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Indem er dies sagte, wendete er sich um einen Felsenvorsprung, und ein unerwarteter Auftritt stellte sich den Blicken des jungen Engländers dar. – In einer Art von Schlucht, die von dem Felsenvorsprung verdeckt war, brannte ein großes Holzfeuer, und um dasselbe her saßen, lehnten oder lagen zwölf bis fünfzehn Schweizerjungen, in ihrer Landestracht, an der Stickereien und Verbrämungen im Lichte des flackernden Feuers blitzten. Derselbe Schimmer wurde von silbernen Bechern zurückgeworfen, die nebst den Flaschen, aus denen sie gefüllt wurden, von Hand zu Hand gingen. Auch konnte Arthur die Reste eines Banketts wahrnehmen, dem man erst kürzlich schuldige Ehre erwiesen hatte.

Die Zecher fuhren freudig auf, als sie den von Donnersberg und dessen Gefährten erblickten, und begrüßten herzlich und lebhaft ihren Hauptmann, wobei sie jedoch alles Lärmen vermieden. Der Eifer deutete an, daß Rudolf höchst willkommen war, – die Vorsicht, daß er im geheimen kam und mit Rücksicht darauf empfangen werden müßte. Auf die allgemeine Begrüßung antwortete Rudolf: »Ich danke Euch, meine wackeren Kameraden. – Ist Rüdiger schon zu Euch gestoßen?« – »Du siehst, nein!« sagte einer aus der Schar; »wäre er gekommen, so hätten wir ihn bis zu Deiner Ankunft, Hauptmann, zurückgehalten,« – »Er hat gezögert auf seiner Runde,« sprach der Berner. »Auch wir wurden aufgehalten, doch sind wir eher hier als er. Ich bringe Euch, Kameraden, den braven Engländer mit, den ich Euch als wünschenswerten Genossen unseres kühnen Planes empfahl.«

– »Er ist uns willkommen, höchst willkommen,« sagte ein junger Mann, dem die reichverbrämte himmelblaue Kleidung einen Anstrich von Ueberlegenheit über die anderen verlieh; »höchst willkommen, wenn er ein Herz und eine Hand zu unserm edlen Vorhaben mitbringt.« – »Für beides stehe ich ein,« sagte Rudolf. »Laßt also den Becher kreisen auf glücklichen Ausgang unseres rühmlichen Unternehmens und auf die Wohlfahrt unseres neuen Gefährten!«

Während die Lagernden die Becher mit einem Weine füllten, der jeden andern, den Arthur in diesem Lande getrunken hatte, an Güte übertraf, hielt er es für klüglich, ehe er Zusage gäbe, sich über den geheimen Zweck der Gesellschaft zu befragen, die so großes Verlangen zu tragen schien, ihn unter sich aufzunehmen. – »Solltest Du ihn hierhergebracht haben,« fügte daraufhin der Blaugekleidete zu Rudolf, »ohne zuvor Dich darüber mit ihm auseinanderzusetzen?« – »Sei deswegen unbesorgt, Lorenz,« versetzte der Berner. »Ich kenne meinen Mann. Sei es Euch denn kund, mein guter Freund,« fuhr er, zu dem Engländer gewendet, fort, »daß meine Genossen und ich entschlossen sind, die Freiheit des schweizerischen Handels zu erklären und im Notfall bis zum Tode allen gesetzlosen und bedrückenden Forderungen unserer Nachbarn Widerstand zu leisten.« – »So ich recht vernahm,« sagte Arthur Philippson, »so zieht die gegenwärtige Gesandtschaft zum Herzog von Burgund, um Vorstellungen über diesen Gegenstand zu machen.« – »Hör mich an,« erwiderte Rudolf. »Die Sache wird zu einer blutigen Entscheidung kommen, noch ehe wir des Herzogs von Burgund erhabenes und gnädiges Angesicht erblicken. Daß auf seinen Einfluß hin uns Basel verschlossen blieb, heißt uns den schlimmsten Empfang erwarten, sobald wir seine Staaten betreten. Wir haben sogar Ursache, zu glauben, daß sein Haß sich schon hier gegen uns wenden wird. Wenn man uns auch bei Nacht nicht angriff, müssen wir am Tage desto mehr auf unserer Hut sein. Zu diesem Zweck hat eine Schar der tapfersten Jünglinge von Basel, entrüstet über die Feigheit ihrer Obrigkeit, sich entschlossen, zu uns zu stoßen, um die Schmach zu tilgen, die ihre Vaterstadt mit ihrer feigherzigen Ungastlichkeit auf sich lud,« – »Und das soll geschehen, bevor die Sonne, die in zwei Stunden aufgehen wird, wieder am Abendhimmel niedersinkt,« sagte der blaue Kämpe; und ernsten Blickes stimmten die Umringenden in seine Rede ein.

»Werte Männer,« sprach Arthur, als eine Pause eingetreten war, »laßt mich Euch zu bedenken geben, daß die Gesandtschaft, die Ihr geleitet, von friedlicher Art ist, und daß daher die Geleitsmänner dieser Gesandtschaft alles vermeiden müssen, was den Zwiespalt vergrößern könnte, den zu schlichten sie sich aufgemacht hat. Ihr könnt nicht voraussetzen, in des Herzogs Landen übel aufgenommen zu werden, da die Rechte der Gesandten in allen geregelten Staaten in Ehren gehalten werden.« – »Dennoch dürfte man uns übel anlassen,« versetzte der Berner, »und zwar gerade Euret- und Eures Vaters wegen.«– »Ich verstehe Euch nicht,« antwortete Philippson. – »Ist Euer Vater nicht ein Handelsmann,« entgegnete Donnersberg, »und führt er nicht Waren von hohem Werte mit sich?« – »So ist es allerdings,« sagte Arthur, »allein was soll das?« – »Ei,« antwortete Rudolf, »daß wir aufpassen müssen, daß der Grenzhund des Burgunders nicht über Euch herfalle und sich zum Erben Eurer Seiden, Sammete und Juwelen erkläre!«

»Werte Herren,« äußerte sich Arthur nach einem Momente des Ueberlegens, »jene Waren sind meines Vaters Eigentum und an ihm, nicht an mir ist es, auszusprechen, wieviel er davon als Durchgangszoll hergeben will, um jedem Hader aus dem Wege zu gehen. Ich kann nur sagen, er hat wichtige Geschäfte am Hofe des Herzogs von Burgund und wünscht, dieses Land bald und im Frieden mit aller Welt zu erreichen. Daher wird er, um Euch nicht in Streit mit Archibald Hagenbach und der Besatzung von La Ferette zu bringen, lieber alles hergeben, was er bei sich führt. Deshalb, meine Herren, muß ich Euch um Frist bitten, um meinen Vater über diesen Punkt zu Rate zu ziehen, und versichere Euch zu gleicher Zeit, wenn es sein Wille ist, dem Burgunder die Zahlung jener Gefälle zu verweigern, so sollt ihr an mir einen Mann finden, der fest entschlossen ist, bis auf den letzten Tropfen seines Blutes zu fechten,« – »Gut, König Arthur,« sagte Rudolf. »Du bist ein pflichtgeübter Beobachter des vierten Gebotes, und Du wirst lange leben auf Erden. Wenn Dein Vater nichts dagegen hat, von Archibald von Hagenbach, dessen Schere, wie er finden wird, trefflich schneidet, seine Wolle scheren zu lassen, so würde es unnötig und unhöflich von uns sein, uns ins Mittel zu schlagen. Unterdessen habt Ihr aber auch vernommen, daß, wenn es Hagenbach auch gelüsten sollte, Euch ans Leben zu gehen, eine tüchtige und zahlreiche Mannschaft bereit ist, Euch Beistand zu leisten.« –

»Unter diesen Bedingungen,« sagte der Engländer, »will ich mit diesen Herren von Basel, oder aus welchem anderen Lande sie immer gekommen sein mögen, Bekanntschaft schließen, und ihnen in einem brüderlichen Becher fröhlich Bescheid tun!« – »Heil und Gedeihen den vereinigten Kantonen und deren Freunden!« antwortete der Blaue. »Und Tod und Verderben allen übrigen! Die Geschichte soll nacherzählen, daß die jetzt lebenden Schweizer die Freiheit zu bewahren wissen, die ihre Altvordern errangen. Setzt Eure Runde fort, ehrlicher Rudolf. Die Mannschaft wird auf jedes Zeichen, das der Hauptmann gibt, sich einstellen. – Alles bleibt beim alten, so Ihr nicht neue Befehle für uns habt.«

»Hör nur, Lorenz,« sagte Rudolf zu dem Blauen, und Arthur konnte hören, daß er leise zu ihm sprach. »Trage, Sorge, Freund, daß der Rheinwein nicht vergeudet werde. Laß hierin dem Rüdiger den Willen nicht. Er ist ein Weinschlemmer geworden, seit er mit uns ist. Wir müssen zu dem, was uns morgen obliegt, Herz und Hand auf dem rechten Fleck haben.«

Darauf schritten Rudolf und sein Fähnlein wieder fürbaß, doch sie waren kaum aus dem Gesichtskreis ihrer zurückgebliebenen Genossen, als der Vorderste ein Lärmzeichen gab. Arthurs Herz wollte sich auf seine Lippen drängen. »Es ist Anna von Geierstein!« sprach es in seinem Innern. – »Die Hunde sind still,« sagte der Berner. »Es müssen unsere Wachtgefährten sein.« – Sie erkannten auch sofort Rüdiger mit seinen Begleitern, die beim Anblick ihrer Genossen Halt machten und die gewöhnlichen Zeichen abgaben und empfingen. Arthur konnte vernehmen, wie Rudolf seinen Freund Rüdiger ermahnte, nicht mehr zu dem oben beschriebenen Versammlungsort zu gehen. »Es führt nur zu einer Schmauserei,« sagte er, »und der Morgen muß uns kalt und entschlossen finden.« – »Kalt wie ein Eisklumpen, edler Hauptmann,« antwortete der Sohn des Landammanns, »und fest wie ein Felsen.« Rudolf riet ihm nochmals Mäßigkeit an, und der junge Biedermann gelobte Gehorsam. Die beiden Häuflein schritten mit freundlicher, jedoch schweigender Begrüßung aneinander vorüber; und bald lag ein bedeutender Raum zwischen ihnen.