derselben Kraft, aber mit ungeschwächter Hartnäckigkeit. Es gesellten sich auch die zu ihnen, deren Pflicht es war, neutral zu bleiben, die sich dazu aber nun unfähig fanden. Die beiden alten Kämpfer, welche die Fahnen trugen, waren allmälig von den äußersten Enden der Schranken vorgerückt und näherten sich jetzt dem Boden des Kampfes. Als sie das Blutbad näher sahen, wurden sie beiderseits von dem Wunsche angetrieben, ihre Brüder zu rächen oder sie nicht zu überleben. Wüthend griffen sie einander mit den Lanzen an, woran die Fahnen befestigt waren, kamen einander nach einigen tödtlichen Stößen auf den Leib, und wurden handgemein, immer ihre Fahnen tragend, bis sie in der Hitze des Streites endlich zusammen in den Tay stürzten, wo sie nach dem Gefecht, Jeder den Andern fest in die Arme drückend, gefunden wurden. Die Wuth des Kampfes, der Wahnsinn rasender Verzweiflung ergriff sofort die Spielleute. Die beiden Pfeifer, die während des Kampfes ihr Aeußerstes gethan hatten, den Muth ihrer Brüder aufrecht zu erhalten, sahen jetzt den Kampf wegen Mangels an Menschen fast geendigt. Sie warfen ihre Instrumente von sich, stürzten mit ihren Dolchen verzweifelt auf einander los, und da sich Jeder mehr bemühte, seinen Gegner niederzustoßen, als sich selber zu schützen, so wurde der Pfeifer des Clans Quhele sogleich getödtet und der des Clans Chattan tödtlich verwundet. Der Letztere ergriff trotzdem seine Pfeife, und die Weise des Clans ließ ihre schwindenden Töne über den Clan Chattan vernehmen, so lange der sterbende Pfeifer noch Athem hatte. Das Instrument, welches er gebrauchte, oder wenigstens den Theil desselben, den man den Sänger nannte, wird in der Familie eines hochländischen Häuptlings noch bis auf den heutigen Tag aufbewahrt, und wird sehr in Ehren gehalten unter dem Namen Federan Dhu oder der schwarze Sänger.