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Geierstein.« –

»Der Brief,« setzte der Engländer hinzu, »ist überschrieben: »An den Grafen Arnold von Geierstein, genannt Arnold Biedermann.« Eine Nachschrift bittet Euch, das Mädchen an den Hof des Herzogs von Burgund zu senden. – Dies, lieber Herr, scheint mir die Sprache eines stolzen Mannes zu sein, der zwischen Erinnerung an frühere Beleidigung und wiedererwachtem Pflichtgefühl schwankt. Wollt Ihr nun, das schöne, liebenswürdige Mädchen dem, wie es scheint, halsstarrigen Vater zurückgeben, ohne vorher zu fragen, was er mit ihr im Sinne hat, oder wie sie überhaupt bei ihm aufgehoben sein wird?« – Der Landammann versetzte hastig: »Das Band, das Vater und Kind verknüpft, ist das älteste und heiligste. Ich wollte das Mädchen nur nicht allein reisen lassen, sonst wäre meines Bruders Wunsch schon erfüllt. Da ich jetzt aber selbst an den Hof Karls ziehen muß, so habe ich beschlossen, Anna mitzunehmen. Da ich selbst einmal meinen Bruder sprechen will, den ich seit vielen Jahren nicht gesehen habe, so werde ich ja hören, was er mit seiner Tochter vorhat. Vielleicht kann ich ihn dazu bestimmen, daß er das Mädchen auch fernerhin bei mir läßt.«

Indem sie also miteinander sprachen, erreichten sie den Rasen vor Arnold Biedermanns Wohnung wieder, wo die Jünglinge nach beendetem Wettstreit ein Tänzchen machten. Kaum jedoch erschien der Landammann mit seinem Gaste, so war Anna, die mit dem jungen Philippson getanzt hatte, die erste, die diese Gelegenheit ergriff, den Tanz abzubrechen und sich mit ihrem Verwandten wegen einer unter ihrer Aufsicht stehenden Wirtschaftsangelegenheit zu besprechen. Philippson gewahrte, daß sein Wirt achtsam auf die Frage seiner Nicht hörte und nach seiner gewohnten freimütigen Weise mit einem Kopfnicken sein Einverständnis zu erkennen gab.

Nach dem Abendessen führte man die Gäste in ein Schlafgemach, wo Philippson und der junge Arthur ein und dasselbe Lager einzunehmen hatten, und bald darauf waren sämtliche Insassen des Hauses in tiefen Schlaf versunken

Sechstes Kapitel

Der ältere von unseren beiden Reisenden schlief, wiewohl er ein starker, an Mühsal gewöhnter Mann war, fester und länger als gewöhnlich an dem Morgen, der jetzt zu dämmern begann. Aber seinem Sohne Arthur lag etwas auf dem Herzen, das seinem Schlummer frühzeitig ein Ende machte.

Der Zweikampf mit dem kecken Schweizer, einem tüchtigen Abkömmling aus einem berühmten Kriegsstamme, war ein Geschäft, das nach den Begriffen der damaligen Zeit nicht auf die lange Bank geschoben werden durfte. Er verließ das Lager, das er mit dem Vater teilte, so behutsam wie möglich, um jenen nicht zu wecken, obgleich der Vater sich nicht weiter darüber gewundert hätte, daß sein Sohn so früh aufstand, denn das war er an ihm gewöhnt. Jedoch der alte Mann, den die Anstrengungen des gestrigen Tages ermüdet hatten, schlief fester als sonst, und Arthur, sein gutes Schwert am Gurt, schritt über den Rasen, der vor des Landammannes Wohnung lag.

Die Sonne küßte eben die Spitze der Gewaltigsten unter den Bergen, während das Gras unter des Jünglings Füßen noch im Schatten lag. Allein Arthur blickte nicht auf. Nachdem er eilig die Felder und das Gehölz durchschritten, die des Landammanns Behausung von der alten Feste Geierstein trennten, trat er in den Burghof von der Seite ein, von wo aus das Schloß das ebene Land überblickte; und in demselben Augenblick zeigte sich auch schon sein fast riesenhafter Gegner, der im bleichen Morgenlicht noch länger und stärker erschien als am Abend vorher. Er schritt über die gefährliche Brücke, die über dem Waldstrom hing; denn er hatte einen andern Weg als der Engländer benutzt.

Der junge Kämpe aus Bern trug über den Schultern eines jener ungeheuren doppelgriffigen Schwerter, deren Klinge fünf Fuß Länge maß, und die mit beiden Händen geschwungen wurden. Diese Schwerter waren bei den Schweizern fast allgemein gebräuchlich. Die Spitze schlug gegen seine Ferse, der Griff aber ragte noch ein gutes Stück über seinen Kopf hinaus. Ein zweites Schwert gleicher Gattung trug er in der Hand. – »Du bist pünktlich,« rief er Arthur Philippson mit einer Stimme zu, die das Gebrause des Wasserfalles übertönte. »Aber ich konnte mir's wohl denken, daß Du ohne doppelgriffiges Schwert kommen würdest. Hier ist das meines Vetters Ernst,« setzte er hinzu, indem er die Waffe, die er in der Hand trug, so auf den Boden hinwarf, daß das Heft dem jungen Engländer zugekehrt dalag. »Sieh zu,« fuhr er fort, »Fremdling, daß Du es nicht entweihest, denn mein Vetter würde Dir das nimmer verzeihen. Oder Du kannst auch das meinige bekommen, so es Dir lieber sein sollte.«

Der Engländer blickte mit einiger Ueberraschung auf die ihm ganz fremde Waffe. »In allen Ländern,« sprach er, »wo man die Ehre kennt, ficht der Herausforderer mit der Waffe des Geforderten.«

»Wer auf einem Schweizerberg kämpft, ficht mit einem Schweizer Flamberg,« antwortete Rudolf. »Denkst Du, unsere Hände verstehen sich auf die Handhabung von Federmessern?« – »Und die unsrigen verstehen sich nicht darauf, Riesenschwerter zu schwingen,« sagte Arthur. – »Reut Euch der Tausch mit dem Handschuh?« fragte der Schweizer, »wenn dem so ist, so fleht um Gnade, und Ihr könnt unversehrt heimkehren.« – »Nimmer, hochfahrender Mensch,« erwiderte der Engländer, »bitte ich Dich um Gnade. Ich dachte soeben nur an einen Kampf zwischen einem Hirten und einem Riesen, in welchem Gott demjenigen den Sieg verlieh, der noch schlechtere Waffen hatte, als mir an diesem Tage zugefallen sind. Ich will fechten, so wie ich hier stehe, mein eigenes gutes Schwert soll auch mir jetzt in meiner Not dienen, wie es seither getan.« »Es sei! doch schilt mich nicht, denn ich habe Dir gleiche Waffen angeboten,« sagte der Bergbewohner, »Und jetzt höre mich an. Dies ist ein Kampf um Leben und Tod – jener Wasserfall donnert den Schlachtgesang zu unserm Gefecht. – Ja, alter Brüller!« fuhr er fort, indem er sich umsah, »es ist lange her, daß Du kein Kampfgetöse vernahmst, – und Du, Fremdling sieh ihn Dir an, bevor wir beginnen; denn so Du fällst, übergebe ich Deinen Leichnam seinen Fluten.«

»Und so Du fällst, stolzer Schweizer,« antwortete Arthur, »da Deine Anmaßung Dir wohl zum Verderben gereichen dürfte, so will ich Dich in der Kirche zu Einsiedeln bestatten lassen, wo der Priester eine Messe für Deine Seele lesen soll. Dein doppelgriffig Schwert soll über Deinem Grabe aufgehängt werden, und eine Schrift dem Wanderer berichten: Hier liegt ein junger Bär aus Bern, den Arthur, der Engländer, erschlug.« – »Im ganzen Schweizerlande, wieviel Felsen es auch hat,« entgegnete Rudolph spöttisch, »findet der Stein sich nicht, der solche Inschrift tragen wird. Schicke Dich an zum Kampfe!«

Der Engländer warf einen ruhigen und erwägenden Blick rings auf den Kampfplatz – einen Burghof, der zum Teil frei lag, zum Teil mit größeren oder kleineren Trümmerhaufen bedeckt war. »Mich dünkt,« sprach er zu sich selbst, »ein Meister seiner Waffe, der in Florenz das Fechten gründlich gelernt hat, ein freies Herz, eine gute Klinge, eine feste Hand und eine gerechte Sache mögen es wohl aufnehmen mit zwei Fuß geschliffenen Stahles.«

Rudolf hatte anfänglich geglaubt, sein Gegner wäre ein weibischer Gesell, der vor ihm weichen würde, sobald er seine fürchterliche Waffe entblößte und schwänge. Allein die feste, und wachsame Stellung, die der Jüngling eingenommen hatte, erinnerte den Schweizer an die Mangelhaftigkeit seines eigenen unhandlichen Kampfgeräts, und er nahm sich vor, jede Uebereilung zu vermeiden, durch die seinem anscheinend ebenso kühnen wie umsichtigen Feinde ein Vorteil erwachsen konnte. Er zog sein ungeheures Schwert aus der Scheide – eine Arbeit, die etwas Zeit erforderte und seinem Gegner einen furchtbaren Vorteil gewährt hätte, wenn Arthur als Mann von Ehrgefühl es nicht verschmäht hätte, einen noch nicht zum Kampf gerüsteten Gegner anzugreifen. Der Engländer blieb unbeweglich stehen, bis der Schweizer seinen breiten, in der Morgensonne blitzenden Flamberg drei oder viermal geschwungen hatte, als wollte er dessen Gewicht und seine Gewandtheit erproben. Dann stellte der Schweizer sich auf Schwerteslänge seinem Feinde gegenüber, ergriff die Waffe mit beiden Händen und trat auf ihn zu, indem er die Klinge gerade ausgestreckt hielt. Der Engländer dagegen hatte sein Schwert in einer Hand und hielt es quer vors Gesicht, so daß er zu gleicher Zeit zu Stich, Stoß und Abwehr bereit war.