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»Daß Ihr ein verwegener Raufbold seid,« dachte Glossin, fragte aber laut weiter: »Wer von Euch hat den Hazlewood angeschossen?«

»Ei, meint Ihr denn, wir seien toll? Von uns keiner. Nach dem dummen Streiche, den Brown bei Woodbourne gemacht, war's aus hier für uns –«

»Nun, Brown soll ja den Hazlewood angeschossen haben.«

»Nicht unser Leutnant, das kann ich Euch versichern. Der lag schon sechs Fuß tief unter Derncleugher Erde tags vorher, ehe das passierte.«

Jetzt ging Glossin mit einemmale ein Licht auf ... »Sagtet Ihr nicht, der Junker, wie Ihr ihn nennt, hieße Brown?«

»Ja, Vanbeest Brown. Der alte Vanbeest Brown hat ihm seinen Namen gegeben.«

»Dann, meiner Sixen!« rief Glossin, sich die Hände reibend, »dann ist er's auch, der das Verbrechen begangen hat.«

»Was geht's uns an!« versetzte Hatteraick.

Glossin schwieg und schmiedete nun an der Hand solch ausgiebiger Hilfe seinen Plan, rückte auch dem Schleichhändler gleich vertraulich näher ... »Ihr wißt, lieber Hatteraick, vor allen Dingen ist's notwendig für uns beide, den jungen Menschen uns vom Leibe zu schaffen.«

»Hm!« machte der Schleichhändler.

»Es soll mir ferne sein, ihm Böses zu wünschen,« sagte Glossin wieder, »wenn – wenn es auf andere Art geschehen kann. Aber weil er den gleichen Namen mit Eurem Leutnant führt, der in die Geschichte bei Woodbourne verwickelt war, und ferner, weil er den Hazlewood angeschossen hat, könnte es sich doch machen, daß er hinter Schloß und Riegel kommt.«

»Aber was soll das Euch helfen? Er muß doch wieder herausgelassen werden, so bald er seine andere Flagge bekennt.«

»Ganz recht, Freund Hatteraick! Aber zu einstweiliger Verhaftung wird's doch kommen, und die wird so lange dauern, bis er aus England, oder sonst woher, Ausweise bekommt. Ich weiß doch, Kapitän, wie es in unserm Rechtsstaate zugeht, und lasse mich auf keine Bürgschaft ein, und wenn er mit der besten und sichersten anträte, bis er das zweite Verhör passiert hat – nun, wo denkt Ihr wohl, daß ich ihn einsperren lassen will?«

»Was geht's mich an!« rief Hatteraick wieder.

»Oho, Kamerad, viel, sehr viel! Ihr wißt, daß Euer konfisziertes Gut im Zollhause zu Portanferry, der kleinen Fischerstadt, liegt. Ins Arbeitshaus, nahe beim Zollhause, sperr ich ihn ein! Die Soldaten sollen über Land marschieren, dafür will ich sorgen. Ihr landet dort in der Nacht, holt Euch Euer Gut und nehmt den Junker Brown mit nach Blissingen ... He?«

»Ja, oder mit nach Amerika?«

»Wohin Ihr wollt,« versetzte Glossin.

»Oder – werfe ihn über Bord?«

»Nein, zu Gewalttätigkeit mag ich nicht raten.«

»Nun, das überlaßt nur mir! In dieser Hinsicht kenne ich Euch von alter Zeit her – aber sagt mir' bloß, was hab' ich davon?« fragte Hatteraick.

»Ist's denn Euer Vorteil nicht so gut wie der meinige? Und habe ich Euch nicht heute morgen in Freiheit gesetzt?«

»Ihr mich? Das habe ich mir selbst zu danken.«

»Keine dummen Späße, Dirk! Noch einmal, es geht Euch an so gut wie mich,« sagte Glossin.

»Was schwatzt Ihr bloß immer von mir? Habt denn nicht Ihr dem Junker sein ganzes Erbe genommen? In meine Hände ist doch von all seinem Gute kein Heller gekommen.«

»Still, still! Diesmal geht's halbpart mit dem Gewinne!«

»So? Halbpart soll's gehen? Das Gut auch?«

»Was? das Gut auch? Aber was sind das für Ideen! Wir können doch nicht zusammen in Ellangowan wohnen.«

»Aber den halben Wert könnt Ihr mir auszahlen! Mit Euch zusammen wohnen? Nein! das mag ich nicht. Ich kaufe mir eine Villa in Middleburg und einen Blumengarten – und dann soll mich kein Bürgermeister mehr scheren!«

»Ja, mit einem hölzernen Löwen vor der Tür und einer gemalten Schildwache im Garten mit einer Pfeife im Munde. Aber, Hatteraick, was können Euch all Eure Lusthäuser und Blumengärten in Holland nützen, wenn Ihr hier in Schottland an den Galgen kommt?«

»An den Galgen?« wiederholte Hatteraick, und sein Gesicht legte sich in finstre Falten.

»Freilich, Kapitän! Vor dem Schicksal, als Mörder und Kindsräuber den Galgen zu zieren, bewahrt Euch kein Teufel, sobald der junge Bertram wiederkommt und der tapfere Hauptmann einmal bei seinem Handel erwischt wird. Man schwatzt ja viel von Frieden, und wer weiß, ob Euch die General-Staaten nicht, ihren neuen Bundesgenossen zu gefallen, am Ende gar ausliefern möchten, selbst wenn Ihr Euch in der Heimat sicher fühlen solltet.« – Glossin schwieg hinterhältig.

»Alle Schock Teufel! mir kommt's fast vor, als ob Ihr recht hättet!« rief Hatteraick.

»Meint aber ja nicht, ich wollte unhöflich sein,« erwiderte Glossin, als er sah, daß seine Worte ihre Wirkung nicht verfehlten, und ließ eine Banknote in Hatteraicks Hände gleiten.

»Ist das alles?« brummte der Schleichhändler. »Ihr habt als Schweigegeld den Wert einer halben Ladung bekommen – und dabei mußten wir uns um alles Weitere selbst kümmern!«

»Aber, Freundchen, Ihr vergeßt, daß Ihr doch Euer Gut wiederbekommen sollt!«

»Ja, doch auf die Gefahr hin, mir den Hals dabei zu brechen? Dazu brauchen wir Euch, Schockschwerenot, doch nicht!«

»Das bezweifle ich doch, Kapitän. Ein Dutzend Rotröcke dürftet Ihr ohne meine Hilfe ganz sicher im Zollhause finden. Laßt Euch zureden. Ich will so freigebig sein, wie nur möglich, aber ganz ohne Gewissen dürft Ihr auch nicht sein!«

»Macht mich nicht wild!« rief Hatteraick – »Ihr raubt und mordet, und laßt mich für Euch rauben und morden und den Seelenverkäufer machen – und nun redet Ihr mir von Gewissen! Könnt Ihr Euch den Jungen nicht auf bequemere Weise vom Halse schaffen?«

»Nein, auf keine andere Weise als daß ich ihn Euch überlasse,« versetzte Glossin.

»Mir? Ha, das heißt ihn ans Messer liefern! Nun – wenn's sein muß, so muß es sein; aber erraten könnt Ihr es, was daraus werden kann.«

»Mein Lieber, hoffentlich wird solche Härte nicht von nöten sein,« meinte Glossin wieder hinterhältig.

»Härte?« wiederholte Hatteraick in einem Tone, der sich wie ein Seufzer anhörte. – »Ich wollte, Ihr hättet geträumt, wie ich, als ich wieder in dieser verdammten Höhle steckte und mich auf dem dürren Seegrase zum Schlafen hinstrecken wollte. Da sah ich den Mann in seinem Blute – mit dem gebrochenen Rückgrate und dem Felsblock daneben, den ich auf ihn gewälzt hatte – ha! geschworen hättet Ihr, er läge da, wo Ihr steht, und zuckte wie ein von einem Fußtritt zermalmter Frosch –«

»Was soll der Unsinn!« fiel ihm Glossin ins Wort. »Wenn Ihr zum Hasenfuß geworden, dann freilich ist das Spiel aus; aber dann auch mit uns beiden!«

»Zum Hasenfuß? Nein! ich habe nicht darum gelebt, daß ich am Ende zittern sollte.«

»Wohlan, trinken wir noch eins! Ihr habt Euch das Herz noch nicht erwärmt, merk' ich. – Und nun sagt mir, was ist aus Eurer alten Mannschaft geworden?«

»Tot, alles tot, gehängt, ertrunken, im Zuchthaus! Brown war der letzte. Nur Zigeuner Gabriel ist noch da. Aber der wird auch wohl ruhig sitzen, um seinetwillen, oder wegen seiner Muhme, der alten Meg.«

»Wer ist das?«

»Meg Merrilies, die alte Teufelsbrut von einer Zigeunerhexe,« antwortete Hatteraick.

»Die lebt noch? und ist hier im Lande?«

»Ja hier. Sie war neulich in Derncleugh, mit zwei von meinen Leuten und einigen Zigeunern.«

»Wieder ein Quälgeist mehr, Hauptmann. Wird sie nicht petzen?« fragte lauernd Glossin.

»Die nicht, Sie hat uns hoch und teuer geschworen, wenn wir dem Jungen nichts zuleide täten, so wollte sie nichts vom Zöllner sagen. Ich hab ihr im Gefecht einen Hieb über den Arm gegeben, und sie hat lange sitzen müssen, wie Ihr wißt, und doch war sie treu wie Stahl.«

»Ihr habt recht. Aber besser wär es doch, wenn Ihr sie mit nach Zeeland nehmen könntet, oder –«