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»Mylord von Douglas,« sagte er, »Ihr plagt den armen Mann mit zeitlichen Dingen, da er doch nur kurze Zeit zu haben scheint, um sich mit geistlichen zu beschäftigen. Hat er keine Freunde hier, die ihn hinbringen können, wo für seine körperlichen Wunden, so wie für das Heil seiner Seele gesorgt werden kann?«

»Er hat so viel gute Freunde, als gute Menschen in Perth sind,« sagte Sir Patrick Charteris; »und ich halte mich selbst für einen seiner genauesten Freunde.«

»Ein Bauer wittert immer den Bauer heraus,« sagte der stolze Douglas, sein Pferd seitwärts lenkend; »das Anerbieten des Ritterschlags vom Schwert des Douglas hätte ihn von den Pforten des Todes zurückgerufen, wenn ein Tropfen edlen Bluts in seinem Leibe flöße.«

Ohne den Spott des mächtigen Grafen zu beachten, stieg der Ritter von Kinfauns ab, um Harry in seine Arme zu nehmen, da er nun in wirklicher Ohnmacht zurücksank. Aber daran hinderte ihn Simon Glover, der mit andern angesehenen Bürgern jetzt in die Schranken trat.

»Harry, mein geliebter Sohn Harry!« sagte der alte Mann, »o, was verführte dein Herz zu diesem unseligen Streite! – Sterbend – sprachlos?«

»Nein – nicht sprachlos,« antwortete Harry. – »Katharina –«.

Er konnte nichts weiter hervorbringen.

»Katharina ist wohl, hoff' ich, und sie wird die Deinige – das heißt, wenn –«

»Wenn sie am Leben ist, willst du sagen, alter Mann,« sagte Douglas, der, obwohl etwas beleidigt durch Harry's Abweisen seines Anerbietens, doch zu großmüthig war, um nicht an dem Vorgehenden Antheil zu nehmen. – »Sie ist wohl, wenn Douglas' Banner sie schützen kann – wohl, und soll reich werden. Douglas kann denen Reichthum geben, die ihn mehr schätzen als Ehre.«

»Für ihre Sicherheit, Mylord, laßt den herzlichen Dank und die Segnungen eines Vaters den edlen Douglas begleiten; was Reichthum betrifft, so sind wir reich genug – Gold kann meinen geliebten Sohn nicht ersetzen.« –

»Wunderlich!« sagte der Graf – »ein gemeiner Bursch' weist den Adel von sich – ein Bürger verachtet Gold!«

»Mit Eurer Herrlichkeit Gunst,« sagte Sir Patrick, »ich, der ich Ritter und Edelmann bin, erlaube mir zu sagen, daß ein so wackerer Mann, wie Harry Wynd, Ehrentitel verachten kann – und ein so ehrenwerther Mann, wie dieser würdige Bürger, kann das Gold missen.«

»Ihr thut wohl, Sir Patrick, für Eure eigne Stadt zu sprechen, und das deut' ich nicht übel,« sagte Douglas. »Ich zwinge meine Güte Niemand auf. – Aber,« fügte er, zu Albany flüsternd, hinzu, »Eure Hoheit muß dem König diesen blutigen Anblick entziehen, denn er muß heut' Abend das wissen, was mit dem Morgengrauen über ganz Schottland schallen wird. Dieser Kampf ist beendigt. Aber selbst ich beklage, daß so viele brave Schotten erschlagen liegen, deren Schwerter in der Schlacht für ihres Vaterlandes Sache hätten entscheidend werden können.«

Mit Mühe führte man König Robert vom Kampfplatze; Thränen rannen ihm über die gefurchten Wangen und den weißen Bart, als er Alle ringsum, Edle und Priester, beschwor, daß man für die Leiber und Seelen der wenigen überlebenden Verwundeten sorgen und den Erschlagenen ein ehrenvolles Begräbniß geben möchte. Die Anwesenden versprachen mit Eifer Beides, und erfüllten ihr Wort treulich und fromm.

So endete dieser berühmte Streit auf dem nördlichen Anger von Perth. Von vierundsechzig tapfern Männern (mit Einschluß der Spielleute und Fahnenträger), die mannhaft auf das unselige Schlachtfeld geschritten waren, blieben nur sieben lebendig, die man in Sänften, in einem von den um sie her Sterbenden und Todten wenig verschiedenen Zustande, und gemischt mit ihnen in dem traurigen Zuge, welcher sie von der Scene des Kampfes führte, hinwegbrachte. Eachin allein war ohne Wunden und ohne Ehre geblieben.

Es bleibt nur übrig, zu sagen, daß kein Mann vom Clan Quhele den blutigen Kampf überlebte, außer der flüchtige Häuptling, und die Folge der Niederlage war die Auflösung ihres Bundes. Die Clans, aus denen er bestand, sind jetzt nur Gegenstand der Vermuthungen des Alterthumsforschers, denn nach diesem verhängnißvollen Streite sammelten sie sich nie wieder unter derselben Fahne. Der Clan Chattan hingegen fuhr fort zu wachsen und zu blühen, und die besten Familien der nördlichen Hochlande rühmen sich ihrer Herkunft vom Geschlecht der Bergkatze.

Fünfunddreißigstes Kapitel

Während der König langsam nach dem Kloster zurückritt, welches er damals inne hatte, fragte Albany mit beunruhigter Miene und zitternder Stimme den Grafen von Douglas: »Wird Eure Herrlichkeit nicht, da Ihr jenes traurige Schauspiel in Falkland saht, die Nachricht meinem unglücklichen Bruder mittheilen?« »Nicht um das weite Schottland,« sagte Douglas. »Lieber wollt' ich aus Schußweite vor hundert Tynedaler Bogenschützen meine Brust entblößen. Nein, bei der Heiligen von Douglas! ich könnte nur sagen, daß ich den unglücklichen Todten sah. Wie er seinen Tod fand, kann Eure Hoheit vielleicht besser erklären. Wär' es nicht um March's Aufruhr und den englischen Krieg, so würd' ich meine Meinung vielleicht aussprechen.« So sagend und sich vor dem König verbeugend, ritt der Graf fort nach seiner eigenen Wohnung und überließ es Albany, die Geschichte zu erzählen, so gut er könnte.

»Der Aufruhr und der englische Krieg!« sagte der Herzog zu sich selbst, – »ja, und dein eigenes Interesse, stolzer Graf, herrschsüchtig wie du bist, wagst du nicht von dem meinigen dich zu trennen. Nun, da das Geschäft mir zufällt, muß und will ich es vollenden.«

Er folgte dem Könige nach seinem Gemache. Der König sah ihn mit Staunen an, nachdem er seinen gewöhnlichen Sitz eingenommen.

»Dein Gesicht ist schrecklich, Robin,« sagte der König. »Ich wünschte, du überlegtest reiflicher, wenn Blut vergossen werden soll, da die Folgen dich so gewaltig angreifen. Und dennoch, Robin, liebe ich dich um so mehr, weil dein freundlicher Charakter sich bisweilen selbst durch deine überlegte Politik zeigt.«

»Ich wollte zu Gott, mein königlicher Bruder,« sagte Albany mit halberstickter Stimme, »daß das blutige Feld, welches wir sahen, das Schlimmste wäre, was wir heut' zu sehen oder zu hören hätten. Ich wollte mich wenig bekümmern wegen des wilden Volks, das dort wie Aas aufgehäuft liegt. Aber« – er hielt inne. –

»Wie!« rief der König erschreckt. – »Welch' neues Unglück? – Rothsay? – Es muß sein – ist es Rothsay? – Sprich es aus! – Welch' neue Thorheit hat er begangen? – Welches frische Unheil?«

»Mylord – mein König – Thorheit und Unheil sind nun vorbei mit meinem unglücklichen Neffen.«

»Er ist todt! – er ist todt!« rief der angsterfüllte Vater. »Albany, als dein Bruder beschwör' ich dich – aber nein, ich bin dein Bruder nicht mehr! Als dein König, finsterer, verschlagener Mann, fordre ich dich auf, das Aergste zu sagen!«

Albany stotterte: – »Die einzelnen Umstände sind mir nur unvollkommen bekannt – gewiß aber ist, daß mein unglücklicher Neffe letzte Nacht in seinem Zimmer von plötzlicher Krankheit getödtet gefunden ward – wie ich hörte.«

»O, Rothsay! – O, mein geliebter David! – Wollte Gott, ich wäre für dich gestorben – mein Sohn – mein Sohn –«

So sprach, in den begeisterten Worten der Schrift, der hilflose und beraubte Vater, seinen grauen Bart und das weiße Haar zerraufend, während Albany, sprachlos und vom Gewissen getroffen, den Sturm seines Schmerzes nicht zu unterbrechen wagte. Aber der Schmerzenskampf des Königs ging fast sogleich in Wuth über – eine Stimmung, so entgegengesetzt der Sanftheit und Schüchternheit seiner Natur, daß Albany's Gewissensbisse durch seine Furcht betäubt wurden.

»Und dies,« sagte der König, »dies ist das Ende deiner sittlichen Sprüche und religiösen Maßregeln! – Aber der bethörte Vater, der den Sohn in deine Hände gab, der das unschuldige Lamm dem Schlächter übergab, ist ein König! Und du sollst es auf deine Kosten erfahren. Soll der Mörder in Gegenwart seines Bruders stehen – befleckt mit dem Blute seines Brudersohnes? Nein! – Wer ist draußen? – Mac Louis! – Brandanen! Verrätherei! – Mord! – Zu den Waffen, wenn ihr den Stuart liebt!«