Unterdessen war im letzten Angriff der junge Tormot, geweiht, gleich seinen Brüdern, von seinem Vater Torquil dem Schutze des Häuptlings, durch das schonungslose Schwert des Schmieds tödtlich verwundet worden. Die zwei Andern, die vom Clan Quhele noch übrig, waren gleichfalls gefallen, und Torquil erzwang sich mit seinem Pflegesohn und dem verwundeten Tormot den Rückzug vor acht bis zehn vom Clan Chattan, machte am Ufer des Flusses Halt, während die Feinde sich anstrengten, sie zu überwältigen, soweit es ihre Wunden erlaubten. Torquil hatte eben die Stelle erreicht, wo er stehen wollte, als der Jüngling Tormot niederfiel und starb. Sein Tod entlockte dem Vater den ersten und einzigen Seufzer, den er an dem ganzen ereignißreichen Tage ausgestoßen hatte.
»Mein Sohn Tormot!« sagte er, »mein jüngster und liebster! Aber wenn ich Hektor rette, so rett' ich Alle. – Jetzt, mein theurer Pflegesohn, hab' ich für dich Alles gethan, was ein Mensch thun kann, außer das Letzte. Laß mich dir diese unheilvolle Rüstung abthun, und lege du die des Tormot an; sie ist leicht und wird dir wohl passen. Während du dies thust, will ich auf diese verstümmelten Menschen stürzen, und ihnen so viel als möglich zu schaffen machen. Ich glaube, ich werde nur wenig zu thun haben, denn sie folgen einander wie lahme Stiere. Wenigstens, Liebling meiner Seele, wenn ich dich nicht retten kann, zeig' ich dir doch, wie ein Mann sterben soll.«
Wahrend Torquil so sprach, löste er die Schnallen von des jungen Häuptlings Rüstung, in dem einfältigen Glauben, daß er so die Schlingen zerreißen könnte, womit Furcht und Zauberei sein Herz umfangen hatten.
»Mein Vater, mein Vater, o, mehr als mein Vater!« sagte der unglückliche Eachin. – »Bleib' bei mir! – Mit dir an meiner Seite kann ich bis auf's Aeußerste fechten.«
»Es ist unmöglich,« sagte Torquil. »Ich will die Herankommenden aufhalten, während du den Harnisch anlegst. Gott segne dich ewig, Geliebter meiner Seele!«
Darauf stürzte, sein Schwert schwingend, Torquil von der Eiche vorwärts mit demselben furchtbaren Kriegsruf, der so oft über das blutige Feld getönt hatte: » Bas air son Eachin!« – Die Worte erschallten drei Mal mit Donnerstimme, und jedesmal, wenn er seinen Kriegsruf schrie, schlug er einen vom Clan Chattan nieder, so wie er sie nach einander auf ihn zuwankend traf. – »Wackrer Kampf, Habicht! – gut geflogen, Falke!« rief die Menge, als sie die Anstrengungen sah, die noch in der letzten Stunde das Schicksal des Tages zu verändern drohten. Plötzlich schwieg das Geschrei, und es folgte darauf ein so furchtbares Schwerterklirren, als hätte der ganze Kampf sich in der Person Harry Wynds und Torquils von der Eiche erneuert. Sie hieben und stießen, als hätten sie heut' zum ersten Mal ihre Klingen gezogen, und ihre Hartnäckigkeit war gegenseitig, denn Torquil erkannte den bösen Zauberer, der seinen lieben Sohn behext hatte, und Harry sah den Riesen vor sich, der während des ganzen Kampfes die Absicht vereitelt hatte, um deren willen allein er bei der Schaar der Streitenden stand. Sie fochten mit einer Gleichheit, die vielleicht nicht stattgefunden hätte, wäre nicht Harry, etwas stärker verwundet, als sein Gegner, seiner gewohnten Behendigkeit einigermaßen beraubt gewesen.
Inzwischen ward Eachin, als er sich allein fand, und einen unordentlichen und Vergeblichen Versuch machte, seines Pflegebruders Rüstung anzulegen, durch eine Regung von Schaam und Verzweiflung ermuthigt, und eilte vorwärts, um seinem Pflegevater in dem schrecklichen Kampfe beizustehen, bevor ein Anderer vom Clan Chattan herankommen konnte. Als er noch fünf Yards entfernt und fest entschlossen war, an dem tödtlichen Gefechte Theil zu nehmen, fiel sein Pflegevater, vom Halsbein bis fast in die Brust gespalten, und murmelte mit dem letzten Athemzug: Bas airson Eachin! – Der unglückliche Jüngling sah den Fall seines letzten Freundes, und in demselben Augenblicke den Todfeind, der ihn durch den ganzen Kampf gejagt hatte, eine Schwertlänge von sich, die ungeheure Waffe schwingend, mit welcher er sich durch so viele Hindernisse den Weg zu seinem Leben gehauen hatte. Vielleicht war dies genug, um seine körperliche Sicherheit auf den höchsten Grad zu steigern, oder vielleicht erinnerte er sich in demselben Augenblicke, daß er ohne Schutzwaffen war, und daß eine feindliche Linie, zwar verwundet und langsam, aber rache- und blutgierig, heranrückte. Es genügt zu sagen, daß sein Herz ermattete, seine Augen dunkelten, seine Ohren klangen, sein Hirn schwindelte – alle anderen Gedanken gingen unter in der Furcht vor augenblicklichem Tode; und einen unwirksamen Hieb gegen den Schmied führend, vermied er den, welcher auf ihn gerichtet war, indem er rückwärts sprang, und ehe Jener seine Waffe wieder erheben konnte, hatte sich Eachin in den Taystrom gestürzt. Ein schmähendes Geschrei folgte ihm, als er über den Fluß schwamm, obwohl vielleicht nicht ein Dutzend von denen, die darein stimmten, in gleichen Umständen sich anders benommen hätten. Harry sah dem Flüchtling schweigend und staunend nach, konnte aber die Folgen seiner Flucht nicht sehen, wegen der Ohnmacht, die ihn zu überwältigen schien, sobald die Aufregung des Streites vorüber war. Er setzte sich auf das Rasenufer und bemühte sich, diejenigen seiner Wunden zu stillen, die am stärksten bluteten.
Die Sieger wurden allgemein beglückwünscht. Der Herzog von Albany und Andere gingen hinab, den Kampfplatz zu besehen, und Harry Wynd wurde mit besonderer Achtung geehrt.
»Wenn du mir folgen willst, guter Bursch',« sagte der schwarze Douglas, »so will ich deinen Ledergurt mit einem Rittergürtel vertauschen, und dein bürgerliches Besitzthum mit einem Land von hundert Pfund, um deinen Rang zu behaupten.«
»Ich danke Euch bescheidentlich, Mylord,« sagte der Schmied abweisend; »aber ich habe schon Blut genug vergossen, und der Himmel hat mich gestraft, indem ich den einzigen Zweck verfehlte, um deßwillen ich an dem Kampfe Theil nahm.«
»Wie, Freund?« sagte Douglas. »Fochtest du nicht für den Clan Chattan, und hat dieser nicht einen ruhmvollen Sieg errungen?«
» Ich focht auf meine eigene Hand,« sagte der Schmied gleichgiltig; und die Redensart ist noch sprichwörtlich in Schottland.
Der gute König Robert kam nun auf einem ruhigen Zelter heran, denn er hatte die Schranken in der Absicht betreten, um nach den Verwundeten sehen zu lassen.